Militärattaché

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Deutscher Verteidigungsattaché mit U.S. Navy Kommandeur nach Unterzeichnung eines Dokuments

Ein Militärattaché (Sammelbegriff für Verteidigungsattaché, Heeresattaché, Luftwaffenattaché, Marineattaché und Wehrtechnischer Attaché) ist ein militärischer Experte, üblicherweise, aber nicht zwingend ein Berufsoffizier, der einer diplomatischen Mission zugeordnet (frz. attacher) ist und damit diplomatischen Status besitzt.

Aufgaben und Tätigkeiten[Bearbeiten]

So wie andere Entsandte in einer Botschaft die Leiter ihrer jeweiligen Ressorts (soweit vorhanden), repräsentiert der Militärattaché in erster Linie den Verteidigungsminister im Gastland. Dabei ist er zugleich erster Berater des Botschafters bei allen Belangen der Militär- und Verteidigungspolitik des Gastlandes, den Entwicklungsstand der Streitkräfte, der Rüstungsindustrie sowie mit diesen Gebieten verbundenen Themen. Er führt Analysen und Lagebeurteilungen durch, nimmt an Konferenzen und Truppenbesichtigungen teil und ist Ansprechpartner für die eigenen Streitkräfte vor Ort. Zusammen mit seiner Familie engagiert er sich wo immer möglich an sportlichen, karitativen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen und leistet damit einen Beitrag zum positiven Wahrnehmungsbild seiner Nation in der Welt. Die Grenzen zwischen der Wahrnehmung diplomatischer Interessen im Gastland und unerlaubter Tätigkeit, insbesondere auch Spionage, sind nicht immer klar zu ziehen. Von jeher werden vereinzelt Militärattachés beziehungsweise deren diplomatische Mitarbeiter wegen Verdachts der Spionage zu einer persona non grata (lateinisch unerwünschte Person) erklärt und aus den Gastländern ausgewiesen. Nachrichtendienstliche Tätigkeit der Militärattachés wird vor allem in den Fällen vom Gastland als unfreundlicher Akt empfunden, wenn es sich um offiziell Verbündete handelt.

An vielen Botschaften sind die Militärattachés für mehrere Länder in Haupt- und Nebenakkreditierung zuständig.

Nationales[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wird ein Militärattaché jeweils in Abhängigkeit seiner Aufgabenstellung als Verteidigungs-, Heeres-, Luftwaffen-, Marine- oder Wehrtechnischer Attaché bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurden Militärattachés in einigen deutschen Staaten Militärbevollmächtigte genannt.[1]

Sie werden vom Bundesministerium der Verteidigung zum Auswärtigen Amt abgeordnet und von diesem an eine deutsche Botschaft entsandt. An deutschen Botschaften mit Militärattachés ist eine Arbeitseinheit Militärattachéstab, die vom Verteidigungsattaché geführt wird, eingerichtet. An den vier deutschen Groß-Botschaften (Washington, D.C., London, Paris und Moskau) ist diese Arbeitseinheit eine Abteilung. Neben dem Verteidigungsattaché wird einem Militärattachéstab mindestens noch ein Unteroffizier mit Portepee als Büroleiter sowie zumeist ein(e) Fremdsprachenassistent(-in) zugeordnet. Militärattachéstäbe gibt es nicht an allen Botschaften. Eine weitere Aufgabe ist die Beratung von Interessenten für Arbeit und Dienst bei der Bundeswehr. In allen Angelegenheiten des Bundesministeriums der Verteidigung berichtet er diesem direkt.

Deutsche Militärattachés sind ein Mittel der Nachrichtengewinnung. Sie analysieren dabei mediale Veröffentlichungen innerhalb ihrer Expertise und führen Gespräche mit Angehörigen der Streitkräfte des Gastlandes, so dass sie über Stimmungen im Gastland sicher berichten können. Diese Tätigkeit ist deutlich zu trennen von nachrichtendienstlicher Erkenntnisgewinnung. Diese geschieht für gewöhnlich außerhalb von offiziellen oder legalen Quellen und wird von deutschen Militärattachés nicht ausgeübt.

Das Personalamt der Bundeswehr wählt in einer gemeinsamen Konferenz mit Teilnehmern des Auswärtigen Amtes die Militärattachés nach Kriterien aus, die auf das Anforderungsprofil eines Diplomaten und Repräsentanten Deutschlands im Ausland stark ausgerichtet sind. Die Leitungsebene des Bundesministeriums der Verteidigung bestätigt dann diese Auswahl. Die designierten Militärattachés erhalten eine 17-wöchige Fachausbildung, deren Inhalte eng mit dem Auswärtigen Amt abgestimmt sind. Je nach Gastland und individuellen Sprachkenntnissen findet eine bis zu zwei Jahren dauernde Sprachausbildung, meist beim Bundessprachenamt in Hürth, statt. Militärattachés sind grundsätzlich Stabsoffiziere im Generalstabsdienst der Bundeswehr (wenige nach A 14, die überwiegende Anzahl nach A 15 und A 16 besoldet) oder an den Groß-Botschaften auch Brigadegenerale (Besoldungsstufe B 6). Neben den Soldaten gibt es auch Wehrtechnische Attachés, die mit zivilen Mitarbeitern (Besoldungsgruppe A 13 - A 16, Technischer Regierungsrat, -Oberregierungsrat, - Regierungsdirektor oder Leitender Technischer Regierungsdirektor) besetzt werden. In das Ausland versetzte Angehörige der Bundeswehr erhalten für ihren Dienst neben den Inlandsdienstbezügen nach dem Bundesbesoldungsgesetz (wie andere an Botschaften tätige Beamte) Auslandsdienstbezüge (evtl. auch Auslandskinderzuschlag und Mietzuschuss) und Dienstposteninhaber mit erhöhtem Repräsentationsaufwand darüber hinaus eine Aufwandsentschädigung. Daneben können, wie bei anderen in das Ausland versetzten Soldaten, ein Kaufkraftausgleich (siehe u. a. Weblink) und Reisebeihilfen für Familienheimfahrten gewährt werden. Die Fachaufsicht über den Deutschen Militärattachédienst hat das BMVg, Abteilung SE I 4, bundeswehrspezifische Belange werden im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) durch das Streitkräfteamt wahrgenommen. Grundsätzlich unterstehen die Angehörigen der Militärattachéstäbe sowohl dem Auswärtigen Amt und somit dem Botschafter als auch dem BMVg. Sie sind damit zugleich Angehörige des Auswärtigen Amts und des BMVg.

Zurzeit sind in rund 130 Ländern deutsche Militärattachés akkreditiert. An 65 Botschaften sind knapp 200 deutsche Soldaten und Wehrtechnische Attachés eingesetzt.[2].

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Deutschland:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 186.
  2. .Heike Pauli: 50 Jahre Zentralkonferenz der deutschen Militärattachés. In: Aus der Sicherheitspolitik. Bundesministerium der Verteidigung, 28. April 2011, abgerufen am 21. Dezember 2013.
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