Monopolistische Konkurrenz

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Doppelt geknickte PAF durch Kundenbindung

Unter monopolistischer Konkurrenz oder einem monopolistischem Wettbewerb (auch heterogenem Polypol) versteht man ein Polypol auf einem unvollkommen Markt.

Auf diesem Markt treten sehr viele Anbieter auf, diese sind aber in der Lage den Preis zu variieren. Die Unvollkommenheit kann dadurch hervorgerufen sein, dass z. B. die Nachfrager räumliche, zeitliche oder sachliche Präferenzen haben, oder weil die gehandelten Güter nicht homogen sind, sich also in gewissen Merkmalen unterscheiden (Produktdifferenzierung). Das erlaubt dem Verbraucher eine vielfältige Auswahl zwischen substituierbaren Produkten, die von spezialisierten Unternehmen hergestellt und angeboten werden. Aufgrund der Produktdifferenzierung verfügt jeder Anbieter über einen gewissen monopolistischen Spielraum, innerhalb dessen es ihm möglich ist, ähnlich wie in einem Monopol, Preis oder Menge festzulegen. In diesem monopolistischen Bereich gilt die Gewinnmaximierungsregel: Grenzerlös gleich Grenzkosten. Verlässt der Anbieter den monopolistischen Bereich, gilt für ihn das Gleiche wie in einem Polypol: Der Preis ist durch den Markt diktiert, erhöht der Anbieter den Preis darüber hinaus, verliert er alle Nachfrager an die Konkurrenz.

In der Realität ist diese Marktform recht häufig anzutreffen. Beispiele für solche Märkte sind Märkte für zahlreiche Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs (z. B. Brot, Fleisch, Obst und Gemüse, Friseure, Reinigungen).

Formal dargestellt wird der Fall der monopolistischen Konkurrenz mit Hilfe einer zweifach geknickten Preis-Absatz-Funktion.

Der Begriff monopolistischer Wettbewerb ist ein von Edward Hastings Chamberlin geprägter Ausdruck für die Marktform des unvollkommenen Wettbewerbs.

Alternative Definitionen und Abgrenzung[Bearbeiten]

Weitere Definitionen sind:

  • „Ein Markt, auf dem Unternehmen frei eintreten können und jeweils ihre eigene Marke oder Version eines differenzierten Produktes herstellen.“[1]
  • „Das Marktmodell eines monopolistischen Wettbewerbs ist in der Realität häufig anzutreffen. Es stellt das Polypol auf dem unvollkommenen Markt (polypolistische Konkurrenz) dar, auf dem viele Anbieter und viele Nachfrager unabhängig voneinander handeln,….“ [2]

Man kann Märkte nach verschiedenen Kriterien unterteilen. Je nach Blickwinkel sind Märkte nach Marktteilnehmern (Monopol, Oligopol, Polypol), Nachfrageintensität (Massenmarkt, Schrumpfmarkt) oder auch nach den gehandelten Gütern (Güter- oder Produktmarkt, Faktormarkt) zu differenzieren. Das Modell des monopolistischen Wettbewerbs verbindet verschiedene Marktformen und -modelle, unter anderem das Monopol und das Oligopol mit den Charakteristika des Wettbewerbs.

Modellbeschreibung[Bearbeiten]

Durch eine ausreichend starke Produktdifferenzierung ist es dem einzelnen Anbieter möglich, eine, wenn auch schwache, Monopolstellung einzunehmen. Innerhalb bestimmter Grenzen kann ein Anbieter beispielsweise seinen Preis wie ein Monopolist verändern. Auf einem Markt mit, wenn auch wenigen, anderen Anbietern führt aber jede marktstrategische Maßnahme immer auch zu einer Reaktion der Wettbewerber.

Chamberlin geht davon aus, dass ein einzelner Anbieter versucht den gewinnmaximalen Preis zu erzielen, also wie ein Monopolist handelt (Cournotschen Punkt). Da der Markteintritt frei ist und Gewinne erzielt werden, treten neue Anbieter mit vergleichbaren Produkten in den Markt ein und die Preis-Absatz-Funktion der bisherigen Anbieter verschiebt sich in Richtung Ursprung. Ist letztlich keine Gewinnerzielung mehr möglich, tangiert die Durchschnittskostenkurve die Preis-Absatz-Funktion.(Chamberlinsche Tangentenlösung)

Im Unterschied zur Tangentenlösung von Chamberlin geht Erich Gutenberg davon aus, dass die individuellen Preis-Absatz-Funktionen aufgrund der Präferenzen doppelt geknickt sind, also das sich ein monopolistischer Bereich in der polypolistischen Preis-Absatz-Funktion befindet (Gutenberg-Funktion).[3]

Das Modell[Bearbeiten]

Charakteristika[Bearbeiten]

  • Im Rahmen der Produktdifferenzierung werden Güter auf den Markt gebracht, die unvollkommene Substitute darstellen. In einigen Fällen ist der Unterschied allein für den Kunden erkennbar, welcher über Qualitäts- und Preisunterschiede wie auch Markenverbundenheit konsumiert.
Beispiel: Kellogg´s Cornflakes und ein No-Name-Produkt weisen den gleichen Zweck auf, aber sind über oben genannte Charakteristika zu unterscheiden.
  • Bei der Preispolitik wird unterstellt, dass sich die Unternehmen wie Monopolisten verhalten. Je größer der Grad der Produktdifferenzierung, desto unabhängiger kann der Preis gestaltet werden. Weiterhin ist die Preispolitik über spezielle Kundenprogramme, wie Studenten- oder Seniorentarife, Rabattaktionen und auch über eine generelle Preiseinstufung differenziert.
  • Die Unternehmen werden als symmetrisch angesehen, d. h. sie haben identische Nachfrage- und Kostenfunktionen.[4]
  • Es gibt in diesem Modell keine Markteintrittsbarrieren, im Gegenteil sorgt das nichtvorhandensein dieser dafür, dass sich ein Preis gleich den Durchschnittskosten einpendelt. Ist der Preis oberhalb der Durchschnittskosten, so treten neue Akteure in den Markt ein, fällt er bei einer Firma darunter, so treten die Betroffenen aus dem Markt aus. Die trotzdem entstehenden Gewinne (Preis über Grenzkosten) resultieren, im Krugman-Modell daraus, dass die Nachfrageelastizität hier einen Bereich auf der Preis-Absatz-Funktion erlaubt, indem die Kunden weniger schnell den Anbieter wechseln als das jeweilige Unternehmen den Preis erhöht. In diesem Bereich ist also die Preiselastizität der Nachfrage (\sigma :=  \frac{dc_i}{dp} \cdot \frac{p}{c_i}) nicht negativ größer als -1; wodurch eine Preiserhöhung um 1 zu einem Nachfragerückgang kleiner 1 führt.[5]
  • Charakteristisch für diese Art des Wettbewerbs ist, dass hier die Auswirkungen einer Preiserhöhung der eigenen Produkte auf die Preise der Konkurrenten ausgeblendet werden; jede Firma nimmt die Preise der Konkurrenten als gegeben hin. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Oligopol.[6]

Grundannahmen[Bearbeiten]

Je höher die Nachfrage nach einem Produkt ist und je höher der Preis der Konkurrenten, desto größer ist der Absatz. Folglich kann man annehmen, dass der Absatz mit steigender Anzahl an Mitbewerbern sinkt. Unter der Annahme, dass alle Unternehmungen der Branche symmetrisch sind, ergibt sich für alle Unternehmen eine identische Nachfrage und Kostenfunktion.

Marktgleichgewicht[Bearbeiten]

Abb.[7]: Marktgleichgewicht bei monopolistischer Konkurrenz.

Das Marktgleichgewicht beim monopolistischen Wettbewerb betrachtet neben dem Angebot und der Nachfrage auch die Anzahl der Anbieter im Marktgleichgewicht.

  1. Unternehmensanzahl und Durchschnittskosten:
    Die Kostenfunktion sagt aus, dass sich die Durchschnittskosten (AC) mit steigender Anzahl an Konkurrenten erhöhen, da das einzelne Unternehmen weniger produziert und absetzt. Demzufolge ist die CC-Kurve steigend.
  2. Anzahl der Unternehmungen und der Preis:
    Mit steigender Anzahl der Unternehmen (n) sinkt der Preis (P), den jeder einzelne Anbieter verlangen kann. Dadurch ergibt sich eine fallende PP-Kurve.
  3. Verhältnis von PP und CC:
    Links vom Gleichgewichtspunkt (GG) macht die Branche Gewinne wodurch neue Anbieter angezogen werden. Befindet sich der Markt rechts vom Punkt GG sind Verluste zu verzeichnen und es erfolgen Abwanderungen aus der Branche.
  4. Anzahl der Unternehmen im Gleichgewicht
    Der Punkt GG stellt das langfristige Gleichgewicht dar. Hier schneiden sich die PP-Kurve und die CC-Kurve. In der obigen Abbildung ist dies in n und AC,P. In: diesem Punkt erzielt die Branche keine Gewinne aber auch keine Verluste, da die Durchschnittskosten gleich dem Preis sind.

Beschränkungen[Bearbeiten]

Das Modell des monopolistischen Wettbewerbs gilt nur für wenige Branchen. Die Annahme, dass sich jedes Unternehmen als „echter“ Monopolist verhält ist für die Realität nicht aufrechtzuerhalten. Vielmehr sind sich die einzelnen Anbieter über ihren Einfluss auf das Verhalten der Konkurrenten bewusst. Im Modell des monopolistischen Wettbewerbs werden zwei typische Verhaltensmuster des Oligopols ausgeschlossen. Zum einen das abgestimmte Verhalten (Kollusion), welches für die Konsumenten ungünstig ist, da hier der Preis oberhalb des kalkulierten Gewinnniveaus gehalten wird. Die Abstimmung kann durch explizite Verträge oder stillschweigende Koordinationsstrategien erfolgen. Die zweite Möglichkeit ist das strategische Verhalten, das Marktschranken errichtet, indem zusätzliche Kapazitäten eingerichtet werden. Diese gezielten Entscheidungen mindern zwar den Gewinn, beeinflussen aber das Verhalten der Konkurrenz und halten potentielle Rivalen vom Markteintritt ab. Ein Modell beschränkt sich immer nur auf die wesentlichen Faktoren um die Realität vereinfacht darzustellen. So ist auch hier eine Vereinfachung für das Verständnis besonders in Bezug auf den Außenhandel und im Rahmen der Globalisierung der Märkte von großer Bedeutung.

Modellerweiterung: Außenhandel[Bearbeiten]

Der internationale Handel vergrößert den Markt, vom nationalen Markt zum Weltmarkt. Durch die „neue“ Marktgröße ist ein Wegfall der Beschränkung der vorherigen Produktionsmenge zu verzeichnen. Neben der produzierten und abgesetzten Menge erweitert sich auch die Gütervielfalt, die den Konsumenten geboten werden kann. Auf einem größeren Markt ist mehr Platz für eine höhere Anzahl an Unternehmungen und der Spielraum des Preises verändert sich. Auch wenn zwischen den Unternehmen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Ressourcen oder Technologie bestehen, sind wechselseitige Vorteile vorhanden. Diese können sich im Rahmen der Opportunitätskosten ergeben, da ein Land für ein Produkt ggf. geringere Produktionskosten aufweist als ein anderes. Weitere Vorteile großer Märkte sind auf der Anbieterseite eine größere Anzahl an Unternehmen, die auch einen höheren Absatz erzielen können. Auf der Konsumentenseite sind niedrigere Preise und eine größere Produktvielfalt signifikant.

