Minik Wallace

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Minik in New York kurz nach seiner Ankunft

Minik Wallace (* 1887; † 29. Oktober 1918) war ein Inuk, der mit seinem Vater und vier weiteren Verwandten 1897 von dem Polarforscher Robert Peary nach New York verschleppt und im Kellergeschoss des American Museum of Natural History zu anthropologischen Forschungen an lebenden Objekten untergebracht wurde, die der dortige Kurator Franz Boas durchführte.

Als nach den Verwandten auch sein Vater Qisuk an Tuberkulose starb, täuschte man dem Jungen ein Begräbnis vor. William Wallace, ein leitender Mitarbeiter des Museums, nahm das Waisenkind in seine Familie auf. Obwohl der Knabe in öffentlichen Dokumenten fortan als Minik Peary Wallace geführt wurde, gibt es keine eindeutigen Belege für seine Adoption. Als 16-Jähriger musste er feststellen, dass das Skelett seines Vaters im Museum ausgestellt war und verlor dadurch jedes Vertrauen. Minik kehrte 1909 nach Grönland zurück, wurde dort jedoch nicht mehr heimisch, ließ sich 1916 wieder nach New York bringen und starb am 29. Oktober 1918 als Waldarbeiter in North Stratford, New Hampshire, an der Spanischen Grippe. Er ist dort begraben.[1]

Der Kanadier Kenn Harper veröffentlichte Ende der 1980er Jahre eine Dokumentation über diese Vorgänge. Das American Museum of Natural History sah sich daraufhin gezwungen, die Gebeine der in New York verstorbenen Inuit in ihre Heimat überführen zu lassen, wo sie 1993 begraben wurden. Der Vorgang wirkte möglicherweise als Präzedenzfall für die Rückführung der Überreste von Sarah Baartman vom Pariser Musée de l'Homme nach Südafrika und ist ein Beispiel für den Ethnozentrismus auch der amerikanischen Humanwissenschaften noch um die Jahrhundertwende.

Der Roman Minik von Ralf Isau handelt von Miniks Lebensgeschichte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kenn Harper: Die Seele meines Vaters. Minik – der Eskimo von New York. Diana Verlag, München/Zürich 2001, ISBN 3-453-19143-9 (Mit einem Vorwort von: Kevin Spacey)
  • Kenn Harper: Minik – der Eskimo von New York. Edition Temmen, Bremen 1999, ISBN 3-86108-743-X. (Mit einer Einführung von: Jutta Steffen-Schrade; Übersetzung aus dem Amerikanischen von: Fee Engelmann; engl. Originaltitel: Give me my father’s body)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Minik Wallace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Minik – The Lost Eskimo, Kurzbiografie zu Minik Wallace auf der Internetpräsenz des US-amerikanischen Fernsehsenders PBS. Abgerufen am 3. Juni 2013.