Minna Bollmann

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Minna Bollmann

Minna Bollmann (geb. Minna Zacharias, * 31. Januar 1876 in Halberstadt; † 9. Dezember 1935 ebenda) war eine deutsche Politikerin (SPD).

Minna Bollmann war bis 1896 als Schneiderin tätig. Seit 1905 gehörte sie der SPD an. Sie stammte aus einer sozialdemokratischen Familie. Ihr Vater hatte die SPD in Halberstadt mitgegründet. Ihre Schwiegermutter hatte schon zur Zeit des Sozialistengesetzes ihre Gaststätte für Versammlungen der Partei zur Verfügung gestellt. Zusammen mit ihrem Ehemann betrieb Bollmann ab 1896 diese Gastwirtschaft weiter. Auch zu ihrer Zeit war das Lokal Versammlungsort der örtlichen SPD. Seit 1907 war Bollmann über Halberstadt hinaus für die Partei als Agitatorin tätig. Während des Ersten Weltkrieges war sie Bezirkspflegerin der Kriegsfürsorge.

Von 1919 bis 1933 war Bollmann Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Halberstadt. Außerdem gehörte sie dem Kreisvorstand und zwischen 1919 und 1922 auch dem zentralen Parteiausschuss der SPD an.

Bollmann war von 1919 bis 1920 Mitglied der verfassungsgebenden Weimarer Nationalversammlung, nachdem das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt worden war. Damit war sie eine der ersten Frauen in einem deutschen Nationalparlament. Nach dem Scheitern ihrer Kandidatur für die Wahl zum ersten regulären Reichstag von 1920 war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei für die preußische Landtagswahl von 1921 im Regierungsbezirk Magdeburg. Sie wurde gewählt und war bis 1933 Mitglied des Preußischen Landtages.

Nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Lokal von Bollmann erneut zum illegalen Treffpunkt für Sozialdemokraten. Als Symbol für den Widerstand blieb sogar ein Bild von August Bebel in der Gaststube hängen.

Weil Bollmann wegen ihrer Hilfe für Verfolgte und ihres Widerstandes gegen die Nationalsozialisten um ihr Leben fürchtete, beging sie schließlich Selbstmord. Ihre Beerdigung, an der zahlreiche Sozialdemokraten der Region teilnahmen, wurde zu einem stillen Protest gegen das Regime. Nicht zuletzt durch die Überwachung der Versammlung durch die Gestapo kam es zu zahlreichen Verhaftungen und Verurteilungen. Darunter war auch der Sohn Otto Bollmann, der bis 1942 im KZ Sachsenhausen einsaß.

Nach Minna Bollmann ist in Halberstadt eine Straße benannt und die örtliche SPD vergibt einen nach ihr benannten Preis. Ihr Grab ist auf dem Städtischen Friedhof Halberstadt erhalten und wird von Mitgliedern der SPD gepflegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Marburg 2000, S. 45
  •  Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.

Weblinks[Bearbeiten]