Montreux Jazz Festival

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Logo des Montreux Jazz Festivals
Claude Nobs mit der Charlie Morris Band beim Montreux Jazz Festival 2007

Das Montreux Jazz Festival ist ein jährlich im Juli stattfindendes Musikfestival in Montreux (am Genfersee) im Kanton Waadt in der Schweiz. Das Festival ist eines der renommiertesten in Europa und das grösste in der Welt nach dem kanadischen Montreal International Jazz Festival. Seit 2013 wird das Festival von Mathieu Jaton geleitet.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1967 auf Initiative des Pianisten Géo Voumard (1920–2008; zeitweise bei Hazy Osterwald, schon in den 1950er-Jahren mit eigener Radiosendung) und des Radio-Journalisten Lance Tschannen gegründet, entwickelte sich das Montreux Jazz Festival unter Leitung des damaligen stellvertretenden Direktors des Fremdenverkehrsvereins von Montreux, Claude Nobs (der das Festival bis zu seinem Tod 2013 leitete), bald zu einem bekannten Musikfestival in Europa.

Jazzmusiker wie Les McCann, Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Count Basie, Charles Lloyd (dessen Quartett mit Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette 1967 auf dem ersten Festival spielte), Art Blakey, Dexter Gordon, Oscar Peterson, Monty Alexander, Herbie Hancock, Lionel Hampton, Lester Bowie, Wynton Marsalis, Randy Brecker, Carmen McRae, Pat Metheny, Pasadena Roof Orchestra, Gil Evans (1974), Keith Jarrett u. a. pilgerten viele Sommer zu ihren teilweise einzigen Europaauftritten nach Montreux.

Zwar deutet der Name auf den programmatischen Schwerpunkt Jazz hin, doch traten schon früh auch Musiker aus dem Rock- und Popbereich auf. Auf der Künstlerliste des Festivals stehen Musiker wie Marianne Faithfull, Led Zeppelin, Frank Zappa, Queens of the Stone Age, Simon & Garfunkel, Mike Oldfield, Sonic Youth, Jethro Tull, Carlos Santana, Audioslave, Peter Tosh, Roberta Flack, Leonard Cohen, Ofra Haza, James Brown, John Lee Hooker, Paolo Conte, Nina Corti, Etta James, Johnny Cash, Van Morrison, Marvin Gaye, George Benson, Keziah Jones, Stevie Ray Vaughan, Rory Gallagher, Albert King, Deep Purple, Prince, Muse, Radiohead, Talk Talk, Ray Charles, Toto, Miss Kittin, Herbert Grönemeyer, und The Hacker, The Moody Blues.

Norman Granz setzte in den 1970er-Jahren seine früheren Erfolge mit der Reihe Jazz at the Philharmonic mit der Organisation von Jazz at Montreux Konzerten im Jamsession-Stil fort, unter anderem mit Count Basie, Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, Milt Jackson, Roy Eldridge, Benny Carter, Mary Lou Williams, Ray Bryant und Ray Brown.

Mittlerweile kommen alle Jahre internationale Jazz-, Rock- und Popgrössen, aber auch regionale und lokale Musiker zum offiziellen Festivalprogramm oder zum ebenfalls umfangreichen Off-Festival auf die insgesamt 17 Bühnen, darunter das Auditorium Stravinski und die Miles Davis Hall.

Nachdem das erste Festival nur drei Tage dauerte, vergrösserte es sich Jahr für Jahr, bis es 1977 seine Rekordlänge mit 23 Tagen erreichte. Inzwischen hat sich das Programm, das jährlich über 200.000 Besucher nach Montreux lockt, bei etwa 16 Tagen etabliert.

2006 gestaltete der Maler Burton Morris die offiziellen Festival-Plakate. Das Eröffnungskonzert des Jazzfestivals am 30. Juni 2006 fand zu Ehren des legendären türkischen Jazzproduzenten Nesuhi Ertegün und seines Bruders, des Gründers von Atlantic Records, Ahmet Ertegün statt.

1980 bis 1991 hatten sie einen Austausch mit dem Detroit International Jazz Festival (damals Montreux Detroit Jazz Festival genannt).

Rezeption[Bearbeiten]

Der Charme des von Kritikern gelegentlich als Supermarkt bezeichneten Programms liegt in der Fülle und Parallelität von Jazz, Pop, Rock, Weltmusik, insbesondere aus Brasilien, und anderem in kurzer Zeit am selben Ort. Die gegenüber der konservierten Musik grösseren Freiheitsgrade bei Liveauftritten generell und in Montreux zusätzlich die verbindende Kommunikationsfreude des Festivalleiters Claude Nobs verleiten auch Stars nicht selten zu musikalischen Grenzgängen und stilübergreifenden Jamsessions. Einige sind auf mittlerweile historischen Plattenaufnahmen dokumentiert wie beispielsweise auf Casino Lights – Live at Montreux (Warner, 1982) oder schrieben Musikgeschichte wie der gemeinsam von Queen und David Bowie bei einer Jam-Session entstandene Song Under Pressure.

Kritik rief 2012 der Auftritt des aserbaidschanischen Erdölkonzerns SOCAR als einer der Hauptsponsoren hervor.[2]

In Montreux entstandene Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten]

Sämtliche Konzerte des Montreux Jazz Festivals werden in voller Länge aufgezeichnet. Daraus ist ein Ton- und Filmarchiv entstanden, das Aufnahmen von über 4000 Bands umfasst, die in den letzten 40 Jahren in Montreux aufgetreten sind. Diese Sammlung von Audio- und Videobändern ist 2013 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen worden.[3] Unter den veröffentlichten Aufnahmen befinden sich:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Montreux Jazz Festival – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mathieu Jaton übernimmt Nachfolge von Claude Nobs
  2. Sponsor Socar trübt Bilanz des Montreux Jazz Festivals, TagesWoche vom 13. Juli 2012
  3. Claude Nobs’ Vermächtnis als Unesco-Welterbe, Neue Zürcher Zeitung, 19. Juni 2013