Morbus Whipple

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Klassifikation nach ICD-10
K90.8 Sonstige intestinale Malabsorption
– Whipple-Krankheit
M14.8* Arthropathien bei sonstigen näher bezeichneten, anderenorts klassifizierten Krankheiten
– Arthritis bei Whipple-Krankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Morbus Whipple (Whipple-Krankheit, intestinale Lipodystrophie; engl.: Whipple’s disease; 1907 erstmals beschrieben von und benannt nach George Hoyt Whipple,[1] 1878–1976, Pathologe aus Rochester (New York)) ist eine seltene Erkrankung des Dünndarms. Sie wird durch das 1991/1992 identifizierte Bakterium Tropheryma whipplei aus der Gruppe der Aktinomyzeten verursacht. Seit 2003 ist das komplette Genom des Bakteriums sequenziert und analysiert. Bevorzugt sind Männer im Alter zwischen 30 und 60 Jahren betroffen (Androtropie), Kinder und Jugendliche dagegen anscheinend nicht. Auffällig ist auch ein mit der Krankheit vergesellschafteter Immundefekt, wobei nicht geklärt ist, ob dieser Ursache oder Folge der Infektion ist.

Pathogenese (Krankheitsentstehung)[Bearbeiten]

Wahrscheinlich über die orale Aufnahme gelangen die Bakterien (Tropheryma whipplei) in den Magen und oberen Dünndarmabschnitt. Dort werden sie von Makrophagen phagozytiert, bleiben in der Schleimhaut (Mukosa) liegen und verursachen einen Lymphstau. Dadurch wird die Nährstoffaufnahme durch die Darmwand gehemmt und es kommt zum Malabsorptionssyndrom. Verquollene Darmzotten, atrophisches (verdünntes) Epithel und weite Lymphgefäße bestimmen das histologische Bild. In der Mukosa liegen Speicherzellen mit Lipidtropfen und anfärbbaren Bakterien im Zytoplasma. Die Speicherzellen (Makrophagen) erscheinen in der PAS-Färbung leuchtend rot.

Symptome[Bearbeiten]

Intestinale Symptome[Bearbeiten]

Extraintestinale Symptome[Bearbeiten]

Diagnostik[Bearbeiten]

Morbus Whipple im Präparat einer Biopsie
  • Bis 1992 ausschließlich eine Biopsie (Schleimhautprobe) mit histopathologischer Untersuchung
  • heute auch Gennachweis von Tropheryma whipplei
  • die infizierten Dünndarmzellen mutieren teilweise zu SPC-cells, Sickle Particle Containing Cells
  • Nachweis von Tropheryma whipplei aus Liquor cerebrospinalis (Nervenwasser) durch PCR
  • Erhöhung der Entzündungswerte (BSG, CRP)
  • Anämie (Blutarmut), Leukozytose
  • 10-20 % der Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn entwickeln zusätzlich einen M. Whipple.

Therapie[Bearbeiten]

Klassische Antibiotika zur Therapie dieser bakteriellen Infektionskrankheit sind bzw. waren Chloramphenicol, Penicillin, Streptomycin und Cotrimoxazol. Zwar kann hierdurch eine wirksame Bekämpfung der extrazerebralen Infektion möglich sein; dennoch kann es noch Jahre später zu einem erneuten, diesmal vom Gehirn ausgehenden Krankheitsausbruch kommen.

Das in der Literatur empfohlene Behandlungsschema wird bezüglich der zu verwendenden Antibiotika[2] und der Medikationsdauer[3] durch Studien in Frage gestellt. Bislang galt als Therapie der ersten Wahl die Gabe eines liquorgängigen Breitspektrumantibiotikums (z. B. Ceftriaxon) über zwei Wochen. Daran sollte eine Erhaltungstherapie bzw. Rezidivprophylaxe mit Cotrimoxazol (1. Wahl) oder Tetracyclin über Monate bis hin zu zwei Jahren angeschlossen werden.

Zusätzlich sollte eine angemessene Substitution von Elektrolyten, Vitaminen und Spurenelementen erfolgen. Der Therapieerfolg kann durch Kontrollendoskopien überwacht werden.

Prognose[Bearbeiten]

In den meisten Fällen verläuft der Morbus Whipple ohne Behandlung tödlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • B Desnues, M Ihrig, D Raoult, JL Mege: Whipple’s disease: a macrophage disease. In: Clin Vaccine Immunol., 2006 Feb, 13(2), S. 170–178. Review, PMID 16467322.
  • F Dutly, M Altwegg: Whipple’s disease and “Tropheryma whippelii”. In: Clin Microbiol Rev., 2001 Jul, 14(3), S. 561–583. Review, PMID 11432814.
  • F Fenollar, D Raoult: Whipple’s disease. In: Clin Diagn Lab Immunol., 2001 Jan, 8(1), S. 1–8. Review, PMID 11139188.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G.H. Whipple: A hitherto undescribed disease characterized anatomically by deposits of fat and fatty acids in the intestinal and mesenteric lymphatic tissues. In: Bulletin Johns Hopkins Hosp., 1907, 18, S. 382–391.
  2. jac.oxfordjournals.org
  3. journals.lww.com
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