Monoblockmotor

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Der Monoblockmotor ist ein Verbrennungsmotor, bei dem Zylinderkopf und ein Teil des Kurbelgehäuses in einem Stück gegossen wird. Diese Konstruktion rührt aus jener Zeit her, in der es noch keine numerischen Berechnungsverfahren zur Optimierung des Kopf-Block-Verbandes hinsichtlich Krafteinleitung und resultierenden Büchsenverzuges gab. Des Weiteren war die Gasabdichtung bei hohem Verbrennungsdruck ein Entwicklungsthema, moderne Mehrlagenstahldichtungen gab es nicht.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Vorläufer der Steyr Daimler Puch AG, die Österreichische Waffenfabriksgesellschaft hatten schon in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts den ersten Monoblockmotor im Einsatz (Typ Steyr II, Ottomotor).

1976 stellte die AVL List GmbH das Konzept eines Leichtdieselmotors (LD) vor. Steyr Daimler Puch und die Bayerische Motoren Werke AG (BMW) gründeten die BMW - STEYR Motorengesellschaft m.b.H, deren Zweck es war, diesen Leichtdieselmotor in Serie zu bringen. Er wurde als Motortyp "M1" bezeichnet. Die Entwicklungspartner starteten nach der Lizenznahme mit der Konstruktion und Beschaffung von sogenannten Vorentwicklungsprototypen (VEP) von Vier- und Sechszylindermotoren, von denen wiederum verschiedene Baustufen weiterentwickelt und beschafft wurden.

Es war der erste PKW-Motor mit Direkteinspritzung, mechanischen Pumpe-Düse-Einspritzelementen (Patent Steyr Daimler Puch AG), Ladeluftkühlung, Abgasturboaufladung und einem neuartigen akustischen Konzept (Nasskapsel, Trockenkapsel). Der M1 konnte nicht innerhalb des Projektzeitrahmens fertig entwickelt werden. Die Gesellschaftsanteile der Steyr Daimler Puch AG wurden 1981 von BMW übernommen. BMW entwickelte fortan Wirbelkammermotoren (Serienstart 1983), Steyr Daimler Puch entwickelte den M1 selbst weiter (ab 1983 in der Steyr Motorentechnik G.m.b.H).

Der M1 Motor ging als Bootsmotor 1990 für den amerikanischen Marinemotorhersteller Outboard Marine Corporation in Kleinserie. Zu erwähnen ist die Lizenznahme des russischen Herstellers GAZ (Gorkowski Awtomobilny Sawod) 1998, der bis 2007 über 50.000 4-Zylinder Monoblockmotoren baute (eingesetzt u.A. im Fahrzeug GAZ GAZelle oder Wolga). Der M1 ist heute auf dem Markt für Marine und Militäranwendungen vertreten. Die Steyr Motors GmbH baut ihn in der 4- und 6-Zylinderversion mit bis zu 225 kW, eine Version mit 135 kW ist bereits nach der Abgasnorm EURO 5 zertifiziert.

Ende 2009 wurden auf der Defence & Security Equipment International in London der lauffähige Prototyp eines V8-Motors basierend auf zwei Reihenvierzylindermonoblöcken (72° Bankwinkel) mit einer vorläufigen Leistungsangabe von 250 kW vorgestellt.

Ende 2010 wurde auf der Marine equipment trade show (METS) in Amsterdam der Prototyp eines vollkommen neu konstruierten Zweizylindermonoblockmotors vorgestellt. Dieser Motor soll als Aggregat für Segelboote, Panzer und in weiterer Folge als Range Extender für den automotiven Bereich zum Einsatz kommen. Als Leistung wurden 25 kW elektrisch genannt. Dieser Motor hat einen vollständigen Ausgleich der oszillierenden Massen. Die Serienentwicklung sollte 2011 beginnen und 2012 abgeschlossen sein.

Eine weitere Zusammenarbeit besteht mit dem österreichischen Flugmotorenhersteller Austro Engine, der im März 2011 bekanntgab auf Basis des M1 einen Sechszylinder mit 280 PS zu entwickeln.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard van Basshuysen, Fred Schäfer: Handbuch Verbrennungsmotor Grundlagen, Komponenten, Systeme, Perspektiven. 3. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2005, ISBN 3-528-23933-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung von STEYR MOTORS (PDF; 100 kB), vom 3. März 2011