Mirabilit

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Mirabilit
Mirabilite, gypsum-470611.jpg
Mirabilit-Ader in einer Gipsschicht
Andere Namen
  • Glaubersalz
Chemische Formel

Na2[SO4]·10H2O[1]

Mineralklasse Sulfate (und Verwandte)
07.CD.10 (8. Auflage: VI/C.21) nach Strunz
29.02.02.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe farblos, weiß, gelblichweiß, grünlichweiß
Strichfarbe weiß
Mohshärte 1,5 bis 2,5[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,464; berechnet: 1,467[3]
Glanz Glasglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}, deutlich bis undeutlich nach {010} und {001}[3]
Bruch muschelig
Habitus Tafeln, Prismen, derbe Massen, Krusten
Zwillingsbildung selten Kreuzungszwillinge nach {001} und {100}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,396, nβ = 1,410, nγ = 1,419[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,023[4]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 75°; berechnet: 74°[4]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht wasserlöslich und dehydratisierend
Besondere Kennzeichen kalter, salziger bis bitterer Geschmack; vor dem Lötrohr gelbe Flamme (Na)

Mirabilit, auch als natürliches Glaubersalz (in älterer Literatur auch gediegenes Glaubersalz[5]), ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfate (und Verwandte). Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Na2[SO4]·10H2O[1], ist also chemisch gesehen ein Natriumsulfat-Decahydrat.

Mirabilit entwickelt meist kurz- bis langprismatische Kristalle bis etwa 10 cm Länge, aber auch blockförmige, körnige oder massige Mineral-Aggregate und krustige Überzüge. Frische Proben sind zunächst farblos und transparent, die Oberflächen zeigen Glasglanz. An trockener Luft dehydratisiert Mirabilit aber sehr schnell, das heißt er verliert sein Kristallwasser und trocknet aus, wobei er sich in Thenardit umwandelt und matt-weiß anläuft. Durch Fremdbeimengungen kann Mirabilit auch eine gelblichweiße bis grünlichweiße Farbe annehmen.

Mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2,5 gehört Mirabilit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Gips (2) mit dem Fingernagel ritzen lassen.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Seltener, blaugrüner Mirabilit aus Martigny, VS, Schweiz

Mirabilit ist nicht nur empfindlich gegen Austrocknung, sondern auch leicht wasserlöslich und kann sich selbst in seinem eigenen Kristallwasser lösen. Auch bei zu hoher Luftfeuchtigkeit zerfließen die Kristalle relativ schnell. Mineralproben sollten daher immer in vollständig trockenen und luftdichten Behältern aufbewahrt werden.

Auf der Zunge fühlt sich Mirabilit zunächst kühl an, schmeckt dann aber salzig bis bitter.[3] Vor dem Lötrohr zeigt sich eine gelbe Flammenfärbung, was ein Hinweis auf den Natriumgehalt ist.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Mirabilit geht auf die lateinische Bezeichnung „sal mirabilis“ zurück, was soviel wie erstaunliches Salz bedeutet. Johann Rudolph Glauber (1604–1670), wählte diese Bezeichnung, als er 1626 bei der Analyse von Mineralwasser ein unbekanntes Salz mit abführender Wirkung entdeckte. 1658 konnte er das Salz auch künstlich durch Reaktion von Kochsalz mit Schwefelsäure herstellen.[6] Nach der Entdeckung von natürlichem Natriumsulfat benannte Wilhelm Ritter von Haidinger das neue Mineral 1845 nach der alten Bezeichnung „sal mirabilis“ Mirabilit.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mirabilit zur Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Syngenit die „Mirabilit-Syngenit-Gruppe“ mit der System-Nr. VI/C.21 und den weiteren Mitgliedern Eugsterit, Hydroglauberit, Koktait, Lecontit, Matteuccit, und Wattevillit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Mirabilit ebenfalls in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung der „Sulfate (Selenate, etc.) ohne weitere Anionen, mit H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 7.CD.10 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Mirabilit in die Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltigen Säuren und Sulfate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 29.02.02 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Säuren und Sulfate mit (A+)2XO4 • x(H2O)“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Westlicher Nebenarm des Salt Creek im Death Valley. Die Krusten und Ausblühungen am Kanalrand bestehen größtenteils aus Mirabilit.
Pseudomorphose von Thénardit nach Mirabilit aus Boron, Kern County, Kalifornien (Größe: 5,9 x 5,4 x 4,9 cm)

Mirabilit bildet sich in Evaporiten unter ariden Bedingungen. Er kristallisiert dort aus übersättigten Natriumsulfatlösungen aus, wie sie an salzhaltigen Quellen oder in Salztonebenen anzutreffen sind. Begleitminerale sind neben Thénardit unter anderm noch Aphthitalit, Blödit, Epsomit, Gips, Glauberit, Halit und Trona.

Als eher seltene Mineralbildung kann Mirabilit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher (Stand: 2013) gelten rund 180 Fundorte als bekannt.[7]

In Deutschland wurde das Mineral unter anderem bei Heringen und Philippsthal im hessischen Werratal; bei Hänigsen, Wathlingen und am Lüneburger Kalkberg in Niedersachsen; bei Friedland in Mecklenburg-Vorpommern; in der Gipsgrube „Mathias“ bei Rammelfangen im Saarland sowie in der Grube „Willi Agatz“ bei Dresden in Sachsen gefunden.

In Österreich trat Mirabilit bisher vor allem im Salzburger Land auf, wo er in mehreren Gips- und Salzgruben bzw. in Thermalquellen nachgewiesen wurde. Daneben fand sich das Mineral aber auch am Pfennigbach bei Puchberg am Schneeberg in Niederösterreich, in den Salzgruben von Altaussee (Steiermark) und Hall in Tirol sowie in Oberösterreich am Bad Ischler Salzberg, bei Hallstatt und in der Hintersteiner Alp bei Spital am Pyhrn in Oberösterreich.

In der Schweiz fand sich Mirabilit bisher in der Gipsgrube bei Birmenstorf im Kanton Aargau, in Martigny im Kanton Wallis und im Salzbergwerk von Bex im Kanton Waadt.

Bekannte Fundorte für Mirabilit sind unter anderem auch die Tăușoare-Höhle in Rumänien und der Nationalpark Death Valley im US-Bundesstaat Kalifornien. Weitere Fundorte liegen in Ägypten, der Antarktis, Argentinien, Australien, Bolivien, Chile, China, England, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, der Slowakei, Spanien, Tadschikistan, Tschechien, der Türkei, Turkmenistan, der Ukraine, Ungarn und weiteren Bundesstaaten der USA.[4]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Mirabilit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 10,51 Å, b = 10,37 Å, c = 12,85 Å und β = 107,8° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

als Rohstoff[Bearbeiten]

Mirabilit ist ein Rohstoff zur Herstellung von Soda.

in der Medizin[Bearbeiten]

Mirabilit ist bis auf das Kristallwasser chemisch gesehen mit dem Glaubersalz identisch. Wie dieses kann es als Abführmittel (Laxativum) eingesetzt werden. In der traditionellen chinesischen Medizin wird es als Abführmittel unter den Namen máng xiāo (芒硝) eingesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 611.
  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 5. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1991, ISBN 3-342-00288-3, S. 666.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 306.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mirabilite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 392.
  2. Webmineral - Mirabilite (englisch)
  3. a b c d Mirabilite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,6 kB)
  4. a b c d Mindat - Mirabilite (englisch)
  5. F. A. Reuss: Ueber ein gediegenes Glaubersalz in der Gegend von Saidschütz und Saidlitz, in: Crell’s Chemischen Annalen, Band 2 (1791), S. 18 (zitiert in Encyklopädie der gesammten Chemie, Band 1, Teile 1-3, S. 433) in der Google-Buchsuche
  6. James C. Hill: Johann Glauber's discovery of sodium sulfate - Sal Mirabile Glauberi. In: Journal of Chemical Education. 56, 1979, S. 593, doi:10.1021/ed056p593
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Mirabilit