Monika Maron

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Monika Maron (1992, Berlin)

Monika Maron (* 3. Juni 1941 in Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin, die von 1951 bis 1988 in der DDR lebte. Ihr Debütroman Flugasche konnte dort nicht erscheinen und wurde stattdessen 1981 im westdeutschen Verlag S. Fischer veröffentlicht. Der Roman gilt als erste weithin bekannt gewordene literarische Auseinandersetzung mit der Umweltverschmutzung in der DDR. Seitdem hat Maron mehr als zehn Romane sowie andere Werke mit Essays und Erzählungen verfasst, von denen besonders der Roman Animal triste von 1996 auf ein großes Echo stieß. Monika Maron erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter den Kleist-Preis.

Leben[Bearbeiten]

Monika Eva Maron, geborene Iglarz, wuchs bei ihrer Mutter Hella (Helene) Iglarz auf. Ihr Vater Walter durfte ihre Mutter, die als „halbjüdisch“ galt, wegen der Nürnberger Rassegesetze nicht heiraten. Marons Großvater Pawel Iglarz war ein konvertierter Jude, der 1942 ins polnische Ghetto Bełchatów deportiert und dann ermordet wurde. Maron setzte ihm später in Pawels Briefe ein literarisches Denkmal. Nach Kriegsende lebte Hella Iglarz mit ihrer Tochter Monika in West-Berlin, bis sie den SED-Funktionär und späteren DDR-Innenminister Karl Maron kennenlernte und 1955 heiratete. Die Familie zog nach Ostberlin, Monika nahm den Familiennamen ihres Stiefvaters an.

Nach dem Abitur arbeitete Monika Maron ein Jahr lang als Fräserin in einem Flugzeugwerk bei Dresden. Danach studierte sie Theaterwissenschaft, arbeitet als wissenschaftliche Aspirantin an der Schauspielschule in Berlin und versuchte sich anschließend zwei Jahre lang als Regieassistentin beim Fernsehen und darauf als Reporterin für die Frauenzeitschrift Für Dich und die Wochenpost. Ab 1976 arbeitete sie als freie Schriftstellerin in Ostberlin.

Ab Oktober 1976 traf sich Maron mehrmals mit einem MfS-Mitarbeiter. Sie gab jedoch nie eine Verpflichtungserklärung zur konspirativen Zusammenarbeit ab, konnte aber als Kontaktperson der HVA 1977 mehrmals nach West-Berlin reisen.[1] Sie schrieb zwei Berichte für das MfS: über eine West-Berlin-Reise und über einen Empfang in der Ständigen Vertretung in Ostberlin.[2] Dabei weigerte sie sich, Namen von involvierten DDR-Bürgern zu nennen. Nach einem halben Jahr beendete sie auf eigenen Wunsch die Mitarbeit. Das MfS brach daraufhin den Kontakt ab und legte im Juni 1978 einen Operativen Vorgang zur Überwachung und Verfolgung Marons an. Bis zu ihrer Ausreise 1988 wurde sie ständig observiert.[3]

1981 veröffentlichte sie ihren ersten Roman Flugasche, in dem sie u. a. Erfahrungen als Industriereporterin im Chemierevier der DDR verarbeitete. Flugasche war das erste „Umwelt-Buch“ der DDR, in dem offen die Umweltsünden beklagt und angeprangert wurden. Wegen des kritischen Inhalts konnte das Buch, das Maron weithin große Anerkennung eintrug, in der DDR nicht erscheinen. Die Ich-Erzählerin Josefa Nadler berichtet, wie sie nach B. – das ist Bitterfeld – fährt, um eine Reportage zu schreiben. Sie kämpft mit ihren eigenen Ansprüchen: Soll sie die Wahrheit schreiben, nämlich dass B. schmutzig ist, oder soll sie so schreiben, dass es den Funktionären gefällt? Als alleinerziehende Mutter kann sie es sich nur schlecht leisten, eine oppositionelle Meinung zu vertreten.

Nach zunehmender Entfremdung verließ sie 1988 zusammen mit ihrem Mann, dem Naturwissenschaftler Wilhelm Tappe, und dem gemeinsamen Sohn Jonas mit einem Drei-Jahres-Visum die DDR. Sie lebte bis 1992 in Hamburg und zog dann wieder nach Berlin.

Maron schrieb ab 2012 mehrere islamkritische Artikel, in denen sie etwa die Forderung vertritt: "Politiker müssen Muslimen die Grenzen aufzeigen".[4] Gerade für ihre Polemik gegen die Islamkonferenz 2014 wurde Maron stark kritisiert, etwa vom Comedian Murat Topal, der auf ihren Artikel antwortete: "Ein besseres Beispiel dafür, wie schräg und schrill die so genannte Islamdebatte in Deutschland geführt wird, hätte es momentan wohl nicht geben können",[5] und der Journalist Georg Diez stellte sich in einer Kolumne die Frage "wann genau Monika Maron eigentlich zu einer islamophoben Sarrazinistin geworden" sei.[6]

Werke[Bearbeiten]

Monika Marons Werke wurden u.a. ins Englische, Französische, Italienische, Japanische, Koreanische, Kroatische, Niederländische, Polnische, Russische, Spanische und Portugiesische übersetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Katharina Boll: Erinnerung und Reflexion, retrospektive Lebenskonstruktionen im Prosawerk Monika Marons. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002. ISBN 3-8260-2325-0.
  • Hsin Chou: Von der Differenz zur Alterität. Das Verhältnis zum Anderen in der Fortschreibung von Identitätssuche in den Romanen „Die Überläuferin“ und „Stille Zeile sechs“ von Monika Maron. Dissertation. Universität Freiburg, Freiburg im Breisgau 2006.
  • Antje Doßmann: Die Diktatur der Eltern, Individuation und Autoritätskrise in Monika Marons erzählerischem Werk. Weissensee, Berlin 2003. ISBN 3-934479-89-8.
  • Winfried Giesen (Hrsg.): Monika Maron - "Wie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche". Begleitheft zur Ausstellung 11. Januar-26. Februar 2005. Universitätsbibliothek, Frankfurt M 2005. ISBN 3-88131-098-3.
  • Elke Gilson (Hrsg.): Monika Maron in perspective. „Dialogische“ Einblicke in zeitgeschichtliche, intertextuelle und rezeptionsbezogene Aspekte ihres Werkes. Rodopi, Amsterdam 2002. ISBN 90-420-1350-8.
  • Elke Gilson (Hrsg.): „Doch das Paradies ist verriegelt…“. Zum Werk von Monika Maron. Fischer-Taschenbuch-Verl., Frankfurt M 2006. ISBN 3-596-17199-7.
  • Anette Horn: Monika Marons 'Flugasche': Weibliche Identität, Arbeitswelt und Umwelt in der DDR der späten siebziger Jahre. In: Acta Germanica 36 (2008), S. 59-74.
  • Lennart Koch: Ästhetik der Moral bei Christa Wolf und Monika Maron. Der Literaturstreit von der Wende bis zum Ende der neunziger Jahre. Lang, Frankfurt M 2001. ISBN 3-631-37908-0.
  • Julia Petzl: Realism and reality in Helga Schubert, Helga Königsdorf and Monika Maron. Lang, Frankfurt M 2003. ISBN 3-631-50101-3.
  • Christian Rausch: Repression und Widerstand. Monika Maron im Literatursystem der DDR. Tectum, Marburg 2005. ISBN 3-8288-8897-6.
  • Jürgen Verdofsky: Licht auf Monika Maron! In: Culturmag vom 3. Juni 2011. (Kurzportrait zum 70. Geburtstag).
  • Conrad Wiedemann: Die Grenzgängerin : von Pankow nach Hamburg, die Erzählerin Monika Maron. In: Du. Die Zeitschrift der Kultur, 52. Jg. 1992, Heft 12, S. 20 ff. (Digitalisat)
  • Kurzbiografie zu: Maron, Monika. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Essays (Online)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deckname Mitsu. In: Der Spiegel Nr. 32/1995 vom 7. August 1995. Tags zuvor hatte der "Kulturweltspiegel", eine Nachrichtensendung der ARD / Das Erste berichtet, Autor Heribert Schwan
  2. Monika Maron: Zwei Berichte an die Stasi, 1976 (PDF; 40 kB) auf der Website des S. Fischer Verlag. Erster Bericht über eine West-Berlin-Reise Marons, Zweiter Bericht über einen Empfang in der Ständigen Vertretung in Ostberlin. (Abgerufen am 26. Mai 2011)
  3. Antje Doßmann: Die Diktatur der Eltern. Berlin 2003, S. 8.
  4. Monika Maron: Politiker müssen Muslimen Grenzen auzeigen. Die Welt, 2. Februar 2014.
  5. Murat Topal: Danke, Monika Maron!. Die Welt, 7. Februar 2014.
  6. Georg Diez: Der Schädelbohrer. Spiegel Online, 7. Februar 2014.