Mohammed VI. (Marokko)

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Mohammed VI., 2004

Mohammed VI. (arabisch ‏محمد السادس بن الحسن‎, DMG Muḥammad as-sādis b. al-Ḥasan), auch bekannt als Mohammed Ben Al-Hassan (* 20. August 1962 in Rabat, Marokko), ist seit 1999 König von Marokko. Er ist der älteste Sohn Hassans II. und dessen Hauptfrau Lalla Latifa Hammou (‏للا لطيفة حمو‎‎; * 1945 oder 1946), der Mère des enfants royaux (deutsch: Mutter der königlichen Kinder), einer Berberin vom Stamm der Zaianes, und der 18. Monarch aus der Dynastie der Alawiden.

Leben[Bearbeiten]

Mohammed VI. schloss sein Jurastudium 1985 an der Mohammed-V.-Universität in Rabat mit dem Bachelor of Arts ab. Seine Promotion erfolgte am 29. Oktober 1993 an der französischen Universität Nizza Sophia-Antipolis mit der Arbeit La coopération entre la Communauté Économique Européenne et l’Union du Maghreb Arabe (deutsch: Die Kooperation zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der Union des Arabischen Maghreb). Die Arbeit erhielt das Prädikat très honorable, was dem deutschen magna cum laude entspricht.

Mohammed VI. hat einen Bruder, Prinz Moulay Rachid (* 1970), und drei Schwestern, die Prinzessinnen Lalla Meryem (* 1962), Lalla Asma (* 1965) und Lalla Hasna (* 1967). Am 21. März 2002 heiratete er die aus Fès stammende Lehrertochter und Informatik-Ingenieurin Salma Bennani, die er im Zuge der Hochzeit zur Prinzessin Lalla Salma adelte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes erfolgte damit die Erhebung der Frau eines marokkanischen Monarchen in diesen Stand. Am 8. Mai 2003 wurde Kronprinz Moulay Hassan (auf Arabisch مولاي الحسن), geboren, am 28. Februar 2007 folgte die Tochter Lalla Khadija. Zu Ehren ihrer Geburt wurden tausende von Gefängnisinsassen per königlicher Amnestie freigelassen.[1]

Laut der Zeitschrift Forbes beträgt das tägliche Budget der Hofhaltung 960.000 US-Dollar, für die der marokkanische Steuerzahler aufzukommen hat.[2] Dieses Geld wird vor allem für Personal, Kleidung und Autos ausgegeben. Mohammed VI. ist Eigner der El Boughaz I, einer 70 Meter langen Yacht.

Der König verfügt über Paläste in Casablanca, Fès, Marrakesch, Meknès, Agadir, Ifrane, Oujda, Rabat und Tétouan. Zudem besitzt er in Frankreich das Château de Betz und das Hôtel de Broglie, ein Hôtel particulier in Paris.[3][4][5]

Politisches Handeln[Bearbeiten]

Mohammed VI. bestieg als Amīr al-muʾminīn / ‏أمير المؤمنين‎ / ‚Oberhaupt der Gläubigen‘ den Thron am 23. Juli 1999, wenige Stunden nach dem Tod seines Vaters. Er verfolgt seitdem eine gemäßigtere Politik als dieser. Kurz nach seiner Inthronisation äußerte er in einer Fernsehansprache, gegen die Missstände seines Landes, wie etwa Armut und Korruption, vorgehen zu wollen. Außerdem wolle er die Wirtschaft sowie die Menschenrechte in Marokko stärken.

Als Verfechter einer moderaten Modernisierung steht er im Kontrast zu den islamisch-konservativen Kräften in Marokko. Insbesondere den islamischen Fundamentalisten des Landes gilt z. B. die Einführung eines liberaleren Familienrechts, das den Frauen mehr Rechte zusichert (Mudawana, seit Februar 2004 in Kraft), als Ärgernis.

Reaktion auf den Arabischen Frühling[Bearbeiten]

Im März 2011 kündigte Mohammed VI. als Reaktion auf die Ereignisse des Arabischen Frühlings Verfassungsreformen an. Marokko soll von einer konstitutionellen zu einer parlamentarischen Monarchie umgestaltet werden. De facto herrscht der König bisher eher absolut.[6][7]

Nach wiederholten Demonstrationen in Marokko gab der Monarch Mitte Juni 2011 erneut Pläne bekannt, sich von einem Teil seiner Machtbefugnisse lösen zu wollen und eine Verfassungsreform anzustreben. Er wolle seinen Status als geistliches Oberhaupt des Landes aufgeben, allerdings weiterhin als „unantastbar“ gelten und Führer der marokkanischen Muslime bleiben. Auch müsse der König einen Premierminister aus der Partei ernennen, die bei den Wahlen die meisten Parlamentssitze erhalten hat. Der Verfassungsänderung, die auch eine Teilung von Judikative und Exekutive vorsieht, stimmten am 1. Juli 2011 98 Prozent der Wähler zu.[8] Für den 25. November 2011 wurden vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt und auch durchgeführt.

Wirtschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Mit einem geschätzten Privatvermögen von zwei Milliarden Euro gehört der Roi des pauvres (deutsch: König der Armen) zu den reichsten Königen weltweit[9][10]. Die königliche Familie ist als Mehrheitsaktionärin neben anderen Investments an der ONA Group (Omnium Nord-Africain, ‏مجموعة أونا‎) beteiligt, einer Holding, die unter anderem im Bergbau, dem Immobiliengeschäft, der Kosmetik-, Nahrungsmittel-, Telekommunikations-, Versicherungs- und Finanzdienstleistungbranche tätig ist. Insgesamt machen allein die ONA-Anteile der königlichen Familie sechs Prozent des marokkanischen Bruttoinlandsprodukts aus.[11] Nach Recherchen des konservativ-bürgerlichen Magazins Le Point sind es mittlerweile insgesamt 8% des BIP. Der König ist laut Einschätzung der US-Botschaft Morocco's leading businessman and banker.[12]

Obwohl mit Abstand größte Landeigner und Lebensmittelproduzent ist „M6“ steuerbefreit[13], seine Besitzungen "Les domaines agricoles" (ursprünglich "Les domaines royaux", nun meist als "Les domaines" bezeichnet) erbte er von seinem Vater[13]. So war Mohammed VI. Eigentümer der Brasseries du Maroc[14][15], der größten Brauerei sowie mehrerer Weingüter und größter Weinimporteur in Marokko. Die Website Wikileaks veröffentlichte 2010 Einschätzungen der dortigen US-Botschaft, welche die Korruptionsverstrickungen des Königs und seiner Entourage – seines wegen Korruption angeklagten[16][17] Sekretärs Mounir Majidi[18], منير الماجيدي‎, und seines Freundes, Beraters und ehemaligen Klassenkameraden Fouad Ali Himma[19] – benennen.[20]

Beteiligungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mohammed VI. (Marokko) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Morocco inmates get royal pardon. In: BBC Online. BBC. 2. März 2007. Abgerufen am 3. März 2007.
  2. Ahmed Benseddik: Benkirane a bien augmenté le budget royal de " Sidna ". In: Demain Online, 12. November 2013. Abgerufen am 15. November 2013. 
  3. Les palaces des chefs d'Etat étrangers en France Le château du roi du Maroc, dans l'Oise, sur le site journaldunet.com le 12/01/2011
  4. Badr Soundouss, Selon un hebdomadaire français Mohamed VI est plus riche que lemir du qatar, sur le site demainonline.com le 12/01/2012
  5. Palais royaux du Maroc,sur le site Bladi.com le 26/02/2012
  6. FAZ: Nicht mehr der coole King
  7. Sueddeutsche: König von Marokko will die Macht teilen
  8. Tagesschau: 98 Prozent für Verfassungsreform 2. Juli 2011, abgerufen am 15. September 2011
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIn Pictures: The World’s Richest Royals: No. 7 King Mohammed IV. Forbes.com, abgerufen am 18. Juni 2011 (englisch).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLeo Wieland: Mohammed VI Marokkos königlicher Unternehmer. FAZ.net, 28. Februar 2011, abgerufen am 18. Juni 2011.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFlorence Beaugé: « Maroc, le sondage interdit ». Le Monde.fr, 3. August 2009, abgerufen am 19. Juni 2011 (französisch).
  12. GREENE: MOROCCAN ROYAL FAMILY HOLDING ONA FIRES CEO. In: Consulate Casablanca, 24. April 2008. Abgerufen am 15. November 2013. 
  13. a b c Fédoua Tounassi: Enquête. Les jardins du roi. In: Telquel, 12. Dezember 2008. Abgerufen am 18. November 2013. 
  14. Nouaim SQALLI: Bourse: Les filiales de l'ONA boostent le marché de blocs. In: l'Economiste, 3. Januar 2006. Abgerufen am 18. November 2013. 
  15. http://www.brasseries-maroc.com/en/index.html#/presentation/histoire
  16. http://www.lemonde.fr/idees/article/2012/06/25/la-grande-corruption-regne-en-maitre-au-maroc_1724410_3232.html
  17. http://fr.lakome.com/index.php/societe/330
  18. PALACE COERCION PLAGUES MOROCCO'S REAL ESTATE SECTOR. In: Consulate Casablanca, 11. Dezember 2009. Abgerufen am 14. August 2012. 
  19. http://www.lepoint.fr/villes/el-himma-le-joker-du-roi-14-10-2010-1252455_27.php
  20. Ian Black: WikiLeaks cables accuse Moroccan royals of corruption. In: The Guardian, 6. Dezember 2010. Abgerufen am 16. Juni 2011. 
  21. http://www.somed.ma/fr/filiales/details/23/fenie-brossette.html
  22. Ivan Letessier, Maroc : Danone prend le contrôle de la Centrale laitière, Le Figaro, 27 juin 2012
  23. Danone actionnaire majoritaire de la Centrale Laitière du Maroc, LCI, 28 juin 2012