Millennium-Entwicklungsziele

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Die Millennium-Entwicklungsziele sind eine Initiative der Vereinten Nationen.

Die Millennium-Entwicklungsziele (Englischer Originaltitel: Millennium Development Goals, MDG) der Vereinten Nationen sind acht Entwicklungsziele für das Jahr 2015, die im Jahr 2001 von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, des IWF und dem Entwicklungsausschuss Development Assistance Committee der OECD formuliert worden sind. Sie wurden aus der Millenniumserklärung abgeleitet, die im Rahmen des so genannten Millennium-Gipfels von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Ab 2015 sollen die MDG durch weltweite Sustainable Development Goals (SDG, engl., dt. Nachhaltige Entwicklungsziele) ergänzt werden.[1]

Millennium-Gipfel[Bearbeiten]

Als Millennium-Gipfel (englisch Millennium Assembly) wird die 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen bezeichnet, die vom 6. bis 8. September 2000 in New York stattfand. Auf der bis dahin größten Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs einigten sich die Teilnehmer auf einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Ziel- und Zeitvorgaben und dem übergeordneten Ziel, die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren: den Millennium-Entwicklungszielen. Dabei listete eine politische Bestandsaufnahme der Vereinten Nationen folgende Fakten auf:

  • Zu dem Zeitpunkt lebten über eine Milliarde Menschen in extremer Armut – das heißt, jeder fünfte Mensch hat weniger als den Gegenwert eines US-Dollars (Kaufkraftparität) pro Tag für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung.
  • Mehr als 700 Millionen Menschen hungern und sind unterernährt.
  • Mehr als 115 Millionen Kinder im Volksschulalter haben keine Möglichkeit zur Bildung, d. h. sie können weder lesen noch schreiben.
  • Über einer Milliarde Menschen ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt, mehr als zwei Milliarden haben keine Möglichkeit, sanitäre Anlagen zu nutzen. Diese Menschen haben kaum Chancen, sich an gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Prozessen zu beteiligen.

Millenniumserklärung[Bearbeiten]

Am 9. September 2000 verabschiedeten 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen mit der Millenniumserklärung einen Katalog grundsätzlicher, verpflichtender Zielsetzungen für alle Mitgliedstaaten.[2] Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz wurden als die wichtigsten Ziele der internationalen Gemeinschaft bestätigt. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf dem Kampf gegen die extreme Armut: Armut wurde nicht mehr nur allein als Einkommensarmut verstanden, sondern umfassender als Mangel an Chancen und Möglichkeiten.

Reiche wie auch arme Länder verpflichteten sich, die Armut drastisch zu reduzieren und Ziele wie die Achtung der menschlichen Würde, Gleichberechtigung, Demokratie, ökologische Nachhaltigkeit und Frieden zu verwirklichen.

Im Vergleich zu früheren Entwicklungsdekaden sind die Ziele umfassender, konkreter und mehrheitlich mit eindeutigem Zeithorizont versehen. Außerdem ist zu erwähnen, dass sich nie zuvor neben Regierungen auch Unternehmen, internationale Organisationen, aber auch die Zivilgesellschaft so einstimmig zu einem Ziel bekannt haben und sich einig sind, dass der Ausbreitung der Armut Einhalt geboten werden muss.

Oberstes Ziel war die globale Zukunftssicherung, für die vier programmatische Handlungsfelder festgelegt wurden:

Millenniums-Ziele der Vereinten Nationen[Bearbeiten]

Tafel mit den Millennium-Zielen der Vereinten Nationen im Hauptquartier in New-York
  1. Bekämpfung von extremer Armut und Hunger
    • Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die weniger als den Gegenwert von eineinhalb US-Dollar pro Tag zum Leben haben.
    • Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden.
    • Vollbeschäftigung in ehrbarer Arbeit für alle erreichen, auch für Frauen und Jugendliche.
  2. Primärschulbildung für alle
    • Bis zum Jahr 2015 sicherstellen, dass Kinder in der ganzen Welt, Mädchen wie Jungen, eine Primärschulbildung vollständig abschließen.
  3. Gleichstellung der Geschlechter / Stärkung der Rolle der Frauen
    • Das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarschulbildung beseitigen, möglichst bis 2005 und auf allen Bildungsebenen bis spätestens 2015.
  4. Senkung der Kindersterblichkeit
    • Zwischen 1991 und 2015 Senkung der Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen um zwei Drittel (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent).
  5. Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter
  6. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
    • Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/AIDS zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.
    • Bis 2010 weltweiten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle HIV/AIDS-Infizierten erreichen, die diese benötigen.
    • Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und eine Trendumkehr bewirken.
  7. Ökologische Nachhaltigkeit
    • Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankern und die Vernichtung von Umweltressourcen eindämmen.
    • Den Verlust der Biodiversität verringern, bis 2010 eine signifikante Drosselung der Verlustrate erreichen.
    • Bis 2015 Halbierung des Anteils der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser (von 65 Prozent auf 32 Prozent).
    • Bis 2020 eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern und -bewohnerinnen bewirken.
  8. Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung
    • Weitere Fortschritte bei der Entwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems. Dies umfasst die Verpflichtung zu verantwortungsbewusster Regierungsführung, zu Entwicklung und zur Senkung der Armut - sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
    • Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder. Das beinhaltet den Abbau von Handelshemmnissen, Schuldenerleichterung und -erlass, besondere finanzielle Unterstützung der aktiv um Armutsminderung bemühten Länder.
    • Den besonderen Bedürfnissen der Binnen- und kleinen Insel-Entwicklungsländern Rechnung tragen.
    • Umfassende Anstrengungen auf nationaler und internationaler Ebene zur Lösung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer.
    • In Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern Strategien zur Schaffung menschenwürdiger und sinnvoller Arbeitsplätze für junge Menschen erarbeiten und umsetzen.
    • In Zusammenarbeit mit den Pharmaunternehmen Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln zu erschwinglichen Preisen in Entwicklungsländern gewährleisten.
    • In Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor dafür sorgen, dass die Vorteile neuer Technologien, insbesondere von Informations- und Kommunikationstechnologien, von Entwicklungsländern genutzt werden können.

Messbarkeit[Bearbeiten]

Um die Erreichung dieser Ziele messbar zu machen, legten die Verfasserinnen und Verfasser der Erklärung 20 Unterpunkte und 60 Indikatoren sowie 1990 als Basis- und 2015 als Zieljahr fest. Es ist also möglich, die Erreichung der Ziele zu beobachten – und einzufordern. Die dafür nötige Evaluierung bringt für die einzelnen Ziele unterschiedliche Herausforderungen mit sich.[3]

Die Sammlung der für die Auswertung nötigen statistischen Daten koordiniert die UN-Statistikabteilung UNSD.

Die Ziele Eins bis Sieben nehmen die Entwicklungsländer in die Pflicht: Sie müssen ihre finanziellen Mittel für die Armen einsetzen, die Korruption bekämpfen, Gleichberechtigung und demokratische Prozesse fördern. Ziel Acht verpflichtet die Industrieländer dazu, ihre wirtschaftliche Machtstellung für eine Gleichberechtigung aller Länder zu gebrauchen. Das bedeutet: Mehr Geld für eine qualitativ bessere Entwicklungshilfe, wirksamer Schuldenerlass, die Unterstützung von Regierungen, die die Armut bekämpfen. Und es erfordert den Abbau von Handelshemmnissen.

Millenniumkampagne[Bearbeiten]

Kofi Annan – 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen und Initiator der Millenniumkampagne

Zur Überprüfung und Durchsetzung der Ziele initiierte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahre 2002 die Millenniumkampagne der Vereinten Nationen, die sich weltweit zum Ziel setzt, Bürger in den verschiedenen Nationen für die Millenniumziele zu mobilisieren und so den öffentlichen Druck auf die Politik zur Durchsetzung der Ziele möglichst hoch zu halten.

„Mit Dir sind wir viele“ war das Motto der deutschen Kampagne zur Einhaltung der Ziele des Millennium-Gipfels und setzte Benno Fürmann und David Garrett ein. [4]

Millenniums-Gipfel 2010[Bearbeiten]

Zum Auftakt der 65. UN-Generalversammlung fand vom 20. bis 22. September 2010 in New York ein Millenniumsgipfel statt, in dem eine Zwischenbilanz zur Umsetzung der Entwicklungsziele zehn Jahre nach ihrer Verabschiedung gezogen wurde. Rund 140 Staats- und Regierungschefs nahmen an dem auch als „Weltarmutskonferenz“ bezeichneten Treffen teil.[5]

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon mahnte zum Auftakt des Gipfels einen verstärkten Einsatz in der Bekämpfung der weltweiten Armut an. Es gebe spürbare Fortschritte bei der Umsetzung der Entwicklungsziele, die allerdings in vielen Ländern immer noch brüchig seien.[6] In einem gemeinsamen Bericht der Vereinten Nationen und der OECD wurden vorab beachtliche Fortschritte in den Bereichen Regierungsführung, Frieden und Sicherheit, Grundschulbildung und Reduzierung der extremen Armut festgestellt. Vor allem die Sicherung des Zugangs zu Trinkwasser und sanitären Anlagen sowie die Bekämpfung der Kindersterblichkeit stellten aber noch große Herausforderungen für die Weltgemeinschaft dar.[7]

Kritik[Bearbeiten]

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Kritiker bemängeln insbesondere an dem 1. Hauptziel (Anteil der Menschen mit weniger als einem Dollar Tageseinkommen verringern), dass eine solche Monetarisierung das Armutsproblem zwar ökonomisch fassbar mache, es aber gleichzeitig die Subsistenzwirtschaft aus dem Blick dränge, die in den genannten Ländern weit verbreitet ist und oft überhaupt das Überleben bzw. ein menschenwürdiges Leben erst ermögliche.

Daneben werden vor allem die folgenden Punkte kritisiert:

  • Es würden konkrete Beschäftigungsziele, politische Beteiligungsrechte oder institutionelle Reformen der Entwicklungspartnerschaft fehlen.
  • Die Ziele seien überambitioniert und unrealistisch.
  • Einige Ziele benachteiligten Afrika relativ gesehen. Beispielsweise sei eine Halbierung der Armut in Ländern mit weniger Armen relativ einfach. Eine universelle Hochschulbildung sei dagegen schwieriger, je weiter man von diesem Ziel entfernt ist. So könnten Fortschritte, die Afrika erreicht, verdeckt werden, da sie gemessen an den MDG nicht gut genug abschneiden.[8]
  • Durch die Millenniumserklärung würden Ziele von den Industriestaaten den Entwicklungsländern vorgeschrieben. Den Entwicklungsländern würde das Recht genommen, die Ziele zu setzen, die sie für richtig halten.
  • Die Gleichstellung der Geschlechter könne in einigen Ländern wegen religiöser Einflüsse nicht verwirklicht werden.
  • Die Hilfe könne (indirekt) zur Stärkung von traditionellen Eliten beitragen, die kein Interesse daran haben, Voraussetzungen für die weitere Entwicklung zu schaffen
  • Die Ziele seien nicht auf Wachstum und Produktivität gerichtet, so werden die schlimmsten Auswirkungen von Armut nur eingedämmt
  • Die Ziele wurden teilweise als Rückschritt in der konzeptionellen Diskussion gewertet, gerade was die Eigenverantwortung der Partnerländer und die Notwendigkeit von guter Regierungsführung angeht, diese ist lediglich in einem Unterziel zu Ziel 8 erwähnt, obwohl frühere Versionen Menschenrechte, Demokratie und Good Governance wie auch Frieden, Sicherheit und Abrüstung als grundlegende Ziele nannten; auch die fehlende Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Gruppen bei der Erarbeitung der UN-Millenniumserklärung und der MDGs wurde beklagt.[9]
  • Armut werde lediglich als Einkommensarmut begriffen, daher würden sich die Lösungsvorschläge auch nur auf die Reduzierung der Armut auf monetärer Ebene konzentrieren: Strukturelle Fragen wie Ungleichverteilung von Vermögen, Landbesitz und politischer Macht in den Ländern des Südens, sowie die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Auswirkungen globalisierter Finanz- und Warenmärkte blieben in den Programmen unterbelichtet. Dasselbe gelte auch für ökologische Aspekte, insbesondere die Folgen des Klimawandels.

Was folgt danach? Post-MDGs vs. SDGs[Bearbeiten]

Noch herrscht Uneinigkeit darüber, was nach den Millenniumszielen kommen soll, die ja 2015 verwirklicht sein sollen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat ein internationales Beratergremium (High-Level Panel of Eminent Persons) einberufen, um bis Mitte 2013 zukunftsweisende, politisch tragfähige Vorschläge für die neue Agenda zu erarbeiten.

Unabhängig davon hat die Konferenz der Vereinten Nationen zu Nachhaltiger Entwicklung beschlossen, bis Herbst 2014 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDGs) zu erarbeiten. Hintergrund dafür war u.a. die nach wie vor unzureichende Berücksichtigung der ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit in den MDGs. Die SDGs sollen in enger Abstimmung mit der Gestaltung der post-2015 Entwicklungsagenda entstehen und in diese einfließen. Eine 30-köpfige Arbeitsgruppe, die aus Vertretern der UN-Mitgliedstaaten zusammensetzt, soll diese Vorschläge erarbeiten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 28. Oktober 2013, Jule Reimer im Gespräch mit Britta Fecke: deutschlandfunk.de: Versiegelt, verseucht, versteppt (17. Dezember 2013)
  2. GTZ. Hintergrund Millenniumserklärung der Vereinten Nationen
  3. FAZ: Millenniumsziele: Mehr Daten für gute Taten, 14. September 2010.
  4. Meldung über die Kampagne auf Horizont.net
  5. Die Presse: Armutsbekämpfung: UN-Gipfel zieht Zwischenbilanz, 20. September 2010.
  6. SF Tagesschau: Ban Ki Moon mahnt an UNO-Gipfel reiche Länder, 20. September 2010.
  7. Oberösterreichische Nachrichten: Armutsbekämpfung: Noch ein weiter Weg, 21. September 2010.
  8. Easterly, William (2007): "How the Millennium Development Goals are unfair to Africa" [1]
  9. Tschampa, Frederike (2004): "Menschenrechte in der Entwicklungszusammenarbeit", in: Selchow, Ulla / Hutter, Franz-Josef (Hrsg.): Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit. Anspruch und Wirklichkeit, Wiesbaden, S. 46f.