Miroslav Krleža

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Miroslav Krleža

Miroslav Krleža (* 7. Juli 1893 in Zagreb, seinerzeit Österreich-Ungarn ; † 29. Dezember 1981 ebenda) war ein bedeutender jugoslawischer und kroatischer Schriftsteller. Im Laufe von 66 Schaffensjahren verfasste er über 50 Monographien vieler Genres, von Poesie und Polemik über Romane und Dramen bis zu Reiseerzählungen und politischer Publizistik.

Leben[Bearbeiten]

Krleža besuchte in Zagreb die Volksschule und die ersten vier Klassen des Gymnasiums bis 1908. Danach absolvierte er in Pécs die Kadettenschule von 1908-1911. Als besonders guter Schüler erhielt er ein kaiserliches Stipendium, mit dem er die nächsten beiden Jahre die Militärakademie Ludoviceum in Budapest besuchte. 1913 verließ er das Institut und reiste über Frankreich nach Skopje, wo er sich in jugendlicher Begeisterung der serbischen Armee als Freiwilliger anschließen wollte. Er wurde aber als österreichischer Spion verdächtigt, wurde zur Überprüfung nach Belgrad überstellt und schlug sich danach wieder in die österreichisch-ungarische Monarchie durch. Er wurde auch von der österreichischen Grenzpolizei festgenommen, nach einem Verhör aber freigelassen und begab sich nach Zagreb, wo erste literarische Arbeiten entstanden.

Im Ersten Weltkrieg wurde Krleža 1915 in die österreich-ungarische Armee einberufen. Nach einer Erkrankung und Aufenthalt im Militärkrankenhaus 1916 kurze Zeit an die Front nach Galizien abkommandiert, konnte er bald wieder nach Zagreb zurück, wo er bis Ende des Krieges diente.

1919 gründete und leitete er die Literaturzeitschrift Plamen (dt.: Die Flamme). Er heiratete im selben Jahr Leposava Kangrga. Von 1923 bis 1927 leitete er die Zeitschrift Književna republika (deut. Die Literaturrepublik). 1924 machte er eine Reise in die Sowjetunion, worauf ihm in seiner Heimat der Reisepass abgenommen wurde. 1932 bereiste er die Tschechoslowakei und Polen. Zusammen mit Milan Bogdanović gründete er 1934 die Zeitschrift Danas (deut. Heute). 1939-1940 leitete er die Zeitschrift Pečat (deut. Das Siegel). 1941 verhaftete die Gestapo Krleža. Auf Intervention des Schriftstellers und hohen Ustaša-Politikers Mile Budak wurde er aber nach einigen Tagen wieder entlassen[1] und verbrachte die Kriegsjahre zurückgezogen in Zagreb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst Redakteur der Zeitschrift Republika. Seit 1947 war er Mitglied der Jugoslawischen Akademie und deren langjähriger Vizepräsident. 1950 organisierte Krleža in Paris eine Ausstellung über mittelalterliche Kunst aus Jugoslawien. Seit diesem Jahr wurde er auch Direktor des neu gegründeten Jugoslawischen Lexikographischen Instituts in Zagreb. In dieser Funktion zeichnete er für die Herausgabe verschiedener Lexika und Enzyklopädien verantwortlich. 1962 war er Mitbegründer der Zeitschrift Forum. 1968 erhielt er den Herderpreis der Universität Wien. Krleža wurde nach seinem Tode 1982 auf dem Friedhof Mirogoj in Zagreb beerdigt.

Rezeption[Bearbeiten]

Nach Krležas Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ist Krieg in seinen verschiedenen Ausprägungen unbestreitbar eines seiner wichtigsten Themen und zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten seiner Werke. Auch wenn er sich etwa in der Kriegslyrik (1918 - 1919) häufig biblischer Symbolik bedient, so ist doch schon hier der kommunistische Einfluss auf sein Gedankengut bemerkbar.

Als eines der wichtigsten Werke gilt die Sammlung von Erzählungen Der kroatische Gott Mars (Hrvatski bog Mars) 1922 (erweiterte Ausgabe 1933). In diesem Werk, welches in einer Serie zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Kriegen spielender, oberflächlich betrachtet unzusammenhängender Fragmente die Tragödie des einfachen Volkes beschreibt, das für die Ziele der Mächtigen, noch dazu fremder Mächtiger, in den Tod geschickt wird, handelt sich um eines der eindrucksvollsten Antikriegswerke der europäischen Literatur. Von der Intention, streckenweise auch stilistisch, ist es mit den Letzten Tagen der Menschheit Karl Kraus' vergleichbar, mit welchem Krleža auch sonst einiges verbindet.

Ein weiteres wichtiges Werk ist Die Rückkehr des Filip Latinovicz (Povratak Filipa Latinovicza), 1932.

In der Zwischenkriegszeit war Krleža als Herausgeber mehrerer Zeitschriften tätig, so unter anderem Plamen ("Flamme"), Književna republika ("Literarische Republik"), Danas ("Heute") und, am berühmtesten, Pečat ("Stempel"), in welchem er auch seinen berühmten Aufsatz "Der dialektische Antibarbar" veröffentlichte. In den 1930er Jahren kam es zu immer offeneren Gegensätzen zwischen ihm und der politischen Führung der kommunistischen Partei, trotz seiner persönlichen Freundschaft mit Josip Broz Tito. Im Zweiten Weltkrieg in der Zeit des sogenannten Unabhängigen Staats Kroatien verzog er sich in die innere Emigration, blieb aber in Zagreb.

In dem neuen jugoslawischen Regime konnte er sich bald eine gesicherte Position erarbeiten und leitete unter anderem das Zagreber lexographische Institut, wo er an der Herausgabe mehrerer Enzyklopädien beteiligt war. Auch seine Kreativität als Schriftsteller hatte kaum nachgelassen. Während der Protestbewegung des Kroatischen Frühlings war er Mitunterzeichner der „Deklaration über die literarische Kroatische Sprache“.

In den letzten Jahren ist Miroslav Krleža nicht mehr unumstritten. Einerseits bezweifelt kaum jemand seine Rolle als einer der Begründer der modernen kroatischen Literatur überhaupt, und der gewaltige Umfang und Einfluss seines Werkes wird auch nicht in Frage gestellt. Andererseits heißt es oft, seine unerreichbare Position und Stellung als „literarischer Dinosaurier“ habe das Aufkommen und die Entwicklung unabhängiger Autoren behindert, welche neue und andere Richtungen erforschen hätten können. Außerdem nimmt man ihm oft sein Näheverhältnis zur kommunistischen Partei übel.

Literarische Bedeutung[Bearbeiten]

Miroslav Krleža

Nichts ist lustiger als verheirateter Philosoph - Miroslav Krleža

Miroslav Krleža ist ein sehr grober Schriftsteller, Menschen mit sogenannten feinen Nerven sollten ihn nicht lesen. - Ivo Goldstein[2]

"Was für ein Essayist ist da zu entdecken! Welche Sprachgewalt, welcher wahrhaft imponierende Weit- und Umblick über die Grenzen der eigenen Sprache, Kultur, Ideologie und Epoche hinaus, welche Fähigkeit, das Entlegene, das scheinbar Unzusammenhängende wie selbstverständlich zusammen zu sehen! Ein Gelehrter und doch von der Leidenschaft des Rühmens wie des Verwerfens erhitzter Schriftsteller, wollte Krleža den kroatischen Künstlern und Intellektuellen, wollte er der kroatischen Kultur den Weg nach Europa weisen – und für die empfohlenen Erkundungsfahrten gleich selbst den Immunstoff gegen europäische Modekrankheiten des Geistes bereitstellen. Nichts darf die Literatur vergessen, niemand darf sie vergessen – im gewaltigen Werk des Miroslav Krleža sind die Namen der Namenlosen und Jahrhunderte kroatischer Geschichte in Knechtschaft und Auflehnung verzeichnet. Aber da dieses Kroatien, wie es Krleža mit Zuneigung und Kritik gestaltet hat, stets ein historisches Krisengebiet war, in dem die Erdbeben Europas nachbebten und kommende Zusammenbrüche sich knirschend und krachend ankündigten, ist in Krležas Gedächtnis des kroatischen Volkes auch europäische Geschichte aufgehoben."Karl-Markus Gauss[3]

Krleža war einer der wichtigsten Autoren in der ehemaligem Jugoslawien. Er besaß eine große Sprachgewalt und war äußerst Produktiv, bediente sich verschiedener Schreibstile, von Naturalismus über Symbolismus und Realismus bis zum Expressionismus. Politische Themen standen ganz hoch auf seiner Liste, er reagierte wortreich und gereizt wenn es um den Gott und um die Geistlichen ging, um seine Hassliebe zu der Kakanien, um den Kleinbürgertum, die degenerierte Aristokratie, oder um die gewissenlose Geschäftemacher die er auch da durschaute wo sie sich kroatisch drapierten. Er war ein leidenschaftlicher Erzähler und verabscheute zutiefst die Gefühlskälte.[4]

Denkmal Krležas,Zagreb

Seine linksorientierte politische Einstellung hat sich in Kroatien in letzten 20 Jahren negativ auf die Bewertung seiner literarischen Leistung ausgewirkt. Der literarischer Opus blieb im Schatten der Politisierung und erst in letzten paar Jahren ist eine vorsichtige Renaissance zu vernehmen. Dabei war er ein Künstler der Dummheit und doktrinäre Uneinsichtigkeit verabscheute, er ließ keine Gelegenheit aus sie in seinen Werken anzugreifen. Von Anfang an war er gegen alles orthodoxe, auch gegen die orthodox - marxistische Auffassung der Literatur. Er polemisierte in den 30-ern gegen der Schriftsteller die die sowjetische Doktrin des Sozialistischen Realismus übernehmen wollten. Er setzte sich dafür ein dass die Kunst ihre Individualität behält. Er betonte welche Verantwortung der Künstler trägt und dass zu seinen Aufgabe nicht gehört im Dienst des Staates und dessen Ideologie zu stehen. Die endgültige Abkehr von der Doktrin des Sozialistischen Realismus verkündete er 1952 auf dem Schriftstellerkongress in Ljubljana. Das war ein wichtiger Beitrag für Entwicklung der slawischen Literatur.Jugoslawien vollzog 1948 einen politischen Bruch mit der Sowjetunion.[5]

". . Damals reiste der ungarische Journalist François Fejtő durch Kroatien und fragte einen Lehrer, «wer ihr größter Romanautor sei. Seinen komplizierten Namen schrieb ich mir auf: Miroslav Krleža. Wer ihr größter Dramatiker sei? Der Lehrer zögerte, dann antwortete er: Miroslav Krleža. Wer ihr größter Essayist sei, ihr größter Lyriker? Womöglich auch Miroslav Krleža? ‹Ja, wenn man es sich genau überlegt, wieder Miroslav Krleža. Leider›, fügte der Herr Lehrer melancholisch hinzu. ‹Warum leider?›, fragte ich. ‹Leider – weil Krleža ein unmöglicher Mensch ist, ein Marxist. Seine Werke nannte er das „Bollwerk gegen den Lebensekel“. Schon in seinem Roman „Die Rückkehr des Filip Latinovic“ hat er als erster diesen Terminus benutzt sagte er zum Jean Paul Sartreals dieser in den 60-er Jahren den Belgrad besuchte. Darauf soll Sartre genickt haben, erzählt Bora Čosić"[6]


Aber das war keine Kunst die Josef Stallin und seine Genossen sehen wollten, die Kunst musste eine Waffe gegen den Faschismus sein. Als der Krleža sich dagegen wendet gerät er in den Konflikt mit seiner Partei. Er wurde in den 30-er Jahren aus der Partei ausgeschlossen obwohl Josip Broz Tito versuchte in langen Gesprächen auf ihn einzuwirken. Als dann 1948 der politische Bruch mit der Sowjetunion vollzogen war, steht der Krleža plötzlich auf der richtigen Seite ohne sich bewegt zu haben. Kroatistik Professor Krešimir Nemec stellte bedauernd fest: «Er hat sich nie kritisch über Jugoslawien geäußert. Nicht über die Massenexekutionen nach 1945, nicht über den Tito oder über seine Gefängnisinsel Goli Otok.» Und doch hat er sich engagiert. Er setzte sich dafür ein dass Danilo Kiš seinen Roman Grabmal für Boris Dawidowitsch,über eine Revolution die Ihre Kinder in den Gulag schickt, veröffentlichen kann. 1967 unterschreib Krleža die Deklaration über den Namen und die Lage der kroatischen Literatursprache, die gegen die Dominanz des Serbischen protestiert was dazu führte, dass viele Menschen mit unterschrieben haben ohne Angst zu haben - sagt Velimir Visković. Zum zweiten Mal erzürnt sich Tito über Krleža. Dieser tritt aus dem Bund der Kommunisten Kroatiens und schweigt von da an, auch während des kroatischen Frühlings 1970/71. Er schweigt während der Repressionen aber interveniert bei Tito um für den herzkranken Partizanengeneral Franjo Tudjman eine Haftverkürzung zu erwirken, so Velimir Visković. Dass zum 100. Geburtstag Krležas 1993 der erste Band der «Krležiana» erschienen sei, erzählt Velimir Visković, ist niemand anderem als dem Premierminister Tudjman zu verdanken. «Er wollte Europa zeigen, dass der vermeintlich nationalistische Staat seinen großen linken Intellektuellen ehrt.» Nein, an rühmenden Kollegen von höchster Autorität, an berühmten Bewunderern hat es ihm auch außerhalb seiner Heimat, hat es ihm in Italien, Österreich, Frankreich, in fast allen europäischen Ländern, nie gefehlt – und doch ist es dabei geblieben: Miroslav Krleža, kroatischer Dichter von europäischem Rang, ist immer noch ein unentdeckter, ein kaum zur Kenntnis genommener Schriftsteller"[7] und doch hat die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste die Gesamtrechte für Krležas Werk an den Klagenfurter Kleinverlag Wieser verkauft. Ein Bärendienst an einen Klassiker des 20. Jahrhunderts. Es sind von nun an nur wenige Werke noch lieferbar.“

