Modist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Handwerksberuf. Zum frühneuzeitlichen Modista oder Modist genannten Schreiblehrer und Kalligraphen siehe Schreibmeister.
Damenhutgeschäft um 1900 als Puppenkaufladen

Modist oder Modistin, ehemals Putzmacher(in), ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung.[1] Modisten fertigen Kopfbedeckungen insbesondere für Damen. Der Beruf wird überwiegend von Frauen ausgeübt. 2010 wurden alle neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit Frauen begründet. 2011 gab es in Baden-Württemberg einen männlichen Auszubildenden.[2]

Ausbildung[Bearbeiten]

Zweiteiliger Strohhut mit breiter Krempe (Deutschland, 2012)

Der Beruf der Modistin beinhaltete früher weitere Betätigungsfelder. So befasste sie sich insbesondere in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der modischen Ausstattung von Kleidung. Auf Grund der zeitaufwendigen und teuren Herstellung war es wirtschaftlich sinnvoll, ein vom Schneider gearbeitetes Kleid von einer Modistin während seiner Tragezeit in seinen modischen Details überarbeiten zu lassen, durchaus auch mehrfach.

Die duale Ausbildung wurde 1938 erstmals staatlich geregelt. In dieser Zeit entstanden die Ausbildungsberufe der Hutgarniererin, des Hut- und Mützenmachers (1939) sowie des Putzmachers. Diese drei Berufe wurden 1959 im gemeinsamen Ausbildungsberuf des Putzmachers vereint und 1969 mit der Ausbildung zum Modisten aktualisiert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Ausbildungsvorschriften im Modistenhandwerk integriert.[3] Die letzte Neuordnung erfolgte im Jahr 2004.[4] Dabei wurden veränderte fachliche Qualifikationen im Bereich der Schnitttechnik ebenso aufgenommen wie das selbstständige Entwickeln und Erarbeiten von Modellentwürfen.[5] In Deutschland gibt es eine Berufsschule für die Ausbildung der Modisten, das Regionale Berufsbildungszentrum des Kreises Steinburg in Kellinghusen.[6]sowie für Baden-Württemberg die Kerschensteinerschule in Stuttgart.

Produkte eines Modisten[Bearbeiten]

Die Produktpalette eines Modistenateliers umfasst vor allem Kopfbedeckungen verschiedenster Materialien, beispielsweise Filz, Stoff, Pelz und Stroh. Die Formen reichen vom Hut über die Mütze und Kappe bis zum Kopfschmuck, wie dem Fascinator und zu Spezialitäten für die verschiedensten Anlässe (Hochzeit, Trauer, Feierlichkeiten) und Gelegenheiten (Sport, Beruf, Wetterschutz usw.).

Bekannte Modisten[Bearbeiten]

Bekannte Modistinnen waren Rose Bertin, deren wichtigste Kundin die französische Königin Marie Antoinette war, Goethes Ehefrau Christiane und die Schauspielerin Evelyn Meyka. Die wohl berühmteste war Coco Chanel. Daneben gibt es auch berühmte männliche Modisten, wie beispielsweise Philip Treacy[7][8] und Stephen Jones.[9][10]aus Großbritannien und Klaus Mühlbauer [11][12] aus Österreich.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausbildungsordnung zum Modisten auf gesetzte-im-internet.de, (PDF; 57 kB), abgerufen am 22. Mai 2012.
  2. Datenblatt zum Modisten auf bibb.de, (PDF; 30 kB), abgerufen am 22. Mai 2012.
  3. Modist – Information zum Hintergrund der Neuordnung auf bibb.de, abgerufen am 22. Mai 2012.
  4. Genealogie des Modisten auf bibb.de, abgerufen am 22. Mai 2012.
  5. Ausbildungsprofil zum Modisten auf bibb.de, abgerufen am 22. Mai 2012.
  6. Webseite der Berufsschule in Kellinghusen, abgerufen am 22. Mai 2012.
  7. Webseite von Philip Treacy, abgerufen am 22. Mai 2012
  8. Philip Treacys Rebellion der Hüte In: Spiegel Online. vom 17. April 2004, abgerufen am 22. Mai 2012.
  9. Webseite von Stephen Jones, abgerufen am 22. Mai 2012.
  10. Personalien: Stephen Jones In: Spiegel Online. vom 1. Dezember 2008, abgerufen am 22. Mai 2012.
  11. Webseite von Mühlbauer, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Die Sehnsucht nach Handgenähtem In: ZEIT online

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Modisten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien