Mittelgebirge
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ein Mittelgebirge ist ein Gebirge, das im Gegensatz zum Hochgebirge eine bestimmte Höhe nicht überschreitet, jedoch, in Abgrenzung zum Hügelland, auch eine gewisse Reliefenergie (Höhendifferenz zwischen höchster Erhebung und Gebirgsfuß) haben muss, um sich vom Umland abzuheben. Diese Höhen sind nicht genau festgelegt und schwanken insbesondere je nach Region. So fordern manche Quellen nur 200 Meter[1] Reliefenergie, andere bis zu 500 Meter[2].
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Charakteristika von Mittelgebirgen
Anders als ein Hochgebirge übersteigt ein Mittelgebirge in der Regel nicht die Baumgrenze und ist in höheren Lagen auch nicht vergletschert. In Mitteleuropa liegt die Grenze zum Hochgebirge bei etwa 1500 bis 1800 Metern.
Das Riesengebirge zwischen Polen und der Tschechischen Republik kann man als Grenzfall zwischen Hoch- und Mittelgebirge einordnen, es überschreitet in mehreren Bereichen die 1500-Meter-Marke und weist dort auch eine typische Hochgebirgsvegetation auf, seine Oberflächenformen sind jedoch überwiegend denen von Mittelgebirgen vergleichbar. Hochgebirgsvegetation findet sich auch im Gipfelbereich des Brocken, dem höchsten Berg des Harzes. Schwarzwald, Bayerischer Wald und Harz besaßen eine Eigenvergletscherung und weisen daher glaziale Formen auf.
Mittelgebirge sind oft alte Rumpfgebirge oder Tafelbergländer und weisen bis auf wenige Ausnahmen wegen der geringen Höhe keine glazialen Formen auf, so dass flachwellige Oberflächenformen vorherrschen. Im Unterschied zu den Hochgebirgen gibt es wegen der geringen Höhe der Mittelgebirge nur wenige oder gar keine unterschiedlichen Höhenstufen der Vegetation. Die Klassifizierung von Mittelgebirgen wird anhand ihres letzten Entstehungsvorgangs durchgeführt. Dementsprechend sind etwa die deutschen Mittelgebirge als Bruchschollengebirge einzuordnen.
Bei einer entsprechenden Exposition der Mittelgebirge zur Hauptwindrichtung sind häufig stark ausgeprägte Steigungsregen zu beobachten.
[Bearbeiten] Mittelgebirge in Mitteleuropa
[Bearbeiten] Mittelgebirgsschwelle
Den Norden von Mitteleuropas Montanzone nimmt die bis 1602 m hohe Mittelgebirgsschwelle ein, die, beginnend im Westen bei den belgisch-französischen Ardennen, über die Mitte Deutschlands und Tschechien bis unmittelbar vor die (West-)Karpaten in der Slowakei reicht. Neben dem Rheinischen Schiefergebirge zählen auch z.B. Harz, Rhön, Thüringer Wald, Fichtelgebirge hierzu.
Den Osten der Mittelgebirgsschwelle nimmt die Böhmische Masse ein, die nicht nur einen Großteil der Fläche Tschechiens ausmacht, sondern auch in seinen Außenkämmen die Grenzen jenes Landes zu Deutschland (Erzgebirge und Bayrischer Wald/Böhmerwald), Polen (Sudeten) und Österreich (Ausläufer des Böhmerwaldes) festlegt.
[Bearbeiten] Schichtstufenländer beiderseits des Oberrheingrabens
Südlich der Schwelle schließen sich beidseitig des Oberrheingrabens und von diesem aus nach Osten und Westen abfallende, bis 1493 m hohe Schichtstufenländer an. Hierbei nimmt das südlich bis an die Voralpen reichende, rechtsrheinische Süddeutsche Schichtstufenland, zu dem neben Odenwald und Schwarzwald auch Schwäbische und Fränkische Alb gehören, große Teile von Deutschlands Süden ein, während das linksrheinische, bis 1424 m hohe Französische Schichtstufenland mit den Vogesen nach Südwesten bis zum Pariser Becken reicht und nur im äußersten Nordosten (Pfalz) deutschen Boden einnimmt.
[Bearbeiten] Jura
Das bis 1718 m hohe, gleich in mehreren Regionen die Baumgrenze übersteigende Juragebirge, das sich südlich, an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz, an die Schichtstufenländer anschließt und östlich nur durch das Mittelland von den Alpen getrennt wird, stellt z.T. bereits einen Grenzfall zum Hochgebirge dar. Als Faltengebirge ist der Jura gleichzeitig mit den Alpen entstanden, in deren Richtung auch die Traufe des Hauptkammes ausgerichtet ist. Letztlich zeigt der Jura also mehr Bezüge zu Alpen und Voralpen als zu den anderen mitteleuropäischen Mittelgebirgen.
[Bearbeiten] Zentralmassiv
Mit bis 1886 m noch höher als das Jura ist das Zentralmassiv, das, trotz seines Namens, eher im Süden Frankreichs liegt. Trotz seiner Höhe übersteigt das Massiv seiner mittelmeernahen, milderes Klima begünstigenden Lage wegen nicht die Baumgrenze. Somit stellt das flächenmäßig sehr ausgedehnte Zentralmassiv zwar ziemlich eindeutig ein Mittelgebirge dar, befindet sich jedoch bereits außerhalb der gemäßigten Zone Mitteleuropas.
[Bearbeiten] Die deutschen Mittelgebirge
Alle Gebirge in Deutschland mit Ausnahme der Alpen und Voralpen sind Mittelgebirge. Mehr als die Hälfte von ihnen zählt zur Deutschen Mittelgebirgsschwelle. Ein weiterer, nicht unbeträchtlicher Teil im Süden bildet das Süddeutsche Schichtstufenland, während nur die (westliche) Pfalz dem Nordfranzösischen Schichtstufenland zugerechnet wird.
[Bearbeiten] Entstehung der deutschen Mittelgebirge
Die deutschen Mittelgebirge gehören nach den skandinavischen und britischen Gebirgen sowie dem Uralgebirge zu den ältesten Gebirgen Europas, auch wenn sich ihr heutiges Aussehen erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit so entwickelt hat. Im Karbon, also vor rund 350 Millionen Jahren bildete sich in Mitteleuropa das Variskische Gebirge durch tektonische Hebungsprozesse. Direkt nach der Entstehung begann die Abtragung des Gebirges als exogener Einfluss während der Zeit des Perms. In der Zeit der Trias, welche vor etwa 225 Millionen Jahren begann, befand sich das heutige Mitteleuropa zeitweise über, zeitweise unter dem Meeresspiegel. Daher finden sich in den deutschen Mittelgebirgen heute verschiedene Sedimentschichten: Zumeist wechseln sich Buntsandstein als terrestrische und Keuper sowie Muschelkalk als marine Sedimentschicht ab. Zur Zeit der Jura wurde insbesondere Kalk und in der Kreidezeit hauptsächlich Kreide abgelagert.
Mit dem Beginn des Neozoikums vor rund 70 Millionen Jahren wandelte sich der Vorgang der Abtragung des variskischen Gebirges. Im Tertiär kam es zur alpidischen Gebirgsbildung, wodurch starke Kräfte auf die Rümpfe des variskischen Gebirges wirkten. Da die Gesteine bereits gefaltet waren, führten weitere Spannungen zu Rissen und Brüchen, wodurch wiederum Bruchschollen entstanden. Diese Bruchschollen untergingen später eine Anhebung (Horstscholle, z. B. Harz), eine Absenkung (Grabenbruch, z. B. Oberrheingraben) oder schoben sich übereinander (Pultscholle, z. B. Erzgebirge). Dadurch finden sich die verschiedensten Formen in den deutschen Mittelgebirgen, was auch auf die Abtragung der Sedimente aus dem Mesozoikum (Trias, Jura, Kreide) zurückzuführen ist. In einigen Mittelgebirgen sind die Sedimente relativ gut erhalten, in anderen wurden sie völlig abgetragen. Bestimmender Faktor ist dabei die geografische Lage und die damit verbundene Stärke exogener Vorgänge.
[Bearbeiten] Liste der wichtigsten deutschen Mittelgebirge
Im Folgenden werden die deutschen Mittelgebirge aufgeführt, die über eine Reliefenergie von mindestens 300 m verfügen. Die Geokoordinaten geben die Position der höchsten Erhebung an. An den Namen einiger Erhebungen ist zu erkennen, dass manche Mittelgebirge grenzübergreifend sind. Die Tabelle ist nach der Höhe der höchsten Erhebung sortiert.
| Gebirgsname | Höchste Erhebung | Höhe (m) | Koordinaten | Genauigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Wiehengebirge | Heidbrink | 320 | 52° 17′ N, 8° 38′ O52.2913888888898.6369444444445 | ± 30″ |
| Elm | Eilumer Horn | 323 | 52° 12′ N, 10° 45′ O52.210.75 | ± 30″ |
| Calenberger Bergland | Hohe Egge (Süntel) | 437 | 52° 11′ N, 9° 23′ O52.1759.3833333333333 | ± 30″ |
| Teutoburger Wald | Barnacken | 446 | 51° 51′ N, 8° 54′ O51.8583333333338.9083333333333 | ± 30″ |
| Siebengebirge | Großer Ölberg | 460 | 50° 41′ N, 7° 15′ O50.6822222222227.2483333333333 | ± 1″ |
| Eggegebirge | Preußischer Velmerstot | 468 | 51° 50′ N, 8° 57′ O51.8333333333338.9583333333333 | ± 30″ |
| Kyffhäuser | Kulpenberg | 474 | 51° 25′ N, 11° 5′ O51.41166666666711.0775 | ± 1″ |
| Solling | Große Blöße | 528 | 51° 47′ N, 9° 26′ O51.7833333333339.4333333333333 | ± 30″ |
| Kaiserstuhl | Totenkopf | 557 | 48° 5′ N, 7° 40′ O48.0808333333337.6705555555556 | ± 1″ |
| Spessart | Geiersberg | 586 | 49° 54′ N, 9° 26′ O49.99.4333333333333 | ± 30″ |
| Gladenbacher Bergland | Angelburg | 609 | 50° 47′ N, 8° 26′ O50.7880555555568.4286111111111 | ± 30″ |
| Habichtswald | Hohes Gras | 615 | 51° 18′ N, 9° 21′ O51.3083333333339.3583333333333 | ± 30″ |
| Odenwald | Katzenbuckel | 626 | 49° 29′ N, 9° 3′ O49.4759.0416666666667 | ± 30″ |
| Knüllgebirge | Eisenberg | 636 | 50° 53′ N, 9° 31′ O50.8872222222229.5172222222222 | ± 1″ |
| Kaufunger Wald | Hirschberg | 643 | 51° 15′ N, 9° 46′ O51.2416666666679.7666666666667 | ± 30″ |
| Westerwald | Fuchskaute | 656 | 50° 39′ N, 8° 6′ O50.6583333333338.1 | ± 30″ |
| Ebbegebirge | Nordhelle | 663 | 51° 9′ N, 7° 45′ O51.1483333333337.7563888888889 | ± 1″ |
| Haardt (Pfälzerwald) | Kalmit | 673 | 49° 19′ N, 8° 5′ O49.3188888888898.0827777777778 | ± 1″ |
| Kellerwald | Wüstegarten | 675 | 51° 1′ N, 9° 5′ O51.0163888888899.0841666666667 | ± 10″ |
| Nordpfälzer Bergland | Donnersberg | 687 | 49° 37′ N, 7° 56′ O49.6247222222227.9272222222222 | ± 10″ |
| Fränkische Alb | Hesselberg | 689 | 49° 4′ N, 10° 32′ O49.06666666666710.533333333333 | ± 30″ |
| Elbsandsteingebirge | Hoher Schneeberg / Decínský Snežník | 722 | 50° 48′ N, 14° 7′ O50.79166666666714.116666666667 | ± 30″ |
| Eifel | Hohe Acht | 746 | 50° 24′ N, 7° 0′ O50.3916666666677.0083333333333 | ± 30″ |
| Hoher Meißner | Kasseler Kuppe | 754 | 51° 15′ N, 9° 51′ O51.2416666666679.8583333333333 | ± 30″ |
| Vogelsberg | Taufstein | 773 | 50° 31′ N, 9° 15′ O50.5166666666679.2416666666667 | ± 30″ |
| Zittauer Gebirge | Lausche | 793 | 50° 51′ N, 14° 39′ O50.8514.65 | ± 30″ |
| Frankenwald | Döbraberg | 794 | 50° 17′ N, 11° 39′ O50.28333333333311.65 | ± 30″ |
| Hunsrück | Erbeskopf | 816 | 49° 44′ N, 7° 6′ O49.7333333333337.0916666666667 | ± 30″ |
| Elstergebirge | Pocatecky Vrch (siehe auch: Hoher Brand) | 818 | 50° 20′ N, 12° 27′ O50.32512.441666666667 | ± 30″ |
| Rothaargebirge | Langenberg | 843 | 51° 17′ N, 8° 33′ O51.2758.5583333333333 | ± 30″ |
| Thüringer Schiefergebirge | Großer Farmdenkopf | 869 | 50° 30′ N, 11° 2′ O50.50833333333311.033333333333 | ± 30″ |
| Taunus | Großer Feldberg | 882 | 50° 14′ N, 8° 27′ O50.2319444444448.4572222222222 | ± 1″ |
| Rhön | Wasserkuppe | 950 | 50° 30′ N, 9° 56′ O50.4980555555569.9377777777778 | ± 1″ |
| Thüringer Wald | Großer Beerberg | 983 | 50° 39′ N, 10° 45′ O50.65805555555610.743888888889 | ± 5″ |
| Schwäbische Alb | Lemberg | 1015 | 48° 9′ N, 8° 45′ O48.158.75 | ± 30″ |
| Oberpfälzer Wald | Schwarzkopf/Cerchov | 1041 | 49° 23′ N, 12° 47′ O49.38333333333312.783333333333 | ± 30″ |
| Fichtelgebirge | Schneeberg | 1053 | 50° 3′ N, 11° 51′ O50.05833333333311.858333333333 | ± 30″ |
| Harz | Brocken | 1141 | 51° 48′ N, 10° 37′ O51.810.616666666667 | ± 30″ |
| Erzgebirge | Keilberg/Klinovec (siehe auch: Fichtelberg) | 1243 | 50° 24′ N, 12° 58′ O50.412.966666666667 | ± 30″ |
| Bayerischer Wald | Großer Arber | 1456 | 49° 7′ N, 13° 8′ O49.11666666666713.133333333333 | ± 30″ |
| Schwarzwald | Feldberg | 1493 | 47° 52′ N, 8° 0′ O47.8736111111118.0038888888889 | ± 1″ |
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Scinexx zur Definition von Mittelgebirgen
- ↑ Meyers Taschenlexikon, Stichwort Gebirge
[Bearbeiten] Siehe auch
- Acadische Gebirgsbildungsära
- Vorberge (Geomorphologie) – die landschaftlich ähnliche Struktur vor Hochgebirgen