Minzöl

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Minzöl („Japanisches Pfefferminzöl“) ist ein aus dem Kraut bestimmter Ackerminzen gewonnenes ätherisches Öl. Es wird als kostengünstige Alternative zu dem höherwertigen Pfefferminzöl in ähnlichen Anwendungsgebieten eingesetzt.

Herstellung[Bearbeiten]

Ackerminze (Mentha arvensis)

Das ätherische Öl wird mittels Wasserdampfdestillation aus dem Kraut mentholreicher Kulturformen der Ackerminze gewonnen. Für pharmazeutische Qualitäten des Öls (Menthae arvensis aetherolum) sind Mentha arvensis L. var. piperascens MALINV. ex HOLMES (Japanische Minze) sowie Mentha canadensis L. zulässige Stammpflanzen. Aus dem primär gewonnenen sehr mentholreichen dickflüssigen Öl (Mentholgehalt bis zu 90 Prozent) wird ein Teil des Menthols nach Kristallisation durch Filtration abgetrennt und nach Rektifikation das Minzöl erhalten.

Ein naturbelassenes Minzöl gibt es nicht, da der natürliche Mentholgehalt für eine Anwendung zu hoch ist und somit abgesenkt werden muss. Die Ackerminze dient zur Gewinnung natürlichen Menthols für die Arznei- und Kosmetikindustrie. Von Mentha arvensis gibt es unterschiedliche Pflanzenzüchtungen, die das Ziel haben, den Mentholgehalt und die ätherische Ölausbeute zu erhöhen. So liegt der Mentholgehalt neuerer Pflanzenzüchtungen bei ca. 90 Prozent der gesamten Ölmenge.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Sicherheitshinweise
Name

Minzöl aus Mentha arvensis L.

CAS-Nummer

90063-97-1

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][3]
Reizend Umweltgefährlich
Reizend Umwelt-
gefährlich
(Xi) (N)
R- und S-Sätze R: 38​‐​43​‐​51/53
S: 24​‐​37​‐​61

Minzöl enthält ca. 30 bis 50 % Menthol, ca. 17 bis 35 % Menthon, ca. 5 bis 13 % Isomenthon und ca. 1,5 bis 7 % Methylacetat, sowie weitere Terpene.[4]

Wirkung[Bearbeiten]

Die chemische Hauptkomponente des Öls ist Menthol. In höherer Dosierung wirkt das Öl daher lokal betäubend (anästhesierend) und schmerzunterdrückend (analgetisch), die Wirkung entspricht dem des (echten) Pfefferminzöls.

Menthol wirkt am Kälte-Menthol-Rezeptor (TRPM8), daher hat das Öl einen (scheinbar) kühlenden Effekt, die Körpertemperatur wird jedoch nicht beeinflusst. Diese Wirkung ist vergleichbar mit dem Hitzereiz des Capsaicin.

Anwendung[Bearbeiten]

Innerlich wird Minzöl bei Blähsucht (Meteorismus), funktionellen Magen-, Darm- (Reizdarm) und Gallenbeschwerden sowie Katarrhen der oberen Luftwege angewendet. Die äußerliche Anwendung erfolgt auf den Schläfen bei Kopfschmerzen und zur Linderung der Symptome von Erkältungen. Mit Hilfe von Inhalation können festsitzender Husten gelöst und die oberen Atemwege frei gemacht werden. Das Einreiben verspannter Muskelpartien mit Minzöl bewirkt eine Linderung der Beschwerden.

Minzöl wird ferner als Aroma in Lebensmitteln und Mundpflegemitteln eingesetzt. Hinsichtlich Geruch- und Geschmacksqualität ist das Minzöl dem echten Pfefferminzöl unterlegen.

Anwendungsbeschränkung[Bearbeiten]

Minzöl und minzölhaltige Zubereitungen dürfen nicht bei Kleinkindern und Säuglingen angewendet werden, es besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Atemnotzustände.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse. Aus diesem Grunde fehlen in aktuellen Artikelversionen gelegentlich die S-Sätze oder Quellen dafür; die vollständige EU-Kennzeichnung findet sich dann in Artikelversionen vor Dezember 2012.
  3. Datenblatt Minzöl (PDF; 53 kB) bei Eramex Aromatics, abgerufen am 9. April 2013.
  4. Europäisches Arzneibuch, 7. Ausgabe, Grundwerk 2011, Deutscher Apothekerverlag, S. 1803.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!