Mondgottheit

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Als Mondgottheit gelten in den Mythologien der unterschiedlichsten Kulturen Götter, die eine Verkörperung des Erdmondes darstellen.

Europa[Bearbeiten]

Hati und Skalli jagen Mani und Sol
Germanien
Die Nordgermanische Mythologie kennt den Mondgott Mani, der ein Sohn des Riesen Mundilfær ist. Er ist ein Bruder der Sonnengöttin Sol und lenkt das Mondgefährt über den Himmel. In der Prophezeiung heißt es, dass Mani während Ragnaröck von dem Wolf Hati verschlungen wird, nachdem dieser ihn über den Himmel jagte.[1] Heimdall gilt ebenfalls als Mondgottheit, da sein Name vermutlich weißlich, hell bedeutet und er als „hvitastr Asa“ der weiße Ase bezeichnet wird. Auch Thrud, die Tochter von Thor und Sif, die als eine Jungfrau, deren Weiße den Schnee beschämt, bezeichnet wird, sehen manche als Mondgöttin der Germanen an.[2]
Griechenland
Die Griechische Mythologie kennt mehrere Gottheiten, die den Mond verkörperten. Dieses waren zumeist weibliche Wesen, die sich durch besondere Schönheit, allgemein als die schönste Frau überhaupt, die zudem wundervolles Haar hatte, auszeichneten. Zu diesen zählen die Mondgöttinnen Artemis, Danaë, Kallisto oder Selene. Seltener kommt die Identifikation mit einem männlichen Wesen, wie beispielsweise Cycnus, vor Zwischen der Mondgottheit und der Sonnengottheit besteht eine enge Beziehung, so werden sie oftmals als Zwillinge dargestellt oder die Mondgöttin als die Geliebte oder Gemahlin des Sonnengottes, manchmal auch als dessen schönste Tochter. So sind beispielsweise die Mondgöttinnen Artemis und Helena die Töchter des Zeus und gleichzeitig ist sie in der Gestalt von Io seine Geliebte. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist es, dass das Meer als der Vater des Mondes angesehen wird, wie es bei Cycnus der Fall ist. Es ist kein wirklicher Widerspruch, dass die Mondgöttinnen sowohl als Geliebte als auch als Gattin oder Tochter des Zeus dargestellt werden, da der Mond mit jedem Neumond aufs neue geboren wird, so dass er zur Tochter der Gemahlin wird, die er wiederum liebt.[3]
Weitere Göttinnen, die mit dem Mond in Verbindung gebracht wurden, waren Brizo und die thrakische Bendis. Der wichtigste rituelle Vogel der Mondgottheiten war der Wendehals, siehe auch Iynx.
Rom
In der römischen Mythologie waren Luna und Diana die Mondgöttinnen.[4] Diana wurde bei den Römern zu einer Göttin des Mondes, nachdem zuvor lediglich von ihr bekannt war, dass sie die Wälder und die Quellen liebte, weshalb sie auch als Göttin der Jagd verehrt wurde. Ihr italischer Name kann möglicherweise aus Dea Iana oder Diva Iana entstanden sein. Ianus verkörperte ursprünglich die Sonne, daher liegt es nahe, dass Iana der Mond ist.[5]

Asien[Bearbeiten]

