Mondrückseite

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Bildmosaik der Mondrückseite aufgenommen durch LRO. Links oben das Mare Moscoviense, links unten der dunkle Krater Tsiolkovskiy, im unteren Bilddrittel die fleckige große Beckenregion von Mare Ingenii, Leibnitz, Apollo und Poincaré.

Als Mondrückseite wird jene Hemisphäre des Erdmondes bezeichnet, die von der Erde aus nicht zu sehen ist.

Dass eine Hälfte des Mondes immer von der Erde abgewandt ist, hat seine Ursache in der gebundenen Rotation des Trabanten – einem in der Astronomie häufigen Phänomen bei der engen Umkreisung zweier Himmelskörper. Durch die Gezeitenkraft der Erde hat sich die Rotationsdauer des Mondes nach und nach der Monatslänge (29½ Tage, Periode der Mondphasen) angepasst.

Genau genommen sind aber nur 41% der Mondoberfläche nie sichtbar. Der Grund ist die 5° geneigte Mondbahn und ihre Ellipsenform (siehe Libration).

Unterschiede zur sichtbaren Mondhälfte[Bearbeiten]

Die Mondrückseite wurde erstmals Ende 1959 von der russischen Mondsonde Lunik 3 erkundet, deren Funkbilder 70 Prozent der erdabgewandten Seite erfassten und eine ganz andere Ansicht boten als die gewohnte und gut erforschte Vorderseite des Mondes.

Die Topografie der Vorder- und Rückseite des Mondes. Auf letzterer sind die regionalen Höhenunterschiede wesentlich stärker ausgeprägt.

Der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA hat die Rückseite des Mondes jüngst in hoher Auflösung kartiert.[1]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass die dunklen Gebiete, die von erstarrter Lava bedeckten Tiefebenen (Mare), nur wenige Prozent der Oberfläche ausmachen, im Gegensatz zu etwa 30 Prozent auf der erdzugewandten Seite. Daher ist die Rückseite im Schnitt etwas heller, sie hat eine höhere Albedo. Vermutlich als Folge der fehlenden Mondmeere bzw. großen Einschläge existieren hier auch weniger Mondgebirge und -rillen. Der maximale Höhenunterschied zwischen der tiefsten Senke und den höchsten Stellen beträgt – im zentralen Hochland zwischen Korolev und Hertzsprung, bzw. Berge des ewigen Lichts nahe dem Südpol – etwa 16 km. Dies sind einige Kilometer mehr als auf der erdzugewandten Mondhälfte und nur etwas weniger als die 20 km an der Oberfläche der Erdkruste.

Geologische Ursachen[Bearbeiten]

Das Schwerefeld auf der Vorder- und Rückseite des Mondes, rot = größere, blau = geringere Schwerkraft

Aus geologisch-kosmogonischer Sicht ist bemerkenswert, dass die Mondrückseite nur vier kleine Mondmeere aufweist: Die zwei relativ zentral gelegenen Tiefländer Mare Moscoviense und Mare Ingenii sowie die bei extremer Libration am Rand vor der Vorderseite sichtbaren Tiefländer Mare Australe und Mare Orientale. Die Mondrückseite besteht zu über 90 Prozent aus hellen, kraterbedeckten Hochländern. Auffällig ist ferner der sehr dunkle Boden des großen Kraters Tsiolkovskiy und des nahe gelegenen Kraters Jules Verne. Das Südpol-Aitken-Becken mit einem Durchmesser von 2240 km ist der größte Einschlagkrater auf dem Erdmond. Die zwei so ungleichen Hemisphären haben sich auch dadurch unterschiedlich entwickelt, dass der geometrische Mittelpunkt der Mondkugel und ihr Schwerpunkt um 1,8 Kilometer (1 Promille des Mondradius) voneinander abstehen, was mit einer Asymmetrie des inneren Aufbaus und der Mondkruste zusammenhängt.

Wegen der fehlenden großen Mondmeere, die auf der Vorderseite vor etwa 4 Milliarden Jahren während des „letzten großen Bombardements“ entstanden, finden sich auf der Mondrückseite auch keine ausgedehnten Lavadecken. An größeren Mascons, Massen- bzw. Schwereanomalien als Folge großer Meteoriteneinschläge, ist nur jenes unter dem Mare Orientale und die stark gegliederte Beckenregion im Süden zu erwähnen; siehe Bild rechts.[2] [3]

Astronautisch-astronomische Pläne[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren werden von Astronomen Pläne erörtert, die Mondrückseite für besonders empfindliche Messungen zu nutzen.[4][5] Der Vorteil besteht dort in der Freiheit von jeglichem irdischen Störlicht – dem auch etwa das Hubble-Weltraumteleskop unterliegt – und des irdischen Funkverkehrs. Nachteilig wäre allerdings, dass Telemetrie und Funkverkehr nur über Mondsatelliten möglich wäre.

Wegen der Strahlung und der Temperaturen wäre als Standort eines solchen Observatoriums die Nähe eines Mondpols vorteilhaft, wo die monatlichen Temperaturunterschiede nicht wie sonst über 200 Kelvin, sondern nur einen Bruchteil davon ausmachen. 1994 schlug der französische Astronom Jean Heidmann (1923–2000) den Mondkrater Saha als idealen Standort für ein lunares Radioteleskop für SETI vor.[6][7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Antonín Rükl: Atlas Mond-Mars-Venus. Prag 1977.
  • Sadil: Blickpunkt Mond. 1968.
  • Chuck J. Byrne: The far side of the moon - a photographic guide. Springer, New York 2008, ISBN 978-0-387-73205-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hohe Berge, rätselhafte Gräben: Die faszinierende Landschaft des Mondes. Auf: spiegel-online 25. Juni 2010.
  2. Implications of the Lunar Mascon Discovery jstor.org, abgerufen am 11. März 2011
  3. Gregory A. Neumann, et al.: Seeing the Missing Half. Science 13. Februar 2009, Vol. 323 no. 5916 S.885-887, doi:10.1126/science.1170655, Abstract
  4. Jean Heidmann: A proposal for a radio frequency interference-free dedicated lunar far side crater for high sensitivity radioastronomy. Acta Astronautica, Vol. 46, Issue 8, 1 April 2000, S.555–558 doi:10.1016/S0094-5765(00)00002-3
  5. Claudio Maccone: LUNAR FARSIDE RADIO LAB@setileague.org, (pdf, abgerufen am 26. September 2010; 203 kB)
  6. J. Heidmann: Recent progress on the lunar farside crater Saha proposal. Acta Astronautica, Vol.46, Issues 10-12, 1. Juni 2000, S.661–665, doi:10.1016/S0094-5765(00)00029-1
  7. Harald Zaun: SETI - die wissenschaftliche Suche nach außerirdischen Zivilisationen - Chancen, Perspektiven, Risiken. Heise, Hannover 2010, ISBN 978-3-936931-57-0, S.191