Miroslav (Stadt)

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Miroslav
Wappen von Miroslav
Miroslav (Stadt) (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 2660 ha
Geographische Lage: 48° 57′ N, 16° 19′ O48.94666666666716.316388888889260Koordinaten: 48° 56′ 48″ N, 16° 18′ 59″ O
Höhe: 260 m n.m.
Einwohner: 2.919 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 72
Verkehr
Straße: Znojmo - Moravský Krumlov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Augustin Forman (Stand: 2007)
Adresse: nám. Svobody 1
671 72 Miroslav
Gemeindenummer: 594458
Website: www.mesto-miroslav.cz

Miroslav (deutsch Mißlitz) ist eine Stadt in Tschechien. Sie liegt 27 Kilometer nordöstlich von Znojmo und gehört zum Bezirk Znojmo.

Geographie[Bearbeiten]

Die südmährische Weinstadt wird umgeben von sanften Hügeln, die als Weinberge dienen. Die Landschaft der Miroslavské kopce wurde wegen ihrer Vielfalt von 342 Pflanzenarten zum Naturdenkmal erklärt. Markantester der Hügel ist der 300 m hohe Markův kopec unmittelbar südlich der Stadt. In Miroslav entspringt das Flüsschen Miroslavka. Durch die Stadt führt die Staatsstraße 400, die von der Staatsstraße 53 bei Miroslav in Richtung Moravské Budějovice führt.

Nachbarorte sind Miroslavské Knínice im Norden, Našiměřice im Nordosten, Suchohrdly u Miroslavi im Osten, Damnice im Südosten, Kašenec im Süden, Hostěradice im Westen sowie Míšovice und Kadov im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste urkundliche Nachweis über den Ort Mitterdorf stammt von 1222, als Ottokar I. Přemysl und Konstanze von Ungarn den Weinzehnt dem Kloster Raigern stifteten. Das Dorf ist seit 1239 als Pfarrort belegt. 1332 sind erste Juden in dem Ort nachweisbar. 1384 wurde die Wasserfeste erstmals erwähnt, die Sitz des Adelsgeschlechts von Mißlitz war.

Zwischen 1497 und 1569 gehörte Mißlitz den Valecký von Mirov. Während dieser Zeit erfolgte der Umbau der Feste zum Schloss und 1533 erhob Ferdinand I. den Ort zum Markt.

Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde der Besitz des Aufständischen Hynko Hoditz von Hoditz konfisziert. Einen großen Bevölkerungsanteil, der zeitweilig die Hälfte ausmachte, bildeten seit dem 15. Jahrhundert die Juden. Es entstand die Judenstadt. 1692 erwarb das Kloster Klosterbruck die Herrschaft und hielt sie bis zur Säkularisation im Jahre 1784. Da im Jahre 1454 Ladislaus Postumus alle Juden aus den königlichen Städten Olmütz, Brünn, Znaim, Iglau und Neustadt vertrieben wurden, zogen viele von diesen nach Mißlitz. 1565 schließt die Stadt die Marktflecken Böhmdorf und Wenzeldorf mit ein. Während der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde Mißlitz protestantisch. Erst während des Dreißigjährigen Krieges wurde durch die Jesuiten die Stadt wieder katholisch. Während des Krieges selbst wurde die Stadt im Jahre 1619 von den Kaiserlichen unter Heinrich von Dampierre und 1645 von den Schweden unter Lennart Torstensson geplündert und gebrandschatzt. Eine Pestepidemie im Jahre 1696 forderte viele Opfer in der Stadt. Alleine in den Jahren 1763, 1776, 1794, 1798 und 1799 wüteten große Brände in der Stadt und verursachten schwere Schäden. Ab dem Jahr 1784 erhält die Stadt das Recht auf einen dritten Jahrmarkt. 1790 eröffnete eine jüdische Gemeindeschule.

Während der Franzosenkriege besetzten die Franzosen in den Jahren 1805 und 1809 die Stadt. 1824 erwarb Joseph Edler von Hopfen Mißlitz, 1846 erbte dessen Enkel und Präsident des Abgeordnetenhauses Franz Xaver Ritter von Hopfen den Besitz. Gleich dreimal im 19. Jahrhundert (1832, 1836 und 1849) wütet die Cholera in der Stadt. Als erster Jude der Habsburger Monarchie erhielt der Mißlitzer Schlosser Raphael König 1831 seinen Meisterbrief. Nach der Ablösung der Patrimonialherrschaften erhielt die untertänige Stadt 1848 ihre Selbstständigkeit. Das Judenviertel bildete eine eigene Gemeinde. Im Jahre 1850 lebten in der Stadt 1817 Menschen. Im Rahmen des Bahnausbaues in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Mißlitz im Jahre 1869 eine Bahnstation errichtet.

1899 wird der Ort Böhmdorf und 1908 Wenzeldorf eingemeindet.[2]; 1924 wurde auch das Judenviertel eingemeindet. Besitzer des Schlosses wurde 1911 der Wiener Zuckerbaron Hardt-Stummer von Tavarnok.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 92 Mißlitzer das Leben kostete, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Einer der Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[3] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Mißlitz, das 1910 zu mehr als 76  % von Deutschsüdmährern bewohnt war, an den neuen Staat. Maßnahmen folgten wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung. Viele Güter wurden teilenteignet und hauptsächlich an tschechische Kleinbauern und Arbeiter verpachtet. Dadurch kam es verstärkt zum Zuzug von Siedlern und Beamten mit tschechischer Nationalität, deren Bevölkerungsanteil ist zwischen den Volkszählungen 1910 und 1930 um 235 % gestiegen. Am 20. September 1923 wurde die Nachbarortschaft Deutsch-Könitz in Mißlitz eingemeindet, aber eine weitere Eingemeindung (Bochwitz) verhindert, um die tschechische Mehrheit zu erhalten.[4] Erst ab 1924 erhält die Stadt wieder einen deutschen Bürgermeister, weil sich die jüdischen Vertreter der deutschen Fraktion anschlossen. Die wachsenden Autonomiebestrebungen der Deutschen führten zu Spannungen innerhalb des Landes und im weiteren zum Münchner Abkommen, das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. Zwischen 1938 und 1945 gehörte der Ort Mißlitz zum Reichsgau Niederdonau. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die jüdische Gemeinde zerschlagen und nur ein geringer Teil der Juden überlebte die Deportation in Konzentrationslager.[5][6]

Bei einem Bombardement im Mai 1945 wurde die Stadt schwer beschädigt und das jüdische Viertel weitgehend vernichtet. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 272 Opfer zu beklagen. Nach Kriegsende (8.Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch der Ort Mißlitz im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Durch die einsetzenden Schikanen und Folterungen durch militante Tschechen und nationale Milizen kamen drei Zivilpersonen zu Tode.[7] Viele deutsche Bürger flohen vor diesen Nachkriegsexzessen über die nahe Grenze nach Österreich. Im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, wurde zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung genommen, explizit jedoch ein „geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Bis auf 63 Personen wurden die noch vorhandenen deutschen Bewohner von Mißlitz 1946 zwangsausgesiedelt. Der Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus beglaubigt, dass diese Transporte zu keiner Zeit in „ordnungsgemäßer und humaner“ Weise erfolgten. [8] Aufgrund der Beneš-Dekrete 108 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung.

Von den Vertriebenen verblieben ca. 30 Familien in Österreich, der Großteil wurde nach in Deutschland Baden-Württemberg transferiert und 20 Personen wanderten in die USA aus.

1950 hatte Miroslav (Mißlitz) nur noch 2252 Einwohner und besitzt seit 1965 Stadtrechte. Die Stadt führte seit 1695 eigene Matriken.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Mit der Markterhebung im Jahre 1533 erhielt Mißlitz sowohl ein Siegel als auch ein Wappen. Das Siegel zeigt innerhalb der Umschrift "SIGILL VM: DES MARCKS:MISLITZ" einen gespaltenen Schild, darin vorne einen halben Adler und hinten einen Rebzweig mit zwei Trauben.

Das Wappen war anfangs Rot mit einem halben silbernen Adler und zwei natürlichen Weintrauben. In den darauffolgenden Jahrhunderten änderten sich die Farben des Wappens je nach Herrschaftsbesitzer. Die letzte Änderung erfolgte im Jahre 1965 durch den tschechischen Nationalausschuss. Inzwischen wurde aber empfohlen, zu den ursprünglichen Farben zurückzukehren.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 3520 2596 907 17
1890 3719 2586 1100 33
1900 3988 2370 1590 28
1910 4148 3163 964 21
1921 4074 1817 2039 218
1930 4417 1960 2273 184

[10]

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Miroslav besteht aus den Ortsteilen Kašenec (Kaschnitzfeld) und Miroslav (Mißlitz) sowie den Ortslagen Václavov (Wenzelsdorf) und Česká Ves (Böhmdorf).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Miroslav, seit 1384 als Wasserfeste nachweisbar und zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter Sigismund Valecký von Mirov im Renaissancestil umgebaut
  • Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul (1239), Barockbau aus dem Jahre 1729
  • Reformierte Kirche, die turmlose Kirche entstand 1846 nach dem Toleranzedikt
  • Jüdischer Friedhof
  • Evangelische Kirche (1846)
  • Kulturhaus, frühere Synagoge
  • Kaiser Franz Josef Denkmal (1908),1918 von Tschechen zerstört
  • Rathaus (1914)
  • Glockenturm von Kašenec
  • Gedenkstein für die Opfer des Bombardements vom 7. Mai 1945
  • Statuen des Hl. Florian und Johannes von Nepomuk
  • Weinkeller
  • Stahlplastik Radost von Pavel Krbálek, das 12 m hohe Kunstwerk wurde 2001 aufstellt
  • Kloster der Hedwigschwestern, Filiale des Mutterhauses in Frischau, mit vier Nonnen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In der Stadt lebten und wirkten[Bearbeiten]

  • Raphael König (* 1808 in Edelspitz; † 1894 in Mißlitz), der Schlosser wurde 1831 als erster Jude der k.u.k. Monarchie zum Meister geschlagen

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

Gender der Stadt[Bearbeiten]

Obwohl der Stadtname Miroslav an den gleich lautenden tschechischen männlichen Vornamen Miroslav erinnert, ist im Tschechischen der Name der Stadt grammatikalisch weiblich, ähnlich wie etwa bei (Mladá Boleslav). Deshalb heißt die Nachbarortschaft auch Suchohrdly u Miroslavi.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Slezacek: Mißlitz 912 - 1912 (1912)
  • Führer durch die Südmährische Ausstellung für Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft Mißlitz 4.-11. Juli 1937 (1937)
  • Hygin Elbling: Geschichte der Judengemeinde Mißlitz (1978)
  • Rudolf Jelínek: Miroslav Sedm set padesát let písemních památek (1972)
  • Hygin Elbling: Ortsgeschichte der Marktgemeinde Mißlitz (1973)

Quelle[Bearbeiten]

  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Anton Schroll & Co, Mißlitz S.335
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Mißlitz S.62
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. (1990), Mißlitz S.20
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. (1992), Mißlitz S.140f
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 265f (Mißlitz).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodel: Der Kreis Znaim von A bis Z. (2009)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Walfried Blaschka, Gerald Frodl:Der Kreis Znaim von A bis Z., 2009
  3. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  4. Hygin Elbing: Ortsgeschichte von Mißlitz
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  6. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  7. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, Mißlitz S. 34, 207, 261, 265, 266, 269, 270, 273, 573.
  8. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  9. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band III. S.275
  10. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984