Miri-Clan

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Der Miri-Clan, auch Miri-Familie genannt, ist die deutsche Bezeichnung für einen mhallami-libanesischen Clan, derzeit wohl überwiegend in Bremen ansässig; andere Schwerpunkte seines Auftretens sind Essen und Berlin. Der Clan weist Eigenschaften der organisierten Kriminalität auf. Einige Familienmitglieder betreiben Schutzgelderpressungen, Drogen- und Waffenhandel oder sind im Rotlichtmilieu aktiv,[1] andere sind hingegen gut integriert.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren kamen rund 15.000 Bürgerkriegsflüchtlinge, deren Staatsangehörigkeit teilweise nicht geklärt werden konnte, aus dem Libanon. Die Familien ließen sich hauptsächlich in den Städten Berlin, Bremen und Essen nieder.

Laut der Illustrierten Stern existiert der Miri-Clan seit 30 Jahren in Deutschland. Von den schätzungsweise 2500 Angehörigen seien etwa 1100 bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten.[3]

In der Türkei führten die Mhallami arabische Namen, die keine Nachnamen im europäischen Sinn beinhalten. Die von Mustafa Kemal Atatürk eingeführten türkischen Namen wurden nur im Umgang mit türkischen Behörden verwendet. Im Libanon benutzten sie wieder ihre arabischen Namen. Weil im Libanon Familiennamen geführt werden, fügten sie den Vornamen aber einen „Clannamen“ an, der wahrscheinlich meist nach einem männlichen Vorfahren oder einer besonderen traditionellen Stellung der Familie, Herkunftsort oder -region gewählt wurde. Dies geschah wahrscheinlich zwischen 1925 und 1935. Die Gleichheit oder Ähnlichkeit eines Nachnamens bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Familien untereinander verwandt sein müssen. Die Namen wurden vielmehr nach der Einreise in den Libanon frei, wahrscheinlich unter Orientierung an bereits ansässigen Angehörigen ausgewählt. Es kam auch vor, dass sich ein männliches Mitglied einer Familie aufgrund von innerfamiliären Streitigkeiten einen eigenen Familiennamen zulegte und somit eine neue Sippe gründete.[4]

Spätestens seit 2004 befasste sich auch die Kommission Organisierte Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) mit den Clans, zu denen die Großfamilie Miri zählt, und kritisierte das Scheitern der Integrationsbemühungen in Deutschland.[1] Nach Einschätzung von Experten habe die Justiz durch falsch verstandene Toleranz und Nachsichtigkeit die Zerschlagung krimineller Strukturen erschwert.[1]

Offiziellen Angaben des Bremer Staatsrates Matthias Stauch aus dem Jahr 2008 zufolge habe die Polizei Erkenntnisse über ca. 1400 Familienangehörige einschließlich ihres Umfeldes in Bremen, von denen 440 als tatverdächtig gelten. Genaue Zahlen könne man nicht erheben, da Verwandtschaftsverhältnisse unklar seien bzw. dem Datenschutz unterlägen.[5] Laut Polizeisprecher Niels Matthiesen hingegen lebten im Jahr 2013 rund 2600 Clan-Angehörige in Bremen, von denen „die Hälfte im Polizeicomputer wegen erheblicher Straftaten erfasst“ sei.[6] Diese Zahl nennt auch der Stern in einem Artikel aus dem Jahr 2011.[2]

Die Behörden seien wegen Personalmangels oft nicht mehr in der Lage, die Straftaten zu verfolgen. Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) habe laut stern TV zwar eine Nulltoleranz-Strategie angekündigt, passiert sei seitdem jedoch nichts.[3]

Der Polizeipräsident Holger Münch kritisierte die Berichterstattung von stern TV als „reißerisch und ungenau“.[7] In Bremen wurde ein Handlungskonzept Stopp der Jugendgewalt insbesondere für Hochrisikofamilien erarbeitet, welches auf jugendliche Intensivtäter abzielt. Da zu einer Familie 1400 Personen gerechnet würden, solle man „sich davor hüten, eine ganze Familie unter Generalverdacht zu stellen,“ so Stauch.[5]

Das Vorgehen der Polizei bezeichnete ein Rechtsanwalt, zu dessen Mandanten auch Angehörige des Clans gehören, als „unredlich“. Er beschuldigte die Verantwortlichen „auf der Basis sehr zweifelhafter Zahlen eine Kampagne“ zu fahren und mahnte Sozialpolitik als „die beste Sicherheitspolitik“ an. Spiegel Online zitiert einen BKA-Bericht, nach dem Asylbewerber „qua Arbeitsverbot an der Eingliederung gehindert“ würden. Die Rechtslage fördere so die Isolation. Sie bildeten „heimatliche Dorfstrukturen“ nach, hätten einen sehr hohen Anteil an Analphabeten und seien dadurch relativ abgeschottet.[1]

Bekannte Fälle[Bearbeiten]

Ein Mitglied der Familie führt das inzwischen in Bremen verbotene Chapter des Motorradclubs Mongols MC an,[7] welcher überwiegend Mitglieder mit Migrationshintergrund aufnahm. Die Mongols lieferten sich in Bremen mit den Hells Angels wiederholt gewalttätige Auseinandersetzungen.[8] Auch wurde der Innensenator Ulrich Mäurer in diesem Zusammenhang kritisiert, nicht die Hells Angels verboten zu haben. Im Gegensatz zu dieser Gruppe hätten die Mongols „Verbotsgründe auf dem Silbertablett serviert,“ so Mäurer.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Jörg Diehl: Organisierte Kriminalität - Schrecklich nette Familien. In: Spiegel-Online. 9. Dezember 2009, abgerufen am 13. Juli 2013.
  2. a b Mord mit Ansage. In: stern.de. 5. Juni 2011, abgerufen am 22. August 2013.
  3. a b Stern.de vom 30. März 2011: Die Machenschaften der Miris: Ein Clan verbreitet Angst und Schrecken [1]
  4. Heinrich Freckmann, Jürgen Kalmbach: Staatenlose Kurden aus dem Libanon oder türkische Staatsangehörige? (Ergebnis einer Untersuchung vom 08.–18. März 2001 in Beirut, Mardin und Ankara) (PDF; 43 kB), Hannover, Hildesheim, 2001; S. 3–4
  5. a b Bremische Bürgerschaft 2008: Plenarprotokoll 17/29 vom 8. Oktober 2008 ([2])
  6. Politikerin nimmt die Miris auch noch in Schutz! In: bild.de. 14. August 2013, abgerufen am 22. August 2013.
  7. a b c Weser-Kurier vom 20. Mai 2011: Streit um sofortiges „Mongols“-Verbot
  8. Radio Bremen, 14. Oktober 2010: Neuer Motorradclub will in Bremen Fuß fassen - Brisante Verbindungen zum "Miri-Clan"[3]