Mittelramstadt

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49.322510.431388888889445Koordinaten: 49° 19′ 21″ N, 10° 25′ 53″ O

Mittelramstadt
Höhe: 445 m ü. NN
Fläche: 4,72 km²
Einwohner: 70 (1987)
Bevölkerungsdichte: 15 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91578
Vorwahl: 09823
Ortsmitte mit Kriegerdenkmal
Steinkreuz und Erinnerungstafel an den Fernwärmeanschluss im Jahr 2013

Mittelramstadt (umgangssprachlich: Midlrámschdad)[1] ist ein Ortsteil der Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach, Regierungsbezirk Mittelfranken (Bayern).

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt am Kümmelbach, einem linken Zufluss der Altmühl.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde als Spätsiedlung zwischen „Oberen Ramshart“ und „Niederen Ramshart“ angelegt,[2] erscheint aber als “Mitteln Ramßhart“ erst 1471, als „Niederen Ramshart“ schon über ein halbes Jahrhundert nicht mehr genannt wurde; möglicherweise ist „Niederen Ramshart“ zum heutigen Mittelramstadt geworden. In beiden Ramstadt hatte das Hochstift Würzburg Lehen, die als Getreidezehent im frühen 14. Jahrhundert die Geißendorfer[3] auf Schloss Vogelsburg genannt Rammersdorf besaßen. 1384 verkaufte Hans Geißendorfer unter anderem den Nieder-/Mittelramstadter Zehent an Johann von Seckendorff zu Jochsberg.[4] 1450 belehnte der Markgraf von Ansbach die Gebrüder Zobel mit dem Schloss Vogelsburg/Rammersdorf und auch mit dem Zehent von Mittelramstadt. 1571 ging das Schloss mit Zugehörungen als markgräfliches Lehen an die Adelsfamilie Eyb über.[5] So heißt es in einer brandenburg-ansbachischen Oberamtsbeschreibung von 1732, dass Mittelramstadt aus zwei Untertanen des brandenburg-ansbachischen Stiftsamtes Ansbach (schon 1681 so überliefert)[6] und elf Untertanen der Herren von Eyb zu Rammersdorf sowie einem gemeindlichen Hirtenhaus besteht; gepfarrt war der Weiler nach St. Peter in Lautershausen. Der Zehent ging teils zum Schloss Rammersdorf, teils zum Schulmeister zu Leutershausen, teils nach Oberramstadt. Die Gemeindeherrschaft und der Hirtenstab war zwischen dem Stiftsamt Ansbach und der Herrschaft Eyb strittig; die Vogtei inner Etters gehörte der jeweiligen Herrschaft, die Vogtei außer Etters und die Fraisch lagen beim brandenburg-ansbachischen Vogtamt Leutershausen.[7] Gegen Ende des Alten Reiches bestand Mittelramstadt aus 14 Anwesen: Dem Stiftsamt Ansbach gehörten ein Köblergut und ein Söldengütlein, dem eybschen Rittergut zu Rammersdorf zwei Halbhöfe, fünf Köblergüter, ein Söldengut und vier Söldengütlein. Gemeindlicher Besitz waren das Hirtenhaus und das Brechhaus zur Flachsbearbeitung.[8]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Mittelramstadt dem Steuerdistrikt Leutershausen zugewiesen. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde Mittelramstadt mit Froschmühle, Rammersdorf und Winden eine eigene politische Gemeinde. 14 Grundholden von Mittelramstadt gehörten von 1820 bis 1842 zum Patrimonialgericht I. Klasse Wiedersbach-Rammersdorf der Familie von Eyb.[9]

1819 wurde in Mittelramstadt mit dem Hopfenbau begonnen; der Ort nahm diesbezüglich „in der Gegend“ eine Vorreiterrolle ein.[10] Ein amtliches Verzeichnis von 1876 vermeldet, dass zu dieser Zeit im Dorf Mittelramstadt 81 Stück Rindvieh gehalten wurden; in den vier Orten der Gemeinde Mittelramstadt gab es insgesamt 220 Stück Rindvieh, 387 Schafe, 181 Schweine und 25 Ziegen.[11]

Die Gemeinde Mittelramstadt gehörte bis 1862 zum Landgericht Leutershausen und ab 1862 zum Bezirksamt Ansbach, das 1938 zum Landkreis Ansbach wurde.[12] Am 1. Januar 1972 wurde die gesamte Gemeinde Mittelramstadt im Zuge der Gebietsreform in die Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach eingemeindet.[13]

Baudenkmal[Bearbeiten]

  • Mittelalterliches Steinkreuz am westlichen Ortsausgang an der Weggabelung nach Auerbach und Bauzenweiler

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Gemeinde Mittelramstadt

Gemeindeteil Mittelramstadt

  • 1818: 57 (21 „Feuerstellen“, 22 Familien)[19]
  • 1831: 57 (23 Häuser)[20]
  • 1837: 89 (18 Wohngebäude, 22 Familien)[21]
  • 1846: 112 (22 Häuser, 26 Familien)[22]
  • 1876: 98 (36 Gebäude)[23]
  • 1900: 99 (22 Wohngebäude)[24]
  • 1950: 107 (19 Wohngebäude)[25]
  • 1961: 87 (19 Wohngebäude)[26]
  • 1987: 70[27]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Kreisstraße AN 23, die in südlicher Richtung nach Winden bzw. in nördlicher Richtung nach Oberramstadt führt. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt in nordwestlicher Richtung nach Auerbach auf die AN 20.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Schreiber: Leutershausen, Leutershausen [1975]
  • Manfred Jehle: Ansbach. Historischer Atlas von Bayern I 35, 2 Bde., München 2009
  •  Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 3. Stettinische Buchhandlung, Ulm 1801, Sp. 626, DNB 790364301.
  •  Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Erlangen 1955, S. 133f., DNB 480570132.
  •  Günter P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach. In: Bayerische Kunstdenkmale, Bd. 2. Deutscher Kunstverlag, München 1958, S. 117, DNB 451224701.
  •  Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, S. 172f., DNB 450093387.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fechter, S. 134
  2. Schreiber, S. 379
  3. Jehle, Bd. 1, S. 601
  4. Jehle, Bd. 1, S. 604
  5. Jehle, Bd. 1, S. 586-588
  6. Jehle, Bd. 2. S. 715
  7. Schreiber, S. 379
  8. Jehle, Bd. 2, S. 889
  9. Jehle, Bd. 2, S. 959, 1002
  10. Christian Carl André: Oekonomische Neuigkeiten und Verhandlungen, Nr. 51, Juli 1822, S. 406
  11. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, München 1876, Spalte 1154
  12. Jehle, Bd. 2, S. 1002
  13.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 421.
  14. Schreiber, S. 382
  15. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, München 1876, Spalte 1154
  16. [1]
  17. a b [2]
  18. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 703.
  19. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise ... enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 59
  20. Joseph Anton Eisenmann und Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. 2. Band, Erlangen 1832, S. 70
  21. Schreiber, S. 381
  22. Schreiber, S. 381
  23. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, München 1876, Spalte 1154
  24. Schreiber, S. 378
  25. Jehle, Bd. 2, S. 1001
  26. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 756
  27. Genealogie-Netz