Monstranz
Eine Monstranz (von lat. monstrare „zeigen“) ist ein kostbares, mit Gold und Edelsteinen gestaltetes liturgisches Schaugerät mit einem Fensterbereich, in dem eine konsekrierte Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird. Monstranzen gibt es seit dem 13. Jahrhundert.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Typen
Die Kunstgeschichte unterscheidet drei Typen: Die Turm-, Altarretabel- oder Laternenmonstranzen – seit der späten Gotik zur sichtbaren Aufbewahrung im Sakramentshaus −, die Scheibenmonstranz der Renaissance und die Sonnen- oder Strahlenmonstranzen insbesondere des Barocks, eine Weiterformung der Scheibenmonstranz.
Aufgebaut ist eine Monstranz aus Fuß, Schaft und Aufsatz. Die halb- oder auch kreisrunde Vorrichtung zur Befestigung der Hostie im Aufsatz heißt wegen ihrer halbmondartigen Form Lunula (von lat. luna „Mond“).
Die Ausschmückung kann so weit gehen, dass die ganze Monstranz figürlich ausgebildet ist, etwa als Lebensbaum, Wurzel Jesse oder mit den Heiligenfiguren. Eine weitere Besonderheit ist eine Statuenmonstranz, bei der die Gottesmutter dargestellt ist, die Jesus in der Gestalt der Hostie in ihrem Leib birgt. Eine Sonderform ist die bis zu drei Meter hohe, mehrgeschossige Monstranz, die in Spanien und Portugal, auf einem Wagen oder von mehreren Personen getragen, bei Prozessionen mitgeführt wird.
[Bearbeiten] Verwendung
Für die Monstranz kann jede konsekrierte Hostie verwendet werden, doch werden meist besonders große oder mit einem geprägten Bild verzierte Zelebrationshostien in die Monstranz eingesetzt.
Die katholische Kirche verwendet die Monstranz im Rahmen von Sakramentsprozessionen vor allem an Fronleichnam, bei der eucharistischen Anbetung und zur Segensandacht. Bei der Prozession und beim eucharistischen Segen hält der Priester oder der Diakon die Monstranz nicht mit bloßen Händen, sondern verhüllt seine Hände mit einem Schultertuch, dem Velum. Die Verhüllung der Hände ist ein antiker Ehrfurchtsgestus und dient außerdem zum Schutz der kostbaren Metallgeräte. Die Monstranz wird dann erhöht ausgesetzt, sodass sie von allen Anwesenden gesehen werden kann. Mit der Monstranz wird der eucharistische Segen erteilt. Vor der Spendung des Segens wird in der Liturgie das Tantum ergo gesungen.
Wenn das Allerheiligste nicht ausgesetzt ist, wird es in der Kustodia im Tabernakel aufbewahrt.
[Bearbeiten] Andechser Dreihostienmonstranz
Eine ganz besondere Monstranz befindet sich in der Kloster- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus und Elisabeth in Andechs. Darin befinden sich drei in Bergkristall eingelegte Hostien, die auf Papst Leo IX. und Papst Gregor I. den Großen zurückgehen. Auf den konsekrierten Hostien seien folgende blutende Zeichen erschienen: ein Fingerglied, ein Kreuz und die Inschrift IHS. Diese Dreihostienmonstranz bildet den Mittelpunkt des Andechser Reliquienschatzes.
[Bearbeiten] Ähnliche liturgische Gefäße
Es gibt auch Reliquiare, die monstranzförmig sind und in denen Reliquien aufbewahrt und gezeigt werden. Gesegnete Andachtsbilder, die keine Reliquien im eigentlichen Sinne sind, werden in einem Ostensorium aufbewahrt, das äußerlich ebenfalls einer Monstranz ähnlich sein kann.
[Bearbeiten] Die Monstranz als ikonographisches Heiligenattribut
- Klara von Assisi († 1253): Monstranz oder auch Kelch, da sie die Sarazenen mit dem Allerheiligsten aus dem Kloster von San Damiano in Assisi vertrieb
- Eleutherius († 531): mit einer Monstranz das Volk segnend
- Franziska von Rom († 1450): vor einer Monstranz kniend, deren Strahlen ihr Herz treffen
- Hugo von Rouen († 730): mit der Monstranz den Teufel austreibend
- Antonius von Padua
- Barbara von Nikomedien
- Paschalis Baylon
- Franz von Berja
- Norbert von Xanten
- Thomas von Aquin
[Bearbeiten] Literatur
- Rudolf Pfleiderer: Die Attribute der Heiligen, Ulm 1898
- F. X. Noppenberger: Die eucharistische Monstranz des Barockzeitalters, Dissertation, München 1958
- L. Perpeet-Frech: Die gotische Monstranz im Rheinland, Düsseldorf 1964
- Lexikon für Theologie und Kirche, Band VII, Sonderauflage, Herder, Freiburg i. Br. 2006, Spalten 432f., dort weitere Literaturangaben