Miroslav Krleža

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Miroslav Krleža

Miroslav Krleža (* 7. Juli 1893 in Zagreb, seinerzeit Österreich-Ungarn ; † 29. Dezember 1981 in Zagreb) war ein bedeutender jugoslawischer und kroatischer Schriftsteller.

Krleža war ein produktiver Schreiber. Im Laufe von 66 Schaffensjahren verfasste er über 50 Monographien vieler Genres, von Poesie und Polemik über Romane und Dramen bis zu Reiseerzählungen und politischer Publizistik.

Leben[Bearbeiten]

Krleža besuchte in Zagreb die Volksschule und die ersten vier Klassen des Gymnasiums bis 1908. Danach absolvierte er in Pécs die Kadettenschule von 1908-1911. Als besonders guter Schüler erhielt er ein kaiserliches Stipendium, mit dem er die nächsten beiden Jahre die Militärakademie Ludoviceum in Budapest besuchte. 1913 verließ er das Institut und reiste über Frankreich nach Skopje, wo er sich in jugendlicher Begeisterung der serbischen Armee als Freiwilliger anschließen wollte. Er wurde aber als österreichischer Spion verdächtigt, wurde zur Überprüfung nach Belgrad überstellt und schlug sich danach wieder in die österreichisch-ungarische Monarchie durch. Er wurde auch von der österreichischen Grenzpolizei festgenommen, nach einem Verhör aber freigelassen und begab sich nach Zagreb, wo erste literarische Arbeiten entstanden.

Im Ersten Weltkrieg wurde Krleža 1915 in die österreich-ungarische Armee einberufen. Nach einer Erkrankung und Aufenthalt im Militärkrankenhaus 1916 kurze Zeit an die Front nach Galizien abkommandiert, konnte er bald wieder nach Zagreb zurück, wo er bis Ende des Krieges diente.

1919 gründete und leitete er die Literaturzeitschrift Plamen (dt.: Die Flamme). Er heiratete im selben Jahr Leposava Kangrga. Von 1923 bis 1927 leitete er die Zeitschrift Književna republika (deut. Die Literaturrepublik). 1924 machte er eine Reise in die Sowjetunion, worauf ihm in seiner Heimat der Reisepass abgenommen wurde. 1932 bereiste er die Tschechoslowakei und Polen. Zusammen mit Milan Bogdanović gründete er 1934 die Zeitschrift Danas (deut. Heute). 1939-1940 leitete er die Zeitschrift Pečat (deut. Das Siegel). 1941 verhaftete die Gestapo Krleža. Auf Intervention des Schriftstellers und hohen Ustaša-Politikers Mile Budak wurde er aber nach einigen Tagen wieder entlassen[1] und verbrachte die Kriegsjahre zurückgezogen in Zagreb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst Redakteur der Zeitschrift Republika. Seit 1947 war er Mitglied der Jugoslawischen Akademie und deren langjähriger Vizepräsident. 1950 organisierte Krleža in Paris eine Ausstellung über mittelalterliche Kunst aus Jugoslawien. Seit diesem Jahr wurde er auch Direktor des neu gegründeten Jugoslawischen Lexikographischen Instituts in Zagreb. In dieser Funktion zeichnete er für die Herausgabe verschiedener Lexika und Enzyklopädien verantwortlich. 1962 war er Mitbegründer der Zeitschrift Forum. 1968 erhielt er den Herderpreis der Universität Wien. Krleža wurde nach seinem Tode 1982 auf dem Friedhof Mirogoj in Zagreb beerdigt.

Rezeption[Bearbeiten]

Nach Krležas Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ist Krieg in seinen verschiedenen Ausprägungen unbestreitbar eines seiner wichtigsten Themen und zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten seiner Werke. Auch wenn er sich etwa in der Kriegslyrik (1918 - 1919) häufig biblischer Symbolik bedient, so ist doch schon hier der kommunistische Einfluss auf sein Gedankengut bemerkbar.

Als eines der wichtigsten Werke gilt die Sammlung von Erzählungen Der kroatische Gott Mars (Hrvatski bog Mars) 1922 (erweiterte Ausgabe 1933). In diesem Werk, welches in einer Serie zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Kriegen spielender, oberflächlich betrachtet unzusammenhängender Fragmente die Tragödie des einfachen Volkes beschreibt, das für die Ziele der Mächtigen, noch dazu fremder Mächtiger, in den Tod geschickt wird, handelt sich um eines der eindrucksvollsten Antikriegswerke der europäischen Literatur. Von der Intention, streckenweise auch stilistisch, ist es mit den Letzten Tagen der Menschheit Karl Kraus' vergleichbar, mit welchem Krleža auch sonst einiges verbindet.

Ein weiteres wichtiges Werk ist Die Rückkehr des Filip Latinovicz (Povratak Filipa Latinovicza), 1932.

In der Zwischenkriegszeit war Krleža als Herausgeber mehrerer Zeitschriften tätig, so unter anderem Plamen ("Flamme"), Književna republika ("Literarische Republik"), Danas ("Heute") und, am berühmtesten, Pečat ("Stempel"), in welchem er auch seinen berühmten Aufsatz "Der dialektische Antibarbar" veröffentlichte. In den 1930er Jahren kam es zu immer offeneren Gegensätzen zwischen ihm und der politischen Führung der kommunistischen Partei, trotz seiner persönlichen Freundschaft mit Josip Broz Tito. Im Zweiten Weltkrieg in der Zeit des sogenannten Unabhängigen Staats Kroatien verzog er sich in die innere Emigration, blieb aber in Zagreb.

In dem neuen jugoslawischen Regime konnte er sich bald eine gesicherte Position erarbeiten und leitete unter anderem das Zagreber lexographische Institut, wo er an der Herausgabe mehrerer Enzyklopädien beteiligt war. Auch seine Kreativität als Schriftsteller hatte kaum nachgelassen. Während der Protestbewegung des Kroatischen Frühlings war er Mitunterzeichner der "Deklaration über die literarische Kroatische Sprache".

In den letzten Jahren ist Miroslav Krleža nicht mehr unumstritten. Einerseits bezweifelt kaum jemand seine Rolle als einer der Begründer der modernen kroatischen Literatur überhaupt, und der gewaltige Umfang und Einfluss seines Werkes wird auch nicht in Frage gestellt. Andererseits heißt es oft, seine unerreichbare Position und Stellung als "literarischer Dinosaurier" habe das Aufkommen und die Entwicklung unabhängiger Autoren behindert, welche neue und andere Richtungen erforschen hätten können. Außerdem nimmt man ihm oft sein Näheverhältnis zur kommunistischen Partei übel.

Ehrungen[Bearbeiten]

1993 veröffentlichte die kroatische Post eine Briefmarke anlässlich des 100. Geburtstages von Miroslav Krleža.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Originalausgaben
  • Legenda. 1914.
  • Maskerata. 1914.
  • Zarathustra i mladić. 1914.
  • Pan. 1917.
  • Tri simfonije. 1917.
  • Lirika. 1918
  • Saloma. 1918.
  • Pjesme. 1918-19 (3 Bde.).
  • Michelangelo Buonarroti. 1919.
  • Eppur si muove. 1919.
  • Tri kavalira frajle Melanije. 1920.
  • Magyar kiralyi honvéd novela-Kraljevsko-ugarska domobranska novela. 1921.
  • Golgota. 1922.
  • Adam i Eva. 1922.
  • Novele. 1923.
  • Vražji otok. 1923.
  • Izlet u Rusiju. 1926.
  • Knjiga pjesama 1931.
  • Moj obračun s njima. 1932.
  • Knjiga Lirike. 1932.
  • Deset krvavih godina. 1937.
  • Dijalektički antibarbarus. 1939.
  • Davni dani. 1956.
  • Aretej. 1959.
  • Zastave. Roman. 1967 (1967 unter Regie von M. Fanelli fürs jugoslawische Fernsehen verfilmt).
  • Izabrana djela. 1969.
  • 99 varijacija. 1972.
  • Djetinjstvo i drugi spisi. 1972.
  • Put u raj. 1973.
  • Miroslav Krleža. Jubilarno izdanje. 1973.
  • Dnevnik. 1977 (5 Bde.).
Petrica Kerempuh, die Hauptfigur der Balladen des Petrica Kerempuh, als Teil des monumentalen Denkmals des Bauernaufstands von 1573 in Gornja Stubica dargestellt
Deutsche Übersetzungen
  • Die Glembays. Übersetzung von Barbara Sparing, Verlag Volk und Welt, Berlin 1972.
  • Essays. Übersetzung von Barbara Sparing. Verlag Volk und Welt, Berlin 1974.
  • Beisetzung in Theresienburg. (Sprovod u Teresienburgu.) Erzählung. Übersetzung von Barbara Sparing. Insel-Verlag, Leipzig 1977.
  • Kindheit. Erinnerungen. Aus dem Serbokroatischen übersetzt von Barbara Antkowiak. Verlag Volk und Welt, Berlin 1981.
  • Königlicher Jahrmarkt („Hrvatska rapsodija“). Edition Ersamus, Zagreb 1993, ISBN 953-613200-1 (übers. von Ksenija Cvetković).
  • Der kroatische Gott Mars. Kriegsnovellen („Hrvatski bog Mars“). Wieser Verlag, Klagenfurt 2009, ISBN 978-3-85129-843-7 (übers. von Milica Sacher-Masoch).
  • Galizien. Dramen Athenäum Verlag, Königstein/T. 1985, ISBN 3-7610-8385-8 (übers. von Milo Dor; Inhalt: Die Wolfsschlucht. Stück in 3 Akten, Die Glembays. Ein Drama, Leda. Komödie einer Karnevalsnacht und In Agonie. ein Drama).
  • Die Rückkehr des Filip Latinovics. Roman („Povratak Filipa Latinovicza“). Neuaufl. Wieser Verlag, Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-85129-653-2 (Dramatisierung 1970)
  • Die Balladen des Petrica Kerempuh. Balladenzyklus („Balade Petrice Kerempuha“). Verlag Die Brücke, Zagreb 1972.
  • Ohne mich. Eine einsame Revolution. Roman („Na rubu pameti“). Neuaufl. Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-7610-8343-2 (Dramatisierung 1963).
  • Bankett in Blitwien („Banket u Blitvi“). Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-7610-8342-4.
  • Eine Kindheit in Agram. Erinnerungen („Djetinjstvo u Agramu godine 1902-1903“). Aus dem Serbokroatischen übersetzt von Barbara Antkowiak. Mit einer Einführung von Reinhard Lauer, Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1986, ISBN 3-7610-8407-2.
  • Essays. Über Literatur und Kunst („Eseji, 1961-67“). Athenäuzm Verlag, Frankfurt/M. 1987, ISBN 3-610-08457-X.
  • Der Großmeister aller Schurken. In extremis. Erzählungen. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1963 (Insel-Bücherei; 786).
  • Beisetzung in Teresienburg. Erzählung („Spovod u Teresienburgu“). Rowohlt, Reinbek 1981, ISBN 3-499-40083-9.
  • Tausendundein Tod. Erzählungen(„Hiljadu i jedna smrt“). Fischer-Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 1987, ISBN 3-596-25494-9.
  • Requiem für Habsburg. Erzählungen. Piper, München 1968 (Bücher der Neunzehn; 166).
  • Illyricum sacrum. Fragmente aus dem Spätherbst 1944 („Illyricum sacrum“). Wieser Verlag, Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-85129-754-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivanka Graffikus: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzbarkeit serbokroatischer literarischer Prosa. Dargestellt an deutschen Übersetzungen von Ivo Andrić und Miroslav Krleža. Sagner, München 1985, ISBN 3-87690-299-1 (zugl. Dissertation, Universität Marburg 1975).
  • Ivan Krolo u.a.: Miroslav Krleža 1973. Jugoslavenska Akademija, Zagreb 1975 (kroatisch)
  • Sabine Kukavica: Der poetische Text in der zweisprachigen vermittelten Kommunikation. Dargestellt am Roman „Povratak Filipa Latinovicza“ von Miroslav Krleža und seinen Übersetzungen ins Deutsche. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin 1986.
  • Reinhard Lauer (Hrsg.): Künstlerische Dialektik und Identitätssuche. Literaturwissenschaftliche Studien zu Miroslav Krleža. Harrassowitz, Wiesbaden 1990, ISBN 3-447-03089-5 (Opera Slavica/NF; 19).
  • Andreas Leitner: Die Gestalt des Künstlers bei Miroslav Krleža. Winter, Heidelberg 1986, ISBN 3-533-03889-0 (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte; Folge 3; Bd. 76).
  • Peter J. Robinson: The plays of Miroslav Krleza. University Press, Santa Barbara 1982 (Dissertation).
Das Gebäude des Lexikographischen Instituts Miroslav Krleža in Zagreb

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Milovan Đilas: Jahre der Macht : Im jugoslawischen Kräftespiel : Memorien 1945-1966, S. 67. München : Deutscher Taschenbuch Verlag, 1983.