Mitschurinsk

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Stadt
Mitschurinsk
Мичуринск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Zentralrussland
Oblast Tambow
Stadtkreis Mitschurinsk
Bürgermeister Wiktor Makarow
Gegründet 1635
Frühere Namen Koslow
Stadt seit 1779
Fläche 78 km²
Bevölkerung 98.758 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1266 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 150 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 47545
Postleitzahl 393760–393779
Kfz-Kennzeichen 68
OKATO 68 415
Website michurinsk.org.ru
Geographische Lage
Koordinaten 52° 54′ N, 40° 29′ O52.940.483333333333150Koordinaten: 52° 54′ 0″ N, 40° 29′ 0″ O
Mitschurinsk (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Mitschurinsk (Oblast Tambow)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Tambow
Liste der Städte in Russland

Mitschurinsk (russisch Мичуринск) ist eine russische Stadt mit 98.758 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] und Rajon-Verwaltungszentrum in der Oblast Tambow.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an einem Eisenbahnknotenpunkt in der fruchtbaren Oka-Don-Ebene am Fluss Lesnoi Woronesch im Quellgebiet des Woronesch, rund 400 km südöstlich von Moskau sowie 67 km westlich der Gebietshauptstadt Tambow. Die nächstgelegenen Städte sind Tschaplygin (52 km nordwestlich) und Grjasi (57 km südwestlich), beide in der benachbarten Oblast Lipezk gelegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen bis 2003

Gegründet wurde Mitschurinsk 1636 als Festung mit Namen Koslow (Козлов) nach dem Familiennamen eines der Erstsiedler. Ursprünglich als Schutz gegen tatarische Angreifer von der Krim gedacht, besaß die Ortschaft eine ausgedehnte Verteidigungsanlage mit einem Erdwall, dessen Reste stellenweise bis heute sichtbar sind.

Das Rathaus von Mitschurinsk

Im 17. Jahrhundert ließ die militärische Bedeutung der Festung allmählich nach. Stattdessen wurde in der waldreichen Gegend um Koslow verstärkt Holz gewonnen und seit den 1650er-Jahren daraus Kriegsschiffe gebaut, wofür extra eine Werft am Lesnoi Woronesch (wörtlich „Wald-Woronesch“) errichtet wurde.

Nachdem im 18. Jahrhundert die Grenzen des russischen Staates so weit nach Süden ausgedehnt waren, dass Koslow keine militärische Rolle mehr zu spielen vermochte, entwickelte es sich zu einem Handelsort. Die fruchtbaren Böden begünstigten in hohem Maße auch die Landwirtschaft. 1779 erhielt Koslow den Stadtstatus, und auch im 19. Jahrhundert war reger Handel mit verschiedenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Koslow nicht wegzudenken. Dies wurde zusätzlich durch den Bau der Eisenbahnlinien begünstigt, die Koslow an das russische Bahnnetz angebunden haben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten bereits rund 40.000 Einwohner in der Stadt.

1932 wurde Koslow nach dem bedeutenden russischen Botaniker Iwan Mitschurin, der hier seit 1872 lebte und vor allem im landwirtschaftlichen Bereich forschte, noch zu dessen Lebzeiten in Mitschurinsk umbenannt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 40.297
1926 54.250
1939 71.515
1959 80.653
1970 93.623
1979 101.239
1989 109.081
2002 96.093
2010 98.758

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Mitschurinsk-Woroneschski

Wirtschaftlich prägt vor allem die Lage in der fruchtbaren Schwarzerderegion die Stadt. Neben dem Maschinenbau und der Leichtindustrie finden sich lebensmittelverarbeitende Betriebe. Da Mitschurinsk seit dem Wirken von Iwan Mitschurin nicht mehr nur als landwirtschaftlich geprägte Stadt, sondern auch als Zentrum der wissenschaftlichen Forschungen in diesem Bereich gilt, erhielt es 2003 den Status einer Naukograd („Wissenschaftsstadt“).

Mitschurinsk liegt an der Fernstraße M6 und ist ein Eisenbahnknotenpunkt, wo sich die Strecken nach Lipezk und nach Tambow kreuzen. Aus diesem Grund gibt es in der Stadt auch größere Bahnwerkstätten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kathedrale zur Ikone der Gottesmutter von Bogoljubowo in Mitschurinsk nach einem Entwurf Konstantin Thons

Als eine der Städte Zentralrusslands, die im Zweiten Weltkrieg nicht von Kämpfen betroffen waren, besitzt Mitschurinsk eine überaus gut erhaltene Altstadt mit einer Reihe architektonischer Denkmäler des 18. und 19. Jahrhunderts. Hierzu zählen vor allem die Kirche des Propheten Elija (1781) sowie die Kathedrale zur Ikone der Gottesmutter von Bogoljubowo (1873). Letztere wurde nach einem Entwurf des renommierten Architekten Konstantin Thon errichtet und ähnelt von der Form her der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale.

Weiterführende Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Staatliche Agraruniversität Mitschurinsk
  • Staatliches Pädagogisches Institut Mitschurinsk

Partnerstädte[Bearbeiten]

Mitschurinsk unterhält seit 1991 eine Städtepartnerschaft mit Munster in Niedersachsen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mitschurinsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien