Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR

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Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in der Luisenstraße, 1958
Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten am Marx-Engels-Platz, 1972
Fassade des Außenministeriums und Skulpturen der Marx-Engels-Brücke, 1987

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, kurz MfAA, war das Außenministerium der Deutschen Demokratischen Republik. Es hatte 1967–1990 seinen Sitz am ehemaligen Schinkelplatz (Hausanschrift Marx-Engels-Platz 2) auf dem Friedrichswerder in Berlin-Mitte unmittelbar neben der Friedrichswerderschen Kirche.

Geschichte des Gebäudes[Bearbeiten]

Als erstes Dienstgebäude des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR wurde seit Ende 1949 die einstige Tierarzneischule in der Luisenstraße 54–56[1] in Berlin genutzt. In diesem Gebäudekomplex hatte nach 1945 die sowjetische Kommandantur ihren Sitz.[2] Die Raumbedingungen in dem leicht umgebauten Schulkomplex waren nach Einschätzung des ehemaligen Protokollchefs Ferdinand Thun, der bis 1956 dort arbeitete, schwierig.[3]

So beschloss die Regierung, nach einem umfassenden Wettbewerb zur sozialistischen Neugestaltung des Berliner Stadtzentrums an einem repräsentativen Ort einen kompletten Neubau zu errichten. Auf der ehemaligen Fläche der Berliner Bauakademie (die zunächst bis zum Rohbau wieder errichtet worden war) und des Schinkelplatzes entstand 1964–1967 ein weißes, 145 m langes und zehn Etagen (44 m) hohes Hochhaus. Die Pläne für den dreiteiligen Baukörper stammten von den Architekten Josef Kaiser, Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza. Im Volksmund hieß es nach dem Außenminister Otto Winzer „Winzer-Stuben“ oder „Winzer-Schlösschen“. In Veröffentlichungen zu diesem Neubau hieß es, die Fassade sei mit emaillierten Strukturelementen gestaltet worden. Beim Abriss stellte sich jedoch heraus, dass die Elemente aus weißem Kunststoff bestanden.

Zwischen 1995 und 1996 wurde das Gebäude aus städtebaulichen Gründen abgerissen, um Platz für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses unter Neuanlage des Schinkelplatzes und Wiederaufbau des Gebäudes der Bauakademie zu schaffen. Lastkähne brachten den Schutt zu einer Recycling-Firma in Berlin-Neukölln[4]

„Der Mensch gestaltet seine Welt“ – Wandbild von Walter Womacka im ehemaligen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, beim Abriss des Gebäudes vernichtet

Außenminister der DDR 1949 bis 1990[Bearbeiten]

Das Außenministerium war verantwortlich für die auswärtigen Beziehungen der DDR, den Abschluss völkerrechtlicher Verträge und die Leitung des diplomatischen Dienstes. Es wurde durch den Außenminister, mehrere Stellvertreter des Außenministers und den Staatssekretär vertreten. Vom tatsächlichen politischen Einfluss her stand der Außenminister hinter dem jeweiligen ZK-Sekretär für Internationale Verbindungen im Politbüro zurück.

Nr. Name Lebensdaten Bild Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei Amtsdauer
in Tagen
01 Georg Dertinger (1902–1968)
Bundesarchiv Bild 183-S88853, Georg Dertinger.jpg
12. Okt. 1949 15. Jan. 1953 CDU 0411
02 Anton Ackermann1 (1905–1973)
Stamps of Germany (DDR) 1985, MiNr 2920.jpg
15. Jan. 1953 01. Okt. 1953 SED 0149
03 Lothar Bolz (1903–1986)
Fotothek df roe-neg 0006504 007 Lothar Bolz' auf dem Podium der Deutschen Bautagung im Weißen Saal.jpg
01. Okt. 1953 24. Juni 1965 NDPD 1095
04 Otto Winzer (1902–1975)
Stamps of Germany (DDR) 1982, MiNr 2690.jpg
24. Juni 1965 Jan. 1975 SED 3138
05 Oskar Fischer (* 1923)
Bundesarchiv Bild 183-1989-0901-038, Oskar Fischer.jpg
03. März 1975 12. Apr. 1990 SED 5515
06 Markus Meckel (* 1952)
Bundesarchiv Bild 183-1990-0215-307, Markus Meckel.jpg
12. Apr. 1990 20. Aug. 1990 SPD 0100
07 Lothar de Maizière2 (* 1940)
Maziere.jpg
20. Aug. 1990 02. Okt. 1990 CDU 0042





1 kommissarisch
2 kommissarisch in Personalunion mit dem Amt des Ministerpräsidenten nach dem Rückzug der SPD aus der Regierung

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Wentker: Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internationalen System (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007. ISBN 978-3-486-58345-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eigentümer des Gebäudes Luisenstraße 56 war vor 1945 der Fiskus, Berliner Adressbuch 1943
  2. Jan Foitzik: Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945-1949. Akademie-Verlag, Berlin 1999, ISBN 978-3-05002680-0, S. 450.
  3. Als ,amtierender' Chef des Protokolls dabei. In: Berliner Zeitung, 29. Juli 1989, S. 13.
  4. Jetzt beißen Riesenzangen den Beton. In: Berliner Zeitung, 27. Oktober 1995.