Molière auf dem Fahrrad

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Filmdaten
Deutscher Titel Molière auf dem Fahrrad
Originaltitel Alceste à bicyclette
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Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Italienisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK ohne Altersbeschränkung[1]
JMK uneingeschränkt[2]
Stab
Regie Philippe Le Guay
Drehbuch Fabrice Luchini
Philippe Le Guay
Produktion Anne-Dominique Toussaint
Musik Jorge Arriagada
Kamera Jean-Claude Larrieu
Schnitt Monica Coleman
Besetzung

Molière auf dem Fahrrad ist ein französisches Filmdrama von Philippe Le Guay aus dem Jahr 2013.

Handlung[Bearbeiten]

Schauspieler Gauthier Valence, der gerade in der Seifenoper Docteur Morange als Hirnspezialist große Erfolge bei dem zumeist weiblichen Publikum feiert, will am Theater Molieres Menschenfeind inszenieren. Zu diesem Zweck reist er über La Rochelle auf die Île de Ré, wo er seinen früheren Kollegen Serge Tanneur aufsucht. Beide drehten einst zusammen, haben sich jedoch seit sechs Jahren nicht mehr gesehen. Nach einer Depression und der Enttäuschung über das Desinteresse seiner Kollegen hatte sich Serge vollkommen aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Nun führt er ein eigenbrötlerisches Leben in einem geerbten, heruntergekommenen Haus. Serge ist erstaunt, Gauthier zu sehen. Als er erfährt, dass er ihn in dem Stück besetzen will, lehnt er rundweg ab, weil er nie wieder spielen will. Gauthier gibt ihm Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, und behauptet, er sei in der Gegend, weil er ein Haus für sich und seine Freundin Christine suche. Während der Hausbesichtigung erkundigt sich Serge nach der Inszenierung, die Gauthier plant. Der Alceste aus dem Menschenfeind war stets Serges Traumrolle gewesen und so reagiert er ablehnend, als Gauthier ihm erklärt, für ihn die Nebenrolle des Philinte vorgesehen zu haben. Am Ende stimmen beide zu, im Falle einer Aufführung regelmäßig beide Rollen zu tauschen.

Serge überredet Gauthier dazu, bis zum nächsten Tag auf der Île de Ré zu bleiben. Sie beginnen in Serges Haus mit den Proben, wobei ein Münzwurf dazu führt, dass Serge als erster die Rolle des Alceste übernehmen darf. Serge hadert mit seiner Leistung, fühlt er sich nach all den Jahren fern der Bühne doch eingerostet. Mit der Zeit verbessert sich sein Text- und Sprechgefühl jedoch. Weitere Münzwürfe bringen ihm weiterhin die Rolle des Alceste in den Proben ein. Am Ende kann er Gauthier davon überzeugen, weitere vier Tage bis zum Wochenende im Ort zu bleiben. Nach dieser Zeit will er sich entscheiden, ob er das Stück spielen wird oder nicht.

Beide Männer finden Zeit, miteinander über privatere Dinge zu reden, und nutzen die Tage auf der Insel auch, um gemeinsam Fahrrad zu fahren. Bei einer weiteren Hausbesichtigung, die der umtriebige Makler Meynard organisiert, lernen Gauthier und Serge die Italienerin Francesca kennen. Sie ist beiden Männern gegenüber zunächst ablehnend, da sie keine Schauspieler mag. Am nächsten Tag entschuldigt sie sich bei Serge für ihre ablehnende Haltung des Vortages: Sie stecke gerade in einer schmutzigen Scheidung und habe am Telefon eine heftige Auseinandersetzung mit ihrem Mann gehabt. Die Begegnung mit Francesca bringt Serge in buchstäblich letzter Sekunde, bereits auf dem OP-Tisch liegend, von seinem Entschluss ab, bei sich eine Vasektomie durchführen zu lassen. Auch Gauthier lernt Francesca besser kennen.

Bei einer Probe streiten sich Gauthier und Serge kurze Zeit später heftig, weil Gauthier, der nun den Alceste spielen darf, ein bestimmtes Wort immer wieder durch ein anderes ersetzt. Mit Francesca schauen sich beide später Gauthiers Serie um Doktor Morange an. Auch wenn die Seifenoper künstlerisch wenig anspruchsvoll ist, lobt Serge Gauthier für sein Spiel. Kurz darauf ruft Meynard an und Serge beginnt ein langes Telefonat, bei dem er deutlich macht, dass Meynard ihn nicht gestört habe und er nur Gauthiers Serie gesehen habe. Gauthier bricht unvermittelt auf und auch Francesca zeigt sich von Serges Verhalten enttäuscht, sich über Gauthier zu stellen und ihn zu düpieren. Eine Entschuldigung bei Gauthier lehnt Serge ab. Als Serge bei den Proben am nächsten Tag Gauthier lobt, hat der genug. Weil Serge ihn wie einen Lehrer behandele und nur Macht über Gauthier ausüben wolle, ohne am Stück oder der Inszenierung selbst interessiert zu sein, geht Gauthier. Als beide sich wenig später wiedersehen, stimmt Serge schließlich zu, mit Gauthier das Stück zu spielen. Beide treffen auf Francesca, verbringen die Zeit zusammen am Strand und landen wenig später in ihrem Haus. Francesca und Serge mögen sich und tanzen miteinander, doch geht Serge mit, als Gauthier aufbrechen will. Am nächsten Tag hat Francesca den Ort verlassen. Gauthier gibt zu, am Vorabend noch einmal zu ihr zurückgekehrt zu sein und sie weinend vorgefunden zu haben. Sie habe sich auf ihn gestürzt und beide hätten miteinander geschlafen. Serge zeigt sich äußerlich unbeteiligt.

Zur Vertragsunterzeichnung kommen Gauthiers Agentin Tamara, Christine und weitere Mitglieder des Theaters auf die Île de Ré. Serge erscheint per Fahrrad in einem Alceste-Kostüm, das er sich in der Zwischenzeit bestellt hatte. Als er mit Gauthier eine kleine Kostprobe seines Könnens geben soll und der Münzwurf ihm die Rolle des Philinte zuweist, besteht er darauf, den Alceste zu spielen – nicht nur bei der Probe, sondern auch später bei der Aufführung. Es kommt zum Eklat: Serge verrät Gauthiers Seitensprung, und beide gehen aufeinander los. Am Ende wirft Gauthier ihn hinaus und Serge geht, mit einem Zitat aus dem Menschenfeind auf den Lippen. Bei der Theaterpremiere einige Wochen später stolpert Gauthier als Alceste über genau diese Textstelle, die er auch bei den Proben mit Serge stets falsch wiedergegeben hatte. Dieser Fehler bringt ihn so aus dem Konzept, dass die Aufführung stockt. Serge sitzt unterdessen allein am Strand auf der Île de Ré und rezitiert genau diese Textzeile fehlerfrei vor sich hin.

Produktion[Bearbeiten]

Bahnhof von La Rochelle, ein Drehort des Films

Molière auf dem Fahrrad basiert auf einer Idee von Philippe Le Guay und Fabrice Luchini, der auch die Hauptrolle des Films übernahm. Le Guay ließ sich beim Drehbuch von Luchini zur Figur des Serge inspirieren. Wie die Hauptfigur lebt auch Luchini eher abgeschieden auf der Île de Ré und kann den Menschenfeind auswendig rezitieren; bei seinem ersten Besuch auf der Insel fiel Regisseur Le Guay zudem wie beide Hauptdarsteller im Film ebenfalls vom Fahrrad in einen Sumpf.[3] Die Dreharbeiten fanden in Ars-en-Ré auf der Île de Ré statt. Einige Szenen wurden am Bahnhof in La Rochelle gedreht. Die Theaterszenen im Finale entstanden im Théâtre de l’Atelier in Paris. Die Filmbauten stammen von Françoise Dupertuis.

Der Film lief am 16. Januar 2013 gleichzeitig in den belgischen und französischen Kinos an, wobei er in den französischen Kinos von einer Million Besuchern gesehen wurde.[4] Er erschien am 22. Mai 2013 in Frankreich auf DVD. Am 23. Oktober 2013 lief der Film im Rahmen der Hofer Filmtage,[5] wurde im November 2013 auf den 17. Französischen Filmtagen in Dresden gezeigt[6] und war im Dezember 2013 in Berlin im Rahmen der Französischen Filmwoche zu sehen.[7] Deutscher Kinostart war am 3. April 2014.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Molière auf dem Fahrrad wurde beim César 2014 für drei Preise nominiert: Fabrice Luchini erhielt eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller, Philippe Le Guay für das Beste Original-Drehbuch und Jorge Arriagada für die Beste Filmmusik.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung der FSK
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Vgl. Interview mit dem Regisseur auf alamodefilm.de
  4. Vgl. Box office du film Alceste à byciclette auf allocine.fr
  5. Vgl. Planer der Hofer Filmtage 2013 (PDF)
  6. Vgl. Molière auf dem Fahrrad auf kika-dresden.de
  7. Molière auf dem Fahrrad auf franzoesische-filmwoche.de