Auswirkungen einer Vergrößerung des Marktes[Bearbeiten]

Abb.[8]: Marktvergrößerung durch Außenhandel

Vergleicht man zwei Märkte mit unterschiedlichem Gesamtabsatz zeigt sich, dass die CC-Kurve des größeren Marktes unterhalb der des kleineren Marktes liegt. Das heißt, dass mehr Anbieter auf dem Markt agieren können, damit die Produktvielfalt steigt und der Preis gleichzeitig sinkt. Mit dem Preis sinken auch die Durchschnittskosten (AC) der Anbieter.

Da in der Formel für den Preis der Gesamtabsatz nicht berücksichtigt ist, verschiebt sich die PP-Kurve aufgrund einer Marktvergrößerung nicht (P = c + \frac{1}{(b * n)}).

Schlussfolgerung[Bearbeiten]

Durch eine Marktvergrößerung haben Unternehmen die Möglichkeit die Produktion zu steigern und dabei die Durchschnittskosten zu senken. Deutlich wird dies durch die Abwärtsverschiebung der CC - Kurve, vom Punkt GG1 nach GG2. Die steigende Anzahl an Unternehmen bei gleichzeitig sinkenden Preisen ist die Folge. Die Situation in Punkt GG1, mit wenig Produktauswahl und relativ hohen Preisen, ist für die Konsumenten schlechter als die Situation in Punkt GG2, mit geringeren Preisen und mehr Auswahl.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Ein Bäcker steht an sich im Wettbewerb mit sehr vielen Konkurrenten, die seinen Preissetzungsspielraum erheblich einengen. Der einzige Bäcker in einem Stadtteil kann jedoch einen etwas höheren Preis nehmen als seine umliegenden Wettbewerber, da seine Kunden eine räumliche Präferenz haben, da sie beim Einkauf eines Gutes des täglichen Gebrauchs große Wege scheuen. Erst wenn der lokale Bäcker deutlich teurer ist als seine Konkurrenten, lohnt sich für den Kunden der weitere Weg.
  • Die Automobilindustrie in Europa[9] entspricht dem Marktmodell des monopolistischen Wettbewerbs, da es neben einer Vielzahl an Herstellern, wie beispielsweise Ford, General Motors, Volkswagen, Renault, Peugeot, Fiat u.a., auch eine große Zahl an Fahrzeugmodellen und -klassen gibt.
  • Weitere Beispiele, die sich aufgrund von Produktdifferenzierung dem monopolistischen Wettbewerb zuordnen lassen, sind: Markt für Zahnpasta, Waschmittelmarkt, Kaffeemarkt, Einzelhandel.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pindyck/Rubinfeld (2005): Mikroökonomie, 6. Auflage. München: Pearson, S. 570.
  2. Seidel/Temmen (2000): Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 18. überarb. Auflage. Bad Homburg vor der Höhe: Gehlen, S. 126.
  3. Gabler Wirtschafts-Lexikon.- Taschenbuch-Kassette mit 6 Bd., 12. neu bearb. und erw. Auflage. Wiesbaden: Gabler, Band 4, L-P, S. 471 und 472.
  4. Krugman; Obstfeld (2006): Internationale Ökonomie. Pearson Verlag, München: S. 167-170
  5. Krugman; Obstfeld (2006): Internationale Ökonomie. Pearson Verlag, München: S. 167-170; Kempa,Bernd (2012): Internationale Ökonomie. Kohlhammer Verlag, Münster: S. 117-122.
  6. Krugman; Obstfeld (2006): Internationale Ökonomie. Pearson Verlag, München: S. 167-170
  7. Krugman/Obstfeld, S. 170.
  8. Krugman/Obstfeld, S. 174.
  9. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage. München: Pearson, S. 167 ff.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]