Mojib Latif

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Mojib Latif (2006)

Mojib Latif (* 29. September 1954 in Hamburg) ist ein deutscher Meteorologe, Klimaforscher sowie Hochschullehrer.

Wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten]

Von 1961 bis 1974 fand seine schulische Ausbildung statt, die er am Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer mit dem Abitur abschloss. Latif studierte von 1974 bis 1976 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. 1976 begann er sein Studium der Meteorologie und absolvierte es 1983 mit dem Diplom. Nach mehreren Aufenthalten an Instituten im Ausland erfolgten auch in Hamburg 1987 die Promotion in Ozeanographie u. a. über das Wetterphänomen El Niño[1] mit der Dissertation Modelltheoretische Untersuchung der niederfrequenten Variabilität der äquatorialen pazifischen Ozeanzirkulation und 1989 die Habilitation für das Fach Ozeanographie. Zwischen 1983 und 2002 war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und dann als Privatdozent am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie beschäftigt. Seit 2003 ist er Professor am ehemaligen Institut für Meereskunde und heutigen Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel. Seit 2007 ist er zudem Mitglied im Exzellenzcluster Ozean der Zukunft der CAU Kiel. Ferner ist er Vorstandsmitglied des Deutschen Klima-Konsortiums e.V. (DKK) (Stand September 2012).[2]

Seine Forschungsgebiete sind jahreszeitliche und interannuelle Klimavariabilität, dekadische und Jahrhundert-Variabilität, anthropogene Einflüsse auf das Klima sowie die Entwicklung von Modellen einschließlich der Analyse und des Vergleichs mit Beobachtungen.

Bei verschiedenen deutschen Fernseh- und Hörfunksendern ist Mojib Latif ein häufiger Studiogast als Experte zum Thema Globale Erwärmung („Klimawandel“).

Positionen und Kontroversen[Bearbeiten]

Im Mai 2008 stellte ein Team von Klimawissenschaftlern um Noel S. Keenlyside, zu dem auch Latif gehörte, im Fachmagazin Nature eine Studie vor, in der die mögliche Temperaturentwicklung bis 2025 untersucht wurde.[3] Nach dieser Studie könnte die durchschnittliche Temperatur der Jahre 2005 bis 2015 in etwa gleichbleibend oder nur geringfügig wärmer als die des Jahrzehnts von 2000 bis 2010 bleiben, die bislang die wärmste Dekade seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im 19. Jahrhundert ist. Im Zeitraum von 2010 bis 2020 könnte es dann wieder zu einer beschleunigten Erwärmung kommen. Das heißt, dass erst ab etwa 2015 neue Wärmerekorde zu erwarten seien, auch wenn dafür ein früherer Zeitpunkt nicht ausgeschlossen wird.[4] Ursache der über einige Jahre möglicherweise stabilen Temperaturen seien kurzfristige natürliche Schwankungen des Klimas, die einen langfristigen anthropogenen Erwärmungstrend überlagerten. Als konkrete Ursache wird eine Veränderung der meridionalen Umwälzzirkulation angenommen.[3]

In einigen Medien wie dem New Scientist wurde dies als Ankündigung einer in den nächsten Jahrzehnten bevorstehenden globalen Abkühlung wiedergegeben.[5] Latif selbst widersprach dieser Darstellung, unter anderem in einem Interview mit Spektrumdirekt.[6][4] Die Unterbrechung im Erwärmungstrend stelle nur „eine Atempause“ dar, die Erderwärmung sei dadurch keinesfalls vom Tisch. Bereits zuvor hatte sich Latif ausdrücklich von den Klimaskeptikern distanziert, die „nichts von der Physik des Klimas verstehen“.[7] Er habe schon damit gerechnet, dass seine Aussagen über die Klimaentwicklung „von bestimmten Seiten bewusst missverstanden werden“.[6]

Die in der Studie behandelte so genannte dekadale Klimavariabilität, also die Entwicklung des Klimas über ein bis zwei Jahrzehnte, ist ein kontrovers diskutiertes Forschungsfeld.[8] Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 2009 und 2014, aufgrund der zunehmenden Treibhausgase und der wieder ansteigenden Sonnenaktivität, eine Erwärmung um 0,15 °C erwartet werden könne, wohingegen bis 2019 dann ein relativer Stillstand eintrete.[9]

Vor dem Hintergrund der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan und der Waldbrände in Russland 2010 warnte Latif, dies sei eine „Blaupause für das, womit wir uns in der Zukunft anfreunden müssen“.[10] Der Klimawandel werde zu einer Häufung der Wetterextreme führen mit mehr Trockenheit einerseits und extremen Niederschlägen andererseits.[11]

Persönliches[Bearbeiten]

Mojib Latif wurde in Hamburg geboren und hat dort – gemeinsam mit zwei Brüdern und einer Schwester[12] – auch seine Kindheit verbracht. Sein Vater war pakistanischer Imam der 1957 erbauten Fazle-Omar-Moschee.[13] Latif ist mit der Norwegerin Elisabeth Latif verheiratet;[14] er hat keine Kinder.[1] Mojib Latif ist ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Klimawald.[15]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2000: Max-Planck-Preis für öffentliche Wissenschaft
  • 2000: Sverdrup Gold Medaille der AMS (Amerikanische Meteorologische Gesellschaft)
  • 2002: Ehrenmitglied der Amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft
  • 2004: DUH-Umwelt-Medienpreis, Kategorie „Lebenswerk“ (der Deutschen Umwelthilfe)
  • 2006: Norbert Gerbier–MUMM International Award (der WMO)
  • 2007: Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
  • 2009: Deutsche Bank-IFM-GEOMAR Meeresforschungspreis[16]

Publikationstätigkeit[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Verändert der Mensch das Klima? Stadt Friedrichshafen, 1992, ISBN 3-926162-32-5
  • Hitzerekorde und Jahrhundertflut. Herausforderung Klimawandel. Was wir jetzt tun müssen. Heyne, München 2003, ISBN 3-453-87832-9; aktualisierte Taschenbuchausgabe: Herausforderung Klimawandel. Was wir jetzt tun müssen. ebd. 2007, ISBN 978-3-453-61503-8
  • Klima. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-16125-8
  • Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-17276-4
  • Klimawandel und Klimadynamik. Ulmer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8252-3178-1
  • Warum der Eisbär einen Kühlschrank braucht: … und andere Geheimnisse der Klima- und Wetterforschung. Herder Verlag 2010, 176 S. ISBN 978-3-451-30163-6.
  • Das Ende der Ozeane. Warum wir ohne die Meere nicht überleben werden. Herder Verlag 2014, 240 S. ISBN 978-3-451-31237-3.

Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften[Bearbeiten]

Audio-CDs[Bearbeiten]

  • Ich bin der Wetter-Mann. Der Beruf des Klimaforschers. In: SWR2: Schon gewusst? Wissenschaftler erklären Kindern die Welt. Folge 5. Terzio, München 2006, ISBN 978-3-89835-539-1
  • Erdsystem-Management. Klimawandel als globale Herausforderung. Konzeption, Regie und Produktion: Klaus Sander. Supposé, Köln 2007, ISBN 978-3-932513-82-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutsche Presse-Agentur: Namen und Nachrichten: Klimaexperte Latif jetzt Professor am Institut für Meeresforschung, Die Welt (Axel Springer) vom 6. Januar 2003
  2. Vorstand. Deutsches Klima-Konsortium, abgerufen am 28. September 2012.
  3. a b  Noel S. Keenlyside et al.: Advancing decadal-scale climate prediction in the North Atlantic sector. In: Nature. 453, 2008, S. 84–88, doi:10.1038/nature06921 (PDF).
  4. a b Joe Romm: Exclusive interview with Dr. Mojib Latif, the man who confused the NY Times and New Scientist, the man who moved George Will and math-challenged Morano to extreme disinformation. In: Center for American Progress 1. Oktober 2009 (englisch).
  5. Fred Pearce: World’s climate could cool first, warm later. In: New Scientist, 4. September 2009 (englisch) und Paul Hudson: What happened to global warming? In: BBC News, 9. Oktober 2009 (englisch).
  6. a b Daniel Lingenhöhl: Eine Atempause – mehr nicht. In: Spektrumdirekt, 2. November 2009 (Interview).
  7. Michael Odenwald: Die Erderwärmung macht Pause. In: Focus, 16. Juni 2008 (Interview).
  8. Gavin Schmidt: Decadal predictions, 28. September 2009 auf realclimate.org
  9. Judith L. Lean, David H. Rind (2009): How will Earth’s surface temperature change in future decades? In: Geophysical Research Letters, Vol. 36, L15708, doi:10.1029/2009GL038932 (PDF; 766 kB)
  10. Martin Zagatta: „Das hat mich nicht überrascht“ – Meteorologe zu den aktuellen Wetterextremen. Mojib Latif im Gespräch mit Martin Zagatta. In: Deutschlandfunk, 9. August 2010 (Interview).
  11. Nils Dietrich: Die Vorboten des Klimawandels. In: RP Online, 9. August 2010.
  12. Mojib Latif im Munzinger-Archiv, abgerufen am 7. Oktober 2011 (Artikelanfang frei abrufbar)
  13. Porträt Latifs bei der Körberstiftung.
  14. Informationen über Mojib Latif bei ifm.geomar
  15. Auflistung der Klimawald-Botschafter der Stiftung Klimawald
  16. Ein Leben für die Klimaforschung – Mojib Latif mit hochdotiertem Forschungspreis ausgezeichnet, Mitteilung des IFM-GEOMAR, 27. März 2009, abgerufen am 15. März 2010