Minox

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Minox
Minox-Logo
Rechtsform GmbH
Sitz Wetzlar, Deutschland
Leitung Thorsten Kortemeier
Mitarbeiter ca. 30
Produkte Fotoapparate, Ferngläser, SpektiveVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.minox.de
Minox Riga mit Objektiv Minostigmat 1:3,5 F=15
Minox A
Minox B
Minox C
Minox 35 GT
Minox 35 MDC
Minox DSC
Minox-Leica M3
Maßstabsgetreuer Nachbau eines berühmten Vorbilds

Minox ist ein deutscher Hersteller von Kameras und anderen optischen Geräten gleichen Markennamens. Mit den Kleinstbildkameras von Minox verbindet sich das klassische Modell einer Geheim- oder Spionagekamera. Nach den erfolgreichen 1970er-Jahren, als Minox gut 1000 Mitarbeiter hatte, arbeiten inzwischen nur noch rund 30 Beschäftigte am Firmensitz in Wetzlar.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1936 konstruierte der Deutsch-Balte Walter Zapp in Tallinn einen Fotoapparat-Prototyp. Diese Ur-Minox verwendete zunächst ein noch kleineres Filmformat von 6,5 mm × 9 mm. Ab 1938 wurde die Kamera, nun im 8 × 11-Format zunächst in Riga bei VEF (Valsts elektrotehniskā fabrika) produziert. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges flüchtete Zapp im März 1941 nach Hessen. Bei sich trug er das Holzmodell und ein Exemplar des ersten Serienmodells.

Im Jahr 1945 gründete Zapp die Minox GmbH Wetzlar und setzte damit die Produktion seiner Kleinstbildkamera fort. Das kleine Unternehmen zog Ende 1948 in das nahegelegene Heuchelheim im Kreis Gießen. Wenige Monate später, im Jahr 1950, kehrte Zapp seinem Unternehmen den Rücken, nachdem es zu Differenzen mit dem Teilhaber und Tabakwarenhersteller Rinn & Cloos gekommen war. Währenddessen wurde die Spionagekamera Minox A zu einem Erfolgsmodell. 1951 arbeiteten bereits 180 Beschäftigte bei Minox, vier Jahre später 560 Menschen.

1974 präsentierte Minox seine erste Kleinbildkamera. Die Minox 35 EL traf auf eine große Nachfrage. Das Modell wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Doch die hohen Produktionskosten in Deutschland und das gleichzeitig sinkende Preisniveau durch die große Konkurrenz im Kompaktkamera-Segment zwangen Minox am 21. November 1988 einen Vergleichsantrag beim Amtsgericht Gießen zu stellen. Die Konkursverwaltung reduzierte die Anzahl der Beschäftigten auf knapp 300. Gleichzeitig wurde der Unternehmensgründer Zapp als Konstrukteur eingestellt.

1996 kehrte Minox nach Wetzlar zurück. Außerdem wurde die Straße zum neuen Standort im Gewerbepark Westend in Walter-Zapp-Straße umbenannt. Am 1. April 1996 kaufte die Leica Camera AG aus Solms das erstarkte Unternehmen auf. Minox wurde als selbstständige Tochtergesellschaft eingegliedert.[2]

2001 stieg der Kamerahersteller in die Digitalfotografie ein und brachte mit der DC 1311 eine digitale Kompaktkamera auf den Markt.[3] Im gleichen Jahr erfolgte ein Management Buy-out. Thorsten Kortemeier wurde neuer Geschäftsführer. Minox löste sich 2005 wieder vollständig von Leica.[2]

Produkte[Bearbeiten]

Negativgröße 8 mm × 11 mm[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Minox 8x11

Die Minox 8x11-Serie ist eine Familie verschiedener Kleinstbildkameras, die auf einem Filmformat von 8 mm × 11 mm basiert.

Auf das ursprüngliche Nachkriegsmodell Minox A folgten zahlreiche verbesserte Versionen mit neuen Funktionen (unter anderem Minox B mit Selenzellen-Belichtungsmesser ab 1958, Minox C mit elektronischer Belichtungsautomatik ab 1969, Minox LX ab 1978). Eine noch kleinere Variante ist die ab 1981 hergestellte Minox EC.

Negativgröße 24 mm × 36 mm[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Minox 35

1974 wurde die erste Kleinbildkamera, die Minox 35 EL vorgestellt. Sie übernahm den Titel der kleinsten Kamera für Kleinbildfilme von der Rollei 35. Der Erfolg der kleinen, leichten und durch Objektivschutz auch taschengeeigneten Kamera überraschte selbst Minox. In den folgenden Jahren wurden etliche weitere Modelle der 35er-Serie entwickelt, die teils bis zum Oktober 2002 produziert wurden. Lagerbestände werden bis heute (Stand: Juli 2007) verkauft. Eine Auto-Fokus-Version blieb allerdings ohne Erfolg. Die originale Minox 35 erschien später in der Ukraine als "Kiev 35". Da beide Kameras identisch sind, ist anzunehmen, dass sie von denselben Werkzeugen stammen.

Diaprojektoren[Bearbeiten]

Passend zu den eigenen (Dia-)Filmformaten stellte Minox auch Diaprojektoren her, beispielsweise das Modell 3001.

Minox-Diaprojektor 3001 mit lichtstarkem 1:1,6-Projektionsobjektiv

Mikrofiche (Mikronegative) Lesegerät[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre wurden tragbare Lesegeräte – Gewicht ca. 10 kg – für Mikrofiche unter dem Namen Mikroplan-Koffergerät-Lesegerät Typ 32689/32676 auf den Markt gebracht. Der Bildschirm hatte eine Lesefläche von 34 × 31 cm, B × H. Als Lichtquelle diente eine 12 V-, 50-Watt-Halogenlampe. Die Geräte konnten mit 115/220 Volt ~ bzw. mit 12/24 Volt - (Universal- oder NATO-Stecker) betrieben werden. 32689 konnte Microfiche mit den Abmessungen 18 × 24 cm und Typ 32676 mit 10,5 × 14,8 cm lesen. Mit Hilfe von auswechselbaren Objektiven konnten 24-, 42- und 48-fache Vergrößerungen erzeugt werden. Die Geräte wurden überwiegend bei Bundes- und Länderbehörden sowie in den Lagerverwaltungen und Dokumentationsbereichen von Unternehmen eingesetzt.

APS-Format[Bearbeiten]

Aktuell produziert Minox eine Reihe Kompaktkameras, die das APS-Format verwenden. Alle Kameras der CD-Serie sind mit hochwertigen Objektiven (etwa den aus der Minox-35-Serie bekannten Minoxar-Systemen), automatischem Filmtransport, programmgesteuertem Zentralverschluss, Autofokus und Elektronenblitz mit Vorblitztechnik ausgestattet.

Digitale Fotografie[Bearbeiten]

Minox ist seit 2003 mit einigen auf eigenen Entwürfen basierenden Modellen im Bereich der Digitalfotografie vertreten (DC-Serie). Zwischenzeitlich wurden 29 unterschiedliche Modelle hergestellt. Die Kameras sind überwiegend mit Autofokus-Minoctar-Objektiven ausgestattet, die auf die traditionsreichen Minotar- und Minoxar-Objektive der Minox-35-Serie zurückgehen. Beispiele sind die Kompaktkamera DC 8122 mit 8,1 Megapixel Auflösung und 6-fach optischem Zoom sowie die DC 1011 mit 10 Megapixel Bildauflösung. Minox veredelt zudem Digitalkameras mit 24 Karat vergoldeten und mit Diamanten besetzten Gehäusen (DC 1011 Carat/DC 4211 Gold). In der mittlerweile vierten Generation gibt es seit der photokina 2006 die Digital Classic Camera Leica M3, die eine von Minox miniaturisierte Ausgabe der Leica als Digitalkamera darstellt.

2008 führte Minox für den Anwendungsbereich der Digiskopie das digitale Kamera-Modul DCM ein. Dieses ermöglicht digitale Fotos und Videos mit einem Spektiv aufzunehmen. Im gleichen Jahr stellte das Optikunternehmen die Minox DSC auf der photokina vor. Diese digitale Spionagekamera besitzt die Abmessungen 86 mm × 29 mm × 20 mm und ist somit ähnlich groß wie die Kameras der 8 mm × 11-Reihe. Aufgrund ihres Designs, das in Zusammenarbeit mit Volkswagen entstand, wurde die DSC sowohl mit dem red dot design award als auch mit dem Design Plus Award ausgezeichnet.[4][5]

Kamera-Nachbauten[Bearbeiten]

Zwischenzeitlich stellt Minox auch historische Nachbauten berühmter Kameras im Maßstab 1:3 her. Diese voll funktionsfähigen Nachbauten im Miniaturformat werden unter dem Namen Classic Camera Collection sowohl jeweils als Kleinstbildkamera mit Minox-8×11-Film als auch als Digitalkamera angeboten.

Bislang stellte das Unternehmen Nachbauten von Leica M3, Rolleiflex MiniDigi, Rolleiflex AF 5.0, Hasselblad SWC, Contax I, Leica If, Leica IIIf her.

Fernoptik[Bearbeiten]

1990 kam das von Zapp entwickelte Taschenteleskop Minox T8 auf den Markt. Das Monokular wurde in zwei Versionen, sowohl mit Kunststoffgehäuse als auch mit Aluminiumgehäuse (als T8L bezeichnet) hergestellt. Der Name des Taschenteleskops geht auf die achtfache Vergrößerung zurück.[6]

1993 wurde die Produktpalette um die Produktkategorie Ferngläser erweitert, 1999 folgten Spektive. Auch produziert das Unternehmen Makroskope und Nachtsichtgeräte.

Messtechnik und Multimediaplayer[Bearbeiten]

Minox bietet außerdem (Hand-)Geräte zur Wetterbeobachtung und mit der Suntimer-Reihe zur Messung von UV-Strahlung.

Des Weiteren stieg das Unternehmen 2005 in die Produktion von Media-Playern (DMP-Serie) ein.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dpa: Leica und Minox wollen Boden gut machen, In: Gießener Allgemeine Zeitung vom 16. September 2008, S. 32
  2. a b Minox Germany - History
  3. digitalkamera.de: Minox stellt Digitalkamera DC1311 vor
  4. red dot online: Minox DSC Digitalkamera
  5. Spionagekamera MINOX DSC gewinnt Designpreis auf der Marketing & Services Messe in Frankfurt
  6. Modellbeschreibung zum Minox T8
  7. Minox Germany - Presse-Archiv MINOX bietet das Fotoalbum der Zukunft

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hubert E. Heckmann: MINOX – Variationen in 8×11. Ein Handbuch für Sammler und Anwender. 2. Auflage, Wittig Fachbuchverlag, Hückelhoven 2004, ISBN 3-88984-122-8 (gilt heute weltweit als das beste MINOX-Buch auf dem Markt).
  • Hubert E. Heckmann: MINOX The Queen of Spy Cameras, Variations in 8x11. 2nd English Edition. Wittig Books 2012, ISBN 978-3-88984-153-7
  • Rolf Kasemeier: Kleine MINOX – Große Bilder. 5. Auflage, Lindemanns, Stuttgart 1996, ISBN 3-89506-153-0 (Reprint der Ausgabe des Heering-Verlags, Seebruck 1974).
  • Morris Moses, John Wade: Spycamera – The Minox Story. Second Edition. 2. Auflage, Hove Foto Books, Denver CO 1998, ISBN 1874707286.
  • Gerhard Krüll: Der MINOX-Freund 1–20. Gustav Hinsen GmbH, Düsseldorf (gebundener Nachdruck der Hefte, die zwischen 1958 und 1970 erschienen sind).
  • 1. Deutscher MINOX-Club e.V. (Hrsg.): MINOX Freund. (ab 1993 regelmäßig erscheinendes Insidermagazin; wird seit 2007 nur noch an Clubmitglieder ausgegeben).
  • Peter Eberhard: Oktaeder, Spy-cam Sketches. Minox 8×11. Einführung/Introduction. Clemens Stephan Marti. edition peer, Luzern 2012, ISBN 978-3-905942-07-1.

Weblinks[Bearbeiten]

50.551978.47701Koordinaten: 50° 33′ 7″ N, 8° 28′ 37″ O