Mittelatlantischer Rücken

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Darstellung des Mittelatlantischen Rückens, die Farbe Rot deutet die jüngsten Gesteine an

Der sehr langgestreckte Mittelatlantische Rücken (auch Mittelatlantische Schwelle genannt oder MAR vom englischsprachigen Begriff Mid-Atlantic Ridge) ist ein unterhalb des Meeresspiegels liegendes Gebirge im Atlantischen Ozean, das zum erdumspannenden System der mittelozeanischen Rücken gehört. Der Mittelatlantische Rücken ist mit mehr als 20.000 km Erstreckung der längste Rücken dieses über 60.000 km langen Systems.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Durch den S-förmigen Rücken, der ziemlich genau entlang der Ozean-Mittellinie verläuft und sich von Gakkelrücken im Arktischen Ozean bis zur Bouvetinsel am Rand des Atlantisch-Indischen Südpolarbeckens vor der Antarktis erstreckt, wird der Atlantik in eine West- und eine Osthälfte geteilt. Am Äquator wird er durch den bis 7730 Meter tiefen Romanchegraben in den Nord- und den Südatlantischen Rücken geteilt (auch als Nord- und Südatlantische Schwelle bezeichnet). Etwa ab der Bouvetinsel geht der Mittelatlantische Rücken in Richtung Osten über den Atlantisch-Indischen Rücken, der als Südausläufer des Südatlantischen Rückens gilt, in das System des Indischen Ozeans über.

Der Kamm des Mittelatlantischen Rückens liegt im Durchschnitt etwa 1500 bis 3000 Meter unter der Wasseroberfläche. Charakteristisch für ihn ist sein tiefer Zentralgraben, der sich von Nord nach Süd in Längsrichtung durch den gesamten Rücken zieht. Dieser Grabenbruch, der 1952 von einem Team um Bruce C. Heezen und Marie Tharp entdeckt wurde, besitzt eine Breite von 25 bis 50 Kilometern. Quer verlaufende Verwerfungen (Transformstörungen) und parallele Schwellen und Rücken bilden im Bereich dieses mittelozeanischen Rückens ein grobes Raster auf dem Meeresboden. Der Rücken wird auf seinem Verlauf durch den Atlantik von zahlreichen westlich und östlich angrenzenden Tiefseebecken begleitet.

Der Mittelatlantische Rücken ist durch die Ausbreitung des Meeresbodens (Ozeanbodenspreizung) entstanden und nach wie vor vulkanisch und tektonisch äußerst aktiv. Hier entfernen sich durch die Plattentektonik etwa im Norden die nordamerikanische und die eurasische Platte voneinander, die Spreizungsrate beträgt durchschnittlich etwa 2,5 cm pro Jahr.[2] Die vulkanische Aktivität lässt mit zunehmender Entfernung vom Grabenbruch nach. Je weiter man sich vom Rücken in Richtung der Küsten entfernt, desto älter sind die Meeresböden.[3]

Inseln[Bearbeiten]

Der Mittelatlantische Rücken in Island

Direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken sitzen Inseln bzw. Inselgruppen, die die höchsten Erhebungen dieses größtenteils untermeerischen Gebirges darstellen. Diese sind, von Norden nach Süden, mit ihren jeweils höchsten Gipfeln (Höhe in Metern):

Nordhalbkugel (Nordatlantischer Rücken)
  1. Jan Mayen (zu Norwegen im Arktischen Ozean (Beerenberg), 2277 m)
  2. Island (Hvannadalshnúkur im Vatnajökull, 2110 m)
  3. Azoren (zu Portugal) (Ponta do Pico oder Pico Alto, auf der Insel Pico, 2351 m, die höchste Erhebung des Mittelatlantischen Rückens)
  4. Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen (zu Brasilien) (Penedo Sudoeste, 22,5 m)
Südhalbkugel (Südatlantischer Rücken)
  1. Ascension (zu St. Helena) (The Peak, Green Mountain, 859 m)
  2. Tristan da Cunha (zu St. Helena), (Queen Mary’s Peak, 2062 m)
  3. Gough-Insel (zu St. Helena) (Edinburgh Peak, 909 m)
  4. Bouvetinsel (zu Norwegen) (Olavtoppen, 780 m)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mittelatlantischer Rücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter Giese (Hrsg.): Ozeane und Kontinente. Spektrum der Wissenschaft Verlag, Heidelberg 1987, ISBN 3-922508-24-3, S. 21.
  2. Understanding plate motions. Informationen des USGS zur Plattentektonik, 24. Mai 2012, abgerufen am 26. August 2014 (englisch)
  3. Digital Isochrons of the World's Ocean Floor. Abgerufen am 21. Januar 2010.