Miyako-jima

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Miyako-jima
Luftbild der Insel
Luftbild der Insel
Gewässer Ostchinesisches Meer
Inselgruppe Miyako-Inseln
Geographische Lage 24° 48′ N, 125° 19′ O24.793055555556125.32305555556114.8Koordinaten: 24° 48′ N, 125° 19′ O
Miyako-jima (Japan)
Miyako-jima
Länge 30 km
Breite 10 km
Fläche 159,26 km²
Höchste Erhebung 114,8 m
Einwohner 47.825 (31. März 2011[1])
300 Einw./km²
Hauptort Miyakojima

Miyako-jima (jap. 宮古島; alter Name der Insel: Typinsan) ist eine japanische Insel mit einer Fläche von 159,26 km²[1].

Sie ist die Hauptinsel der Miyako-Inseln, der östlichen Hälfte der Sakishima-Inseln, und viertgrößte Insel in der Präfektur Okinawa. Die Entfernung zu den Yaeyama-Inseln im Südwesten beträgt etwa 250 km, zur Hauptinsel Okinawa der gleichnamigen Präfektur rund 300 km. Die Küstenlänge beträgt 117,5 km.

Miyakojima ist auch der Name der einzigen Stadt (51.865, Stand: 1. Februar 2014) auf der Insel (nicht zu verwechseln mit der Stadt Miyako in der Präfektur Iwate im Norden Japans). Sie wurde aus den 5 vorhandenen Gemeinden zusammengefasst. Die Gemeinde erstreckt sich aber auch über die Nachbarinseln.

Topographie[Bearbeiten]

Die flache Insel (die höchste Erhebung beträgt 114,8 m[2]) mit der ungefähren Gestalt eines gleichschenkligen Dreiecks besteht aus Kalkstein. Die Insel durchqueren keine Bäche, doch führt das Gestein Süßwasser. Die Ostküste ist dabei von Steilklippen geprägt, während die Westküste flach ist.

Klima[Bearbeiten]

In den Sommermonaten liegen die Tagestemperaturen um 30 °C, in den Wintermonaten etwas darunter.

Wie alle Ryūkyū-Inseln wird auch Miyakojima von Mai bis September oft von Taifunen heimgesucht.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Insel lebt seit Alters her vom Zuckerrohranbau und Fischfang (Katsuo, Echter Bonito).

Heutzutage stellt der Tourismus die Haupteinnahmequelle dar. Sandstrände, einige Hotels, stilvolle gastronomische Einrichtungen und Andenkenläden für hiesige Töpferei (Miyako-yaki) machen die Insel nicht zuletzt bei jüngeren Japanern zu einem beliebten Ferienziel.

Kultur[Bearbeiten]

Die Miyako-Sprache gehört zu den Ryūkyū-Sprachen.

Beim Pāntu-Fest (パーントゥ) im neunten Monat des alten Mondkalenders gehen drei mit Erde und Schlamm bedeckte Männer mit Stock und Holzmaske um und beschmieren auf ihrem Weg Menschen, Häuser, Maschinen etc. Diese „Schlammzeichen“ verheißen Schutz im kommenden Jahr.

Die Insel liegt angeblich in einem sehr energiereichen geomantischen Feld und wird daher neben den Tauchern auch von Heilsuchenden und japanischen New-Age-Anhängern besucht, von denen manche dort das ehemalige Atlantis zu erkennen glauben. In einem großen Megalith-Garten in der Mitte der Insel treffen sich nach Ansicht der Adepten mehrere weltumspannende Energielinien.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Besonders sehenswert sind die östliche Spitze der Insel, Higashi-Hennazaki (東平安名崎), und die nordwestliche Spitze, Nishi-Hennazaki (西平安名崎), unweit derer seit 1992 eine 1425 m lange Brücke über seichtes Wasser zur vorgelagerten Insel Ikemajima (池間島) führt.

Deutscher Themenpark[Bearbeiten]

Am 11. Juli 1873 strandete der deutsche Schoner R. J. Robertson auf einer Reise von Fuzhou (China, Teehandel) während eines Taifuns am Riff vor dem Dorf Ueno. Einige Bewohner setzten bei hohem Wellengang in kleinen Sabani-Booten aus und konnten acht Besatzungsmitglieder retten.[3] Nach gut einmonatigem Aufenthalt traten die sechs Seeleute, der chinesische Koch und der chinesische Kajütjunge die Weiterreise nach Keelung (Taiwan) an. Als Fahrzeug diente eine Dschunke, die Kapitän Hernsheim vom höchsten Mandarin der Okinawa-Inseln (damals: Loochow-Inseln) übereignet worden war.[4] Der damalige deutsche Kaiser Wilhelm I. bedankte sich für die mutige, menschenfreundliche Tat mit einer Gedenkstele, die noch heute im Hafen von Hirara steht. Die Inschrift der 1876 aufgestellten Stele ist auf Deutsch und Chinesisch, da die Insel unter chinesischem Einfluss stand, bis sie 1879 der Präfektur Okinawa zugeschlagen wurde.

Nach dem Tagebuch des Kapitäns Eduard Hernsheim wurde 1881 das Buch Der Untergang des Deutschen Schooners "R.J. Robertson" und die Aufnahme der Schiffbrüchigen auf der Insel "Typinsan" veröffentlicht. Seit 1936, als die 60-Jahrfeier der Denkmalsenthüllung den Gedenkstein zu einem Symbol der deutsch-japanischen Freundschaft (博愛記念碑 hakuai kinenhi, dt. Gedenkstein der Menschenliebe) machte, bestehen Beziehungen zwischen der Insel und Deutschland.

Der deutsche Name für die Insel Typinsan wurde im 18. Jahrhundert in Anlehnung an den chinesischen Namen tai pin shan (chinesisch 大平山 ‚großer flacher Berg‘) geformt. Der gleichnamige Gedichtband des deutschen Dichters Alexander Freud entstand auf Typinsan.

Anlässlich dieser Vorgeschichte wurde 1995 in Ueno der Themenpark Deutsches Kulturdorf Ueno (うえのドイツ文化村 Ueno doitsu bunkamura) erbaut. Neben verschiedenen Attraktionen wie einem Kinderhaus, Originalstücken der Berliner Mauer und einem Palais im Stil des 18. Jahrhunderts ragt auch eine mittelalterliche deutsche Burg in den subtropischen Himmel: Die am Mittelrhein gelegene Marksburg wurde, nachdem ihr Besitzer einem Verkauf, Abtransport und Wiederaufbau auf Miyakojima nicht zustimmte, mit dessen Unterstützung Ende der 1990er-Jahre originalgetreu nachgebaut und steht nun über dem Korallenriff Miyakojimas.

Gerhard Schröder stattete dem deutschen Kulturdorf in Ueno anlässlich des G8-Gipfels auf Okinawa (21-23. Juli 2000) einen Besuch ab. Die Straße vom Flughafen zum Kulturdorf wurde nach ihm benannt.

Verkehr[Bearbeiten]

Tägliche Flugverbindungen vom Flughafen Miyako werden nach Tarama, Ishigaki, Naha, Kansai und Tokyo angeboten.

Schiffsverkehr besteht zu den bewohnten Inseln der Miyako-Inselgruppe.

Mietwagen sind erhältlich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. a b 第1 指定離島・島しょ・人口. In: 離島関係資料(平成24年1月). 沖縄県企画部地域・離島課 („Referat für Land und Inseln, Planungsabteilung, Präfektur Okinawa“), Januar 2012, S. 2, abgerufen am 13. Dezember 2012 (japanisch).
  2. amtliche topografische Karte
  3. Der Untergang des deutschen Schooners „R.J. Robertson“ und die Rettung der Schiffbrüchigen auf der Insel „Typinsan“: (Nach dem Tagebuche des Kapitäns Ed. Hernsheim). Zweite Auflage. Leipzig: Verlag v. Friedr. Thiel, 1881, S. 9-13.
  4. Der Untergang des deutschen Schooners „R.J. Robertson“ ..., S. 36 und 51f. Die Loochow-Inseln sind heute Teil der Ryukyu-Gruppe.