Mitra

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Mitra (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mitra aus dem 19. Jahrhundert
Armenisch-orthodoxe Bischöfe mit Mitren
Die Entwicklungsgeschichte der Mitra

Die Mitra (griechisch μίτρα „Stirnbinde“; Plural Mitren) ist die traditionelle liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe vieler christlicher Kirchen. Auch andere kirchliche Würdenträger mit eigenem Jurisdiktionsbereich (z. B. bestimmte Äbte) tragen Mitren. Die Mitra wird heute nur bei Pontifikalhandlungen im Gottesdienst getragen.

Aussehen und Form[Bearbeiten]

Seit dem 11. Jahrhundert entwickelt sich die Mitra, die zu den Pontifikalien gehört, in der Kirche (außer in den meisten Ostkirchen) zur heutigen Form. Die Bedeckung des Hauptes besteht an Vorder- und Rückseite aus den beiden kopfstehenden Schilden (cornua). Das Innenfutter der Mitra ist immer noch einer Mütze ähnlich. Umfasst wird dieses von festerem Stoff, der vorne und hinten spitz zuläuft. Nach hinten hängen zwei Bänder, die so genannten Vittae, bis auf die Schultern herab. Diese beiden Bänder stehen symbolisch für das Alte und das Neue Testament.

In dieser Form wird die Mitra heute vor allem von alt- und römisch-katholischen Bischöfen und infulierten Äbten und Prälaten getragen, aber auch von anglikanischen und von einigen ostkirchlichen Bischöfen, wie es beispielsweise bei den armenisch-orthodoxen, den Bischöfen der Mar-Thoma-Kirche üblich ist, aber auch von manchen Bischöfen der mit Rom unierten Ostkirchen. Der Gebrauch der Mitra ist darüber hinaus bei einer Reihe von lutherischen Kirchen verbreitet, z. B. in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands und in der Schwedischen Kirche.

In der katholischen Kirche des Westens gab es (heute nur noch in der sog. außerordentlichen Form des Römischen Ritus) drei verschiedene Klassen von Mitren:

  • Mitra pretiosa – die „kostbare Mitra“ ist üblicherweise reich verziert (vor allem ältere Mitren sind manchmal mit Juwelen und Halbedelsteinen ausgestattet und mit Goldfäden bestickt)
  • Mitra auriphrygiata – die „goldene Mitra“ wird entweder aus einem durchgehend goldfarbenen Stoff gearbeitet oder ist aus weißer Seide, in die Gold- und Silberfäden eingestickt sind.
  • Mitra simplex – die „einfache Mitra“ besteht aus weißem Seidendamast, Seide oder Leinen. Die Vittae enden in roten Fransen.

Während der Pontifikalfunktionen wurden in der Regel immer zwei Mitren gebraucht, d.h. entweder Mitra pretiosa und Mitra auriphrygiata oder aber Mitra auriphrygiata und Mitra simplex. Ihre Verwendung wurde zuletzt im Caeremoniale episcoporum von 1886 geregelt.

Seit der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils werden normalerweise nur noch folgende zwei Formen der Mitra verwendet:

  • Mitra simplex – die „einfache Mitra“ und
  • Mitra ornata – die „verzierte Mitra“.

Ihre Wahl richtet sich jeweils nach dem Anlass der Feier, wobei stets nur eine einzige Mitra ohne Wechsel der Modelle benutzt wird.[1]

In der orthodoxen Kirche ist die Mitra (μίτρα) eine hohe gewölbte, kronenförmige Mütze (Stephanos (Bischofskrone)). Statt der Bänder wird die Mitra dort nach hinten von einem Tuch umschlossen.

Herkunft[Bearbeiten]

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Die Mitra tritt unter den sakralen Kleidungsstücken abendländischer Bischöfe erst im 11. Jahrhundert auf, bei ostkirchlichen Bischöfen noch viel später. Die genaue Herkunft ist unsicher. Ursprünglich war die Mitra nur eine Art Mütze, vereinzelt auch nur ein Stirnband. Eigentlich ein Kennzeichen persischer Fürsten, wurde es über allerlei Umwege von den Bischöfen übernommen. Eine andere Meinung besagt, dass bereits bei Würdenträgern im Römischen Reich eine Mitra zum Ornat zählte und von der Kirche diese Kopfbedeckung übernommen wurde.

Heraldik[Bearbeiten]

Die Mitra ist in der Heraldik eine Wappenfigur, die allgemein auf einen Bischof oder anderen hohen Heiligen hinweisen soll – etwa einen Ortsgründer, Orts- oder Kirchenpatron. Dargestellt wird die Mitra meist in Silber oder Gold mit goldenen Bändern, die zu beiden Seiten herabhängen. Es gibt auch Wappen, in denen Mitra und Bischofsstab gemeinsam eine Wappenfigur ergeben. Die Mitra kann auch auf dem Schildrand ruhen oder ganz allgemein im Oberwappen sein. Mitren wurden (und werden z. Teil gegen die gültige Regel) in der kirchlichen Heraldik eingesetzt, um den Rang eines Wappenträgers zu bezeichnen (Bischof, infulierter Abt), wobei jedoch in der katholischen Kirche das Wappen von Bischöfen und Kardinälen üblicherweise nicht von einer Mitra, sondern von einem Galero überhöht ist. Den Wappenschild mit einer Mitra zu bekrönen ist seit 1969 für kirchliche Würdenträger, den Papst ausgenommen, nicht mehr erlaubt. Die Mitra ist seither den Wappen von kirchlichen Institutionen vorbehalten, z. B. einem Bistum oder einer Abtei. Papst Benedikt XVI. ersetzte in seinem Wappen die zuvor in Papstwappen übliche Tiara durch eine Mitra.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Braun: Die liturgische Gewandung im Occident und Orient. Herder, Freiburg (Breisgau) 1907, S. 424–498 (Unveränderter reprografischer Nachdruck. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964).
  • Bernhard Sirch: Der Ursprung der bischöflichen Mitra und päpstlichen Tiara (= Kirchengeschichtliche Quellen und Studien. Bd. 8). EOS-Verlag, St. Ottilien 1975, ISBN 3-920289-57-9 (Zugleich: München, Univ., Diss., 1973).
  • Dieter Philippi: Sammlung Philippi. Kopfbedeckungen in Glaube, Religion und Spiritualität. St. Benno Verlag, Leipzig, 2009, ISBN 978-3-7462-2800-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Caeremoniale episcoporum von 1984 Papst Johannes Pauls II. Nr. 60.