Krleža war Atheist, in allen seinen Werken sind der Gott und die Kirche immer ein Thema, die Kirche überwiegend negativ wobei er seinen Helden antithetisch und antinomisch denken lässt, ganz im Sinne der barocken Lyrik, so dass sie auch den Atheismus in Frage stellen. In Krležas Werken gibt es nicht einen positiven Geistlichen. Die subjektiven,überwiegend negativen, Erfahrungen lassen die Kirche und alle Geistlichen als negativ erscheinen was in Augen manchen Kritiker tendenziös und pamphletisch sei und den künstlerischen Wert seiner Werke mindern soll. Aber Krleža gibt es auch selbst in einem Gespräch mit dem Journalisten Enes Čengić zu:" ..da versuchte ich etwas zu treiben, aber ich habe nicht in die Wahrheit tiefer eindringen wollen, ich habe viel zu einseitig gearbeitet, antikatholisch um es einfach zu sagen." Man würde meinen er schrieb linksorientiert aber er war ein undogmatischer Sozialist und hat sozialkritisch aber nicht parteipflichtig geschrieben.[8] Die Europäische Kritik sieht in ihm keinen kleinkroatischen Heimat- und Staatsautor sondern einen gesellschaftskritischen und publizistischen Wegbereiter europäischer Geistigkeit.[9]

Poesie[Bearbeiten]

Krležas lyrische Werk ist die Ausnahme seiner eigenen Aussage: „ wer auf jedem Gebiet versagt hat kann sich immer noch mit der Politik oder Poesie beschäftigen “. Seine Erstlingswerke "Pan" und "Drei Symphonien" (1917) sind im Stil whitmanscher, pantheistischer Dichtung entstanden, die den Eindruck unbändiger Lebensfreude hinterlassen soll in der sich der Mensch gänzlich verliert, aber weit gefehlt, mit bizarren Assoziationen und hinkender Rhythmik hat er schlechte Kritiken geerntet. Šime Pandurović, serbischer Dichter und Kritiker spottete über eine Strophe in der der Krleža charakteristisch grotesk – hyperbolisch die Zerstörung seinen eigenen Hirns verkündet und schreibt: „ Wir bezweifeln nicht dass ihm dies gelingen wird.“

Dieser Phase folgten dann reifere Arbeiten die in mehreren Gedichtsbänden veröffentlicht wurden. Die Arbeiten entstanden unter dem Einfluss der europäischen Antikriegslyrik und mit Elementen des expressionistischen Stils. Eine gegensätzliche Mischung aus Verfremdung und Mitgefühl dominiert in seinen Werken; seine Gedichte sind geprägt von Bildern der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit. Der wichtigste Merkmal dieser Phase ist die Reife des Dichters, aus dem überreizten, sensiblen jungen Künstler ist ein starker und eindrucksvoller lyrischer Dichter geworden der in seinem Korpus viele Einflüsse integrierte und assimilierte – die Elemente des Dadaismus, Surrealismus, Formalismus, Expressionismus, geistige Bewegungen französischen und deutschen Ursprungs.

Das wichtigste poetische Werk Krležas ist "Balade Petrice Kerempuha" (1936). Mit „Baladen“ erschuf er eine eigene Sprache, ein Hybridinstrument mit den Elementen der lateinischer, ungarischer, deutscher und italienischer Sprache sowie kajkavische, kroatische, štokavische und italienische Lexeme und verschiedene andere stilistischen Mittel. Im Werk geht es um den plebeischen „Propheten“ Petrica Kerempuh der das sozial und national unterdrücktes kroatischen Volk symbolisierte, die Thematik ist vielseitig aber es überwiegen blutige Bilder der Zerstörung und Folter, des Verrats, der Betrug und die Entfremdung.

Dramen[Bearbeiten]

Seine überaus große Schaffensenergie widmete er der Dramatik was auch nicht verwunderlich ist da er schon als junger Mann von Dramatik fasziniert war, besonderes von der skandinavische Dramatik.Aber auch die Tatsache dass sein Privates Leben mit Theater eng verbunden war, seine Ehefrau war eine bekannte Theaterschauspielerin, war ein Grund warum ihn das Theatermillieu stets angezogen hat.

Porträt Krležas, Babić Ljubo

„Dem lyrischen, Wilde‘schen Symbolismus meiner ersten Werke (Saloma, Legenda, Sodoma) folgten Arbeiten mit der Szenerie brennender Zügen, massenhaft Leichen, der Galgen und Gespenster wie auch Dynamik jeglicher Art: die Schiffe versanken, die Kirchen und Kathedralen stürzten ein, die Handlung spielte sich auf Panzerschiffen von Dreißig tausend Tonnen, es feuerten die ganzen Regimenten und die Menschen starben in Massen ( Hrvatska Rapsodija, Galicija, Michelangelo, Kolumbo, Golgota usw.)“[10]

In seiner frühen Phase entstandene Dramen "Kraljevo" "Kristofor Kolumbo", "Michelangelo Buonarrotti" sind geprägt von prometheischen und titanischen Weltansichten mit heldenhaften Figuren aber auch grotesken Karnevalfarcen.

In der zweiten Phase schreibt Krleža Dramen die voller Handlung und Energie sind, realistisch werden die letzten Tagen des Österreich - Ungarischen Reiches gezeigt, mit allen sozialen und nationalistischen Wirrungen die der Untergang des Reiches und die Entstehung eines neuen Staates mit sich brachten. Aus der Zeit stammen Dramen "Galicija", "Golgota", "Vučjak" (1922, 1923).

Die dritte Phase seines Schaffens ist auch die bekannteste Phase, aus ihr stammen die "Gospoda Glembajevi", "U agoniji", "Leda" (1928, 1932).In dieser Phase kehrt der Schriftsteller zu seinem adoleszenten Ideal, der skandinavischen naturalistisch-symbolistischer Dramatik.

In "Gospoda Glembajevi" beschreibt er den Verfall und Untergang einer Familie aus der höheren Kreisen. “Einerseits schreibt die Kritik über mich ich wäre ein Expressionist und Futurist, dabei schreibe ich heute psychologische Dialoge der schwedischen Schule mit einer 40 – 50-jährigen Verspätung im Vergleich mit ähnlichen Experimenten der westlichen Literatur, ich, in den Augen unserer Kritiker der extremste Dramatiker..[11]

Die Glembajs

Nachkriegs Opus enthält mehrere Dramen, die bekannteste sind "Aretej" und "Saloma". Es sind dramatische Fantasien die sich außerhalb der reellen Welt abspielen, aber sich mit der Problematik der Politik, des Krieges und der Geschichte auf einer Weise beschäftigen in der sich die zeitliche und räumliche Situationen und Figuren miteinander vermischen und austauschen. In wiederholenden Mustern des menschlichen Benehmen durch die Geschichte versuchte er in diesen Dramen den Sinn des Lebens zu ergründen. Auch wenn der "Aretej" sehr anspruchsvoll in der Aufführung ist, gehört es seit Jahren zum Pflichtprogramm der Sommerspielen in Dubrovnik und ist eins der wichtigsten Dramen die aufgeführt werden.

Novellen und Erzählungen[Bearbeiten]

Krležas Opus der Novellen ist in der kroatischen Literatur, neben der Werken der Autoren Ranko Marinković und Ivo Andrić, dominierend. Die Kraft und die Universalität der Werke macht sie ebenbürtig mit Werken vom Thomas Mann und Albert Camus. Sein novellistische Arbeit wird in drei thematischen Zyklen unterteilt. Aus der Ersten Zyklus stammt "Hrvatski bog Mars". Hauptthema ist das sinnlose Sterben der kroatischen Heimwehrer die in das östliche Schalthaus Galizien geschickt wurden um dort zu kämpfen. Der Stil ist typisch für Krleža – eine Mischung aus Impressionismus und Expressionismus, der gehoben Rhetorik und melancholischer Meditationen. Die naturalistische Beschreibungen des Lebens und des Sterbens der Soldaten, geprägt von einer Wut und Unversöhnlichkeit. Schon da ist Krležas linke Orientierung sichtbar. Er hofft dass die kommunistische Revolution die Probleme der Unterdrückung und der imperialistischen Eroberungen dauerhaft lösen würden. Aber gerade diese Denkweise trennten ihn von der Kriegs- und Nachkriegsliteratur zeitgenössischer Autoren aus anderen Ländern wie zb Hemingway. Ihre Werke sind von Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit geprägt.

Den zweiten Zyklus bilden die sogenannten kleinbürgerlichen Novellen, "In extremis", "Veliki meštar sviju hulja", "Smrt bludnice Marije". In diesen Novellen dreht sich die Handlung hauptsächlich um den Konflikt des neurotischen kroatischen Intellektuellen mit einer idealistischen revolutionären Ideologie und seiner biederen bourgeoisen Umgebung.

Der dritte Teil seiner novellistischen Arbeit beinhaltet 11 Novellen die sich mit Themen des „Glemebajs“ beschäftigt, der materielle Aufstieg und der moralische Abstieg des biedern Bürgertums. Es bestehen viele Gemeinsamkeit zu Themen europäischer Naturalisten in der Jahrhundertwende. Es ist der interessanteste und der intriganteste Teil seiner Arbeit.

Romane[Bearbeiten]

Seine Romane schrieb er im „baroken“ Stil, mit einer reichlich verzierten Sprache aber auch vielen wörtlichen Neubildungen und Zusammensetzungen. Wie auch in den intellektuellen Romanen zeitgenössischer Künstler (Robert Musil, Rainer Maria Rilke ) findet man in Krležas Werken viele essayistische Absätze vor, verflochten mit überreichen Handlungen, dramatischen Szenen und kontemplativen Passagen die von dem menschlichen Dasein, der Kunst, Politik und Geschichte handeln wie das für Dostojewskis Romane charakteristisch war. Dominant ist die existenzialistische Vision des menschlichen Schicksals; die Romane sind geschrieben mit einer hohen Rhetorik, mit überanstrengten und unterbrochen Dialogen, einem Meer von Bildern, Geräuschen und Assoziationen, eine Verflechtung von verschiedener Stimmen, die Stimmen der Figuren und die des Autors. Seine Werke haben viele Berührungspunkte mit der modernen Literatur eines Thomas Manns oder Robert Musils aber Krleža entfernt sich mit der Dramatik seiner Handlung die sich im gewaltigen Strudel der politischen Geschehnissen abspielt und hat keine Zeit für separate intellektuelle Analysen. Seine wichtigste Romane sind: "Povratak Filipa Latinovicz"(1938), "Na rubu pameti" (1938), "Banket u Blitvi" (1938, 1939, 1962) und "Zastave" (1967).

Die Rückkehr des Filip Latinovicz[Bearbeiten]

Dieser Roman ist mit der Zeit das repräsentative Werk des Autors geworden das in jedem Text über Krleža die führende Position einnimmt. Es handelt sich hierbei um einen Künstlerroman. Filip Latinovicz ist nur einer der vielen hypersensibelen, intellektuellen Figuren Krležas die nach ihrer Identität suchen. Krleža wählte odysseischen Motiv der Rückkehr des Verlorenen Sohnes als das Hauptthema. Nach 23 Jahren kehrt Filip nachhause zurück. Seine Rückkehr hatte mehrere Gründe: das Leben in der Fremde war einer Weile interessant und stimulierend für seine Kunst doch bald wächst das Gefühl der Fremdheit, der Isolation und der Unsicherheit. Filip irrt umher aber nirgends findet er die neue Heimat, wo auch immer er geht, überall ist er ein Fremder, déraciné. Dieser Situation gesellt sich natürlich die künstlerische Impotenz und Resignation. Einst erfolgreicher fauvistischer Maler gibt zu “es ist eine lange Zeit vergangen ohne dass er etwas gemalt habe“. Die Entfremdung, die seelische Zerstreuung, Identitätskrise, der Wertenzerfall, die Enttäuschung über europäischer Kultur und Zivilisation, die künstlerische Ermattung – das ist sein geistiges Gepäck mit dem er zurück kehrt in der Hoffnung neue Kraft aus der heimatlichen Umgebung zu schöpfen.

Die zweite Motivation ist die Frage der Vaterschaft. Filip ist der uneheliche Sohn der Kioskbetreiberin Regina, einer moralisch problematischen Frau die immer sehr kalt gegenüber ihrem Sohn war und ihm nie die Wahrheit über seinen Vater sagte. Er hörte nur Gerüchte, eins davon war, dass der Bischof sein Vater sein sollte was seine gesamte Kindheit vergiftete. Das Geheimnis des „unreinen Blutes „ verfolgte ihn sein ganzes junges Leben und mit 40 Jahren wollte er eine Antwort darauf haben . Die Rückkehr des Filip Latinovicz ist ein existenzialistischer Roman der vor dem Sartres Ekel und Camus Fremden herausgegeben wurde. Aber außer der existenzialistischer Sichtweise auf die charakteristische Probleme ( die Vaterschaftsfrage, die Identitätskrise, die Entfremdung, die Einsamkeit, das Gefühl des Ekels und der Übelkeit, die Entwurzelung und die Unfähigkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren) war die Psychoanalyse Freuds auch ein wichtiger Aspekt. Ihren Einfluss findet man in der Darstellung der Beziehung zwischen Filip und seiner Mutter, in der Analyse der Erlebnisse aus der Kindheit und den unbewussten Reaktionen, der Problematisierung der Sexualität wie auch der Übernahme der anthropologischen Ansichten Freuds (dessen Rolle im Roman Kyriales übernimmt). Die Konzeption der Regenerierung des Vergangenen lässt auch oft an den Marcel Proust denken aber die Kritiker weisen auch auf die Methode der Erkenntnistheorie E. Machs.

"Die Rückehr des Filip Latinovicz" ist eine wichtige Stufe in der Entwicklung des kroatischen psychologischen Romans wie auch im Prozess der Intellektualisierung der kroatischen Proza. [12]

Ehrungen[Bearbeiten]

1993 veröffentlichte die kroatische Post eine Briefmarke anlässlich des 100. Geburtstages von Miroslav Krleža.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Originalausgaben
  • Legenda. 1914.
  • Maskerata. 1914.
  • Zarathustra i mladić. 1914.
  • Pan. 1917.
  • Tri simfonije. 1917.
  • Lirika. 1918.
  • Saloma. 1918.
  • Pjesme. 1918–19 (3 Bde.).
  • Michelangelo Buonarroti. 1919.
  • Eppur si muove. 1919.
  • Tri kavalira frajle Melanije. 1920.
  • Magyar kiralyi honvéd novela-Kraljevsko-ugarska domobranska novela. 1921.
  • Golgota. 1922.
  • Adam i Eva. 1922.
  • Novele. 1923.
  • Vražji otok. 1923.
  • Izlet u Rusiju. 1926.
  • Glembajevi. 1929 (Uraufführung, Zagreb).[13]
  • Knjiga pjesama. 1931.
  • Moj obračun s njima. 1932.
  • Knjiga Lirike. 1932.
  • Deset krvavih godina. 1937.
  • Dijalektički antibarbarus. 1939.
  • Davni dani. 1956.
  • Aretej. 1959.
  • Zastave. Roman. 1967. (1967 unter der Regie von Mario Fanelli fürs jugoslawische Fernsehen verfilmt).
  • Izabrana djela. 1969.
  • 99 varijacija. 1972.
  • Djetinjstvo i drugi spisi. 1972.
  • Put u raj. 1973.
  • Miroslav Krleža. Jubilarno izdanje. 1973.
  • Dnevnik. 1977 (5 Bde.).
Petrica Kerempuh, die Hauptfigur der Balladen des Petrica Kerempuh, als Teil des monumentalen Denkmals des Bauernaufstands von 1573 in Gornja Stubica dargestellt
Deutsche Übersetzungen
  • Die Glembays. Übersetzung von Barbara Sparing, Verlag Volk und Welt, Berlin 1972.
  • Essays. Übersetzung von Barbara Sparing. Verlag Volk und Welt, Berlin 1974.
  • Beisetzung in Theresienburg. (Sprovod u Teresienburgu.) Erzählung. Übersetzung von Barbara Sparing. Insel-Verlag, Leipzig 1977.
  • Kindheit. Erinnerungen. Aus dem Serbokroatischen übersetzt von Barbara Antkowiak. Verlag Volk und Welt, Berlin 1981.
  • Königlicher Jahrmarkt („Hrvatska rapsodija“). Edition Ersamus, Zagreb 1993, ISBN 953-613200-1 (übers. von Ksenija Cvetković).
  • Der kroatische Gott Mars. Kriegsnovellen („Hrvatski bog Mars“). Wieser Verlag, Klagenfurt 2009, ISBN 978-3-85129-843-7 (übers. von Milica Sacher-Masoch).
  • Galizien. Dramen Athenäum Verlag, Königstein/T. 1985, ISBN 3-7610-8385-8 (übers. von Milo Dor; Inhalt: Die Wolfsschlucht. Stück in 3 Akten, Die Glembays. Ein Drama, Leda. Komödie einer Karnevalsnacht und In Agonie. ein Drama).
  • Die Rückkehr des Filip Latinovics. Roman („Povratak Filipa Latinovicza“). Neuaufl. Wieser Verlag, Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-85129-653-2 (Dramatisierung 1970)
  • Die Balladen des Petrica Kerempuh. Balladenzyklus („Balade Petrice Kerempuha“). Verlag Die Brücke, Zagreb 1972.
  • Ohne mich. Eine einsame Revolution. Roman („Na rubu pameti“). Neuaufl. Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-7610-8343-2 (Dramatisierung 1963).
  • Bankett in Blitwien („Banket u Blitvi“). Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-7610-8342-4.
  • Eine Kindheit in Agram. Erinnerungen („Djetinjstvo u Agramu godine 1902-1903“). Aus dem Serbokroatischen übersetzt von Barbara Antkowiak. Mit einer Einführung von Reinhard Lauer, Athenäum Verlag, Frankfurt/M. 1986, ISBN 3-7610-8407-2.
  • Essays. Über Literatur und Kunst („Eseji, 1961-67“). Athenäuzm Verlag, Frankfurt/M. 1987, ISBN 3-610-08457-X.
  • Der Großmeister aller Schurken. In extremis. Erzählungen. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1963 (Insel-Bücherei; 786).
  • Beisetzung in Teresienburg. Erzählung („Spovod u Teresienburgu“). Rowohlt, Reinbek 1981, ISBN 3-499-40083-9.
  • Tausendundein Tod. Erzählungen(„Hiljadu i jedna smrt“). Fischer-Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 1987, ISBN 3-596-25494-9.
  • Requiem für Habsburg. Erzählungen. Piper, München 1968 (Bücher der Neunzehn; 166).
  • Illyricum sacrum. Fragmente aus dem Spätherbst 1944 („Illyricum sacrum“). Wieser Verlag, Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-85129-754-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Markus Gauß: Miroslav Krleža, in: Tinte ist bitter. Elf literarische Porträts aus Barbaropa. Wieser Verlag, Klagenfurt, 1988, ISBN 978-3-85129-003-5.
  • Ivanka Graffikus: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzbarkeit serbokroatischer literarischer Prosa. Dargestellt an deutschen Übersetzungen von Ivo Andrić und Miroslav Krleža. Sagner, München 1985, ISBN 3-87690-299-1 (zugl. Dissertation, Universität Marburg 1975).
  • Ivan Krolo u.a.: Miroslav Krleža 1973. Jugoslavenska Akademija, Zagreb 1975 (kroatisch)
  • Sabine Kukavica: Der poetische Text in der zweisprachigen vermittelten Kommunikation. Dargestellt am Roman „Povratak Filipa Latinovicza“ von Miroslav Krleža und seinen Übersetzungen ins Deutsche. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin 1986.
  • Reinhard Lauer: Wer ist Miroslav K.?: Leben und Werk des kroatischen Klassikers Miroslav Krleza. Wieser Verlag, Klagenfurt, 2010, ISBN 978-3-85129-867-3.
  • Reinhard Lauer (Hrsg.): Künstlerische Dialektik und Identitätssuche. Literaturwissenschaftliche Studien zu Miroslav Krleža. Harrassowitz, Wiesbaden 1990, ISBN 3-447-03089-5 (Opera Slavica/NF; 19).
  • Andreas Leitner: Die Gestalt des Künstlers bei Miroslav Krleža. Winter, Heidelberg 1986, ISBN 3-533-03889-0 (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte; Folge 3; Bd. 76).
  • Peter J. Robinson: The plays of Miroslav Krleza. University Press, Santa Barbara 1982 (Dissertation).
Das Gebäude des Lexikographischen Instituts Miroslav Krleža in Zagreb

