Mitt Romney

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mitt Romney

Willard Mitt Romney [ˈɹɑːmnɪ] (* 12. März 1947 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer Multimillionär, Politiker der Republikanischen Partei und ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts. Er war einer der Kandidaten der Republikanischen Partei für die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2008 und bewirbt sich auch um die Kandidatur der Republikanischen Partei für die Präsidentschaftswahl 2012.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Mitt Romney wurde in Detroit geboren. Sein Vater George W. Romney war von 1963 bis 1969 Gouverneur von Michigan. Seine Mutter Lenore bewarb sich 1970 in Michigan erfolglos für die Republikaner um einen Sitz im US-Senat. Er hat drei Geschwister und besuchte die elitäre Cranbrook School (die heutige Cranbrook Kingswood School) in Bloomfield Hills, eine zur Cranbrook Educational Community gehörende Privatschule in Bloomfield Hills. In Cranbrook machte er 1965 seinen High School-Abschluss.

An der Cranbrook School traf er auch Ann Lois Davies und heiratete sie 1969. Heute haben sie fünf erwachsene Söhne und sechzehn Enkelkinder. Mit seiner Frau lebt er heute in der Nähe von Boston. Außerdem unterhält das Paar ein weiteres Haus am Meer in La Jolla, Kalifornien.

Mitt Romney ist in der fünften Generation Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“ engl.: „The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“ bzw. „LDS“), deren frühe Führungsperson sowie Gründungsmitglied des Kollegium der Zwölf Apostel sein Ur-Ur-Großvater Parley P. Pratt war.[1] Zunächst war Mitt Romney als junger Erwachsener ab 1966 für zwei Jahre für diese missionarisch in Frankreich tätig.[2] Von 1981 bis 1986 an war er mormonischer Bischof in Belmont, einem Vorort von Boston.[3] Ab 1986 bis 1994 leitete er die Verwaltung von ca. 4.000 Mormonen im östlichen Massachusetts.

Romney hat einen Master of Business Administration und einen Abschluss in Rechtswissenschaften (Juris Doctor) von der Harvard University. Nach dem Studium arbeitete er für die Unternehmensberatung Bain & Company in Boston. Später war er Gründungspartner der 1984 gegründeten Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital, die er bis 1999 leitete. Sein Privatvermögen von geschätzt 250 bis 350 Millionen Dollar[4][5][6] stammt aus den Erträgen seiner Tätigkeit bei Bain Capital. Die Tatsache, dass er im Jahr 2010 den niedrigen Steuersatz für Vermögenserträge von 13,9 Prozent (2011: 15,4 %) bezahlte, wurde von politischen Gegnern während der Vorwahlperiode thematisiert.[7]

Im Jahr 1994 versuchte er, gegen Edward Kennedy in den US-Senat gewählt zu werden. Kennedy gewann; Romney erhielt 41 % der Stimmen - das beste Ergebnis, das je ein republikanischer Kandidat gegen Kennedy erzielte.

1999 wurde er als Geschäftsführer des Organisationskomitees mit der Organisation der XIX. Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, Utah, beauftragt.

[Bearbeiten] Gouverneur von Massachusetts

Im Jahr 2002 wurde er als republikanischer Kandidat für das Gouverneursamt von Massachusetts von der Republikanischen Partei nominiert. Im November desselben Jahres wurde Romney zum 70. Gouverneur von Massachusetts gewählt: Er erhielt 50 % der Stimmen, die demokratische Kandidatin Shannon O’Brien 45 % der Wählerstimmen. Seine Wahl erregte Aufsehen, da Massachusetts als einer der liberalsten Staaten in den USA gilt und demokratische Kandidaten dort üblicherweise klare Vorsprünge vor ihren republikanischen Mitbewerbern erzielen. Als Gouverneur erreichte er, dass der Haushalt des Bundesstaates ausgeglichen wurde und sogar Überschüsse verbuchte.

Im November 2004 versuchte er die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes des Bundesstaates zu gleichgeschlechtlichen eheähnlichen Partnerschaften durch eine Änderung der Verfassung, welche die Ehe auf Mann und Frau beschränkt hätte, zu verhindern.

Im Dezember 2004 kündigte Romney an, er wolle einen Vorschlag einbringen, in Massachusetts die Todesstrafe wieder zu erlauben. Der Gesetzesentwurf, der die Todesstrafe für Terrorismus, Massenmord und Mord an Polizeibeamten vorsah, wurde dem Repräsentantenhaus von Massachusetts am 28. April 2005 vorgelegt. Der Gesetzentwurf wurde mit 99 Stimmen gegen 53 abgelehnt. Er legte außerdem sein Veto gegen die Stammzellenforschung ein, das Parlament überstimmte sein Veto jedoch deutlich.

Bei einer Umfrage zur Popularität der Gouverneure in den 50 US-Bundesstaaten im Dezember 2005 landete er mit einer Zustimmung von 49 % gegen 45 % Ablehnung auf Platz 31.

[Bearbeiten] Präsidentschaftskandidatur 2008

Logo der Präsidentschaftskandidatur 2008

Als er am 24. Dezember 2005 ankündigte, sich nicht der Wiederwahl als Gouverneur zu stellen, sahen viele darin eine Entscheidung, die in Hinblick auf eine Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei für 2008 getroffen wurde.

Mitt Romney kündigte am 13. Februar 2007 offiziell seine Kandidatur für das Präsidentenamt an[8] und sammelte insgesamt 44 Mio. US-Dollar an Spendengeldern, deutlich mehr als seine Konkurrenten Rudolph Giuliani, Fred Thompson und Mike Huckabee. Er konnte in den Bundesstaaten Wyoming, Nevada, Michigan, Maine, Massachusetts, Colorado, Minnesota, Montana, North Dakota und Utah die meisten Stimmen für sich verbuchen.[9]

Am 11. August 2007 ging Romney mit ca. 32 % der Stimmen als Sieger der Straw Poll in Ames, Iowa hervor. Diese nicht bindende Abstimmung gilt als erster wichtiger Indikator für die Organisation der Kandidaten vor den parteiinternen Vorwahlen (Caucus) im Januar 2008. Auch der damalige Gouverneur von Texas, George W. Bush, siegte 1999 bei dieser Testwahl und wurde anschließend Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei. Mitt Romney galt laut Umfragen lange Zeit neben Iowa auch im wichtigen Vorwahlstaat New Hampshire als Favorit.[10] Bei beiden Vorwahlen konnte er jedoch trotz einer anfänglich unangefochtenen Führungsposition nur den zweiten Platz für sich verbuchen (25 % in Iowa, hinter Mike Huckabee; 32 % in New Hampshire, hinter John McCain).

Romney gewann am 5. Januar 2008 die Vorwahlen im Bundesstaat Wyoming. Dort erhielt er acht von zwölf Stimmen, die nach Ende der Vorwahlen auf dem Parteitag der Republikaner ausgezählt werden. In Iowa erhielt er 12 Stimmen, während sein Konkurrent Huckabee dort 17 Stimmen errang. Die Vorwahlen in Michigan konnte er deutlich für sich entscheiden,[9] ebenso die Vorwahlen in Maine.[11]

Am 7. Februar 2008 stieg Romney aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aus. „Ich fühle, dass ich jetzt beiseite treten muss“,[12] erklärte Romney. Er zog damit die Konsequenzen aus seinem unbefriedigenden Abschneiden bei den parteiinternen Abstimmungen über die Spitzenkandidatur am Super Tuesday.

[Bearbeiten] Präsidentschaftskandidatur 2012

Logo der Präsidentschaftskandidatur 2012

Im April 2011 kündigte Romney an, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2012 vorzubereiten.[13] Bei den Vorwahlen in Iowa am 3. Januar 2012, "den knappsten Vorwahlen aller Zeiten", wurde zunächst (und wie sich später herausstellte fälschlich) ein Stimmenvorsprung von 8 Stimmen gemeldet. Eine Nachzählung ergab einen Stimmenvorsprung von 34 Stimmen für seinen Gegenkandidaten Rick Santorum, allerdings fehlten bei beiden Zählungen die Stimmen aus acht Wahllokalen vollständig. Bei der folgenden Vorwahl, der in New Hampshire am 10. Januar 2012, gewann er mit deutlichem Vorsprung.[14][15] Sein Wahlkampf wird größtenteils von sog. Super-PACs (Political Action Comitees), losen Gruppen von Multimillionären, finanziert.[16] Viele der innerparteilichen Konkurrenten um das Amt des Präsidentschaftsbewerbers befehden sich untereinander, teils mit Schlammschlacht-Methoden.[17]

Am 21./22. Januar (MEZ) gewann Newt Gingrich die republikanischen Vorwahlen in South Carolina; das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur galt damit wieder als völlig offen.[18] Am 31. Januar gewann Romney die Vorwahlen im bevölkerungsreichen Bundesstaat Florida. Er bekam 46 %; Gingrich nur 31 %. Der Spiegel schrieb: "Nach seinem 46-Prozent-Triumph .. ist Romney die Kandidatur wohl nicht mehr zu nehmen. ... der Verlierer verkennt die Signale: Trotz seiner deftigen Vorwahl-Niederlage in Florida will Newt Gingrich nicht aufgeben."[19] Als einzigen ernsthaften Konkurrenten Romneys bezeichneten Beobachter Anfang April den ehemaligen Senator Rick Santorum; mathematisch betrachtet[20] hat er keine realistischen Chancen mehr. Am 10. April verkündete Santorum seinen Rückzug; damit waren neben Romney noch Ron Paul (* 1935) und Newt Gingrich im Rennen. Sie haben wegen schwacher Wahlergebnisse kaum noch Chancen, von ihrer Partei aufgestellt zu werden. Beide haben jedoch immer wieder erklärt, bis zum Ende des Nominierungsprozesses im Rennen bleiben zu wollen.[21] Newt Gingrich ist am 3. Mai 2012 aus dem Rennen ausgestiegen.

[Bearbeiten] Politische Standpunkte

Mitt Romney mit seiner Ehefrau Ann (2007)

Als Gouverneur von Massachusetts galt Romney als gemäßigter Vertreter seiner Partei, seine Gesundheitsreform war jener der Obama-Regierung in vielen Punkten ähnlich. Mittlerweile gehört Romney dem konservativen Flügel der Republikanischen Partei an.[22] Mehrfach wurde ihm daher Opportunismus vorgeworfen.[23]

Er lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab, ist aber mit der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften in den einzelnen US-amerikanischen Bundesstaaten einverstanden.[24] Zudem setzt er sich für das Bildungsgutscheinmodell ein, das Eltern ermöglicht, die Schule für ihr Kind frei auszuwählen und es eventuell auf eine Privatschule zu schicken. Er befürwortet ferner, dass Eltern ihre Kinder zuhause unterrichten dürfen und möchte Kinder vor Pornographie und Gewalt in den Medien schützen.[25]

Romney hat eine harte Haltung gegenüber illegalen Einwanderern, lehnt die nachträgliche Legalisierung ab, unterstützte die Entsendung zusätzlicher Soldaten in den Irak, konnte sich aber eine Truppenreduktion vorstellen.[25] Außerdem plant er eine Gesundheitsreform, die den Markt ausbauen und deregulieren, und den Amerikanern somit den Zugang zu einer privaten Krankenversicherung erleichtern soll. Dies soll ohne Steuererhöhungen geschehen.[26]

Er ist ein Gegner des Rechtes auf Abtreibung, das er bei seinen Wahlkämpfen in Massachusetts 1994 und 2002 noch befürwortet hatte.[27] Er warnte in einer Wahlkampfrede, die USA dürften nicht „das Frankreich des 21. Jahrhunderts werden“ - „noch immer eine bedeutende Nation, aber nicht mehr der Weltführer, nicht die Supermacht“. Nach Romneys Auffassung steht „Europa [...] vor einem demografischen Desaster, [als] unvermeidliche[s] Produkt eines geschwächten Glaubens an den Schöpfer, gescheiterten Familien, einer Missachtung der Heiligkeit des menschlichen Lebens und einer erodierten Moral.“[28]

Romney bezeichnete 2010 die Verabschiedung der Gesundheitsreform als Machtmissbrauch und „eine historische Usurpation des Gesetzgebungsprozesses“, obwohl sie, worauf Paul Krugman hinwies, seinen einstigen eigenen Reformplänen ziemlich nahe komme.[29]

Im März 2012 bezeichnete Romney Russland als „geopolitischen Feind Nummer Eins“. Als Grund führte er die Haltung der russischen Regierung zu Irans Atomprogramm und zum Aufstand in Syrien an.[30]

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

  • Turnaround: Crisis, Leadership, and the Olympic Games, Washington: Regnery Publishing 2001. ISBN 0-89526-084-0 (mit Timothy Robinson)
  • No Apology: The Case for American Greatness, New York: St. Martin's Press. 2010. ISBN 0-312-60980-9

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Kandidatensuche in den USAn-tv, 6. März 2007
  2. Glaubenskampf ums Weiße Haus, Tagesspiegel, 7. Dezember 2007
  3. auslandsjournal.zdf.de:Moderne Mormonen? Die einflussreiche Glaubensgemeinschaft hinter Mitt Romney
  4. Mitt Romney Worth as Much as $250 Fox News, 13. August 2007
  5. Der Kandidat der Wall Street faz.net, 31. Dezember 2011
  6. Romney Aides Say His Worth Is at Least $260 Million New York Times, 12. Mai 2007
  7. Wie man auf 20 Millionen Dollar 14 Prozent Steuern zahlt. sueddeutsche.de, 24. Januar 2012, abgerufen am 25. Januar 2012.
  8. Ein Mormone will ins Weiße Haus
  9. a b Reuters: „WRAPUP 6-US Republican Romney wins Michigan primary“ (15. Januar 2008)
  10. Straw Poll: Brot und Spiele auf Amerikanisch
  11. http://kurier.at/nachrichten/128676.php
  12. http://www.cnn.com/2008/POLITICS/02/07/romney.campaign/index.html?eref=rss_topstories
  13. http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/04/12/International/Republikaner-Mitt-Romney-will-US-Praesident-werden?WT.zugang=front_na4
  14. spiegel.de: Romney siegt im Klassenkampf
  15. Spiegel-Übersichtsgrafik
  16. Marc Pitzke: US-Vorwahlen der Republikaner. Superreiche Spender befeuern Schlammschlacht, Spiegel Online, 11. Januar 2012, zuletzt abgerufen am 11. Januar 2012
  17. rp-online.de 9. Januar 2012
  18. spiegel.de 22. Januar 2012: Gingrich zwingt Romney in den Zweikampf
  19. spiegel.de 1. Februar 2012: Romney gewinnt, Gingrich kämpft weiter
  20. [1]
  21. spiegel.de: Santorum macht Weg für Romney frei
  22. n-tv:Kandidatensuche in den USA
  23. Tagesanzeiger: Den Republikanern fehlt für 2012 ein Zugpferd
  24. CNN:Massachusetts governor urges gay civil unions, not marriage
  25. a b Die Presse.com: US-Wahl Die wichtigsten Bewerber
  26. NZZ Online:Mitt Romney – Geheimfavorit
  27. Mitt Romney says he opposes Abortion, MSNBC, 7. Februar 2007
  28. Stern: Europa hat „moralisch und religiös versagt“
  29. Paul Krugman: Going to Extreme. The New York Times, 25. März 2010.
  30. Mitt Romney: Russia is America's 'number one geopolitical foe' im Telegraph am 27. März 2012.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Mitt Romney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen