Mitte-Deutschland-Verbindung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Mitte-Deutschland-Verbindung ist eine Eisenbahnverbindung zwischen Thüringen und Sachsen. Das Kernstück dieser Verbindung führt von Chemnitz bzw. Glauchau im Osten über Gera und Jena nach Weimar im Westen. Dabei werden die Bahnstrecke Dresden–Werdau (über Chemnitz–Glauchau), die Bahnstrecke Glauchau–Gößnitz, die Bahnstrecke Gößnitz–Gera und die Bahnstrecke Weimar–Gera befahren. Sie ist Bestandteil einer möglichen direkten Bahn-Verbindung vom Ruhrgebiet oder Frankfurt am Main über Eisenach, Erfurt, Weimar, Jena–West, Jena–Göschwitz, Gera, Gößnitz, Werdau, Zwickau, Chemnitz bis nach Dresden und stellt damit eine Alternativroute zur derzeit für den Fernverkehr genutzten Trasse von Erfurt über Leipzig (statt weiter südlich über Chemnitz) nach Dresden dar.

Mitte-Deutschland-Verbindung bei Ronneburg

Geschichte[Bearbeiten]

Die Mitte-Deutschland-Verbindung stellte vor der Deutschen Teilung eine wichtige Verbindung zwischen den sächsischen Industriegebieten und Westdeutschland dar. Gleichfalls war sie auch für die Anbindung Böhmens über die Elstertalbahn an Westdeutschland bedeutsam.

In der DDR hatte die Verbindung Bedeutung zur Entlastung der über Halle und Leipzig führenden Strecken. Bereits unmittelbar nach der Deutschen Wiedervereinigung plante man euphorisch einen zeitgemäßen Ausbau dieser Strecke, da man sie nun als wichtiges Bindeglied zwischen Westsachsen (Chemnitz) und Westdeutschland einstufte. In dem Gesetz für die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit war die Verbindung zwar nicht enthalten, jedoch wurde sie im Bundesverkehrswegeplan von 1993 als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Priorität besaß in der Folgezeit jedoch die Linie über Leipzig. Dennoch etablierte sich mit der Interregio-Linie 41 schnell eine zeitgemäße Fernverbindung. Im Vierstundentakt wurde eine umsteigefreie Verbindung zwischen Chemnitz und Aachen angeboten. Wegen der fehlenden Elektrifizierung zwischen Gößnitz und Weimar war der Lokwechsel in Weimar seit 1995 obligatorisch. Bis Mai 1995 fuhren die Dieselloks über Erfurt bis Bebra durch, da die Elektrifizierung der Strecke Neudietendorf–Bebra noch nicht abgeschlossen war. Den Dieselbetrieb übernahmen die Baureihen 219 und 232.

Die Anfangseuphorie der Nachwendezeit wich schnell der Ernüchterung; die finanziellen Mittel für einen Ausbau waren nicht vorhanden. Für Gera, die damals zweitgrößte Stadt Thüringens, war der Ausbau eine Prestigesache, war sie doch die größte deutsche Stadt ohne zweigleisigen Bahnanschluss. Es folgten politische Dispute, wobei auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Neubaustrecke Erfurt–Ebensfeld in Frage gestellt wurde.

Trotz einer Vereinbarung zwischen der Deutschen Bahn AG und dem Freistaat Thüringen vom 15. Mai 1997, die den teilweise zweigleisigen und neigetechnikertüchtigenden Ausbau der Strecke vorsah, fiel schon in jenem Jahr die Entscheidung für die Einstellung des Fernverkehrs. Grund war ein Plan der Deutschen Bahn AG, den Interregio-Verkehr bundesweit aufzugeben. Bereits 1999, zwei Jahre vor der Fernverkehrseinstellung im Jahre 2001, wurde auf der Mitte-Deutschland-Verbindung der planmäßige Güterverkehr zwischen Gera und Weimar eingestellt.

Weiterer Ausbau[Bearbeiten]

Die erste Baustufe sieht den Ausbau auf 140 km/h (mit Neigetechnik) und elektronische Stellwerkstechnik vor. Der Abschluss der Arbeiten erfolgte schrittweise: 2002 Weimar–Jena–Göschwitz, 2006/07 Göschwitz–Gera–Ronneburg, 2007/08 Ronneburg–Glauchau. Laut Bundesregierung ist der Abschluss der ersten Baustufe für 2012 vorgesehen (Stand: November 2008)[1].

Die zweite Baustufe beinhaltet den zweigleisigen Ausbau auf 160 km/h (mit Neigetechnik) und die Elektrifizierung. Eingestuft als „weiterer Bedarf“ war sie nicht im Fünfjahresplan (2006 bis 2010) enthalten. Die eingleisigen Abschnitte zwischen Weimar und Großschwabhausen sowie zwischen Neue Schenke und Stadtroda sollen bis Anfang 2016 zweigleisig ausgebaut werden.[2] Im Januar 2013 unterzeichneten Bund und Bahn die zugehörige Finanzierungsvereinbarung. Neben dem weiteren zweigleisigen Streckenausbau auf 17 Kilometern ist eine Geschwindigkeitserhöhung auf 160 km/h vorgesehen. Der Bahnhof Oberweimar erhält einen zweiten Bahnsteig, die Bahnsteige in den Bahnhöfen Jena West und Jena-Göschwitz werden erneuert und mittels Aufzügen barrierefrei zugänglich.[3] Die Bauarbeiten begannen im Februar 2014, die Fertigstellung ist in mehreren Abschnitten bis Dezember 2016 vorgesehen.[4]

Außerdem ist die Elektrifizierung der Bahnstrecke vorgesehen. Die Finanzierung hierzu ist bisher jedoch nicht gesichert, eine Förderung durch Mittel der Europäischen Union wird angestrebt.[5] Die Ausbaupläne und weiteren Perspektiven werden immer wieder heftig politisch diskutiert.

Zugbetrieb[Bearbeiten]

RE Göttingen–Zwickau im Bahnhof von Gößnitz

Seit dem Jahre 2000 wird auf der einstigen Fernverkehrsverbindung die Baureihe 612 als Regional-Express im Zweistundentakt eingesetzt. Alle Züge, die den Gesamtlaufweg befahren, verkehren als Triebwagen in Dreifachtraktion von Göttingen über Gotha (Fahrtrichtungswechsel) und Erfurt nach Gößnitz und werden dort getrennt (geflügelt). Ein Zugteil fährt nach Zwickau, der andere bis zum Fahrplanwechsel 2011/12 nach Chemnitz und seitdem nur noch bis Glauchau.[6] Der dritte Triebwagen wird dabei in Gera Hbf sowie teilweise auch in Gotha ein- bzw. ausgestellt. Seit Beginn des Jahresfahrplan 2013 verkehren die Züge teilweise ab bzw. bis Greiz. Zwischen Glauchau und Weimar benötigen die Züge eine planmäßige Fahrzeit von etwa zwei Stunden.

Im Regionalbahn-Dienst kommen die Triebwagen der Erfurter Bahn zum Einsatz. Zusätzlich kommen Regionalbahn-Züge zwischen Erfurt, Weimar, Jena und Gera zum Einsatz, so dass sich ein 30- bis 40-Minuten-Takt bis Gera ergibt.

Ab 2016 sollen täglich drei Zugpaare mit Doppelstock-Intercitys von Gera über Kassel Richtung Köln bzw. Düsseldorf fahren. Das Land Thüringen beteiligt sich mit etwa 1,75 Millionen Euro an den Kosten, wodurch zwischen Gotha und Gera die Nutzung mit Nahverkehrstickets erlaubt wird.[7]

Strecke ab Düsseldorf[Bearbeiten]

In aktuellen Diskussionen wird unter der Mitte-Deutschland-Verbindung auch die Verbindung von Düsseldorf über Dortmund, Kassel, Erfurt und Weimar nach Chemnitz verstanden. Beispielsweise diskutierte der nordrhein-westfälische Landtag im März 2006 über den Ausbau dieser Verbindung zur Beschleunigung der Züge.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Frister: Ade „Mitte-Deutschland-Verbindung“. Der Niedergang eines verkehrspolitischen Vorhabens. In: Eisenbahn-Kurier. Nr. 343/Jahrgang 35/2001. EK-Verlag GmbH, ISSN 0170-5288, S. 36-39.
  • Werner Drescher (2001): Die Weimar-Geraer Bahn. Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung (= EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Band 34). Freiburg: EK-Verlag, 144 S. (ISBN 3-88255-451-7)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Mücke, Horst Friedrich (Bayreuth), Patrick Döring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: "Entwicklung ost- und mitteldeutscher Eisenbahnverbindungen". In: Drucksache 16/10763 des Deutschen Bundestages. Abgerufen am 12. Oktober 2012 (PDF; 139 kB).
  2. Bahn-Verbindung wird von Weimar bis Stadtroda zweigleisig. Thüringer Allgemeine, 5. Juli 2012
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRund 70 Millionen Euro für Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gera. Deutsche Bahn AG, 8. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStartschuss für den Beginn der Bauarbeiten zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit zwischen Weimar und Gera: Baubeginn an der Mitte-Deutschland-Verbindung. Deutsche Bahn AG, 6. Februar 2014, abgerufen am 21. Februar 2014.
  5. Bahn will Strecke zwischen Weimar und Gößnitz elektrifizieren. Thüringer Allgemeine, 6. Juli 2012
  6. Ralf Julke: Sachsens Sparwut zeitigt Folgen: Thüringer Landesregierung protestiert gegen Kappung der Schienenanbindung. Leipziger Internetzeitung, 17. März 2011. Abgerufen am 3. Januar 2012.
  7.  Tino Zippel: Kein ICE für Saalfeld vorgesehen. In: Ostthüringer Zeitung. 28. August 2013, S. 1 (ähnliche Version online).