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Milovan Đilas: Jahre der Macht. Kräftespiel hinter dem Eisernen Vorhang. Memoiren 1945–1966. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1983, S. 67.
  2. Miroslav Krleža o hrvatskoj historiografiji i hrvatskoj povijesti - IVO GOLDSTEIN
  3. Karl Markus Gauss, tinte ist bitter
  4. Miroslav Krleža o hrvatskoj historiografiji i hrvatskoj povijesti - IVO GOLDSTEIN
  5. Die südslavischen Literaturen im europäischen Kontext, Beate Jonschar
  6. Der kroatische Jahrhundertautor Miroslav Krleža,Ein unbekannter Planet, Jörg Plath
  7. Karl Markus Gauss, Ein Hinweis auf Miroslav Krleža
  8. Reinhard Lauer, Wer ist Miroslav K.
  9. Miroslav Krleža o hrvatskoj historiografiji i hrvatskoj povijesti - IVO GOLDSTEIN
  10. Krleža u kontekstu evropske dramske kniževnosti, Viktor Žmegač
  11. Krleža u kontekstu evropske dramske kniževnosti, Viktor Žmegač
  12. Krležijana,Leksigrafski zavod Miroslav Krleža
  13. Fritz WaldenMiroslav Krležas „Die Glembays“ im Volkstheater: Arg trieben es die alten Kroaten …. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Dezember 1974, S. 8.