Miloš Forman

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Miloš Forman (2009)

Miloš Forman (* 18. Februar 1932 in Čáslav, Tschechoslowakei; eigentlich Jan Tomáš Forman) ist ein tschechischstämmiger US-amerikanischer Filmregisseur, dessen Arbeiten mit zwei Oscars ausgezeichnet wurden.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Formans Kindheit ist gekennzeichnet durch den frühen Verlust seiner Eltern. Die Mutter starb im Konzentrationslager Auschwitz, der Vater in Buchenwald. Der Junge war Augenzeuge ihrer Verhaftung durch die Gestapo. Verwandte und Freunde der Eltern zogen ihn groß. Nach dem Krieg ging der Waisenjunge in Poděbrady in eine Internatsschule; einer seiner Klassenkameraden war Václav Havel. Dort kam er zum ersten Mal mit dem Theater in Berührung und begeisterte sich für die Filme von Charlie Chaplin, Buster Keaton und John Ford.

Miloš Forman studierte an der Prager Filmhochschule FAMU und war Anfang der 1960er Jahre einer der tonangebenden Vertreter der Neuen Welle, der früh einen eigenen, vom Cinéma vérité beeinflussten Stil entwickelte. Bereits sein erster abendfüllender Spielfilm Der schwarze Peter (Černý Petr), die Geschichte eines unangepassten Teenagers, wurde ein Erfolg auf mehreren Filmfestivals. Der Film brachte Forman einerseits Kritik durch die kommunistischen Machthaber ein, andererseits ermöglichte er ihm seine erste Amerika-Reise. Der Feuerwehrball (Hoří, má panenko) übte kaum verhüllte Gesellschaftskritik: Der Film handelt von einem Fest, auf dem wegen tölpelhafter Einmischung der Funktionäre alles schiefläuft. Der Film wurde in der Tschechoslowakei nach 1969 verboten.

Als der Prager Frühling durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde, war Forman gerade in Paris, um über seinen ersten amerikanischen Film zu verhandeln. Sein tschechisches Studio behauptete, er habe das Land illegal verlassen und zwang ihn so zur Emigration. Forman ging in die Vereinigten Staaten und nahm 1975 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In der neuen Heimat gelang ihm der internationale Durchbruch als erfolgreicher Filmregisseur. Zur Verärgerung der kommunistischen Führung der Tschechoslowakei war sein erster amerikanischer Film Taking Off der offizielle US-Beitrag auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

1975 wurde sein Film Einer flog über das Kuckucksnest (One Flew Over the Cuckoo’s Nest), der auf Ken Keseys gleichnamigen Roman sowie auf dem Theaterstück von Dale Wasserman beruhte, mit fünf Oscars ausgezeichnet, Forman erhielt seinen ersten Regie-Oscar. Noch erfolgreicher war die auch von Zaentz produzierte filmische Umsetzung von Peter Shaffers Theaterstück Amadeus. Bei der Oscarverleihung 1985 gewann der Film achtmal, Forman gewann seinen zweiten Regie-Oscar. Sein bisher letzter Film Goyas Geister von 2006 behandelt ein Thema aus dem Leben des spanischen Malers Francisco de Goya. Dieser Film wurde ebenfalls von Saul Zaentz produziert.

Forman macht bevorzugt Filme über unangepasste Helden, meist Künstler, die sich dem Konformitätsdruck der Gesellschaft erfolgreich oder erfolglos widersetzen. Einige dieser Hauptfiguren sind historische Persönlichkeiten (Wolfgang Amadeus Mozart, Larry Flynt, Andy Kaufman und Francisco de Goya). Der stets politisch bewusste Forman erklärte seine Vorliebe für solche Charaktere so: „Wir schaffen Institutionen, Regierungen und Schulen, um uns im Leben zu helfen, doch jede Institution entwickelt nach einer Weile die Tendenz, sich nicht mehr so zu verhalten, als sollte sie uns dienen, sondern als sollten wir ihr dienen. Das ist der Moment, wenn das Individuum mit ihnen in Konflikt gerät.“[1]

In einigen Filmen übernahm Forman Nebenrollen, so etwa in Sodbrennen (Heartburn) und Glauben ist alles! (Keeping the Faith).

Forman „brachte etwas von der Subversivität mit herüber, die die 60er-Jahre in der CSSR bestimmten, bis die sowjetischen Panzer im August 1968 jedem Eigensinn den Garaus machten. Bis heute kreisen Formans Filme um Menschen, die sich nicht fügen wollen, die gegen ihre Zeit stehen. […Daher] gehen […] bis heute in den Filmen des Regisseurs […] so viele Stimmungen ineinander, das Komische, und das Tragische, das Groteske und das handfest Politische.“

Rudolf Worschech (RW) in epd Film 11/2006, Seite 23: „Die Geschichte wiederholt sich“ – Der Regisseur Miloš Forman über Francisco de Goya und andere störrische Geister

Filmografie[Bearbeiten]

als Regisseur

als Schauspieler

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Regie[Bearbeiten]

Drehbuch[Bearbeiten]

Lebenswerk[Bearbeiten]

Zivilgesellschaft[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

  •  Miloš Forman und Jan Novák: Rückblende. Erinnerungen. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-12440-5. (Originaltitel: Turnaround).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Milos Forman – Biography
  2. Stiftung Mozarteum: Internationale Kooperationen/USA (Juni 2013) (abgerufen am 7. Juni 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Miloš Forman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien