Miroslav Filipović

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Miroslav Filipović

Miroslav Filipović (später auch Tomislav Filipović und Tomislav Filipović-Majstorović; * 5. Juni 1915 in Jajce, Österreich-Ungarn; † 1946)[1][2] war ein römisch-katholischer Priester der franziskanischen Orden und wurde zum Kollaborateur mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Während des Zweiten Weltkrieges beteiligte er sich im Vasallenstaat „Unabhängiger Staat Kroatien“ (NDH) als Militärgeistlicher der Ustascha an Massakern an Serben, Juden und Roma und war vorübergehender Kommandant des KZ Jasenovac und KZ Stara Gradiška. Nach dem Kriegsende wurde Filipović wegen Kriegsverbrechen angeklagt und zum Tode durch Erhängen verurteilt.

Leben[Bearbeiten]

Filipović wurde am 5. Juni 1915 als Sohn von Ante und Marica Filipović (geborene Radulović) in Jajce geboren. Er schloss das Gymnasium in Visoko und sein Theologiestudium in Sarajevo ab.[2] 1938 trat er dem Mönchskloster des franziskanischen Ordens bei Petrićevac, einem Stadtteil von Banja Luka bei und nannte sich in „Tomislav Filipović“ um.[3][4] 1939 wurde er zum Priester geweiht und diente im Mönchskloster bei Petrićevac bis Ende 1941.[2]

Ustascha[Bearbeiten]

Im Januar 1942 trat er der Ustascha bei und wurde als Militärgeistlicher der Brigade P.T.S. nach Banja Luka berufen, wo er bis Juni 1942 blieb.[2] Er wurde wegen seiner Beteiligung am Massaker von Banja Luka an über 2300 Serben, darunter Männer, Frauen und Kinder, in der Umgebung von Banja Luka am 28. April 1942 aus dem Franziskanerorden ausgeschlossen.[5][4][6][7][8] Danach wurde er von einem deutschen Kriegsgericht wegen „übertriebener Verbrechen, die den Aufstand auslösten“, angeklagt. Vjekoslav Luburić erreichte seine Freilassung und ernannte ihn im Juni 1942 zum Kommandanten des KZ Jasenovac,[7][2] wo er bis Oktober 1942 blieb.[9][10] Als Kommandant war er, auch nach eigener Aussage, für den Tod von bis zu 40.000 Menschen verantwortlich.[11][12][13] Nach eigener Aussage hatte er über 100 Personen persönlich umgebracht.[8] Am 22. Oktober 1942 übernahm er die Kontrolle über das KZ Stara Gradiška.[14] In beiden Lagern hatte er, nach Aussagen von Überlebenden, Gefangene (Männer, Frauen wie auch Kinder) auf sadistische und brutale Art und Weise, durch Hämmer, Messer oder Schusswaffen, ermordet. Nach dem Krieg wurde Filipović in Zagreb wegen Kriegsverbrechen angeklagt und zum Tode durch Erhängen verurteilt.[4][13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Samuel Totten,Paul Robert Bartrop,Steven L. Jacobs: Dictionary of Genocide: A–L. Greenwood Press, 2008. Seite 231
  2. a b c d e  Vladimir Dedijer: Jasenovac - das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan. Ahriman, 1988. Seite 166
  3. Tko je tko u NDH: Hrvatska 1941–1945 by Darko Stuparić, Minerva, Zagreb: 1997, Seite 114
  4. a b c  Randall Meadow, Giuseppe Grillo: The 15th City. 2011. Seite 127 f.
  5.  Lazar Lukajić: Fratri i ustaše kolju. Belgrad 2005. Liste der ermordeten Serben auf den Seiten 341 bis 402
  6.  Vladimir Dedijer: Jasenovac - das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan. Ahriman, 1988. Seite 136
  7. a b  Zeev Milo: Im Satellitenstaat Kroatien: eine Odyssee des Überlebens 1941–1945. Hartung-Gorre, Konstanz 2002. Seite 71
  8. a b  Sabrina P. Ramet: The three Yugoslavias: state-building and legitimation, 1918–2005. Indiana University Press, Bloomington 2006. Seite 122 ff.
  9.  Eugen Drewermann: Jesus von Nazareth: Befreiung zum Frieden. Walter, 1996. Seite 694
  10.  Verein Romano Centro: Roma: das unbekannte Volk : Schicksal und Kultur. Böhlau, 1994. Seite 101
  11.  Juan A. Herrero: Medjugorje - Ecclesiastical Conflict, Theological Controversy, Ethnic Division. In: Joanne Marie Greer, David O. Moberg (Hrsg.): Research in the social scientific study of religion. 1999. Seite 142
  12.  Michael Phayer: The Catholic Church and the Holocaust, 1930-1965. Indiana University Press, Bloomington 2000. Seite 38
  13. a b  Edmond Pâris: Genocide in satellite Croatia, 1941–1945: a record of racial and religious persecutions and massacres. American Institute for Balkan Affairs, 1961. Seite 137
  14.  Jure Krišto: Katolička crkva i Nezavisna Država Hrvatska 1941–1945. 1998. Seite 223