Molsheim

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Dieser Artikel beschreibt die elsässische Kleinstadt Molsheim. Zum Geschichtsschreiber und Verfasser der Freiburger Burgunderchronik siehe Peter von Molsheim.
Molsheim
Wappen von Molsheim
Molsheim (Frankreich)
Molsheim
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Molsheim
Kanton Molsheim
Gemeindeverband Région de Molsheim-Mutzig.
Koordinaten 48° 33′ N, 7° 30′ O48.5427777777787.4922222222222178Koordinaten: 48° 33′ N, 7° 30′ O
Höhe 165–371 m
Fläche 10,85 km²
Einwohner 9.142 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 843 Einw./km²
Postleitzahl 67120
INSEE-Code
Website www.mairie-molsheim.fr

Molsheim (elsässisch: Molse) ist eine französische Gemeinde mit 9142 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass. Sie ist Sitz der Unterpräfektur (frz.: Sous-préfecture) des Arrondissements Molsheim, Hauptort (frz.: chef-lieu) des Kantons Molsheim und Sitz des 1997 gegründeten Gemeindeverbandes Région de Molsheim-Mutzig.

Geografie[Bearbeiten]

Die Kleinstadt am Flüsschen Bruche (deutsch Breusch) liegt etwa 30 Kilometer südwestlich von Straßburg und zehn Kilometer nördlich von Obernai.

Geschichte[Bearbeiten]

Molsheim war ein Zentrum der Rekatholisierung des Elsass. Eine erste Welle erfolgte von Niederlassungen an den Residenzorten der Bischöfe von Straßburg in Molsheim um 1580 und Basel/ Pruntrut 1591. Die zweite Ansiedlungswelle erfolgte im habsburgischen Einflussgebiet in Ensisheim 1615 und Freiburg 1620. Während die erste Welle der Herrschaftssicherung der Bischöfe in ihren weltlichen Territorien diente, war die zweite, propagandistisch inszenierte, auf eine Auswirkung auf das Umland ausgerichtet gewesen. Eine besondere Rolle hatte dabei die Etablierung von jesuitischen Hochschulen als Kontrapunkt zu den protestantischen Universitäten in Straßburg und Basel gespielt, die besonders von Erzherzog Leopold V. (Österreich-Tirol), seit 1602 Bischof von Straßburg, ab 1619 auch Regent von Vorderösterreich, vorangetrieben wurde. 1617 richtete er in Molsheim eine Jesuitenakademie mit Promotionsrecht ein und brachte 1620 auch in Freiburg die Jesuiten in die Universität. Leopold hätte so die habsburgische Machtsphäre am Oberrhein durch Ansiedlung der Jesuiten gezielt ausgebaut, auch wenn die ab 1632 einsetzenden Kriegswirren diesen Bemühungen ein abruptes Ende gebracht haben.

Die Stadt gehörte von 1871 bis 1918 zum elsässischen Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen und damit zum Deutschen Kaiserreich. Die nicht katholische Reichsführung führte u. a. zur Bildung der Elsaß-Lothringische Zentrumspartei ELZ.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Molsheim zeigt den römischen Offizier Georg, wegen seines Glaubens von Kaiser Diokletian auf ein Rad gebundenen, um seine Knochen zu brechen. Bekannter ist er als Drachentöter. Er gilt u.a. als Schutzherr der Kreuzfahrer, Englands und Georgiens. Georg zählt zu den 14 Nothelfern sowie gemäß seines Namens Georgios, der „Landmann“ bedeutet, als Bauernpatron

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1946 1954 1962 1968 1990 1999 2009
Einwohner 4955 5739 6649 6928 7973 9335 9280
Die Sankt-Georg- und Dreifaltigkeitskirche
M. Merian: Ansicht von Molsheim um 1640

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die ehemalige Kirche des Jesuitenkollegiums Sankt-Georg- und Dreifaltigkeitskirche ist ein barockes Bauwerk im nachgotischen Stil, erbaut um 1615–1618 von Christoph Wamser. Das große Gebäudevolumen, die reiche innere Ausstattung und die authentische Orgel[1] von Johann Andreas Silbermann aus dem Jahre 1781 tragen zur Attraktivität des Gotteshauses bei.
  • Metzig (Renaissance, 16. Jahrhundert), ehem. Haus der Metzgerinnung.
  • Ehemaliges Stadtschloss (Renaissance, 16. Jahrhundert), Chateau d’Oberkirch, u. a. zeitweiser Wohnsitz von Jean-François-Thérèse Barbier (1754–1828), General während der Französischen Revolutionskriege und der Napoleonischen Kriege.
  • Kartause (Barock, 17.–18. Jahrhundert) – , mit knapp drei Hektar Fläche eine der größten erhaltenen Kartausen (Kartäuserklöster) des Oberrheins. Sichtbar heute der vordere Teil des Klosters der Kartäuser mit dem Haus des Priors, beherbergt heute das Stadtmuseum. Die Klosterkirche selbst wurde zerstört.
  • Garten der Chartreuse, Cour des Chartreux, Rue de l’Hopital, Molsheim.
  • Poudriere, Ruine des Pulverturms am Ende der alten Stadtmauer von Molsheim.
  • Rathaus (Klassizismus, 18. Jahrhundert), Hôtel de ville.
  • Schmiedeturm (14. Jahrhundert), ehem. Stadttor, porte des forgerons.
  • Liebfrauenkapelle (Neu-Gotik, 1860er Jahre), Chapelle „Notre Dame“, Chapelle des Chanoinessess (Kanonissin). Im Jahr 1836, gründeten die aus Dieuze (Mosel) kommenden Augustinerschwestern die Mädchenlehranstalt „Couvent Notre-Dame“. Über ein Jahrhundert lang widmeten sie sich der Erziehung von jungen Mädchen aus dieser Gegend, bis das Institut 1954 geschlossen wurde. Die vom Lothringer Architekt Léon Vautrin geplante neugotische Kapelle (1864–1867) hat einen kreuzförmingen Grundriss und Rosenfenster in der Fassade des Querschiffs.
  • Kanonikerhaus (19. Jh.), Maison des Chanoines.
  • Hôtel de monnaie, ehemals Standort der Münze (1573–1722), dann Abriss, Neubau 56 m lang, u.a. Fabrik und Lagerhalle, heute Veranstaltungshalle.
  • Eglise Protestante (1900), Rue des Vosges, Molsheim.
  • Ecole des Soeurs de Ribeauville in der Rue de l’Eglise, kleines Schulgebäude der Schwestern der Göttlichen Vorsehung von Ribeauvillé am Oberrhein, Molsheim.
  • Grenier des comtes, 1606, Haus des Zehnten auch Grafenkast genannt, Zehntscheuer des Bischofs von Strassburg.
  • Moulin des Paysans des Werkzeugmachers Jacques Coulaux in Molsheim.
  • Alte Fachwerk- und Bürgerhäuser (16. bis 18. Jahrhundert).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Einer der ersten bedeutsamen Unternehmer in Molsheim war Jacques Coulaux aus Straßburg, der hier 1820 verschiedene Arten von Stahlartikeln herstellen ließ, Fabriken baute und später weitere Werke im Elsass, in Gresswiller, Mutzig und Klingenthal errichtete. Zeitweise benutzte er auch das Hôtel de monnaie als Produktionsörtlichkeit. Besonders als Waffenfabrikant wurde er und seine Familie bekannt und vermögend. In Molsheim erinnert heute noch der Canal Coulaux als damaliger Energielieferant an ihn. Auch wurde die rue Jacques Coulaux in Molsheim nach ihm benannt.

Molsheim wurde durch den Automobilhersteller Ettore Bugatti (1881-1947) bekannt, der von 1910 an im benachbarten Dorlisheim seine Fahrzeuge herstellen ließ. Von 2005 bis 2011 wurde dort von der zum Volkswagen-Konzern gehörenden Bugatti Automobiles S.A.S. exklusive Sportwagen (Bugatti Veyron) in kleinen Stückzahlen hergestellt.

Als weiterer Teil der Kraftfahrzeugindustrie befindet sich ein Mercedes-Benz-Werk für den Umbau von Lkw zu Sondernutzfahrzeugen (Mercedes-Benz Custom Tailored Trucks) in Molsheim.

Der Leuchtmittelhersteller OSRAM betreibt ein Werk in Molsheim.

Des Weiteren ist Molsheim der Sitz der Merck-Tochter Millipore S.A.S., die u. a. Labortechnik produziert, sowie von Messier-Bugatti, einer Tochtergesellschaft von Safran (Luftfahrttechnik).

Weinbau[Bearbeiten]

Molsheim liegt an der Elsässer Weinstraße. Seine Lage Bruderthal gehört zu den Alsace Grand Cru-Weinlagen. Die Zisterziensermönche, die sie bebauten, gaben dieser Lage ihren Namen. 1316 wurde sie zum ersten Mal in der Geschichte von Molsheim erwähnt, als der Bischof von Straßburg dort Weinberge besaß.

Von 1598 bis zu ihrer Vertreibung 1792 ließen die Kartäuser von Molsheim auf ihrem klostereigenen Grund Weißwein produzieren, der als 'Finkenwein' zu ihrer Haupteinnahmequelle wurde. Dieser Wein, die Rebsorte ist nicht mehr bekannt, wurde u.a. auch an das englische Königshaus geliefert. Die Engländer sollen jedes Jahr einen Lord zur Kartause nach Molsheim geschickt haben, der neuen Nachschub auszusuchen und zu ordern hatte.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Molsheim ist mit der unterfränkischen Gemeinde Gerbrunn im deutschen Bundesland Bayern partnerschaftlich verbunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Molsheim verbunden[Bearbeiten]

  • Berthold von Buchegg (vor 1279–1353), Bischof von Speyer 1328 und als Berthold II. Bischof von Straßburg von 1328 bis 1353, in Molsheim gestorben.
  • Ettore Bugatti (1881–1947), italienischer Automobilfabrikant und Konstrukteur.
  • Henri Meck (1897–1966), Abgeordneter der Union populaire républicaine (UPR, deutsch: Elsässische Volkspartei), Bürgermeister von Molsheim.
  • Jean Bugatti (1909–1939), französisch-italienischer Automobildesigner, -fabrikant und Testfahrer.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Molsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orgel von Johann Andreas Silbermann in der Jesuitenkirche Molsheim, auf decouverte.orgue.free.fr, gesehen 24. Juni 2010 (französisch).