Moleskine

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Dieser Artikel beschreibt die Buchmarke, für den Baumwollstoff siehe Moleskin.
Das markenrechtlich geschützte Moleskine in seiner heutigen Form.
Innenseite

Moleskine ist eine Marke für Notizbücher, Kalender, Skizzenbücher und Folianten, die von Moleskine SpA (Società per azioni) hergestellt werden, einem italienischen Unternehmen mit Sitz in Mailand. Moleskine-Notizbücher sind typisch in beschichteten Karton gebunden, mit einem elastischen Gummiband, um das Buch geschlossen zu halten, einem genähten Buchrücken, der das flache Aufschlagen des Notizbuches ermöglicht, cremefarbenem Papier, abgerundeten Ecken, einem Leseband und einer Falttasche am Buchende, alles verpackt durch eine Papierbanderole. Seit 2011 werden auch andere Produkte, die mit Schreiben, Reisen und Lesen verbunden sind, produziert, wie zum Beispiel Taschen, Lesebrillen, Stifte, Bleistifte, kleine mobile Leselampen für Bücher, Etuis und Lesepulte.

Geschichte[Bearbeiten]

Notizbücher mit den gleichen Eigenschaften wie die heutigen Moleskine-Notizbücher waren beliebter Standard im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, handgefertigt von kleinen, französischen Buchbindereien, die die Pariser Papierwarengeschäfte belieferten. Wie von vielen Kunstsammlungen und Museen dokumentiert, wurden diese namenlosen Notizbücher im späten 19. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert prominentes Kreativ-Werkzeug für avantgardistische Künstler, die daran Gefallen fanden, im Freien zu zeichnen und zu schreiben, Eindrücke auf Papier festzuhalten, das Leben auf der Straße und in den Cafés zu zeichnen und unvorbereitete Szenen, Ideen und Gefühle einzufangen.

Das gegenwärtige Moleskine-Notizbuch wurde gezielt nach den Beschreibungen der Notizbücher entworfen, die Bruce Chatwin auf seinen Reisen benutzte. Der Name „Moleskine“ selbst ist ein Spitzname, den Chatwin in einem seiner berühmtesten Werke Traumpfade (1986) nutzte. In diesem Buch erzählt Chatwin die fiktionale Geschichte von seinem ursprünglichen Anbieter der Notizbücher, einem Pariser Schreibwarenhändler, der ihn 1986 darüber informierte, dass der letzte Notizbuchhersteller – ein kleines Familienunternehmen in Tours – die Produktion in diesem Jahr nach dem Tod des Besitzers eingestellt hat. „Le vrai Moleskine n’est plus“ (dt. „Das wahre Moleskine gibt es nicht mehr“) sind die Worte, die Chatwin dem Besitzer des Papierwarengeschäfts in der Rue de l’Ancienne Comédie in den Mund legte.[1]

1997 beschloss ein kleines Unternehmen in Mailand mit Namen Modo&Modo SpA, die kleinen schwarzen Notizbücher wieder zum Leben zu erwecken, ließ sich den Begriff Moleskine als Warenzeichen schützen und begann die Produktion von Moleskine-Notizbüchern mit einer Auflage von 5000 Stück. 1999 begann Modo&Modo SpA den Vertrieb außerhalb Italiens, in Europa und in den USA. 2004 erreichten Moleskine-Notizbücher Japan und von dort aus begann Moleskine die Verbreitung in das restliche Asien. Vermutlich in Anlehnung an das literarische und kulturelle Erbe der Moleskine-Notizbücher sind Buchhandlungen und Designläden überall der Hauptvertriebskanal.

Gemäß einem Artikel in der International Herald Tribune konnte die kleine Belegschaft des Unternehmens im Jahr 2006 der Nachfrage nicht mehr gerecht werden.[2] Im August 2006 kaufte der französischen Investmentfonds Société Générale Modo&Modo SpA und begann in die Expansion zu investieren. Der Name des Unternehmens wurde in „Moleskine Srl“ geändert.

Laut einem Artikel der Financial Times Deutschland vom Juli 2012,[3] werden Moleskine-Notizbücher heute in 95 Ländern in 22.000 Geschäften vertrieben.

Moleskine ist seit Ende 2012 eine Aktiengesellschaft (Società per azioni, kurz: SpA)[4] und wurde am 3. April 2013 an der Mailänder Börse aufgenommen.[5]

Moleskine-Herstellung[Bearbeiten]

Moleskine-Produkte werden in Italien entworfen. Die meisten von ihnen werden in China gedruckt, zusammengefügt und genäht. Seit 2008 werden großformatige Volants, Cahiers, Folianten und Hard-Cover-Kollektionen in der Türkei hergestellt. Das Aquarellpapier wird von einem französischen, spezialisierten Hersteller geliefert.

Moleskine-Notizbücher werden aus chlorfreiem Papier hergestellt. Nur das Papier für die Foliantenkollektion trägt das Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC). Jedem Moleskine-Notizbuch ist in der hinteren Falttasche eine kleine Broschüre beigelegt, die die Geschichte von Moleskine in unterschiedlichen Sprachen erzählt.

Marketing[Bearbeiten]

Mitte der 1990er Jahre inszenierte die Firma ein geschicktes Marketing-Märchen mit einer mystischen Herkunftslegende voller Verweisen auf legendäre Künstler und Intellektuelle. Einige Jahre später gestand die Chef-Entwicklerin in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung den Beginn der Vermarktung mit der Neukreation des Produktes: "[Damals…] haben [wir] das Objekt selbst geschaffen, aus den besten Merkmalen berühmter Notizbücher."[6]

Communitys[Bearbeiten]

Moleskine wird als Marke indirekt durch zahlreiche Communitys unterstützt, die in Moleskine-Notizbüchern schreiben, skizzieren, malen und zeichnen. Diese Communitys tauschen oft in Blogs (neun Blogs weltweit [6]), sozialen Netzwerken oder Photo- und Videoplattformen dekorierte Seiten untereinander aus und wachsen unabhängig vom Unternehmen. [7]

Aussprachen[Bearbeiten]

Moleskine hat keine offizielle Aussprache, da es sich um einen „Markennamen ohne spezifische nationale Identität handelt“.[8] Die italienische Aussprache lautet [ˌmɔleˈskine].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Moleskine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Moleskine – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bruce Chatwin: The Songlines, Penguin Books, Neuauflage 1988, ISBN 0-14-009429-6, S. 160
  2. Horowitz, Jason (16. Oktober 2004), “Does a Moleskine notebook tell the truth?”
  3. Financial Times Deutschland, Juli 2012, [1]Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehltVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  4. Moleskine.com, [2]
  5. Handelsblatt.com, 3. April 2013
  6. a b Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 26. November 2013
  7. Business Week reported in May 2007
  8. Offizielle Stellungnahme zur Aussprache des Namens