Mittagsweiser
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Ein Mittagsweiser ist eine Sonnenuhr, die nur den Wahren oder den Mittleren Mittag anzeigt.[1] Er ist eine vereinfachte Sonnenuhr.[2]
Der Gnomon war als astronomisches Instrument ursprünglich ein Mittagsweiser, bevor er zu einer vollständigen Sonnenuhr erweitert wurde.[3]
Eine im 16. und im 17. Jahrhundert in einigen Domen in Italien und Frankreich angebrachte Einrichtung für astronomische Messungen und präzise Bestimmung des Mittags ist eine monumentale Ausführung des Mittagsweisers, die italienisch Meridiana und französisch Méridienne heißt.[4]
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[Bearbeiten] Der Gnomon als früher Mittagsweiser
Einer der ersten Verwendungszwecke des Gnomons war, mit seiner Hilfe die Nord-Süd-Richtung - die Mittagslinie - festzustellen. Man markierte zunächst am Morgen einen Schatten eines senkrecht in den Boden gesteckten Stabes (Gnomons). Dann wurde derjenige Schatten am Abend festgestellt, der gleiche Länge hatte. Die Mittagslinie verläuft in der Mitte dieser beiden markierten Richtungen.[5] In der älteren Umgangssprache heißt die Südrichtung auch gegen Mittag, demzufolge ein Mittagsweiser den Süden weist.
Die permanente Anordnung eines Gnomons auf einer Mittagslinie war das älteste astronomische Messgerät. Dabei kam es nicht darauf an, die Zeit des Mittags anzugeben, sondern an bestimmten Tagen im Jahr in diesem Moment die Länge des Gnomon-Schattens zu messen. Er ist am Mittag am kürzesten und zeigt genau nach Norden. Daraus wurden die geographische Breite, die Äquinoktien, die Solstitien, die Länge des Jahres und der Winkel der Ekliptik bestimmt. Im Alten China war die Höhe des Gnomons festgelegt und bestimmt, dass seine Spitze mit einer gelochten Scheibe zu versehen ist.[6]
Erst durch Messung und Auswertung des über den Tag veränderlichen Schattens entstand die Sonnenuhr mit Gnomon, eine der ältesten Sonnenuhren.
[Bearbeiten] Die vereinfachte Sonnenuhr zum Richten von Räderuhren
Die Räderuhr konnte trotz ihres großen Vorteils des vom Wetter unabhängigen Funktionierens die Sonnenuhr lange nicht verdrängen. Wichtigster Grund war, dass die Sonnenuhr genauer maß. So wurden Sonnenuhren als Mittagsweiser bis zum Aufkommen der elektrischen Nachrichtentechnik im 19. Jahrhundert zum Richten der Räderuhren einmal täglich benutzt. Mittagsweiser waren an öffentlichen Gebäuden, wie Kirchen, Rathäusern und Bahnhöfen angebracht. Als seit dem 18. Jahrhundert im öffentlichen Leben die Mittlere Ortszeit benutzt wurde, wurden die Mittagsweiser vom Wahren auf den Mittleren Mittag umgerüstet. Die Einführung der Zonenzeit geschah später, als Mittagsweiser zum Richten der Räderuhren nicht mehr nötig waren. Mit genauen Uhren gewonnene Zeitsignale wurden bereits telegraphisch verbreitet.
Bei den Mittagsweisern für den Wahren Mittag gab es auf dem Zifferblatt nur eine gerade Stundenlinie, die Mittagslinie. Diese mutierte bei der Anzeige des Mittleren Mittags zur Stundenschleife in Form der Ziffer 8. Das mehrfach gebrauchte Wort Analemma wird auch für diese Figur benutzt. Die vereinfachten Sonnenuhren sind wie der frühe Gnomon wieder vorteilhaft mit einer Lochscheibe (Nodus) versehen.[7] Sie werden abgelesen, wenn der Lichtfleck auf die für das momentane Datum gültige Seite des Analemmas fällt.
[Bearbeiten] Meridiana beziehungsweise Mèridienne
Zur Vorbereitung der Gregorianischen Kalenderreform wurden in einigen Domen monumentale vereinfachte Sonnenuhren eingerichtet, vorzugsweise um astronomische Messungen durchzuführen. Der Loch-Gnomon befindet sich hoch unter der Decke in einer Südwand.[8] Die Skala (Mittags-Linie) erstreckt sich am Boden nahezu über die gesamte Länge des Kirchenschiffs. Ein Loch-Gnomon ist nötig, weil sich bei großen Entfernungen ein Lichtfleck konzentrierter als ein Schattenpunkt erzeugen lässt.
In Italien sind Meridianas in den Domen von Florenz (eingerichtet von Toscanelli, 1475) und Mailand bekannt. Der Dominikanermönch Egnatio Danti konstruierte um 1575 die Meridiana in der Basilika San Petronio in Bologna[9], ein etwa 70 Meter langes, in den Boden eingelassenes Messingband auf das durch ein wenige Millimeter großes Loch-Gnomon in der Kuppel der Basilika um die Mittagszeit ein Lichtstrahl fällt. Auf dem Band kann man dann Tage, Monate und die Sternkreiszeichen ablesen. Diese Konstruktion wurde 1655 von dem Astronom Giovanni Domenico Cassini mit Zustimmung der Kirche verbessert[9] und für astronomische Beobachtungen verwendet. Die von Danti an einer solchen Mittagslinie abgelesenen Fehlweisungen bewiesen die Zeitverschiebung des Julianischen Kalenders zum wirklichen Sonnenlauf und führten unmittelbar zur Einführung des Gregorianischen Kalenders durch Papst Gregor XIII.[10]
Mèridiennes für den gleichen Zweck sind bekannt aus den Kirchen Saint Sulpice in Paris und Saint Michel in Brüssel und aus dem Alten Spital in Tonnere/F.[11] Verwechslungen sind möglich bei einer größeren Zahl von vereinfachten Sonnenuhren an Aussenwänden, die im 18. und 19. Jahrhundert im Elsass entstanden. Sie werden in der Literatur auch als Mèridiennes bezeichnet.[12][13]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Chronometrie: Sonnenuhren Handbuch, 2006, Seite 89
- ↑ Ernst Zinner: Astronomische Instrumente, Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1956, Seite 75
- ↑ René R. J. Rohr: Die Sonnenuhr, Callwey Verlag, 1982, Seite 12
- ↑ René R. J. Rohr: Die Sonnenuhr, Callwey Verlag, 1982, Seite 30
- ↑ Dieter Leigemann und andere: Zum antiken astro-geodätischen Messinstrument Skiotherikòs Gnomon, Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und , 4/2005, Seite 239
- ↑ René R. J. Rohr: Die Sonnenuhr, Callwey Verlag, 1982, Seite 13
- ↑ Bei einer Sonnenuhr hat der Loch-Gnomon den Nachteil, dass man ihn über den Tag verdrehen muss, damit er immer quer zur Sonne steht.
- ↑ Als Monumentale Öhruhr bezeichnet in Bassermann-Jordan/Bertele: Uhren, Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1961, S. 107
- ↑ a b Weblink fokus.de/wissen „Strahl der Erkenntnis“
- ↑ Giampiero Negretti, Paolo de Vecchi: Faszination Uhr. Eine Geschichte der Zeitmessung. Callwey, München 1996, ISBN 978-3766712141
- ↑ René R. J. Rohr: Die Sonnenuhr, Callwey Verlag, 1982, Seite 188
- ↑ Ernst Zinner: Astronomische Instrumente, Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1956, Seite 75 und 230
- ↑ René R. J. Rohr: Die Sonnenuhr, Callwey Verlag, 1982, Seite 30 und 188

