Mittenwald

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Mittenwald
Mittenwald
Deutschlandkarte, Position des Marktes Mittenwald hervorgehoben
47.44194444444411.260277777778923Koordinaten: 47° 27′ N, 11° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Garmisch-Partenkirchen
Höhe: 923 m ü. NHN
Fläche: 132,85 km²
Einwohner: 7287 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82481
Vorwahl: 08823
Kfz-Kennzeichen: GAP
Gemeindeschlüssel: 09 1 80 123
Adresse der
Marktverwaltung:
Dammkarstr. 3
82481 Mittenwald
Webpräsenz: www.mittenwald.de
Bürgermeister: Adolf Hornsteiner (CSU)
Lage des Marktes Mittenwald im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Ettaler Forst Wallgau Unterammergau Uffing am Staffelsee Spatzenhausen Seehausen am Staffelsee Saulgrub Riegsee (Gemeinde) Oberau Oberammergau Murnau am Staffelsee Mittenwald Krün Großweil Grainau Garmisch-Partenkirchen Farchant Ettal Bad Bayersoien Bad Kohlgrub Ohlstadt Eschenlohe Schwaigen Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Weilheim-Schongau ÖsterreichKarte
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Mittenwald ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen und liegt im oberen Isartal, knapp 100 Kilometer südlich von München zwischen dem Karwendel- und dem Wettersteingebirge, fast unmittelbar an der österreichischen Grenze.

Geographie[Bearbeiten]

Mittenwald mit Lautersee
Mittenwald vom Karwendel aus gesehen

Mittenwald liegt in der Region Oberland und zugleich im Werdenfelser Land. Westlich des auf rund 920 m ü. NHN gelegenen Ortes befinden sich die beiden Bergseen Lautersee und Ferchensee und das Wettersteingebirge. Östlich entlang des Mittenwalder Ortszentrums fließt die Isar, über der Gipfel des Karwendels aufragen.

Direkt an Mittenwald vorbei führt die Bundesstraße 2 sowie die Eisenbahnstrecke der Mittenwaldbahn.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 1437 mm und liegt damit im oberen Drittel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 96 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juli. Im niederschlagsreichsten Monat fällt ca. 2,9mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel.

Geschichte[Bearbeiten]

In antiker Zeit verlief durch Mittenwald eine Römerstraße. Es handelt sich um die Via Raetia über den Seefelder Sattel und den Brenner, die nach ihrer Befestigung als Fahrstraße im 2. Jh. n. Chr. unter Septimius Severus der über Fern- und Reschenpass verlaufenden Via Claudia Augusta, die ebenfalls Augsburg (Augusta Vindelicum) und Bozen (Pons Drusi) verband, den Rang als wichtigste Verbindung ablief. Auf Mittenwalder Gebiet könnte die von der Tabula Peutingeriana erwähnte Straßenstation Scarbia gelegen sein.

Mittenwald geht auf eine im Scharnitzwald gelegene Rodungssiedlung zurück und wurde 1096 als in media silva erstmals urkundlich erwähnt, 1305 wurde ihr das Marktrecht verliehen.

Die Wälder der Umgebung waren Grundlage für das Gewerbe der Flößerei. Die Zunft der Flößer verfügte über 20 Meister und zahlreiche Gesellen in Mittenwald.

Mittenwald 1700 auf einem Gemälde im Fürstengang Freising

Es war einer der Hauptorte der zwischen Tirol und Bayern gelegenen ehemaligen Grafschaft Werdenfels, die von 1294 bis zur Säkularisation 1802 dem Hochstift Freising angehörte und erst durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 an Bayern fiel. Daher enthält das Gemeindewappen von Mittenwald auch den „Freisinger Mohren“.

Im Mittelalter bedeutender Umschlagplatz auf der Handelsroute vom unteren Weg von Augsburg/Nürnberg nach Venedig, profitierte Mittenwald ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert vom Rottfuhrwesen, dem zwischen 1487 bis 1679 von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen wegen des Kriegs mit der Republik Venedig nach Mittenwald verlegten Bozener Markt und dem transalpinen Fernhandel über die Via Imperii. Am Ende des 17. Jahrhunderts entfalteten sich unter diesen Voraussetzungen neue Gewerbe wie die Bortenwirkerei, die Filetseidenstickerei und ab 1689 die Geigenbautradition, begründet durch Matthias Klotz. Seitdem entwickelte sich Mittenwald neben dem sächsischen Markneukirchen zum bis heute bedeutendsten Zentrum des Streich- und Zupfinstrumentenbaus in Deutschland (siehe unten).

Mittenwald und Karwendel um 1900

Der Bau der Bahnlinie Garmisch-PartenkirchenInnsbruck (Mittenwaldbahn) um 1912 brachte den Fremdenverkehr in den Ort.

Mittenwald wurde in den 1930er Jahren Garnison und Ausbildungszentrum der Gebirgstruppe der Wehrmacht. Seit 1956 hat es diese Funktion erneut im Rahmen der Bundeswehr.

Bei Mittenwald endete Ende April 1945 einer der „Evakuierungstransporte“ aus dem KZ Dachau.[2][3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehörte Mittenwald zur Amerikanischen Besatzungszone. Die Militärverwaltung errichtete in Mittenwald ein DP-Lager für jüdische und ukrainische so genannte Displaced Persons (DPs). Die ukrainischen DPs wurden in der Gebirgsjägerkaserne und im Lager Luttensee (der heutigen Luttensee-Kaserne) untergebracht, für die jüdischen DPs wurden einige Mittenwalder Hotels requiriert.

2002 - 2009 demonstrierten vorwiegend linke Gruppierungen mit Unterstützung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten gegen eine Gedenkfeier, die der Kameradenkreis der Gebirgstruppe mit Unterstützung der Bundeswehr seit den 1950er Jahren an Pfingsten am Ehrenmal auf dem Hohen Brendten ausrichtet.

Während des Kalten Krieges tagte am 26. und 27. Mai 1971 die Nukleare Planungsgruppe der NATO in Mittenwald.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen
Partei / Liste Wahl 2008
Stimmenanteil Sitze
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 57,4 % 12
SPD Bayern (SPD) 4,6 % 1
Vereinigung der freien Wähler 26,3 % 5
Bürgervereinigung Mittenwald 11,6 % 2
Wahlbeteiligung 58,1 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Dem seit 1996 amtierenden Bürgermeister Hermann Salminger von der Vereinigung der freien Wähler folgte bei den Wahlen - ohne Gegenkandidaten - 2008 Adolf Hornsteiner (CSU) mit 90,2 Prozent aller Stimmen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot drei grüne Tannen, deren äußere auf beiderseits ansteigenden silbernen Felsen stehen; der Stamm der mittleren ist überdeckt mit einem auf dem Felsen stehenden, golden gekrönten schwarzen Mohrenkopf.“

Die drei Tannen ergeben ein für den Namen Mittenwald redendes Bild. Die beiderseits ansteigenden Felsen geben einen Hinweis auf die geografische Lage der Gemeinde zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge. Der Mohrenkopf, das heraldische Zeichen des Bischofs von Freising, verweist auf die Landesherrschaft des Hochstifts Freising über das zur Grafschaft Werdenfels gehörende Untergericht Mittenwald von 1294 bis zur Auflösung des Hochstifts 1803.

Das Marktsiegel mit dem Wappen wurde Mittenwald bereits 1407 durch den Landesherrn, den Freisinger Bischof Berthold von Wehingen, verliehen.[5]

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge des Ortes ist grün-weiß-grün (1:1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Wyk auf Föhr.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mittenwald und Karwendel im Jahr 2005

Die Haupteinnahmequelle des Ortes stellt mit Abstand der Tourismus dar. Im Ort gibt es rd. 600 Beherbergungsbetriebe mit ca. 5400 Betten sowie etwa 70 Restaurationsbetriebe. Neben einer gut ausgebauten Infrastruktur (u. a. Kunsteisstadion, Erlebnisbad, Tennishalle, Sessellift, Bergbahn) ist Mittenwald auch bekannt für sein altüberliefertes kulturelles Brauchtum. Alle fünf Jahre findet dort der „Bozner Markt“ statt, außerdem auch alle vier Jahre der Internationale Geigenbauwettbewerb.

Die Gemeinde gilt, neben dem sogenannten Musikwinkel im sächsischen Vogtland, als das bedeutendste deutsche Zentrum des Streich- und Zupfinstrumentenbaus unserer Zeit. Die Mittenwalder können in diesem Bereich auf eine über 300-jährige Tradition zurückblicken, als deren Begründer Matthias Klotz (1653–1743) gilt. Heute gibt es in Mittenwald ca. 10 selbständige Geigenbaumeister. Außerdem gibt es eine staatliche Fachschule für Geigenbau mit ca. 45 Schülern in 7 Semestern. Die Schule hat eine 150-jährige Tradition und wurde zur Ausbildung der sog. Heimarbeiter gegründet, die Geigenteile herstellten, die dann bei den Verlegern zusammengebaut und in die ganze Welt verkauft wurden. Durch diese Einzelteilanfertigung waren die Geigenbauer nicht mehr in der Lage, ein ganzes Instrument zu bauen. Zusätzlich besteht an der Geigenbauschule seit 1980 ein Zweig für Zupfinstrumentenmacher.

Wer alte Mittenwalder Instrumente ansehen möchte, kann das Geigenbaumuseum in der Ballenhausgasse besichtigen. Dieses wurde am 16. April 2005 nach Renovierung und Umgestaltung wieder eröffnet.

In Mittenwald siedelten sich nie nennenswert Industrie- und Großbetriebe an. Zudem ist in letzter Zeit ein vermehrtes Abwandern vorhandener Betriebe zu erkennen. So sollen die Firmen GEWA (Musikinstrumente und Zubehör) und Dokumental (frühere Mittenwald Chemie) in den nächsten Jahren den Ort verlassen. Dies und der Abbau der Standortverwaltung (Bundeswehr) entziehen dem Ort auf Dauer das zweite Standbein neben dem Tourismus. Bislang waren die Bemühungen, den Ort als Standort der Gebirgstruppe im Kern zu erhalten, erfolgreich. Und auch touristisch wurden in jüngster Vergangenheit, durch die Etablierung des BIKE Transalp Challenge von Mittenwald nach Riva (Gardasee) und des am 24. Juli 2005 eröffneten DSV Nordic-Walking-Aktiv-Zentrums, neue Akzente gesetzt. Ob dies im hart umkämpften touristischen Angebot dauerhaft erfolgreich ist, muss sich erst noch zeigen, zumal in unmittelbarer Nachbarschaft mit Seefeld in Tirol und Garmisch-Partenkirchen zwei namhafte touristische Orte liegen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Mittenwald verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Innsbruck–Garmisch-Partenkirchen. Stündlich besteht mit den Regionalzügen eine Verbindung nach München über Garmisch-Partenkirchen, Weilheim in Oberbayern und Tutzing. Und zweistündlich verkehrt ein Regionalzug von München Hauptbahnhof nach Innsbruck Hauptbahnhof über Seefeld in Tirol, Reith, Leithen, Hochzirl und Innsbruck Westbahnhof. Der Bahnhof wurde für die Skiweltmeisterschaft 2011 modernisiert, mit einer Unterführung versehen und erhielt 76 cm hohe Bahnsteige. Das Empfangsgebäude wurde an eine Gesellschaft verkauft, die es zu einem Bürgerbahnhof umgestaltet.

Busverkehr[Bearbeiten]

Folgende Regionalbuslinien halten am bzw. in der Nähe des Bahnhofs:

Linie Linienbezeichnung Linienverlauf
9608 Oberbayernbus Garmisch-Partenkirchen Post/BfKlaisMittenwaldKrünWallgauKochel am See
4186 ÖBB-Postbus Seefeld/Tirol – Gießenbach – ScharnitzMittenwaldLeutasch – Seefeld/Tirol – Reith - Leithen
Elmau Fa. Taxi Schütz Elmau-Bus:
Mittenwald – Klais – Elmau

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Peter und Paul

Brauchtum[Bearbeiten]

Fester Bestandteil der Brauchtumspflege sind die in Vereinen organisierte Musikkapelle, der Trachtenverein, der historische Spielmannszug, die Gebirgsschützen und diverse kirchliche Gruppen, die eigene Feste veranstalten und an allgemeinen Festen und Umzügen teilnehmen. Darüber hinaus gibt es recht urige Vereine wie die „Schoferer“ (Schafzüchterverein) oder die Fingerhakler. Wie im gesamten Alpenraum, so ist auch der Fasching in Mittenwald eine besondere Zeit. Dann leben die „Maschkara“ (die Maskierten) auf, die Schellenrührer, Jackelschutzer, Goaßlschnoizer, Pfannenzieher, Untersberger Mandl, Angler, Teufels- und Bärentreiber, die auf den Straßen und in den Gaststätten zu finden sind. Die zugehörigen Utensilien, vor allem die sehr individuellen Holzlarven (es gibt keine zwei gleichen), sind in Familienbesitz und werden oft seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten weitergegeben. Abends gibt es in den traditionellen Gaststätten gemütliche Abendveranstaltungen (Gungeln) mit Musik und Tanz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gebäude der Raiffeisenbank mit Lüftlmalerei
Schmalensee

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Mittenwald

Im Ort[Bearbeiten]

  • Lüftlmalerei an Häusern (Hornsteiner Haus, Hoglhaus, Neunerhaus, Schlipferhaus)
  • kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul, die ursprünglich gotische Kirche wurde 1740 vom Wessobrunner Künstler Joseph Schmuzer barockisiert. Deckengemälde und Ausstattung von Matthäus Günther. Geschnitzte Madonna von 1500.
  • Geigenbau- und Heimatmuseum, Ballenhausgasse 3. In diesem Haus wohnten im 17. Jahrhundert die Geigenbauer. Grundlage waren die Kunsthandwerker Matthias Klotz (Vater, seit 1685) und Sohn Sebastian (um 1754). Dazu werden Geigen des Tirolers Jacob Stainer gezeigt. Auch Zupfinstrumente und Bögen werden ausgestellt. Früher stellten sie sogar ihre Werkzeuge selbst her. Da die alten Geigen mittlerweile unerschwinglich teuer wurden, hat man sie von Klotz und Amati nachgebaut und hier ausgestellt. Zum Museum gehört ein alter Film von der Geigenherstellung von 1936.
  • Das Wolpertinger-Museum

In der Umgebung[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Mittenwald

Literatur[Bearbeiten]

  • Renate Schneider: Die Marktgemeinde Mittenwald. Eine Strukturanalyse. Wagner, Innsbruck 1972 (Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts- und Sozialforschung 152 ISSN 0522-6260).
  • Wolfgang Wüst: „Fucker advenit“. Die Bedeutung der Fernhandelspolitik der Fugger für den Mittenwalder Markt. In: Wolf Brunner (Red.): „Bozener Märkte“ in Mittenwald, 1487–1679. Ein Bild der Zeit vor 500 Jahren. Marktgemeinde Mittenwald, Mittenwald 1987, S. 47–50.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mittenwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Mittenwald – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Erinnerungsorte des Nationalsozialismus in Innsbruck und Seefeld, Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck 2004.
  3. April 1945 - Die Todesmärsche nach Mittenwald, Auszüge aus Berichten der Lokalpresse.
  4. Der Fischer Weltalmanach 1972, S. 383, ISBN 3436014494
  5. Angaben über das Wappen von der Seite “Haus der bayerischen Geschichte”
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