Millard Fillmore

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Millard Fillmore
Unterschrift von Millard Fillmore

Millard Fillmore (* 7. Januar 1800 im Cayuga County, New York; † 8. März 1874 in Buffalo, New York) war ein US-amerikanischer Politiker der Whig Party und vom 9. Juli 1850 bis zum 4. März 1853 der 13. Präsident der Vereinigten Staaten.

Leben[Bearbeiten]

Früher Werdegang und politischer Aufstieg[Bearbeiten]

Millard Fillmore wurde am 7. Januar 1800 in einem Blockhaus im Cayuga County als eines von acht Kindern geboren. Er war der Zweitgeborene und der älteste Sohn des Farmers Nathaniel Fillmore. Die Mutter war Phobe Millard. Beide waren vor seiner Geburt aus Vermont nach Upstate New York übersiedelt. Fillmore besuchte als Kind nur unregelmäßig die Schule, weil er bei der Bewirtschaftung des kargen Landes helfen musste. Im Teenageralter übergab ihn sein Vater gegen Auszahlung einer geringen Geldsumme in ein Ausbildungsverhältnis als Schneider in einer 100 Meilen entfernten Ortschaft. Die harte, ausbeuterische Züge aufweisende Arbeit verabscheute Fillmore, und er lieh sich 30 US-Dollar, um sich aus der Ausbildung freizukaufen. Er kehrte zu seiner Familie zurück. Dort bemühte er sich um Weiterbildung, las viel und besuchte eine Schule in einem nahegelegenen Ort. Insbesondere die Lehrerin und seine spätere Gattin Abigail Powers, welche nur zwei Jahre älter als er war, ermutigte ihn in seinem Bildungsstreben und lieh im Bücher. Sein Vater konnte ihm eine Schreiberstelle bei einem lokalen Richter vermitteln, mit der eine Ausbildung in Recht verbunden war. Im Jahr 1819 verlobten sich Fillmore und Powers.[1]

Kurz darauf ging er nach Hope. 1819 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und schloss dieses 1823 in Buffalo ab. Danach war er als Jurist tätig. Im Jahr 1834 gründete er eine Anwaltskanzlei im Westen des Staates New York.

Sein politisches Wirken begann 1828, als er zum Abgeordneten in der New York State Assembly gewählt wurde, wo er bis 1831 ein Mandat für die Anti-Masonic Party innehatte. Danach wurde er mehrere Male als Whig in den Kongress gewählt. Im Jahr 1844 kandidierte er als Gouverneur von New York, unterlag aber dem Demokraten Silas Wright mit 47:49 Prozent der Stimmen. Ab dem 1. Januar 1848 fungierte er als New York State Comptroller.

Vizepräsidentschaft (1849–1850)[Bearbeiten]

Wahlplakat der Whigs zur Präsidentschaftswahl 1848

Bereits für die Präsidentschaftswahl 1844 war Fillmore als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat der Whigs im Gespräch. Seine Partei nominierte ihn schließlich vier Jahre später für dieses Amt. Bei der Präsidentschaftswahl 1848 wurde er dann an der Seite von Zachary Taylor zum amerikanischen Vizepräsidenten gewählt, ein Amt, das er am 4. März 1849 antrat. Taylor, ein populärer General aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg, war Fillmore vor der eigentlichen Wahl im November 1848 nie begegnet, dennoch wurde Fillmore von seiner Partei als Mitkandidat ins Rennen geschickt, um das Ticket der Whigs zu kompensieren und um für den politisch unerfahrenen Taylor seinen Heimatstaat New York zu gewinnen.

Insbesondere in der Frage, ob die Südstaaten weiterhin Sklaven halten dürften oder nicht, und der damit verbundenen Gefahr der Sezession stimmte er mit Präsident Taylor nicht überein. Der Präsident wollte jegliche Ausdehnung der sklavenhaltenden Staaten um jeden Preis verhindern. Fillmore war zwar ebenfalls kein Anhänger der Sklaverei, doch wollte er vor allem dem Süden keinen Anlass zur Abspaltung geben. Ansonsten wurde er während der 16 Monate seiner Vizepräsidentschaft kaum in die Regierungsgeschäfte der Taylor-Administration miteinbezogen, obwohl er zum Teil gute Kontakte ins Repräsentantenhaus hatte. Auch bei der Ämterbesetzung für seinen Heimatstaat New York wurde sein Rat von Seiten Taylors und dessen Kabinetts nicht ersucht.[2]

Präsidentschaft (1850–1853)[Bearbeiten]

Offizielles Portrait von Millard Fillmore im Weißen Haus

Präsident Taylor starb am 9. Juli 1850 unerwartet, woraufhin Fillmore nach der amerikanischen Verfassung das Präsidentenamt für die verbleibende Dauer der laufenden Amtsperiode übernahm. Am 10. Juli 1850 legte er den Eid für sein neues Amt ab. Nach John Tyler im Jahr 1841, neun Jahre zuvor, war er der zweite Vizepräsident, der durch den Tod des Präsidenten selbst in dieses Amt aufrückte.

Seine Amtsübernahme führte aufgrund politischer Differenzen innerhalb weniger Wochen und Monate zum Rücktritt der meisten Minister Taylors und damit zu einer fast vollständigen Neubesetzung des Kabinetts durch Fillmore.

Seine Amtszeit ist vor allem mit zwei Ereignissen verknüpft: Die Expedition von Matthew C. Perry, die 1852 von ihm ausgesandt wurde und 1854 (nach seiner Amtszeit) die Öffnung Japans erzwingen konnte, sowie insbesondere der Kompromiss von 1850.

Der Kompromiss von 1850 war als Mittel gedacht, das Auseinanderfallen der Union zu verhindern. Nach dem Frieden von Guadalupe Hidalgo waren den USA riesige Gebiete im Westen zugefallen. In diesen Gebieten war umstritten, wie mit der Sklaverei umzugehen ist. In Kalifornien setzte währenddessen der Goldrausch ein. Viele Menschen strömten in dieses Gebiet. Am 9. September 1850 wurde der Staat in die Union aufgenommen. Die dortige Bevölkerung entschloss sich, keine Sklaverei zuzulassen. Erste Vorschläge des Vertrages wurden von seinem Vorgänger Zachary Taylor abgelehnt, Fillmore hingegen stellte sich hinter den Kompromiss von 1850, während seiner Vizepräsidentschaft kündigte er an, dass − sollte ein Patt im US-Senat entstehen − er in seiner Rolle als Senatspräsident (was dem Vizepräsidenten zufällt, auch hat dieser nur bei einem Unentschieden Stimmrecht) das entscheidende Votum für den Vertrag abgeben werde. Das Gesetzesbündel unterzeichnete er Mitte September 1850, worunter auch das Fugitive Slave Law of 1850 war, welches die Nordstaaten ohne Sklaverei verpflichtete, entflohene Sklaven wieder in den Süden auszuliefern. Diese Verordnung war seinerzeit Gegenstand heftiger Diskussionen.

Den Südstaaten war so der Weg zum Pazifik abgeschnitten, daher ließen die Nordstaaten zu, dass der Rest des ehemals mexikanischen Gebiets die Sklaverei erlaubte. Ausgehandelt wurde der Kompromiss vom Great Compromiser Henry Clay. Durch den Kompromiss konnte der Ausbruch des Bürgerkrieges noch elf Jahre hinausgeschoben werden.

Fillmore deutete 1851 zunächst an, nicht bei der Präsidentschaftswahl 1852 für eine eigene Amtszeit als Präsident zu anzutreten, entschied sich später aber für eine Kandidatur. Auf dem Parteitag der Whigs im Juni 1852 belegte er bei der Schlussabstimmung den zweiten Platz, wobei Winfield Scott zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde. In vorhergehenden Wahlgängen hatte es ein Patt zwischen Fillmore und Scott gegeben. Der drittplatzierte Daniel Webster hatte sich aber geweigert, seine Delegierten dem Präsidenten für die Nominierung zuzuschlagen. Fillmore hatte sich auch durch seine Haltung im Kompromiss von 1850 und dem von ihm unterzeichneten Fugitive Slave Law of 1850 insbesondere bei Delegierten aus den liberaleren, die Sklaverei überwiegend ablehnenden, nördlichen Bundesstaaten unbeliebt gemacht. Daher stimmten die meisten Delegierten aus den Nordstaaten für General Scott und Fillmore stand somit nicht zur Wiederwahl.[3] Der Whig-Kandidat Scott unterlag dann bei der Wahl im November dem Demokraten Franklin Pierce, der am 4. März 1853 Fillmore im Präsidentenamt ablöste. Mit Millard Fillmore residierte das letzte Mal ein Präsident der Whigs im Weißen Haus. Außerdem ist er dis dato der letzte Präsident, der weder Demokrat noch Republikaner war.

Spätere Jahre[Bearbeiten]

Fillmore in seinen späteren Lebensjahren (nach 1865)

Als wenig nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident seine Frau und seine Tochter starben, unternahm Fillmore eine ausgedehnte Europa-Reise im Jahr 1855. Zur Wahl des Jahres 1856 bewarb er sich nochmals um die Präsidentschaft für die American Party, eine rechte Splittergruppe, die ihn in Abwesenheit zum Kandidaten nominiert hatte. Allerdings wurde er nur Dritter mit 21,6 Prozent der Stimmen; lediglich in Maryland errangen er und sein Running Mate Andrew Jackson Donelson die Mehrheit und damit acht Stimmen im Electoral College. Auch die verbliebenen Teile der Whig-Party scharten sich um Fillmore und nominierten ihn als Präsidentschaftskandidat, wobei sich ein Großteil der Partei inzwischen aufgelöst hatte und die Republikanische Partei bildete. Als Wahlsieger ging jedoch der Bewerber der Demokraten, James Buchanan, hervor.

Im Jahr 1858 heiratete Fillmore mit der wohlhabenden Witwe Caroline McIntosh zum zweiten Mal. Der ehemalige US-Präsident war Mitbegründer der 1862 eröffneten Buffalo Historical Society und deren erster amtierender Präsident. Während des amerikanischen Bürgerkrieges stand er politisch gesehen auf Seiten der Unionsstaaten, jedoch hatte er insbesondere die Politik Präsident Abraham Lincolns abgelehnt. Im April 1865 wurde nach der Ermordung Abraham Lincolns sein New Yorker Haus von einem aufgebrachten Mob, einigen Anhängern Lincolns, mit schwarzer Farbe beschmiert. Während der Reconstruction unterstützte er die Politik des Präsidenten Andrew Johnson.[4]

Millard Fillmore starb am 8. März 1874 im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Fillmore Statue in Buffalo, New York

Der Kompromiss von 1850 und der damit herausgeschobene Beginn des Bürgerkrieges verleihen seiner kurzen Präsidentschaft von 969 Tagen eine gewisse Bedeutung in der amerikanischen Geschichte. Seine Haltung konnte zwar den Erhalt der Union noch für einige Jahre sichern, jedoch traten in Folge seiner Politik und jener seiner Nachfolger weitere gesellschaftliche Spaltungen, gerade in Bezug auf die Sklaverei in den USA, auf. Neue Impulse konnte er dem Amt des Präsidenten hingegen nicht verleihen, wodurch er im 21. Jahrhundert selbst in den Vereinigten Staaten kaum noch bekannt ist.[5][6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 9783406587429
  • Robert J. Rayback: Millard Fillmore: Biography of a President. Buffalo, New York: Buffalo Historical Society, 1959
  •  Paul Finkelman: Millard Fillmore. The American Presidents Series: The 13th President. In: Arthur M. Schlesinger, Jr., Sean Wilentz (Hrsg.): The American Presidents. 1. Auflage. Times Books, New York City 2011, ISBN 9781429923019.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Millard Fillmore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Millard Fillmore – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael F. Holt: Millard Fillmore– Life Before the Presidency. In: Webpräsenz millercenter.org. University of Virginia, abgerufen am 6. Dezember 2013 (englisch).
  2. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 9783406587429 S. 160
  3. Michael F. Holt: Millard Fillmore– Campaigns and Elections. In: Webpräsenz millercenter.org. University of Virginia, abgerufen am 6. Dezember 2013 (englisch).
  4. Michael F. Holt: Millard Fillmore– Life After the Presidency. In: Webpräsenz millercenter.org. University of Virginia, abgerufen am 6. Dezember 2013 (englisch).
  5. Michael F. Holt: Millard Fillmore - Legacy and Impact. In: Webpräsenz millercenter.org. University of Virginia, abgerufen am 6. Dezember 2013 (englisch).
  6. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 9783406587429 S. 162