Mischpoke

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Mischpoke, auch Mischpoche oder Muschpoke, ist ein auf das hebräische מִשְׁפָּחָה‎ ([miʃpa'χa] ‚Familie‘) zurückgehender Jiddismus in der Bedeutung ‚Familie, Gesellschaft, Sippschaft‘, der Anfang des 19. Jahrhunderts in der abwertenden Bedeutung ‚Gesindel, Diebesbande‘ in die deutsche Umgangssprache übernommen wurde.[1] Während die Bezeichnung im Jiddischen wertneutral verwendet wird, hat das Wort im Deutschen häufig eine abwertende Bedeutung. Der Duden, der den Begriff 1941 aufnahm, definiert Mischpoke heute als salopp, abwertend als „jemandes Familie, Verwandtschaft“ und „üble Gesellschaft, Gruppe von unangenehmen Leuten“. [2]

Begriffsverwendungen im Deutschen[Bearbeiten]

Entlehnt wurde das Wort über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen für hebräisch משפּחה ‚Familie, Sippschaft, Sippe, Verwandtschaft‘, welches seinerseits dem gleichbedeutenden, jedoch nicht abwertenden Wort im Hebräischen (מִשׁפָּחָ(ה = mišpāḥā(h) entstammt.[3][4] Laut dem Variantenwörterbuch des Deutschen sind die Sprachvarianten Mischpoke und Muschpoke einzig in Deutschland gebräuchlich; die Variante Mischpoche findet hingegen sowohl in Österreich als auch in Deutschland Verwendung.[5]

Das Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon definierte 1911:

„Mischpōke (jüd.-deutsch), eigene Familie, jetzt im verächtlichen Sinne: Sippschaft.“

Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 194.[6]

Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909 auch in antisemitischer Hinsicht als:

„Mischpōke (verderbt aus hebr. mischpâchâh, »Familie«), verächtlich für Judenſippe, -Gesellschaft.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 895.[7]

In älteren Belegen wurde Mischpoche eher familiär verwendet, so heißt es in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon 1873 zu der Redewendung Es liegt an der Mischpoche etwa:

„Es ist von den Aeltern ererbt, oder es ist Naturanlage. Mischpachah [...] Familie. Die Redensart wird in gutem wie in schlimmem Sinne gebraucht, von Familientugenden wie von Familienfehlern.“

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873, Sp. 666-667.[8]

Der jiddische Schriftsteller Hirsch David Nomberg schrieb 1913 ein Schauspiel Di mischpoche.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mischpoke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mischpoke in DWDS, abgerufen am 5. Januar 2015
  2. Mischpoke in duden.de, abgerufen am 5. Januar 2015
  3. vgl. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742 unter dem Lemma „Mischpoche“, Seite 623
  4. vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1149
  5. Vgl. Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Seite 505
  6. online in zeno.org, abgerufen am 5. Januar 2015
  7. online in zeno.org, abgerufen am 5. Januar 2015
  8. online in zeno.org, abgerufen am 5. Januar 2015

Siehe auch[Bearbeiten]