Arabien
Al-Lāt: Auch „Illat“ oder „Alilat“, ursprünglich „Han-'Ilat“, war eine verehrte Mondgöttin der Araber im vorislamischem Arabien. Siehe auch: Altarabische Religion [6]
Hubal (arabisch: هبل) war ein Mondgott in der arabischen Mythologie im vorislamischem Arabien. Hauptsächlich verehrt wurde dieser Mondgott an der Kaaba in Mekka.[7][8][9][10][11][12][13][14] Auch Ta'lab war ein Mondgott, der im vorislamischen Südarabien verehrt wurde und möglicherweise eine Erscheinungsform von Hubal war.[15]
Wadd, (arabisch: ود: „Liebe, Freundschaft“), war ein bedeutender Mondgott im vorislamischem Arabien. Auch bekannt als Illumguq, Amm, Sin und Il Mukah. Er wird auch im Koran (71:23) als eine falsche Gottheit erwähnt zu Lebzeiten des Propheten Noah.[16][17]
Syrien/Palästina: Šaggar, Šangar oder Šangugaru.[18]
Iran/Persien: In der Literatur, hierbei sowohl in alten avestischen als auch in persischen Texten, erscheint der Mond als die Gottheit Māh/Māonghah/Māvangh.
Chang’e steigt zum Himmel auf
China
In der chinesischen Mythologie gibt es die Göttin Chang’e, die auf dem Mond lebt.[19]
Indien
In Indien wird der hinduistische Mondgott Chandra verehrt, der alte vedische Mondgott hieß Soma. In einem mittelalterlichem Gedicht wird die Geschichte von Hemavati erzählt, die nachts in einem Lotusteich badete als der Mondgott Chandra zu ihr herabstieg und sie verführte. Aus dieser Beziehung entstand ihr Sohn Chandravarman, der Urahn der Chandella-Könige.[20]
Japan
Im Shintoismus wird der Gott (Kami) Tsukuyomi als Mondgott und Bruder von Amaterasu, der Göttin der Sonne verehrt.[21]
Mesopotamien
Der sumerische Mondgott war der Schutzpatron der antiken Stadt Ur, in der sein wichtigstes Heiligtum „é-Kis-nu-Gal“ ein Teil des Zikkurat war. Nanna (auch Nanna-Suen oder nur Sin) wird oftmals als Rinderhirte dargestellt, da die Form der Hörner des Stieres an die Sichel des Mondes erinnern. Zudem steht er als Symbol der Fruchtbarkeit. Der Mondgott ist der erstgeborene Sohn von Enlil und Ninlil, er hatte drei Brüder, die zwei Götter der Unterwelt Nergal-Meslamtaea und Ninazu sowie Enbililu, einen Gott des Wassers. Seit der Zeit des Akkadischen Reiches bis zur Mitte der altbabylonischen Zeit wurden die Töchter der Könige dazu auserwählt, als Hohepriesterin des Mondes zu dienen. In Assyrien und im späteren Babylonien wurde er als Sin bezeichnet. Daneben gab es in der babylonischen Mythologie eine Mondgöttin mit dem Namen Annit sowie die Bezeichnungen Ningal (auch Nikkal).[22]
Weitere Völker
Im Aramäischen hieß ein Mondgott Ilteri, die Hurriter kannten Kušuh, die Westsemitien Šaḥar, im Ugarit gibt es Yariḫ oder Yarach und im Urartu Šelarde.
Der georgische Mondgott Giorgi, der als Weißer Georg (Tetri Giorgi) später mit dem Heiligen Georg verschmilzt und verehrt wird, kann als Namensgeber des Landes bezeichnet werden.
Bei den Luwiern und Hethitern war sein Name vermutlich Arma (zumindest heißt so das hethitische Zeichen seines Namens). In der Keilschrift wird er aufgrund des 30tägigen Mondmonats mit dem Zeichen für 30 wiedergegeben.

Afrika[Bearbeiten]

Ägypten
In der ägyptischen Mythologie wurde der Mondgott Jah sowie Thot und im Neuen Reich Chons verehrt.[23]
Ewe und Fon
In der Kosmogonie der Ewe und Fon ist Mawu eine Mondgöttin. Sie stellt den Mond dar und bringt die Nacht mit kühleren Temperaturen in die Gebiete der afrikanische Welt. Sie wird als die alte Mutter angesehen, die im Westen wohnt. Mawus Partner ist Liza, der mit der Sonne verbunden ist. Diese beiden werden manchmal als Zwillinge angesehen. Diese Einheit repräsentiert die Ordnung des Universums. Mawu und Liza sind die Eltern von sieben Zwillingspaaren, die die Götter und Domänen im Kosmos der Ewe und Fon darstellen, ihr Erzeuger ist Nana Buluku, der die Welt erschaffen hat.[24]

Mittel- und Südamerika[Bearbeiten]

Mayaglyphe der Göttin Ix Chel
Maya
Die Mondgöttin der Maya war entweder Ix Chel (auch Ixchel) oder Ix Chup (auch Ix Ch’up). Ix Chel ist eine Greisin, die als Weberin und Bringerin von Weisheit angesehen wurde, Ix Chup verkörpert hingegen die junge stillende Mutter.[25]
Azteken
Coyolxauhqui war in der aztekischen Mythologie die Göttin des Mondes. Sie wurde von ihrem Halbbruder Huitzilopochtli erschlagen und zerstückelt. Ihre Mutter war die Erdgöttin Coatlicue. 1978 wurde ein Bildnis von ihr im Templo Mayor, der früheren Aztekenstadt Tenochtitlan, in Mexiko gefunden.[26][27]
Daneben gibt es auch einen männlichen aztekischen Mondgott mit dem Namen Tecciztecatl, der in Verbindung mit einem Schneckenhaus dargestellt wird, das Wasser und Fruchtbarkeit und das Konzept der Unterwelt als Ursprung des Lebens symbolisieren soll.[28]
Inka und Aymara
In der Mythologie der Inka war Mutter Mond (Quechua: Mama Killa, Aymara: Phaxsi Mama) das weibliche Gegenstück zum Vater Sonne (Quechua: Tayta Inti, Aymara: Willka Tata).[29][30]

Nordamerika[Bearbeiten]

Hopi
Bei den Tusayan gab es die beiden als oberste angesehenen Götter Oshats (Sonne) und Tawac (Mond).[31]
Sioux
Bei den Stämmen der Lakota ist Hanwi (Nachtsonne) die Mondgöttin und Gemahlin des Gottes Wi (Sonne).[32]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Siecke: Beiträge zur genaueren Erkenntnis der Mondgottheit bei den Griechen. Gaertner, Berlin 1885. (online)
  • Ernst Siecke: Hermes der Mondgott. Studien zur Aufhellung d. Gestalt dieses Gottes. (= Mythologische Bibliothek. 2,1). Hinrichs, Leipzig 1908, OCLC 162962276.
  • Aake W Sjöberg: Der Mondgott Nanna-Suen in der sumerischen Überlieferung. Almqvist & Wiksell, Uppsala 1960, OCLC 67432616.
  • Gabriele Theuer: Der Mondgott in den Religionen Syrien-Palästinas. Unter besonderer Berücksichtigung von KTU 1.24. (= Orbis biblicus et orientalis. 173; Dissertation an der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen, 1997–1998) Vandenhoeck & Ruprecht, Freiburg (Schweiz) 2000. ISBN 3-525-53745-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mondgottheiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mani and Sol. In: H. A. Guerber: Myths of the Norsemen. From the Eddas and Sagas. George G. Harrap & Company, London 1909, OCLC 858746787.
  2. Böklen, Die Sintflutsage. 7 auf archive.org, abgerufen am 25. Februar 2014.
  3. Ernst Siecke: Beiträge zur genaueren Erkenntnis der Mondgottheit bei den Griechen. S. 5/6.
  4. Luna und Diana auf imperiumromanum.com, abgerufen am 26. Februar 2014.
  5. Diana Artemis – Griechische u. römische Mythologie auf vollmer-mythologie.de, abgerufen am 26. Februar 2014.
  6. The Book of Idols (Kitāb al-Asnām) by Hishām Ibn al-Kalbī
  7. Karen Armstrong: Islam: A Short History. 200/2002, ISBN 0-8129-6618-x, S. 11.
  8. Hafiz Ghulam Sarwar: Muhammad The Holy Prophet. 1969.
  9. Maxime Rodinson: 1961
  10. Corpus Inscriptiones Semit., Band II: 198; Jaussen and Savignac, Mission Archéologique en Arabie, I (1907) S. 169f.
  11. Maxime Rodinson: Mohammed. 1961, Übersetzt von Anne Carter, 1971, S. 38–49.
  12. Karen Armstrong: Islam: A Short History. 200/2002, ISBN 0-8129-6618-x, S. 23.
  13. Muhammad ibn Jarir al-Tabari: The History of the Prophets and Kings. Band 1, S. 157.
  14. Hitti: History of the Arabs. 1937, S. 96–101.
  15. Brother Andrew: Hubal, the moon god of the Kaba. bible.ca. Abgerufen am 4. September 2007.
  16. William Pickthall: Marmaduke (1967). Islamic culture, Volume 9. Islamic Culture Board. S. 191. ISBN 978-1142491741. Original is from the University of Virginia
  17. ibn al Kalbi: Hisham. 1952. The book of idols: being a translation from the Arabic of the Kitāb al-asnām. Princeton University Press, S. 48.
  18. Gabriele Theuer: Der Mondgott in den Religionen Syrien-Palästinas. Unter besonderer Berücksichtigung von KTU 1.24. S. 423ff.
  19. Chang’e fliegt zum Mond auf german.cri.cn, abgerufen am 26. Februar 2014.
  20. Khajuraho, Indien Folge 171. in: Schätze der Welt – Erbe der Menschheit. auf swr.de, abgerufen am 26. Februar 2014.
  21. David Brauns: Japanische Märchen und Sagen. Märchen der Welt. Jazzybee Verlag, 2012, ISBN 978-3-849-60331-1. (online)
  22. Nanna/Suen/Sin (god) auf repository.upenn.edu, abgerufen am 26. Februar 2014.
  23. Thot. in: Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Wolfhart Westendorf: Lexikon der Ägyptologie. Band VI: Stele–Zypresse. O. Harrassowitz, Wiesbaden 1986, ISBN 3-447-02644-8, s. 505.
  24. Mawu: The Fon/Ewe View auf mamiwata.com, abgerufen am 26. Februar 2014.
  25. Sharonah Fredrick: Fighting the gods: the Popol Vuh. in: Revista de Humanidades: Tecnológico de Monterrey. Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey, Monterrey 2005, ISSN 1405-4167.
  26. Coyolxauhqui auf nationalgeographic.de, abgerufen am 26. Februar 2014.
  27. Die Mondgöttin Coyolxauhqui auf universes-in-universe.org, abgerufen am 26. Februar 2014.
  28. Arnd Adje Both: Das gefiederte Schneckenhorn und die Große Göttin in Teotihuacan. auf mixcoacalli.com, abgerufen am 26. Februar 2014.
  29. Vorspanische Zeit und Conquista. auf bautz.de, abgerufen am 26. Februar 2014.
  30. Rolf Seeler: Die altperuanische Weltsicht. in: Peru und Bolivien : Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten. (= DuMont Kunst-Reiseführer.) DuMont, Köln 2001, ISBN 3-770-14786-3, S. 16/17.
  31. Sia and Tusayan Snace Ceremonials. In: American anthropologist. Ausgabe 8, 1895, ISSN 0002-7294
  32. Lakota Kinship auf nativecairns.org, abgerufen am 26. Februar 2014. (PDF)