Mononykus

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Mononykus
Zeichnerische Lebendrekonstruktion von Mononykus, die dargestellte Befiederung beruht auf Vermutung

Zeichnerische Lebendrekonstruktion von Mononykus, die dargestellte Befiederung beruht auf Vermutung

Zeitliches Auftreten
Oberkreide (Campanium)[1]
83,6 bis 72 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Theropoda
Coelurosauria
Alvarezsauridae
Mononykus
Wissenschaftlicher Name
Mononykus
Perle et al., 1993

Mononykus ist eine relativ kleine, vogelähnliche Gattung theropoder Dinosaurier aus der Familie der Alvarezsauridae. Die einzige dieser Gattung zugeschriebene Art ist Mononykus olecranus. Sie lebte zur Zeit der Oberkreide im Gebiet der heutigen Mongolei.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das 90 cm lange Tier lief biped (zweibeinig) auf langen Hinterbeinen. Ähnlich wie seine Verwandten hatte er sehr kurze, stummelartige Vorderextremitäten. An diesen saßen je eine einzige Klaue, die etwa fünf cm lang war (gr.: Mononykus = „einzelne Klaue“). Die anderen Krallen waren zurückgebildet. Der Zweck dieser hochgradig spezialisierten Arme ist umstritten, in einer Studie wird eine ähnliche Lebensweise wie bei den Ameisenbären vermutet, die Klaue habe somit zum Aufbrechen von Insektennestern, wie z. B. Termitenhügel, gedient[2]. Die verschmolzenen Handwurzelknochen (Carpalia) und der Bau des Brustbeins (Sternum) erinnern an die Anatomie der Vögel. Mononykus gehörte möglicherweise zu den gefiederten Dinosauriern.

Funde[Bearbeiten]

Dem Mononykus zugeschriebene Funde stammen aus der Djadochta Formation und der Nemegt Formation der Mongolei und aus der Iren Dabasu Formation Chinas.

Das Holotyp-Material (GI N107/6; Geological Institute, Mongolian Academy of Sciences) wurde 1987 von einem Dinosaurierjäger vom Mongolian Museum of Natural History während der „Soviet-Mongolian Paleontologic expedition“ entdeckt. Der Fundort gehört geologisch zur Nemegt Formation des Nemegt Basins und liegt in Bugin Tsav in der südwestlichen Mongolei, einer fünf Quadratmeilen großen Lokalität, die heute für spektakuläre Funde berühmt ist [3]. Das Skelett besteht aus Vorder- und Hintergliedmaßen und aus Wirbeln, bei ihrer Entdeckung waren die Knochen miteinander verbunden. Im näheren Umkreis wurden Schildkröten sowie die Überreste des Tarbosaurus bataar entdeckt.

Verwandtschaftsbeziehungen[Bearbeiten]

Das Holotyp-Material wurde 1993 von Altangerel Perle, Luis M. Chiappe, Rinchen Barsbold, James Matthew Clark und Mark Norell, beschrieben als ein Vertreter einer neuen basalen Vogelgattung, kurz in der Fachzeitschrift Nature erwähnt. Eine umfangreiche Beschreibung folgte ein Jahr später (siehe Literatur, unten). Sie betrachten Mononykus als ein Schwestertaxon zu allen anderen Vögeln, mit Ausnahme des Archaeopteryx. Demnach wäre Mononykus ein Seitenzweig der Vögel, der zwar den Archaeopteryx als Vorfahre hatte, sich bald aber zurück zur Flugunfähigkeit entwickelte.

Der Vogelstatus dieser Gattung ist jedoch umstritten und wurde von verschiedenen anderen Forschern stark in Zweifel gezogen [4],[5]. Es kam zwischen den beiden Meinungen zu hitzigen Debatten. Kritikpunkte sind besonders die ungewöhnlichen Vordergliedmaßen. Wellnhofer (1994) meinte dazu:

„(...) it would be very difficult to imagine how a primitive bird wing, such as that of Archaeopteryx, could have evolved into a forelimb like that of Mononykus.” (auf Deutsch etwa: „Es wäre sehr schwierig sich vorzustellen, wie so ein ein primitiver Flügel, wie der von Archaeopteryx, sich zu einem Vorderglied wie das von Mononykus entwickeln konnte.“). [6]

Die Verfechter der Meinung, Mononykus sei ein Vogel, verteidigten jedoch ihre Meinung (Chiappe, Norell & Clark, 1997 [7]; Padian & Chiappe, 1998).

Nachdem 1996 der südamerikanische Patagonykus beschrieben wurde, erkannte man Gemeinsamkeiten zwischen diesem, Mononykus und dem urtümlicheren Alvarezsaurus. Alvarezsaurus war bereits, als einziger Vertreter, in der Familie der Alvarezsauridae innerhalb der Ceratosauria eingeordnet. Alle drei Arten wurden nun als Alvarezsauridae innerhalb der Coelurosauria eingeordnet. Kurz darauf kam Parvicursor zur Familie hinzu, Shuvuuia folgte 1998.

Die Mehrheit der Forscher geht heute davon aus, dass es sich um vogelähnliche Coelurosaurier handelt, aber nicht um Vögel.

Literatur[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Gregory S. Paul: The Princeton Field Guide To Dinosaurs. Princeton University Press, Princeton NJ 2010, ISBN 978-0-691-13720-9, S. 127, Online.
  2. Phil Senter: Function in the stunted forelimbs of Mononykus olecranus (Theropoda), a dinosaurian anteater. In: Paleobiology. Bd. 31, Nr. 3, 2005, ISSN 0094-8373, S. 373–381, doi:10.1666/0094-8373(2005)031[0373:FITSFO]2.0.CO;2, Abstrakt.
  3. David E. Fastovsky, Mahito Watabe, Demchig Badamgarav, David B. Weishampel: Late Cretaceous dinosaur-bearing paleoenvironments of Bugin-Tsav, south-central Gobi Desert, Mongolia. In: The Geological Society of America. Abstracts with Programs. Bd. 34, Nr. 1, 2002, ISSN 0016-7592, S. A62, Abstrakt.
  4. laut Middleton, Gatesy: Theropod forelimb design and evolution. 2000, waren dies „Ostrom, 1994; Wellnhofer, 1994; Zhou, 1995; Feduccia, 1996; Chatterjee, 1997“.
  5. Zhonghe Zhou: Is Mononykus a Bird? In: The Auk. Bd. 112, Nr. 4, 1995, ISSN 0004-8038, S. 958–963, Digitalisat (PDF; 528,14 KB).
  6. Middleton, Gatesy: Theropod forelimb design and evolution. 2000.
  7. Luis Chiappe, Mark Norell, James Clark: Mononykus and Birds: Methods and Evidence. In: The Auk. Bd. 114, Nr. 2, 1997, S. 300–302, Digitalisat (PDF; 272,59 KB).