Molokanen

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Molokanen

Die Molokanen (rus. Молока́не, arm. Մոլոկաններ, aserb. Molokanlar, türk. Malakanlar), übersetzt Milchtrinker, weil sie an den Fastentagen Milch zu sich nehmen, sind eine Gemeinschaft des spirituellen Christentums, die sich von der Russisch-Orthodoxen Kirche getrennt hat. Ähnliche Abspaltungsbewegungen sind die Duchoborzen und die Subbotniken.

Die Molokanen gelten aus orthodoxer Sicht als protestantenfreundlich und lassen nur die Bibel für ihre Lebensführung gelten. Sie sehen sich in der Nachfolge des Urchristentums. Während ihrer Gottesdienste führt weder ein Priester durch die Zeremonie noch sind Ikonen gestattet, stattdessen sitzen die Mitglieder der jeweiligen Gemeinde im Kreis um die Ältesten herum und singen gemeinsam Lieder zum Lob Gottes.

Die heutigen Gemeinden stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Blütezeit der Gemeinschaft fällt etwa in die Jahre 1820 bis 1830, als ihr Haupteinflussgebiet an der mittleren Wolga lag. Sie mussten ab 1830 gemäß einem Plan der zaristischen Regierung in den Süden des Kaukasus auswandern. Das Ziel war, religiös „abtrünnige“ Russen aus den zentralen Regionen Russlands zu vertreiben und gleichzeitig ethnische Russen in Transkaukasien anzusiedeln. Noch heute gibt es einige von Molokanen bewohnte Dörfer in Armenien und Aserbaidschan.

Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg zwischen 1877 und 1878 wurden die Molokanen auch in das durch Russland eroberte Kars, das nach dem Ersten Weltkrieg wieder an Türkei kam, umgesiedelt. Von hier aus wanderten die meisten in der Mitte des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten und nach Australien aus. Noch heute leben in Kars sowie in Istanbul einige wenige Molokanen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aram Haytian: The Molokans in Armenia. In: Iran & the Caucasus, Vol. 11, No. 1, 2007, S. 33–44

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Molokanen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien