Misha Mengelberg

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Misha Mengelberg

Misha Mengelberg (* 5. Juni 1935 in Kiew, Ukraine) ist ein niederländischer Pianist, Komponist und Bandleader.

Biografie[Bearbeiten]

Mengelberg ist der Sohn des Dirigenten und Komponisten Karel Mengelberg und Großneffe von Willem Mengelberg. Seine Mutter war Orchester-Harfenistin. Er wurde während eines Aufenthalts seines Vaters als Filmkomponist und - dirigent in Kiew geboren. 1938 kehrte die Familie aber bereits wieder nach Amsterdam zurück. Er begann ein Architekturstudium und studierte anschließend am Königlichen Konservatorium in Den Haag zwischen 1958 und 1964 Musik, u. a. Komposition und Musiktheorie bei Kees van Baren. Schon während seines Studiums erwarb er sich einen Ruf als Jazzpianist und gewann 1959 den Jazz-Wettbewerb in Loosdrecht. Einflussreich war eine Begegnung mit John Cage während der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik.

1961 gründet er ein Quartett mit dem Altsaxophonisten Piet Noordijk, dem Bassisten Rob Langeres (später ersetzt durch Jacques Schols) und dem Schlagzeuger Han Bennink, mit dem sie u. a. Johnny Griffin und 1964 Eric Dolphy auf seiner letzten Aufnahme begleiten.[1] 1966 erhält Mengelberg den Wessel-Ilcken-Preis. 1964 trat das Quartett auf dem Newport Jazz Festival auf (als damals einzige europäische Gruppe). Als sich Mengelberg und Bennink freieren Jazzformen zuwenden, trennen sie sich 1967 von Schols und Noordijk[2] und spielen stattdessen mit Maarten Altena und Willem Breuker im Quartett, der Keimzelle des im gleichen Jahr gegründeten Instant Composers Pool (ICP).

1969 schrieb er mit den Komponisten Louis Andriessen, Jan van Vlijmen, Peter Schat, Reinhard de Leeuw und den Librettisten Harry Mulisch und Hugo Claus die Oper Reconstructie. Die Gruppe gründete 1969 das Studio for electro instrumental music (STEIM) in Amsterdam, das bis heute besteht.

Das von Mengelberg geleitete Instant Composers Pool Orchestra (ICP Orchestra) verbindet unter anderem Stilelemente europäischer Musik mit denen des Free Jazz. Misha Mengelberg gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten der Niederlande und kombiniert Elemente des Fluxus und des Jazz mit solchen aus der Neuen Musik, Neuen Improvisationsmusik und der Klassik. Er ist als improvisierender Pianist mit international bekannten Jazzmusikern wie Anthony Braxton, Sunny Murray, Peter Brötzmann, Steve Lacy und Roswell Rudd aufgetreten, wobei er häufig das Repertoire der gleichfalls „kauzigen“ Pianisten Thelonious Monk (1986 für das ICP Orchester) und Herbie Nichols (1983 für das ICP Orchester) pflegte. 1992 nahm er sich mit dem ICP Orchester die Musik von Duke Ellington vor. Er hat zahlreiche Schallplatten und CDs veröffentlicht (häufig auf dem musikereigenen Label ICP, das er mit Bennink und Breuker bereits in den 1960ern gründete).

1972 bis 1981 war er Vorsitzender der niederländischen Berufsvereinigung für improvisierende Musik. Ab 1982 war er Dozent am Konservatorium Amsterdam.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kevin Whitehead (1998), New Dutch swing. An in-depth examination of Amsterdam's vital and distinctive jazz scene. New York: Billboard. ISBN 0-8230-8334-9
  • Misha Mengelberg, Werkstattgespräch, in Wolfram Knauer: Jazz in Europa, Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung Bd.3, Wolke Verlag 1994

Film[Bearbeiten]

AFIJN, Niederlande 2005, 77 Minuten, Farbe. Regie, Schnitt: Jellie Dekker. Dokumentarfilm über Misha Mengelberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Misha Mengelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vom 2. Juni 1964 in Hilversum, mit Han Bennink, Jacques Schols, veröffentlicht als Last Date. Darüber existiert auch ein Film von Hans Hylkema. Später tauchten noch Aufnahmen Dolphys vom 11. Juni in Paris auf.
  2. Seit 1991 finden allerdings Reunions des alten Quartetts statt mit Noordijk und Schols.