Mittelbuchen
| Mittelbuchen
Stadt Hanau
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| Koordinaten: | 50° 11′ N, 8° 53′ O50.1777777777788.8883333333333116Koordinaten: 50° 10′ 40″ N, 8° 53′ 18″ O |
| Höhe: | 116–160 m ü. NN |
| Einwohner: | 3.705 (31. Dez. 2010) |
| Eingemeindung: | 1972 |
| Postleitzahl: | 63454 |
| Vorwahl: | 06181 |
Mittelbuchen ist der urkundlich am frühesten belegte Stadtteil Hanaus, Hessen, mit 3.705 Einwohnern (Stand: 31. Dez. 2010).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographische Lage
Mittelbuchen liegt auf einer Höhe von 116 m über NN, 5,5 km nordwestlich von Hanau, aber durch einen Forst getrennt. Die Stadt Frankfurt am Main liegt etwa 17 Kilometer westlich, der nächste Ort in diese Richtung ist der Stadtteil Wachenbuchen der Stadt Maintal.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Urgeschichte
Im Bereich der Gemarkung sind archäologisch mehrere jungsteinzeitliche Dörfer der Bandkeramischen Kultur aus der Zeit von 5500-4900 v. Chr. nagewiesen. Auch nachfolgend sind aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zahlreiche Fundstellen belegt. In der frühen Zeit der römischen Besetzung der Wetterau befand sich hier am Ende 1. Jh. n. Chr. ein Kastell des ersten Wetterau-Limes. Eine herausgehobene – wenn auch bisher nur in Ansätzen erkennbare – Bedeutung scheint Mittelbuchen bereits in der frühen Völkerwanderungszeit (3. – 6. Jahrhundert n. Chr.) gehabt zu haben, wie 1994 entdeckte spektakuläre Siedlungsfunde im Bereich der Oberdorfelder Straße gezeigt haben. Die Lage des heutigen Ortes geht auf eine fränkische Siedlung zurück, von der sich zahlreiche Gräber nordwestlich des alten Ortskernes fanden.
[Bearbeiten] Mittelalter
Die älteste erhaltene Erwähnung von Mittelbuchen stammt vom 1. Juni 798 als marca bucha in einer Schenkungsurkunde eines Luibert an das Kloster Lorsch. Eine Unterscheidung zwischen den benachbarten späteren Buchen-Orten Mittelbuchen, Wachenbuchen, und den heutigen Wüstungen Oberbuchen und Lützelbuchen wurde zu dieser Zeit noch nicht getroffen. Der Name der vier Orte findet sich auch in der Bezeichnung der übergeordneten politischen Einheit, des Amtes Büchertal wieder.
Der Ort war ab dem 11. Jahrhundert über längere Zeit ein Dorf der Herren von Buchen, deren Burg Wachenbuchen sich wenige Kilometer südwestlich von Mittelbuchen befand. Deren Erben waren im 13. Jahrhundert die Herren von Hanau. Die Altenburg, eine weitere Burganlage, deren Datierung unklar ist, befindet sich, ebenfalls auf Mittelbuchener Gemarkung, in der Nähe des Kinzigheimer Hofs. Das Amt Büchertal und damit Mittelbuchen gehörte zu der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau, dann der Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1370 war die Vogtei ein Lehen der Herren von Hanau an die von Brauneck.
1363 wird eine Pfarrkirche genannt, die dem Heiligen Bonifatius geweiht war. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf. Das Patronat lag bei den Herren von Hanau.
Ab dem späten 15. Jahrhundert wurde Mittelbuchen befestigt. Der Ort war von einer 725 Meter langen und 60 cm dicken Mauer mit sechs Meter hohen Toren umschlossen; der auf einer Anhöhe stehende Kirchturm wurde als Wart- und Wehrturm genutzt.
[Bearbeiten] Historische Namensformen
- Bucha (798)
- Buchon (um 850)
- Buochon (948)
- Buochehun (1059)
- Buocho (1062)
- Buchen (1237)
- Mittelnbuchen (1344)
- Mittilnbuychin (1360)
[Bearbeiten] Frühe Neuzeit
Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16 Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi Gebrauch, seinem Recht als Landesherr, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch, so auch in Mittelbuchen. Kirchliche Oberbehörde war nun das Konsistorium in Hanau. Die Gemeinde gehörte zur „Klasse“ (Dekanat) Bücherthal.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Mittelbuchen.
[Bearbeiten] Neuzeit
1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Büchertal ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807-1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Büchertal im neu gebildeten Kreis Hanau auf.
Mit dem Aufkommen der Industrialisierung wuchs die Bevölkerungszahl gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf über tausend Einwohner an.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort durch zwei Luftangriffe zum Teil zerstört.
Im Rahmen der Hessischen Gebietsreform stand Mittelbuchen vor der Entscheidung, sich Bruchköbel, der neu gebildeten Stadt Maintal oder Hanau anzugliedern. Die Gemeindevertretung entschied sich mit einer Stimme Mehrheit für Hanau. So wurde Mittelbuchen zum 1. Januar 1972 Stadtteil von Hanau.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
- 1544: 117 Mann
- 1587: 86 wehrhafte Männer
- 1632: 52 Familien[1]
- 1644: 246[2]
- 1686: 300[3]
- 1707: 65 Familien
- 1754: 94 Familien = 411 Einwohner
- 1895: 874 Einwohner
- 1939: 1.310
- 1961: 1.592
- 1970: 1.860
- 2010: 3.705
[Bearbeiten] Literatur
- Eugen H. Sauer: Büchertalgeschichten : Festbuch zur 1200-Jahr-Feier der Stadtteile Hanau-Mittelbuchen und Maintal-Wachenbuchen. 1997
- Peter Jüngling: Vom Altertum zum Mittelalter. bucha marca 798–1998 iubilans. In: Festschrift 1998, S. 10–39.
- Tim Kerig: Hanau-Mittelbuchen. Siedlung und Erdwerk der bandkeramischen Kultur. Materialvorlage – Chronologie – Versuch einer handlungstheoretischen Interpretation. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 156. Bonn 2008.
- Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 14, ISSN 0342-2291). Elwert, Marburg 1926, S. 72 f. (Unveränderter Neudruck. ebenda 1974, ISBN 3-7708-0509-7).
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), ISBN 978-3-935395-15-9 (formal falsche ISBN), S. 277–320 (289 ff.)
- ↑ Sauer: 1200 Jahre, S. 72.
- ↑ Sauer: 1200 Jahre, S. 72.
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