Mittelmotor

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Schema des Mittelmotorkonzeptes im Kraftfahrzeug
Mittelmotor im historischen Rennwagen Lotus 49
Mittelmotor und Akkueinheit in einem Elektrofahrrad

Mittelmotor ist die Bezeichnung für die Motoranordnung in Fahrzeugen zwischen den Achsen, im engeren Sinne eine Motor-Getriebe-Einheit mit dem Motor vor der angetriebenen Hinterachse. Bei mehrspurigen Kraftfahrzeugen ist die Anordnung hinter bzw. unter den Insassen ein weiteres Merkmal der Mittelmotorbauweise. Im erweiterten Sinn gelten auch zwischen den Achsen angeordnete Unterflurmotoren als Mittelmotor. Die Motoranordnung unterscheidet sich von der Frontmotor- und Heckmotoranordnung, wobei die Abgrenzung zum Frontmotor weich ist: Bei Frontantrieb in umgekehrter Anordnung (Getriebe vorn, Motor dahinter) befindet sich der Motor zwischen den Achsen, gilt dennoch als Frontmotor. Bei Sportwagen mit weit hinter der Vorderachse angeordnetem Motor wird die Anordnung auch als „Front-Mittelmotor“ bezeichnet, weil das Merkmal „zwischen den Achsen“ erfüllt ist, nicht aber das Merkmal „hinter den Insassen“.

Die Mittelmotoranordnung kommt vorwiegend bei Sport- und Rennwagen zum Einsatz, vereinzelt aber auch bei Vans, Omnibussen und Lastkraftwagen.

Bei Fahrrädern mit Elektroantrieb, beispielsweise Pedelecs, ist der Mittelmotor durch die Anordnung in der Nähe des Tretlagers gekennzeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon bei Gottlieb Daimlers Motorkutsche von 1886 war der Motor unter und im hinteren Fußraum eingebaut, aber auch bei anderen frühen Autokonstruktionen findet sich der Motor zwischen den Achsen, zum Beispiel unter dem Fahrersitz bei den ersten Fahrzeugen von Ford, Packard oder Olds. Die Antriebskraft der quer eingebauten Motoren wurde mit Ketten auf die Hinterräder übertragen. Der Auto Union 16-Zylinder Rennwagen, der 1933 unter Mitwirkung von Ferdinand Porsche entwickelt wurde, hatte einen Mittelmotor, ebenso wie der Mercedes-Benz 150, obwohl das damals noch als Heckmotor-Bauweise bezeichnet wurde. Die britische Rennwagenfirma Cooper baute ab 1955 Sportprototypen und Formel-2-Autos mit Mittelmotor, in der Formel-1-Rennserie sind seit Beginn der 1960er-Jahre alle Wagen so konstruiert. Im Omnibusbau fand der Mittelmotor nach der Abkehr vom Frontmotor vorübergehend als Unterflurmotor Verwendung, bevor sich die Heckmotoranordnung als Standard etablierte. Auch verschiedene Lkw-Baureihen, z. B. von Büssing und MAN, wurden mit Unterflurmotor ausgestattet.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Durch den Mittelmotor wird eine annähernd gleichmäßige Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterachse erleichtert, vor allem aber eine Massenkonzentration nahe dem Fahrzeugschwerpunkt erreicht. Aus dieser folgt ein ausgewogenes Fahrverhalten, das weder durch Untersteuern (Gewichtsschwerpunkt im Bugbereich) noch durch Übersteuern (Gewichtsschwerpunkt im Heckbereich) gekennzeichnet ist. So sind hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich.

Da der Großteil des Fahrzeuggewichts im Schwerpunkt konzentriert und deshalb das Massenträgheitsmoment um die Fahrzeughochachse gering ist, führt das Überschreiten der Haftgrenze in einer Kurve zu einer sehr schnellen, schwer zu kontrollierenden Drehung des Mittelmotorfahrzeugs. Andererseits erfolgt das Einlenken in eine Kurve sehr spontan, das Fahrzeug wirkt sehr wendig. Des Weiteren können Rotationsbewegungen um die Querachse/Nickachse (z.B. Brems- und Anfahrnicken) aufgrund der geringeren Trägheit ausgeprägter auftreten und hierbei den Fahrkomfort sowie die dynamische Achslastverteilung negativ beeinflussen. Der praktische Nutzwert von Automobilen mit Mittelmotor ist in der Regel eingeschränkt. Sie weisen oft nur eine einzelne Sitzreihe auf, manchmal sind zwei Kofferräume in Heck und Front vorhanden. Je nach Bauart eines Fahrzeuges sind Motor und Nebenaggregate bei Reparaturen mitunter schwer erreichbar, was die Wartungsfreundlichkeit negativ beeinflussen kann.

Da die äußeren Bug- und Heckbereiche von Mittelmotorfahrzeugen nicht vom Antriebsaggregat in Anspruch genommen werden, können weiträumigere Knautschzonen gestaltet werden. Dies erhöht die passive Sicherheit der Insassen. Des Weiteren können aerodynamische Vorteile bei der Gestaltung der Frontpartie entstehen.

Eine zunehmend häufiger verwendete Sonderform des Mittelmotors ist der Front-Mittelmotor, der zwischen der Vorderachse und der Fahrgastzelle eingebaut wird. Diese Bauform ähnelt im praktischen Nutzwert dem konventionellen Antrieb und war insbesondere bei Vorkriegsfahrzeugen sehr stark verbreitet.

Der Mittelmotor wird vorwiegend mit Hinterradantrieb kombiniert. Damit hat er die Vorteile des kompakten Antriebs, verbunden mit der günstigen Schwerpunktlage. Der Vorteil ist beim Front-Mittelmotor nicht mehr gegeben, da hier auf eine Kardanwelle und ein separates Achsdifferential bzw. auf die Transaxle-Bauweise zurückgegriffen werden muss.
Es gibt auch die Verbindung des Mittelmotors mit Allradantrieb, was jedoch einen wesentlich aufwendigeren Triebstrang um den Motor herum erfordert. Mittelmotor mit Vorderradantrieb spielt im Straßenfahrzeugbau praktisch keine Rolle und wird höchstens im Sonderfahrzeugbau oder für selbstfahrende Arbeitsmaschinen verwendet.

Auswahl von Mittelmotorfahrzeugen[Bearbeiten]

Einsatz in Flugzeugen[Bearbeiten]

Mittelmotoren wurden auch in der Luftfahrt verwendet, z. B. bei der Bell P-39 Airacobra und der Bell P-63 Kingcobra. Bei diesen Jagdflugzeugen sollte durch die Unterbringung des Triebwerks in der Flugzeugmitte die Wendigkeit erhöht werden. Letztendlich konnte sich das Konstruktionsprinzip jedoch nicht durchsetzen.

Die Dornier Do 335 war ein unkonventionelles zweimotoriges Flugzeug, mit einem Frontmotor für den Zugpropeller am Bug und einem Mittelmotor für den Schubpropeller am Heck.

Einzelnachweise[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. 2. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden, 2001, ISBN 3-528-13114-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mittelmotor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen