Mittelstand

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Darstellung der tragenden Rolle des Mittelstandes in Walter Wilhelms „Mission des Mittelstandes“ (1925)

Die in Deutschland gebräuchliche Bezeichnung Mittelstand steht nach quantitativen Kriterien für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU bzw. teilweise SME für engl. small and medium[-sized] enterprises) und nach qualitativen Kriterien für die Familienunternehmen.

Der Mittelstand wird oft auch mit der soziologischen Mittelschicht verwechselt, und der Duden hat bis vor kurzem sogar nur diese Bedeutung verzeichnet.[1] Historisch siehe auch Kleinbürger beziehungsweise Bürgertum.

Mangels äquivalenter Übersetzungen hat der Begriff als Lehnwort mittelstand in die englische und spanische Sprache Eingang gefunden.

Mittelstandsdefinition[Bearbeiten]

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Eine allgemein akzeptierte oder gar gesetzlich vorgeschriebene Definition des Mittelstandes gibt es nicht. Aus quantitativer Sicht bezieht sich der Mittelstandsbegriff auf Unternehmen aller Branchen einschließlich des Handwerks und der Freien Berufe, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Hilfsweise werden zur Größenbestimmung der Jahresumsatz, die Anzahl der Arbeitsplätze und/oder die Bilanzsumme herangezogen.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn definiert kleine und mittlere Unternehmen wie folgt[2]:

Unternehmenstyp Mitarbeiterzahl Jahresumsatz
Kleines Unternehmen weniger als 10 weniger als 1 Mio. €
Mittleres Unternehmen 10 bis 500 weniger als 50 Mio. €

Beide Größenklassen zusammen bilden gemäß dieser Definition den Mittelstand nach quantitativen Kriterien. Die KfW Bankengruppe definiert dagegen den Mittelstand über einen maximalen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro bzw. über eine maximale Jahresbilanzsumme von 43 Mio Euro. Unternehmen, deren Umsatz darüber liegt, können sich nicht für bestimmte staatliche Förderungen aus dem Hause der KfW Bankengruppe bewerben. Im internationalen Vergleich wird das Small Business oder das mittelgroße Unternehmen anhand einer Obergrenze definiert, die je nach Staat zwischen 100 und 500 Beschäftigten variiert.

Der Mittelstand besteht zum großen Teil, aber nicht nur aus Familienunternehmen. Wie diese ist er gekennzeichnet durch die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko, d.h. durch die Einheit von wirtschaftlicher Existenz und Führung sowie die verantwortliche Mitwirkung der Unternehmensführung an allen unternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen. Letzten Endes definiert sich der Mittelstand durch seine (Konzernunabhängigkeit). Ausdruck dafür ist die Beteiligungshöhe bei verbundenen Unternehmen anhand der Minderheitsklausel für Beteiligungen im Rahmen der EU-Definition oder der Definition des IfM Bonn.

Volkswirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland umfasst nach quantitativer Definition

  • rund 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen knapp
  • 65,9 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt sind,
  • rund 38,3 % aller Umsätze erwirtschaftet werden sowie
  • rund 83,0 % aller Auszubildenden ausgebildet werden.[3][4]

Betrachtet man hingegen nur die Familienunternehmen, zeigt sich die volkswirtschaftliche Bedeutung anhand folgender Zahlen:

  • Etwa 95 Prozent der in Deutschland ansässigen Betriebe und Unternehmen werden als Familienunternehmen geführt.
  • Sie tragen etwa 41,5 Prozent zum Umsatz aller Unternehmen bei und
  • sie stellen 57 Prozent der Arbeitsplätze.[5]

Der Mittelstand in Deutschland gerät im Zuge weiter fortschreitender Globalisierung und weltweit tätiger Kapitalgesellschaften zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Um die sich daraus ergebenden Nachteile auszugleichen, haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr und mehr mittelständische Unternehmen zu festen Kooperationen, sogenannten Verbundgruppen, zusammengeschlossen. Als einzelnes Mitglied einer Verbundgruppe bleibt dem jeweiligen Familienunternehmen die unternehmerische Selbständigkeit erhalten, durch gemeinsame überbetriebliche Aktivitäten kann es jedoch eine Marktposition erlangen, mit der sonst nur Großunternehmen aufwarten können. Verbundgruppen treten heute regional, überregional, national oder sogar international auf. Die überbetriebliche Zusammenarbeit der Verbundgruppe wird meist von einer rechtlich eigenständigen Zentrale aus organisiert und bezieht sich auf vielfältige Bereiche wie Einkauf, Marketing, Logistik, IT-Lösungen, Finanzierungsdienstleistungen, Beratung oder Schulung. In Deutschland sind aktuell rund 250.000 Unternehmen aus ca. 45 verschiedenen Branchen des Handels, des Handwerks und des Dienstleistungsgewerbes in ca. 400 Verbundgruppen zusammengeschlossen. 320 dieser Gruppen sind über den Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen e. V. (ZGV) mit Sitz in Berlin, Brüssel und Köln interessenpolitisch organisiert.

Umfangreiches Datenmaterial enthalten die vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn herausgegebenen Schlüsselzahlen zum Mittelstand, die jährlich neu berechnet und auf den Internetseiten des Instituts veröffentlicht werden.

Finanzierung des Mittelstandes[Bearbeiten]

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank umfasste die Finanzierung des Mittelstandes (nach quantitativen Kriterien) im Jahr 2004 einen durchschnittlichen Eigenkapitalanteil von 15,1 % der Bilanzsumme. Das Fremdkapital wird zu 80 % durch Kredite finanziert.

Aufgrund der geringen Kapitalmarktintegration ist die Abhängigkeit von Bankkrediten sehr hoch. Entsprechend wuchs im Zuge der Finanzkrise die Befürchtung, dass aufgrund der Eigenkapitalsituation deutscher Banken sowie der schwierigen Situation auf den Verbriefungsmärkten für Mittelstandsrisiken eine Kreditklemme auf den deutschen Mittelstand zukommt. Mittlerweile hat sich die Kreditvergabe der deutschen Banken wieder verbessert. Im Juli/2010 ist die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands im siebten Monat in Folge gesunken.[6]

In allen Wirtschaftssektoren liegen die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten der KMU deutlich unter denjenigen der Großunternehmen, die 2004 eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 27,5 % aufwiesen. Es gilt jedoch zu beachten, dass die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten eine hohe Streuung nach Wirtschaftssektoren aufweisen. Im Vergleich zu 1997 konnten die kleinen und mittleren Unternehmen ihre Eigenkapitalquoten jedoch stärker ausweiten als die Großunternehmen.[7]

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Förderung des Mittelstandes[Bearbeiten]

Seit März 1994 wird der deutsche Mittelstand im Wettbewerb mit dem Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.[8] Dazu findet jeweils im November jeden Jahres eine Preisverleihung statt, in der Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet werden können. 2011 wurden bundesweit mehr als 3.500 Unternehmen zur Auszeichnung nominiert,[9] von denen eine Auswahl von einer Jury zur Preisverleihung ausgewählt werden. 2008 wurde der Vorstandsvorsitzende der Oskar-Patzelt-Stiftung, Dr. Helfried Schmidt, der gleichzeitig der Initiator des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ war, für seine Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.[10]

Seit 1996 verleiht markt intern den Deutschen Mittelstandspreis "für einen herausragenden und überzeugenden Einsatz sowie klare Positionen zum Wohle des Mittelstandes. Ausgezeichnet werden jene Politiker, die den deutschen Mittelstand nicht nur in Sonntagsreden hofieren, sondern ihm auch im politischen Alltag durch Tat und Rat zur Seite stehen."[11] Ausgezeichnet wurden u. a. Gerhard Schröder, Roman Herzog, Karl Kardinal Lehmann und Viviane Reding.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mittelstand – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesamtheit der zur Mittelschicht Gehörenden. Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001. [CD-ROM].
  2. KMU-Definition des IfM Bonn – Institut für Mittelstandsforschung – Abgerufen am 24. März 2011
  3. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn: Kennzahlen zum Mittelstand 2009/2010 in Deutschland. 21. März 2009.
  4. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) der Universität Mannheim: Bedeutung des Mittelstands in Deutschland. 13. Dezember 2005.
  5. L. Haunschild, F. Wallau, H.-E. Hauser, H.-J. Wolter: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen. Gutachten im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, In: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien. Nr. 172, Bonn 2007.
  6. Zahlen zur Kreditvergabe im deutschen Mittelstand
  7. C. Adenäuer, L. Haunschild: Anmerkungen zur Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand. In: Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Working Paper 2/2008.
  8. Wer ist die Oskar-Patzelt-Stiftung? OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  9. Nominierende 2011. OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  10. Bundesverdienstkreuz für den Mittelstand. OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  11. Quelle: markt intern