Mind the gap

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Dieser Artikel behandelt die Ansage in der Londoner U-Bahn. Zum Album der Band Scooter siehe Mind the Gap.
„Mind the gap“ am Rand eines Bahnsteigs der London Underground
„Mind the gap“ in einem Fußbodenmosaik auf einem Bahnsteig des U-Bahnhofs Victoria
„Mind the gap“ – Ansage am Bahnhof Paddington

Mind the gap (dt.: Achten Sie auf die Lücke) ist der Wortlaut eines Sicherheitshinweises, der insbesondere an den Stationen der Londoner U-Bahn zu hören (und zu sehen) ist. Die Ansage, die Zugpassagiere vor der Lücke zwischen dem Bahnsteig und den Türschwellen der Bahn warnen soll, wird weltweit mit der London Underground in Verbindung gebracht. Eingeführt wurde sie im Jahr 1969, Premiere war an der Station Embankment. Inzwischen hat der Imperativ eine massenhafte Verbreitung erfahren. Er findet sich heute unter anderem auf einer Vielzahl von T-Shirts und Souvenirs, meistens zusammen mit dem Symbol von Transport for London, häufig wird er aber auch in anderem, vollkommen verselbständigtem Kontext verwandt.

Die Londoner U-Bahn und die Lücke[Bearbeiten]

Besonders angebracht erscheint die Vorsichtsmaßnahme bei den älteren Streckenabschnitten der London Underground. Sie folgen exakt dem Verlauf der über ihnen liegenden Straßen, sodass die Stationsplattformen teilweise in leichten Kurven liegen. Dort entstehen beim Halt eines Zuges gefährliche Lücken zwischen diesem und dem gekrümmten Bahnsteig.[1] In Ermangelung von Vorrichtungen zur Überbrückung der Lücke, wie es sie zum Beispiel in einigen Stationen der New York City Subway gibt, ergeht bis heute die Warnung in Wort und Schrift, auf die gefährliche Lücke achtzugeben, um nicht hineinzustürzen. Sie erfolgt per Ansage bei Einfahrt eines Zuges (im Inneren des Zuges etwas ausführlicher: „Please mind the gap between the train and the platform“) sowie auch in Form eines Schriftzugs am Bahnsteigrand. Es wird gleichfalls an den Strecken gewarnt, wo die Bahnsteighöhe nicht optimal an das Rollmaterial angepasst werden kann. So müssen auf der Piccadilly Line und der District Line Fahrzeuge mit unterschiedlicher Fußbodenhöhe (Röhrenbahn und Großprofil) einige Stationen gemeinsam benutzen. Dort ist die Bahnsteighöhe ein Kompromiss aus den unterschiedlichen Erfordernissen.

Bei den überregionalen South West Trains lautet die Ermahnung: „Please mind the gap between the train and the platform edge.“

Die Ansage und die Ansager[Bearbeiten]

Die Ansage „Mind the gap“ wurde 1969 automatisiert, da es sich für Fahrer und Bahnsteigpersonal als schwierig erwiesen hatte, den Warnhinweis beim Einfahren eines Zuges mehrmals zu wiederholen. Für die Aufnahme wählte London Underground die seinerzeit sehr fortschrittliche digitale Solid-State-Technik. Die ersten Ansageanlagen wurden von Telefunken geliefert. Da Speicherplatz damals noch teuer war, musste die Warnung schon aus diesem Grund kurz sein. So ließ sie sich auch einfacher als Beschriftung verwenden.

Die Ansage wurde zuerst von Peter Lodge gesprochen. Sie war zwar ursprünglich mit einem Schauspieler gemacht worden, doch dieser hatte für jede Wiedergabe Honorar verlangt. So musste London Underground auf den Profi verzichten und suchte einen geeigneten Mitarbeiter aus. Als Toningenieur Peter Lodge, der die Aufnahme technisch leiten sollte, auf den Mann wartete, sprach er für den Soundcheck ein „Mind the gap“ auf Band. London Underground genügte das voll und ganz[2].

Jahrzehntelang war Peter Lodges Stimme den U-Bahn-Benutzern vertraut. Über die Zeit setzte man dann auf den verschiedenen Linien auch noch andere Sprecher ein. Doch zur Jahrtausendwende begann man Schritt für Schritt die Ansage zu erneuern. 1999 wurde zu diesem Zweck und für andere automatische Mitteilungen die Synchronsprecherin Emma Clarke engagiert[3]. Im Jahr 2007 entließ London Underground die junge Frau jedoch wieder, da sie auf ihrer Internetseite Persiflagen von U-Bahn-Durchsagen veröffentlicht hatte. Da wurde zum Beispiel in einem Clip ein Passagier aufgefordert, nicht so zu tun, als lese er Zeitung, während er in Wirklichkeit auf die Brüste der Frauen starre („Sie dreckiger Perverser“). Außerdem hatte Clarke kundgetan, dass sie die Underground nicht mehr nehme, weil sie „schrecklich“ sei[4].

Zu den Ansagern, deren Stimmen aus dem Verkehr gezogen wurden, gehörte auch Oswald Laurence. Er war etliche Jahre auf der Northern Line zu vernehmen, bis er 2012 auch am letzten Bahnhof – Embankment – verstummte. Im März 2013 wurde bekannt, dass sich die Witwe des Schauspielers mit einem Brief an London Underground gewandt und den Verlust der Stimme ihres 2001 im Alter von 80 Jahren verstorbenen Gatten beklagt hatte. Sie schrieb, jeden Tag sei sie zur Station Embankment gegangen, um seine Ansage zu hören. Mark Mason, Autor von Walk the Lines: The London Underground, Overground verlautete: „Immer wenn sie ihn ‚Mind the gap‘ sagen ließen, dachte sie: ‚Thank you, darling, I will‘.“ Die U-Bahn-Gesellschaft versicherte, die Stimme von Laurence an dem Bahnhof wieder einsetzen zu wollen.[5][6]

„Mind the gap“ bei anderen Stadtbahnen auf der Welt[Bearbeiten]

  • Die U-Bahn Berlin macht speziell entlang einiger gekrümmter Strecken der Linie 2 im Zug auf Deutsch und auf Englisch die Ansage „Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante! – Please mind the gap between platform and train!“. Dieser Text läuft auch auf den digitalen Zugzielanzeigern auf den Bahnsteigen durch.
  • In Hamburg wird von der S-Bahn an der Haltestelle Berliner Tor mit gelben Biltzlichtern und der Ansage: „Bitte beachten Sie die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante!“ gewarnt.
  • Das französische „Attention à la marche en descendant du train!“ (Vorsicht auf der Stufe beim Verlassen der Bahn!) in einigen Bahnhöfen der Métro Paris ist im weiteren Sinne auch als Variante anzusehen.
  • In der Metro Prag lautet die Ansage seit 30 Jahren „Ukončete prosím výstup a nástup, dveře se zavírají!“ (Beenden Sie bitte das Aus- und Einsteigen. Die Türen schließen!). Sie ist für Prag inzwischen so charakteristisch wie „Mind the gap“ für London.
  • In Hongkong (Mass Transit Railway) wird die Warnung in drei Sprachen gegeben, in Kantonesisch, Mandarin und Englisch.
  • In Singapur (MRT) gibt es sie außer in Englisch auch in Mandarin, Tamil und Malaiisch.
  • In der Metro Delhi ertönt sie in Englisch und Hindi.
  • An der Station Monastriaki der Metro Athen heißt es auf Griechisch und in anschließender englischer Übersetzung: „Mind the gap between the train and the platform.“
  • Ab 2011 warnte auch die U-Bahn Wien an einzelnen Stationen: „Bitte beachten Sie im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit, dass nach der Abfertigung des Zuges mit den Worten ‚Zurückbleiben, bitte‘ das Ein- und Aussteigen verboten ist und achten Sie auf den Spalt zwischen Bahnsteig und U-Bahn-Türe.“[7], jedoch wurde der Wortlaut 2012 von „Zurückbleiben, bitte“ auf „Steigen Sie nicht mehr ein“ umgeändert. [8]

„Mind the gap“ in anderem Zusammenhang[Bearbeiten]

Das Emblem von London Student Feminists für Gender-Gleichheit: „Mind the Gap“ als „Respektiere den Unterschied“

Die Aufforderung Mind the gap hat sich inzwischen vom Sicherheitshinweis zu einem geflügelten Wort entwickelt. Sie wird in vielen anderen mehr oder weniger entfernten Zusammenhängen benutzt:

Mind the Gap ist der Titel eines Musikalbums der Band Scooter (auf dem Cover erscheint er als Tunnelaufschrift in einem deutschen U-Bahnhof), eines 2010 veröffentlichten Abenteuerromans von Michael Engler (darin geht es um einen stillgelegten Londoner U-Bahnhof) und eines Films aus dem Jahr 2004 von Eric Schaeffer. Unter der Überschrift werden außerdem immer wieder kulturelle Veranstaltungen durchgeführt, so in Kassel ein Open-Air-Festival der Indiependent- und Alternativszene[9] oder vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie ein vom Raumbegriff ausgehendes Theatersymposion.[10]

Die Ansage dient als Parole, um allgemein die Kluft zwischen Männern und Frauen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Stellung herauszustellen bzw. Unterschiede jenseits dieses Gegensatzes zu beachten (siehe das Emblem von London Student Feminists[11]) oder um im Konkreten zum Beispiel die Frauenquote in verschiedenen Berufssektoren einzufordern, etwa in der Wissenschaft.[12]

„Mind the gap“ war der Name einer Kampagne, mit der Studenten im Dezember 2010 von der britischen Regierung verlangten, dass Studenten, die ein „gap year“, ein Jahr Pause, eingelegt haben, von der Erhöhung der Studiengebühren im September 2012 ausgenommen würden.[13]

Der Ausdruck wird in vielen Videospielen verwendet, einschließlich Portal, Halo und Armadillo Run, in der Regel in einem ironischen Kontext.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Münstersche Zeitung: Hoch lebe „The Tube“! – Eine Legende im Untergrund: Wissenswertes über die Londoner U-Bahn, Aus aller Welt, Rolf Geifes, 10. Januar 2013
  2. Die Website The Importance of Being Trivial über „Mind the gap“
  3. Spiegel-Interview mit Emma Clarke zum 150. Geburtstag der Londoner U-Bahn vom 9. Januar 2013
  4. „Die Stimme der Londoner U-Bahn ist verstummt“, Die Welt vom 26. November 2007
  5. „'Mind the Gap' voice restored to London Underground after widow missed her husband's voice“, The Telegraph vom 8. März 2013
  6. BBC News: Witwe vermisst die Ansage „Mind the gap“ vom 10. März 2013
  7. Wiener Linien erweitern Sicherheitsdurchsagen in der U-Bahn
  8. http://derstandard.at/1353208035225/Neue-Wiener-Oeffi-Stimme-ab-Sonntag-in-allen-U-Bahnen-zu-hoeren
  9. Mind the Gap – Open-Air-Festival Kassel
  10. ZKM: Mind the Gap – Theaterräume/Medienräume
  11. Mind the Gap – About Us
  12. Please mind the gap! – Frauen in der Wissenschaft. Politische Studien 63 (2012) (PDF; 692 kB)
  13. Mind the Gap Campaign

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mind the gap – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien