Minatogawa 1

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Rekonstruktion des Minatogawa-Menschen im Nationalmuseum der Naturwissenschaften

Minatogawa 1 (jap. 港川人1号, Minatogawa-jin 1-gō bzw. 港川人, Minatogawa-jin, wörtlich: „Minatogawa-Mensch“) ist die Archivbezeichnung für die nahezu vollständigen Überreste des Skeletts eines modernen Menschen (Homo sapiens), das 1970 im Minatogawa-Kalkstein-Steinbruch auf dem Stadtgebiet des heutigen Yaese auf der japanischen Insel Okinawa von dem Geschäftsmann Seiho Ōyama[1] entdeckt wurde. Gemeinsam mit drei etwas weniger gut erhaltenen weiblichen Skeletten gehören diese Funde zu den ältesten sicher datierten Belegen für die Anwesenheit von Homo sapiens in Ostasien. Insgesamt wurden Skelettreste gefunden, die von fünf bis neun Individuen stammen könnten.

Die Nansei-Inseln, darunter Okinawa und die südwestlich liegenden Ryūkyū-Inseln, waren im Jungpleistozän – das heißt während der Eiszeiten – aufgrund des damals niedrigen Wasserstands der Weltmeere untereinander und mit Taiwan durch Landbrücken verbunden. Fossil belegt ist das für Okinawa seit den 1930er-Jahren unter anderem durch Funde von Elefanten-, Hirsch- und Ratten-Fossilien. 1962 wurden zudem in der Katabaru-Höhle auf der Insel Iejima erstmals fossile menschliche Knochen und mutmaßliche Steinwerkzeuge entdeckt. Daraufhin wurde an verschiedenen Orten gezielt nach frühen archäologischen und paläoanthropologischen Spuren gesucht.

Fündig wurde man 1970 unter anderem rund 10 Kilometer südöstlich von Naha im Minatogawa-Steinbruch in einer Fundschicht, die mit unterschiedlichen Methoden auf 18.250 ± 650 Jahre B.P. und 16.600 ± 300 Jahre B.P. datiert wurde. [2]

Das Skelett Minatogawa 1 wurde aus einer Gesteinsspalte fast vollständig erhalten geborgen. Seine Knochen wurden in annähernd anatomisch normaler Position aufgefunden, allerdings auf dem Kopf stehend; die Knochenfunde der anderen Individuen lagen hingegen über eine größere Fläche verstreut. Minatogawa 1 gehörte zu einem relativ kleinen Mann, dessen Größe auf 1,53 Meter geschätzt wurde, auch der Schädel ist mit einem Innenvolumen von 1390 cm³ entsprechend klein. Das Gesicht war relativ breit und flach und ähnelt dem Liujiang-Fossil aus Guangxi, Volksrepublik China; allerdings sind etliche Gesichtsknochen zerbrochen, so dass die Rekonstruktion unsicher ist. Insgesamt weichen die Form des Schädels, die Dicke der Schädelknochen und die Größe der Zähne deutlich von den Merkmalen der heutigen Ostasiaten ab. Dies bestätigt einen auch von anderen Fundstellen bekannten Trend, dass im Übergang vom Pleistozän zum Holozän unter anderem der Knochenbau weniger massig und die Muskulatur reduziert wurde.

Die ungewöhnliche Auffindeposition von Minatogawa 1 (auf dem Kopf stehend) sowie etliche zerbrochene Knochen bei den anderen Skeletten könnten laut Hisashi Suzuki, dem Autor der ersten ausführlichen Beschreibung des Fundes (in Kapitel 2), auf Kannibalismus hindeuten; dieser Interpretation zufolge wäre der Körper des Opfers kopfüber in eine Spalte der Kalksteinformation geworfen worden.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Hisashi Suzuki, Kazuro Hanihara (Hrsg.): (1982). The Minatogawa Man. The Upper Pleistocene Man from the Island of Okinawa. In: Bulletin No. 19, University Museum of the University of Tokyo, Tokyo 1982, Volltext (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 港川人ゆかりの地巡り (japanisch)
  2. Peter Brown: The first modern East Asians? Another look at Upper Cave 101, Liujiang and Minatogawa 1. In: Keiichi Omoto (Hrsg.): Interdisciplinary Perspectives on the Origins of the Japanese. International Research Center for Japanese Studies, Kyoto 1999, S. 112, Volltext (PDF; 2,0 MB)