Mittelpunkt Deutschlands

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Erster geografischer Mittelpunkt Deutschlands

Als Mittelpunkt Deutschlands wird ein Ort bezeichnet, der – nach unterschiedlichen Methoden bestimmt – in der Mitte von Deutschland liegt. Eine der möglichen Methoden berechnet beispielsweise den Schwerpunkt eines zweidimensionalen Landkarten-Modells. Die errechneten Ergebnisse führen zu Punkten, die im westlichen Thüringen, aber auch im südöstlichen Niedersachsen oder im östlichen Hessen im Städtedreieck Kassel-Erfurt-Göttingen liegen. Der Mittelpunkt Deutschlands verschob sich mit den Grenzveränderungen des Versailler Vertrags 1918 und dem Verlust der Ostgebiete 1945. Betrachtet man statt Deutschland nur die Bundesrepublik, so haben sich deren Grenzen und folglich ihr Schwerpunkt mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 verschoben.

Berechnungsmethoden[Bearbeiten]

Mittelpunkt eines von Breiten- und Längengraden begrenzten Gebietes[Bearbeiten]

Mittelpunktstein in Niederdorla
Kaiserlinde und Mittelpunktstein in Niederdorla
Mittelpunkt zwischen äußersten Breiten- und Längengraden (Deutschland)
Mittelpunkt zwischen äußersten Breiten- und Längengraden
Mittelpunkt zwischen äußersten Breiten- und Längengraden
Mittelpunkt zwischen den jeweils äußersten Breiten- und Längengraden.

Passt man die Grenzen Deutschlands in ein Gebiet zwischen den jeweils äußersten Breiten- und Längengraden ein, so liegt der Mittelpunkt in der Gemeinde Niederdorla (Gemeinde Vogtei, Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen) etwa 500 Meter nördlich des Kernorts Niederdorla und etwa 1000 Meter östlich des ehemaligen Bahnhofs vom Ortsteil Oberdorla bei 51° 9′ 48″ N, 10° 26′ 52″ O51.16337510.447683333333. Dieser Mittelpunkt hat als Koordinaten die Mittelwerte der Koordinaten des nördlichsten und südlichsten, sowie des östlichsten und westlichsten Punktes.

An dieser Stelle wurde neben einer Linde auf einem markanten Stein eine Informationstafel über diesen Mittelpunkt Deutschlands angebracht.

Mühlhausen liegt nur fünf Kilometer nördlich und ist damit die zentralste Stadt und Erfurt (45,50 km; südöstlich), Göttingen (54,00 km; nord-nordwestlich) und Kassel (67,50 km; nordwestlich) sind die drei Großstädte, die dem geographischen Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland am nächsten liegen (alle Entfernungen per Luftlinie).

Initiiert von der mdr-Sendung Außenseiter-Spitzenreiter wurde diese Berechnung von Heinz Finger vom Institut für Geodäsie der TU Dresden (er hatte Jahre zuvor schon den Mittelpunkt der DDR vermessen) vorgenommen.[1][2]

Schnittpunktermittlung[Bearbeiten]

Verbindet man den nördlichsten Punkt Deutschlands (bei List auf Sylt) und den südlichsten Punkt (nahe Einödsbach bei Oberstdorf) zu einer Linie und kreuzt damit die Linie zwischen dem östlichsten (bei Deschka) und westlichsten Punkt (bei Isenbruch), so ergibt sich ein Schnittpunkt, der bei der Ortschaft Besse bei Kassel in Hessen liegt.

Schwerpunktermittlung[Bearbeiten]

Eine andere Methode der Festlegung des Mittelpunktes ist die Suche nach dem geometrischen Schwerpunkt.

Durch Gleichgewicht[Bearbeiten]

Schwerpunkt Deutschlands (Deutschland)
Schwerpunkt Deutschlands
Schwerpunkt Deutschlands
Der Schwerpunkt Deutschlands mit Zwölfmeilenzone.

Wenn man eine Fläche beliebiger Größe von der Form Deutschlands austariert, so ergibt sich ein Punkt, der ebenfalls in der Gemeinde Niederdorla (Unstrut-Hainich-Kreis, Thüringen) liegt, etwa 1,5 km nordwestlich der Gemeinde Kammerforst und damit rund 4,5 km südwestlich des zuvor erwähnten geographischen Mittelpunkts bei Niederdorla bzw. Oberdorla (51° 8′ N, 10° 25′ O51.13333333333310.416666666667).

Bei dieser Bestimmung durch Gleichgewicht ist die Definition nicht eindeutig. Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, ob und wie die Inseln bzw. die Zwölf-Meilen-Zone sowie die Exklaven berücksichtigt werden. Auch bleiben Bodenerhebungen unberücksichtigt.

Berechnung für das Staatsgebiet zu Land[Bearbeiten]

Schwerpunkt Deutschlands (Deutschland)
Schwerpunkt Deutschlands
Schwerpunkt Deutschlands
Der Schwerpunkt Deutschlands ohne Zwölfmeilenzone.

Eine genaue Berechnung des Schwerpunkts der Fläche Deutschlands ohne Zwölfmeilenzone bestimmte den Ort Landstreit (51° 0′ N, 10° 20′ O5110.333333333333) bei Eisenach als Mittelpunkt. Stellvertretend wurde die etwa 10 km entfernte Wartburg zum Mittelpunkt Deutschlands erklärt.

Berechnung für das gesamte Staatsgebiet zu Wasser und zu Land[Bearbeiten]

Für die Berechnung dieses Schwerpunktes von Deutschland wurde auch die Zwölfmeilenzone des Staats im Weltmeer herangezogen. Er liegt in Dingelstädt-Silberhausen (Landkreis Eichsfeld, Thüringen).

Berechnung durch 3D-Modell[Bearbeiten]

Der Mittelpunktstein in Krebeck
Angaben von Längen-, und Breitengrad (Schild auf dem Mittelpunktstein in Krebeck)

Dieser Mittelpunkt Deutschlands wurde mit Hilfe eines dreidimensionalen Modells ermittelt. Für seine Festlegung werden auch alle Unebenheiten in Form von Polygonzügen hinzugezogen. Er liegt in der Gemeinde Krebeck (Landkreis Göttingen, Niedersachsen), etwa 1 km westlich des Ortszentrums (51° 35′ 26″ N, 10° 6′ 22″ O51.59055555555610.106111111111). An dieser Stelle wurde auf einem markanten Stein eine Informationstafel über diesen Mittelpunkt Deutschlands angebracht.

Minimaler Abstand zur Staatsgrenze[Bearbeiten]

Dieser Mittelpunkt stellt den Punkt dar, für den die Summe der Entfernungen zu gleichmäßig verteilten Punkten auf der Staatsgrenze am kleinsten ist. Er liegt in Heiligenstadt-Flinsberg (Landkreis Eichsfeld, Thüringen). An dieser Stelle wurde neben einer Eiche auf einem markanten Stein eine Informationstafel über diesen Mittelpunkt Deutschlands angebracht.

Dieser Mittelpunkt ist allerdings nicht sehr genau bestimmbar, da die genaue Verteilung der Messpunkte auf der Staatsgrenze sehr problematisch ist. Ein sehr verschlungener Teil der Grenze zieht diesen Mittelpunkt durch seine relative Länge stärker an sich, als ein gerade verlaufender Teil der Grenze. Siehe dazu das Problem der Küstenlänge.

Historische Mittelpunkte[Bearbeiten]

Deutsches Reich (1871–1920)[Bearbeiten]

Mittelpunkt des Deutschen Reiches von 1871 bis 1920 in Spremberg/Niederlausitz
Mittelpunkt des Deutschen Reiches (1871–1920) (Deutschland)
Mittelpunkt des Deutschen Reiches (1871–1920)
Mittelpunkt des Deutschen Reiches (1871–1920)

Auch zu Zeiten des Deutschen Reiches wurde ein Mittelpunkt bestimmt. So war Spremberg zwischen 1871 und 1920 der geografische Mittelpunkt des Deutschen Reiches, darüber gibt ein Gedenkstein Auskunft, der sich nur wenige Meter vom Originalstandort befindet.

Die Berechnungsgrundlage dazu war folgende:

„Der nördlichste Punkt des neu entstandenen Deutschen Reiches liegt bei dem Dorfe Nimmersatt nördlich von Memel, 55 Grad 52 Minuten 56 Sekunden nördlicher Breite; der südlichste am Ursprung der Stillach, eines Quellflusses der Iller in den Allgäuer Alpen, 47 Grad 15 Minuten 48 Sekunden nördlicher Breite. Das Mittel hieraus ist 51 Grad 34 Minuten 22 Sekunden. Der östlichste Punkt liegt bei dem Dorfe Schilleningken unweit Schirwindt an der Scheschuppe, 40 Grad 32 Minuten 25 Sekunden östlicher Länge von Ferro; der westlichste beim Dorfe Isenbruch, vier Kilometer von der Maas, 23 Grad 31 Minuten 50 Sekunden östlicher Länge von Ferro. Das Mittel hieraus ist 32 Grad 2 Minuten 7,5 Sekunden.

Der geographische Mittelpunkt des Deutschen Reiches ist also der Punkt, welcher unter 51 Grad 34 Minuten 22 Sekunden nördlicher Breite und 32 Grad 2 Minuten 7,5 Sekunden östlicher Länge51.57208333333314.371166666667 liegt.“

(Anmerkung: Bezogen auf den Ferro-Meridian, das entspricht bei dem heute verwendeten Greenwich-Meridian 51° 34′ 19.5″ N, 14° 22′ 16.2″ E)

Auch in dem Dorf Krina im Landkreis Anhalt-Bitterfeld steht ein entsprechender Gedenkstein.

Während der deutschen Teilung (1949–1990)[Bearbeiten]

Mittelpunkt der DDR bei Weitzgrund
Mittelpunkt der DDR (Neue Bundesländer)
Mittelpunkt der DDR
Mittelpunkt der DDR

Als Mittelpunkte der alten Bundesrepublik Deutschland bezeichneten sich u. a. die Gemeinden Rennerod im Westerwald und Herbstein (Vogelsbergkreis in Hessen).

Der Mittelpunkt der ehemaligen DDR liegt bei Belzig zwischen Verlorenwasser und Weitzgrund im Fläming. Im April 1974 wurde der Massenmittelpunkt mit den Koordinaten 52° 12′ N, 12° 31′ O52.212.516666666667 an der TU Dresden errechnet und in der Fernsehsendung Außenseiter-Spitzenreiter publik gemacht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Private Webseite Hans-Joachim Wolfram
  2. Mittelpunkt „Deutschland“. (PDF; 12 kB) auf: mittelpunkt-deutschlands.de
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing