Monokularsehen

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Träger von Augenklappen besitzen in dieser Situation ausschließlich Monokularsehen.

Unter Monokularsehen oder monokularem Sehen (griech. mono für eins und oculus für Auge), auch: Monovision, versteht man das dauerhafte oder temporäre Sehen mit nur einem Auge auf Grund funktioneller oder organischer Einäugigkeit. Hierunter fällt auch die abwechselnde (alternierende) Benutzung zweier Augen unabhängig voneinander und ohne funktionelle Verschaltung. Demgegenüber ist das Binokularsehen eine Fähigkeit, die das gleichzeitige Sehen mit beiden Augen auf der Grundlage eines neuronalen Beziehungssystems, der Netzhautkorrespondenz, gestattet. Nur ein normal ausgebildetes beidäugiges Sehen ermöglicht ein echtes, dreidimensionales räumliches Sehen. Aber auch beim Sehen mit einem Auge kann das Gehirn den Eindruck von Räumlichkeit vermitteln, weshalb man beim Monokularsehen auch von psychologischer und beim Binokularsehen von physiologischer Tiefenwahrnehmung spricht.

Ursachen des Monokularsehens[Bearbeiten]

Die Ursachen, die zu Monokularsehen führen, sind unterschiedlich. Lebewesen (z. B. Menschen), die potentiell zum Binokularsehen fähig sind, können dieses etwa durch das Schließen eines Auges oder Tragen einer Augenklappe temporär unterbinden. Ein dauerhaftes Monokularsehen kann Folge von Verletzungen und Krankheiten sein (z. B. Anophthalmie, hohe Anisometropie). Die häufigste Ursache für das krankhafte Fehlen von Binokularsehen und damit eine Monovision sind jedoch Schielerkrankungen.[1]

Durch ein neues refraktiv-chirurgisches Hilfsmittel zur Behandlung der Alterssichtigkeit, das sogenannte KAMRA-Implantat, wird eine künstliche Monovision erzeugt, die zwar die Sehschärfe im mittleren Nahbereich verbessert, jedoch zum Verlust des räumlichen Sehens führt.[2] Viele Beute-Tiere haben ein "alternierendes" Monokularsehen mit großer Rundumsicht, um Jäger zu erkennen, ebenso Vögel und Echsen.

Monokulare Tiefenwahrnehmung[Bearbeiten]

»Schule von Athen«: Anfang des 16. Jahrhunderts waren schon viele Techniken zur Darstellung von Dreidimensionalität gut entwickelt (Texturgradient, Interposition, Zentralperspektive, sowie relative Größe und Höhe)

Es gibt eine Reihe von Hinweisreizen oder Tiefenkriterien, die auch unter Monovision den Eindruck von stereoskopischem Sehen vermitteln.[3][4] Diese Tiefenreize werden danach unterschieden, ob sie von der Bewegung des Beobachters oder der Objekte abhängig sind. Man spricht dann entweder von bildlichen bzw. bildbezogenen oder von bewegungsinduzierten Tiefenreizen.[5][6]

Parallax-Scrolling (Animation)

Effekt, der sich optisch ergibt, wenn verschiedene Objekte unterschiedlich voneinander entfernt in einer Landschaft verteilt sind, der Beobachter sich parallel zu diesen Objekten seitlich fortbewegt und dabei in Richtung Horizont blickt.

Atmosphärische Perspektive meint den Einfluss, den die spezifische Atmosphäre (deren Zusammensetzung) auf die wahrgenommene Erscheinung eines von weitem betrachteten Objektes hat. Zum Beispiel nimmt der Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund ab.

  • Verdeckung, Überlappung, Interposition oder Okklusion
Bedeckung des Saturn durch den Mond. Folgerung: Der Mond steht vor dem Saturn.

Verdeckung beschreibt den Umstand, dass Objekte die weiter vorne liegen dahinter liegende Objekte verdecken.

  • Perspektivische Konvergenz
Konvergenz: Eisenbahnschienen vermitteln den Eindruck, sich an einem entfernten Punkt zu treffen.
  • Texturgradient
Texturgradient: Salzwüste Salar de Uyuni

Die Struktur einer Fläche wird als Tiefe interpretiert, wenn die Elemente der Struktur nach oben immer kleiner werden und dadurch auch dichter liegen (mehr Elemente pro Flächeneinheit).

  • Relative Größe
Relative Größe allein reicht nicht aus. Die Abbilder A und B auf der Netzhaut der beiden Linien C und D erscheinen identisch groß.

Wenn ein und dasselbe Objekt sich weiter weg vom Beobachter befindet, erscheint es ihm kleiner. Allerdings kann ein und dasselbe Netzhautabbild durch verschieden große Objekte entstehen, die sich entsprechend weit voneinander entfernt befinden. Hat man keine Information über die Entfernung zu Objekten, können verschieden große Objekte identische Netzhausabbilder erzeugen.

Weitere Hinweisreize sind:

  • Relative Höhe
  • Vertraute Größe
  • Schatten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Kaufmann: Strabismus. 3. grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage, unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2003, ISBN 3-13-129723-9
  2. Stellungnahme der Kommission Refraktive Chirurgie der DOG und des BVA, Mai 2011 (PDF; 170 kB)
  3. David G. Myers: Psychologie. Springer Berlin Heidelberg; Auflage: 2. erw. u. aktualisierte Aufl. (14. Juli 2008). ISBN 978-3540790327. Seite 267–269
  4. Richard J. Gerrig, Philip G. Zimbardo: Psychologie. Addison-Wesley Verlag; Auflage: 18., aktualisierte Auflage (20. März 2008). ISBN 978-3827372758. Seite 148/149
  5. Robert S. Siegler: Das Denken von Kindern. Oldenbourg Wissenschaftsverlag; Auflage: 3 (11. Januar 2001). ISBN 978-3486255942. Seite 158
  6. E. Bruce Goldstein: Wahrnehmungspsychologie: Der Grundkurs. Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 7. Aufl. (24. Oktober 2007). ISBN 978-3827417664. Seite 187–189

Weblinks[Bearbeiten]