Morane-Saulnier AI

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Morane-Saulnier AI
Ferte-Alais Air Show 2004 19.jpg
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland: FrankreichFrankreich Frankreich
Hersteller: Morane-Saulnier
Erstflug: 1917
Indienststellung: 1917
Produktionszeit: 1917–1918
Stückzahl: 1.210

Die Morane-Saulnier AI war ein französisches Schirmeindecker-Jagdflugzeug und kam ab 1918 im Ersten Weltkrieg zum Einsatz.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nachdem im Herbst 1915 die Morane-Saulnier-N-Kampfeinsitzer durch die überlegene Nieuport 11 „Bébé“ ersetzt wurden, verlegte sich Morane-Saulnier 1916 auf die Produktion von Aufklärungsflugzeugen. Dazu zählten neben der zweimotorigen Morane-Saulnier T der Doppeldecker BB und der Schirmeindecker Morane-Saulnier P. Erst 1917 versuchten Robert und Léon Morane zusammen mit Raymond Saulnier erneut, einen Kampfeinsitzer zu bauen: Die Doppeldecker AF und sein Pendant als Schirmeindecker – die AI– entstanden. Die AF besaß den 120-PS-Le-Rhône-9J-Umlaufmotor sowie nach hinten abgewinkelte Tragflächen mit Querstreben und den für Morane typischen runden, leinwandbespannten Rumpf mit dem dreieckförmig auslaufenden Heckleitwerk.

Einsatz[Bearbeiten]

Während die vermutlich weniger leistungsfähige AF offensichtlich nicht in Serie ging, wurde die AI als M.S.27 C-1 (C = Kampfflugzeug) in Serienproduktion gegeben und Ende 1917 ausgeliefert. Die Maschine wurde entweder vom 120-PS-Le-Rhône- oder dem 160-PS-Gnôme-Monosoupape-9N-Umlaufmotor[1] angetrieben, der mit einer runden Motorhaube verkleidet war, in der unteren Hälfte mit sieben Löchern zur Motorkühlung. Zur besseren Sicht war in der oberen Tragfläche ein halbkreisförmiger Ausschnitt über dem Cockpit freigelassen worden. Mit Ausnahme des holzverkleideten Segments zwischen Motorhaube und Cockpit waren die hölzernen Rahmenteile, Streben und Flügelrippen stoffbespannt. Auffällig war die unkonventionelle Verstrebung, die Tragfläche und Rumpf miteinander verband. Wie auch andere Morane-Saulniers wurde der vordere Fahrwerksrahmen durch eine zusätzliche V-Strebe verstärkt.

Die Maschine wurde in der Version M.S.27 C-1 mit einem oder bei der Ausführung M.S.29 C-1 mit zwei starr nach vorn gerichteten synchronisierten Vickers-MGs bewaffnet.

Zunächst erhielt die Escadrille 156 im Januar 1918 die neuen AI. Trotz einiger Stabilitätsprobleme schätzten die Piloten deren gute Handhabung. Einzelne AI liefen auch anderen Staffeln zu (Escadrille 158, Escadrille 161).[2] Dennoch blieb die Kritik bestehen, die Morane Saulnier AI leide neben unterlegener Motorleistungen an einer zu schwach gebauten Zelle – den Kunstfliegern Fronval und Joyce gelang es später, hintereinander 1.111 Loopings zu fliegen, was nachdrücklich diese Behauptung widerlegte. Im März 1918 wurden die verbliebenen AI in den Fronteinheiten durch SPAD S.XIII[3] ersetzt und an Ausbildungseinheiten abgegeben.

Etwa 1.100 AI, die meisten unter der Bezeichnung M.S.30 E-1 (E = Schulflugzeug)[4] mit 120-PS-Le-Rhône-Umlaufmotor wurden hergestellt, davon erhielten die American Expeditionary Forces 55,[5] die belgische Fliegertruppe drei Stück als Jagdtrainer.

Nach dem Krieg wurden viele AI – überwiegend ummotorisiert auf 130-PS-Clerget-Umlaufmotoren – noch jahrelang weiterverwendet.

Varianten[Bearbeiten]

M.S. 27 C-1
Serienflugzeug mit einem Vickers-MG 0.303in (7,7 mm)
M.S. 29 C-1
Serienflugzeug mit zwei Vickers-MG 0.303in (7,7 mm)
M.S. 30 E-1
Fortgeschritten-Schulflugzeug mit 120-PS-Le-Rhone-9Jb- oder 135-PS-Le-Rhone-9Jby-Umlaufmotor
M.S. 30 E-1bis
Fortgeschritten-Schulflugzeug mit 90-PS-Le-Rhone-9Jby-Umlaufmotor

Einsatzländer[Bearbeiten]

BelgienBelgien Belgien
FrankreichFrankreich Frankreich
JapanJapan Japan
PeruPeru Peru
PolenPolen Polen
RusslandRussland Russland
SchweizSchweiz Schweiz
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Verbliebene Exemplare[Bearbeiten]

Drei AI sind heute noch in flugfähigem Zustand in La Ferté-Alais[6]: Die N°1567 wurde von der Memorial Flight Association 1991 restauriert und flog erstmals wieder 1993. Sie trägt die Abzeichen der Escadrille 160 „les Diables rouges“ („Die roten Teufel“). Die zweite flog erstmals 2006 mit der Farbgebung des Flugzeugs von Charles Nungesser. Eine dritte Maschine befindet sich noch in der Restaurierung.[7]

Technische Daten[Bearbeiten]

Morane-Saulnier Type AI (M.S. 27 bzw. 29 C-1):
Kenngröße Daten[8]
Länge    5,63  m
Flügelspannweite    8,50 m
Tragflügelfläche    13,39 m²
Höhe    2,41 m
Antrieb    1 × Umlaufmotor Le Rhône (120 PS) oder Gnôme 9N Monosoupape (160 PS)
Höchstgeschwindigkeit    208 km/h in 2.000 m
Steiggeschwindigkeit    2.000 m in 2 min 55 sec
Reichweite     km
Flugdauer    2,5 h
Besatzung    ein Pilot
Dienstgipfelhöhe    7.000 m
Leergewicht    414 kg
Fluggewicht    650 kg
Max. Startgewicht    674 kg
Bewaffnung    1–2 × 7,7-mm-Vickers-MG
Stückzahl    ca. 110

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lt. Munson, a.a.O., wurden beide Typen mit 100-PS-Gnôme-Monosoupape-9N-Umlaufmotor angetrieben
  2. vgl. [1]
  3. vgl. Holmes, a.a.O., S. 36
  4. vgl. Lamberton, a.a.O., S. 84
  5. lt. Munson, a.a.O., nur 51 Stück
  6. vgl. Donald a.a.O.
  7. vgl. [2]
  8. Holmes, a.a.O. S. 36

Literatur[Bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9.
  • David Donald: The Encyclopedia of World Aircraft. Prospero Books, 1997, ISBN 1-85605-375-X, S. 659.
  • Tony Holmes: Jane's Vintage Aircraft Recognition Guide. Harper Collins, London 2005, ISBN 0 0071 9292 4.
  • Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs 1914–1918. München 1973, ISBN 3-453-00404-3.
  • W.M. Lamberton: Fighter Aircraft of the 1914–1918 War. Harleyford Publications Ltd., Hertfordshire 1960, S. 84–85.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914–19. Orell-Füssli Zürich 1968.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–18. München 1959.
  • Ray Rimell: Windsock Mini Datafile. Albatros Productions Limited, Berkhamsted.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Morane-Saulnier AI – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien